03. Tag:  Harderwijk - Amsterdam

 Datum  km  Σ Km  Hm  Σ Hm  Übernachtung
 16.06.2017  90  295  180  760  Camping Badhoeve

 

Reise radeln war etwas Besonderes, man wusste vorher nie, was der Tag so brachte, die kleinen Erlebnisse unterwegs und die sich verändernde Landschaft nahmen uns den ganzen Tag in Anspruch. Man sah ständig neue Dinge, betätigte sich körperlich und war abends so müde, dass man durchaus um 21:00 Uhr schon schlafen konnte.

Am dritten Tag war es schon zur Gewohnheit geworden, sich noch vor dem Zelt einen Kaffee zu kochen, ein Müsliriegel dazu musste reichen, eine Bäckerei wollten wir in Harderwijk aufsuchen. Im Zentrum von Harderwijk, direkt an der Ecke wo die Kleine Markstraat auf die Hoogstraat trifft, fanden wir eine Bäckerei. Sehr schön eingerichtet und mit einer Bank direkt vor dem Geschäft war das der ideale Ort, um endlich unser Frühstück zu genießen. Die Vögel um uns herum waren relativ zutraulich, zu häufig waren sie dort wohl schon in den Genuss einiger Brotkrumen gekommen. Es war ein richtig schöner Morgen, wir ließen uns viel Zeit, beobachteten ein wenig die Frühaufsteher und machten uns erst eine halbe Stunde später auf den weiteren Weg.

Am Markplatz hatten wir noch einen kurzen Halt, erstellten ein paar Fotos und verließen den Ort dann auf der Seeseite immer an der alten Stadtmauer entlang. Dem Zeepad folgend sahen wir immer wieder kleinere Strände, es war noch sehr ruhig dort, nur wenige Menschen waren dort unterwegs.

Danach kam der Abschnitt, an dem es wenige Kilometer an der Autobahn A28 entlangging. Das war nicht so schön, lies sich aber ohne einen größeren Umweg nicht umfahren. In dem Bereich trafen wir auch auf die großen Fahrräder, die auf den Fotos zu sehen sind. Werner konnte es nicht lassen, einmal hochzuklettern, dass stellte sich aber als schwieriger heraus, als von unten zu sehen war.

Nach Westen auf dem Zeedijk radelnd wurde wir etwas später auf ein Gebäude aufmerksam, dass etwas abseits vom Deich lag. Während wir auf dem Deich kaum einen Menschen getroffen hatten, sahen wir vor dem Gebäude einige Kinder und Erwachsene, wussten aber nicht, was es dort zu sehen gab. Selbstverständlich folgten wir dem Stichweg und trafen auf eine alte Mühle mit dem Namen „Stoomgemaal Hertog Reijnout“. Die Mühle war keine Mühle im klassischen Sinn, sie diente zur Entwässerung der Polderfläche in der Zuidersee und ging im Jahr 1863 in Betrieb. Bereits 19 Jahre später wurde ihr Betrieb eingestellt, weil sie durch die von der Firma Backer und Rueb gebaute Dampfmaschine ersetzt wurde.  Die Dampfmaschine, die noch heute zu sehen ist, war dann tatsächlich 101 Jahre in Betrieb. Erst 1983 wurde sie durch eine elektrische Pumpstation ersetzt. Etwa 12 Tage pro Jahr wurde die Dampfmaschine heute noch für Vorführzwecke unter Dampf gesetzt, so erklärte sich für uns auch die Tatsache, warum im Dampfmaschinenraum so viele Kinder mit ihren Lehrern saßen.

Auf dem kurzen Stichweg trafen wir auf dem Rückweg zum Zeedijk noch ein frisch vermähltes Hochzeitspaar. Die alte Mühle sollte wohl als Hintergrund für schöne Hochzeitsfotos dienen. Wir gratulierten ihnen kurz, fotografierten das Paar und machten uns dann aber auf den weiteren Weg in Richtung Amsterdam.

Auf dem weiteren Weg kamen wir in den kleinen Ort Spakenburg, der einen mittelalterlich wirkenden Hafen mit einer alten Werft besitzt. Die Spakenburger waren seit dem 14. Jahrhundert arme, aber freie Fischer. In der Zeit haben sie in der Zuidersee mit bis zu 200 Schiffen (Botter) gefischt.  Die eichenhölzernen Plattbodenschiffe, die man im alten Hafen sieht, werden noch heute in der alten Werft repariert.

In Eemdijk ging es einmal mit einer kleinen Fähre über den Fluß Eem, bevor wir in Huizen dann auf einige in die See gebaute futuristisch wirkende Häuser trafen. Da hatte sich wohl ein Architekt ausgetobt, leider aber vergessen, genügend Fenster einzubauen.

Etwas überrascht waren wir, als wir auf der folgenden eigentlich fast schon einsamen Strecke vor Naarden einen Freizeitpark sahen. Das Gekreische der Kinder im „Old Valkeveen“ war schon von weitem zu hören. Der Park blickte wohl auf eine lange Geschichte zurück. Angefangen hatte es im 19. Jahrhundert, als ein reicher Amsterdamer dort eine Pfannkuchenfarm baute. Dort fanden Pferderennen statt und als Köstlichkeit wurden während des Rennens die Pfannkuchen gereicht. Später kam dann ein Spielplatz hinzu, der immer weiter ausgebaut wurde und der Vorläufer des heutigen Freizeitparks war.

In Naarden (Gooi Region) trafen wir auf eine wunderschöne Stadt, die eine der besten erhaltenen Festungsanlage Europas besitzt. Die Festungsanlage besitzt eine sternförmige Ausrichtung der Mauern, die komplett von einem Grabensystem umgeben sind. Zu sehen gibt es dort darüber hinaus die unterirdischen Kasematten, einige historische Gebäude, eine gotische Basilika aus dem 14. und 15. Jahrhundert, sowie die St. Vituskirche im Zentrum der Stadt.

Über Muiderberg und Muiden erreichten wir am späten Nachmittag den nordöstlich von Amsterdam gelegenen Campingplatz Badhoeve. Zuvor hatten wir noch einen Blick auf den städtischen Campingplatz in Amsterdam, der aufgrund des Fronleichnam Wochenendes vollkommen überfüllt war. Mit dem kleinen Platz Badhoeve trafen wir die richtige Wahl. Er war nicht so überfüllt. Ein kleines altes Restaurant gab es auch, die Abendverpflegung war damit auch gesichert und wir mussten nach den 90 Tageskilometern nicht mehr bis nach Amsterdam zurück radeln.

 

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