18 m/s Wind auf der Steingrimsfjardarheidi

Datum Km Σ Km Hm Σ Hm Übernachtung
07.07.2010 90 (PKW) 450 900 (PKW) 4240 Camping

 

Als wir am Morgen Holmavik mit unseren hochbepackten Rädern verließen, konnten wir noch nicht ahnen, dass das kein endgültiger Abschied war. Ursprünglich wollten wir mit den Rädern über die Steingrimsfjardarheidi und den Eyrarfjal nach Heydalur radeln, bekamen aber erhebliche Bedenken, als wir die Anzeigetafel am Ortsausgang sahen. Für die Passhöhe war eine Windgeschwindigkeit von 18 m/s Wind angekündigt, wer hätte es anders erwartet, für uns natürlich von vorn. Die an dem Morgen bereits kräftezehrend gegen den Wind geradelte  kurze Strecke und die angekündigte Temperatur von 6 Grad Celsius gaben uns den Rest. Unsere Stimmung war kurzfristig auf dem Nullpunkt. Die Etappe nach Heydalur war auch ohne Wind schon anspruchsvoll genug, zwei Pässe, davon einer auf nicht asphaltiertem Grund. Nach der Gegenwinderfahrung vom Vortag nun 95 km, die Hälfte davon bergauf, stramm gegen den Wind, nein das wollten wir uns nicht zumuten. Welche Alternativen gab es? Eine weitere Nacht in Holmavik zu verbleiben, würde unsere Tagesplanung durcheinanderwerfen. Vielleicht half das auch nicht, weil der Wind am nächsten Tag genauso blies. Wir entschlossen uns, erst einmal zurück in den Ort zu radeln.  

Die Lösung unseres Problems fanden wir in der Touristikinformation. Sie befindet sich im Ortszentrum, nicht weit vom Cafe Riis. Als wir dem netten Isländer dort unsere Situation schilderten, wurden wir erst einmal mit Kaffee versorgt. Danach telefonierte er mehrere Male, bis eine Lösung gefunden war. Eine halbe Stunde später luden wir unsere Räder auf einen Hänger. Ob es sich um ein Taxiunternehmen handelte oder privat organisiert worden war, wussten wir nicht, Hauptsache wir kamen nach Heydalur.

Die gesamt Fahrt dauerte etwa 1 3/4 Stunde und kostete uns 15.000 isländische Kronen. Es war uns egal, wir hatten eine Lösung für unser Problem gefunden und ein Zwangsruhetag vor der langen Etappe nach Isafjoerdur sollte uns gut tun.

Bei der Ankunft in Heydalur wurden wir von einer älteren Dame empfangen, die sich sofort um uns kümmerte. Uns war bekannt, dass es in Heydalur einen Campingplatz und ein Farmhaus gab. Nicht bekannt war uns, dass dort darüber hinaus noch Zimmer vermietet wurden, die sich in verschiedenen Nebengebäuden befanden. Auf unsere Nachfrage hin bekamen wir die Auskunft, dass am Abend noch einige Gäste erwartet wurden. Aus dem Grund war kein Zimmer mehr frei. Mangels Alternative entschieden wir uns für den Campingplatz, schoben unsere Räder zum Campingplatz hinunter und bauten das Zelt auf. Die ältere Dame, die uns empfangen hatte, hieß Stella und war eine pensionierte Schulleiterin aus Reykjavik. Sie organisierte dort einfach alles! Einige junge Mädchen und zwei männlichen Jugendliche (Schüleraustausch?!) halfen ihr bei der Arbeit und es funktionierte tadellos.

Nach dem Zeltaufbau erkundeten wir ein wenig die Umgebung, wir hatten ja durch unsere frühe Ankunft bedingt sehr viel Zeit. In Heydalur konnte man anscheinend viele Dinge unternehmen. Es bestand die Möglichkeit zu reiten, man konnte sich Boote mieten oder einfach nur schwimmen gehen.

Nachdem wir den Nachmittag fast alleine in dem großen ausgebauten Saal verbracht hatten, wurde es abends voller. Die angekündigte Reisegruppe erschien. Es handelte sich wohl um eine Gruppe deutscher Lehrer, vermutlich teilweise bereits im Ruhestand. Für uns wurde es nach einem leckeren Abendessen Zeit, nach oben zu gehen. In dem Gebäude gab es eine weitere Etage, in der es einen Aufenthaltsraum mit Fernseher gab. An dem Abend lief das Halbfinalspiel der WM 2010 zwischen Deutschland und Spanien. Spanien schickte Deutschland leider nach Hause.