Wir verlassen Portugal über einen alten Grenzübergang (Valenca - Tui)

Datum Km Σ Km Hm Σ Hm Übernachtung
24. 08.2009 25 497 150 3050 Pension Habitaciones Scala

 

Wie schön, dass es in der heutigen Zeit so etwas wie das Internet gibt. Ich hatte morgens kurz mein iPhone eingeschaltet, das Datenroaming aktiviert und die Wettervorhersage abgefragt. Das Ergebnis war leider niederschlagend, ab dem Mittag sollte es in Strömen regnen. Erst zum Abend hin sollte sich die Wetterlage wieder bessern.

Ursprünglich wollten wir von Estela aus mit dem Rad über Barcelos nach Viana Do Costelo radeln, änderten aber aufgrund der Prognose unseren Plan. Bis zum Mittag sollte es kein Problem sein, die Strecke bis Barcelos zu radeln. In Barcelos wollten wir dann je nach Wetterlage entscheiden, ob wir die weitere Strecke mit dem Zug oder Rad bewältigen. Zwischen Barcelos und Viana de Costelo gab es eine Bahnverbindung. Von der 20 km langen Strecke bis nach Barcelos gibt es relativ wenig zu berichten.  In dem kleinen Ort Necessidades nahmen wir noch einmal Anlauf, in der Kirche einen Pilgerstempel zu bekommen, trafen aber wie schon so häufig auf eine leere Kirche. Im Ort Barcelos wurde es dann schon viel interessanter. Wir hatten kaum die relativ schmale mittelalterliche Brücke überquert, da standen wir schon vor alten historischen Gebäuden.

Barcelos ist nicht sehr groß, besitzt aber einen alten Stadtkern, von dem aus man auf den Rio Cávado schauen kann. Barcelos ist heute ein bedeutender Umschlagplatz für landwirtschaftliche Produkte und darüber hinaus bekannt für seine Töpferwaren und Krippenfiguren. Wenn man Barcelos besucht, kommt man schon aufgrund der vielen bunten Hähne, die im Ort stehen, um eine Geschichte nicht herum:

Ein Pilger auf dem Weg nach Santiago de Compostela wurde in Barcelos des Diebstahls angeklagt und vor Gericht gebracht. Er wurde zum Tode durch den Strang verurteilt, weil er seine Unschuld nicht beweisen konnte und die Umstände gegen ihn sprachen. Er beteuerte dem Richter seine Unschuld, jedoch vergeblich. In seiner Not erflehte er den Schutz des heiligen Jakob, zeigte auf den Hahn, der für den Richter gerade gebraten worden war und rief: „So wahr ich unschuldig bin, soll dieser Hahn auffliegen und krähen“. Das Wunder geschah und der Richter ließ den Pilger frei. Der Pilger stiftete zum Dank ein Denkmal, das sich heute im archäologischen Museum befindet.

Wir schauten uns ein wenig die Stadt an und setzten uns im Anschluss auf dem Platz vor der „Igreja Do Bom Jesus Da Cruz“ in ein Cafe. In der nahen Touristikinformation hatten wir den Zugfahrplan für die Strecke nach Viana do Castelo erhalten, waren uns aber noch nicht schlüssig, wie es am Nachmittag weitergehen sollte. Die Entscheidung über den weiteren Tagesablauf wurde uns eine Stunde später abgenommen, es fing an zu regnen. Faszinierend waren die Bahnpreise in Portugal. Für die 32 km bis nach Viana Do Costelo waren 2,20 € (Räder kosten nichts) zu bezahlen. Rein rechnerisch ergab das einen Preis von 7 Cent/km.

Wir genossen die kurze Bahnfahrt und freuten uns schon auf das Städtchen Viana Do Castelo, über das wir in unserem Michelin Reiseführer  einiges gelesen hatten. Der Tag entwickelte sich aber leider nicht nach unseren Wünschen. Noch bevor der Zug kurz vor der Stadt die Brücke über den Rio Lima passierte, war die nächste Entscheidung fällig. Hatte es beim Verlassen von Barcelos geregnet, dann goss es nun in Strömen. Wir schauten uns nur kurz an und blieben sitzen. Der Zug würde von Viana Do Costela weiter der Küste folgen und uns bis zum Grenzort Valenca bringen. Verbunden mit der Vorstellung, dort nicht vom Regen „erschlagen“ zu werden, bezahlten wir beim Schaffner die Fahrkarten für die Verlängerung bis nach Valenca (3,40 €/Person für 52 km) und hofften auf Wetterbesserung. In Valenca sah die Wetterlage dann etwas besser aus, es schien zwar noch keine Sonne wie laut Wetterbericht angekündigt, es regnete aber nicht.

Valenca und Tui, beides am Ufer des Rio Minho liegende Städte, bewachen seit Jahrhunderten die Grenze zwischen Portugal und Spanien. Valenca auf der portugiesischen Seite besitzt eine befestigte Altstadt in der Form eines unregelmäßigen Vielecks. Sechs Bastionen und zwei gewaltige Tore schützten die Stadt über viele Jahre hinweg vor feindlichen Übergriffen.

Im inneren Bereich der Mauern befinden sich malerische Gassen, Geschäfte, mehrere Brunnen und kleinere Kirchen. Sicherheitshalber noch in Regenjacke gekleidet, schoben wir unsere Räder durch die schmalen Gassen. Zu radeln war aufgrund der vielen Besucher kaum möglich. Die Brücke, die den Rio Minho überspannt und die beiden Städte Valenca und Tui miteinander verbindet, wurde von Gustav Eiffel im Jahre 1884 erbaut. Wie auch der Eiffelturm, besteht sie vollständig aus Metall. Bevor die Brücke gebaut wurde, erreichten die Pilger die Stadt Tui, indem sie mit Booten den Minho überquerten und im Anschluß einen schmalen Pfad in die Stadt hinauf liefen.

Tui ist der eigentliche Ausgangsort des portugiesischen Pilgerweges in Galicien. Er besitzt natürlich viele alte historische Gebäude und Kirchen, von denen wir uns am Abend noch einiges ansahen. Zuerst suchten wir aber im Ort die Touristikinformation, um die Übernachtungsfrage zu klären. Die Information befindet sich im Zentrum der Altstadt. Die kleine Holzhütte wurde stark frequentiert, so dass wir etwas warten mussten, bevor wir einige Übernachtungstips erhielten. Lange suchen wollten wir nicht, wir entschieden uns schon beim ersten Anlauf, in einem keine 200 m entfernten Hostal zu übernachten. Nicht tolles, aber was wollte man bei einem Preis von 40,- Euro für ein Doppelzimmer schon erwarten (Habitaciones Scala).

In der zugehörigen Bar trafen wir bei der Anmeldung einen Deutschen, der perfekt spanisch sprach und kurz mit uns ins Gespräch kam. Sein Vater war indischer Abstammung und seine Mutter stammte aus Hamburg. Er war zu Fuß alleine auf dem portugiesischen Pilgerweg unterwegs und konnte sich noch nicht so recht damit abfinden, kaum jemanden zu treffen. Tui besitzt eine alte Kathedrale (Santa Maria de Tui), die in den Jahren 1145 bis 1175 im romanischen Stil erbaut wurde. Im 13. Jahrhundert wurde gotisch weitergebaut, so dass von der ursprünglichen Kirche nicht mehr viel erhalten blieb. Schwer fiel es uns als Laien zu erkennen, dass der Bau ursprünglich nach dem Muster der Kathedrale von Santiago erfolgte.

Später schlenderten wir noch ein wenig durch den Ort, fotografierten fleißig und suchten nach einer Möglichkeit, unsere knurrenden Mägen zu beruhigen. Vor 20:00 Uhr lief mal wieder nichts.