Vorbemerkung

 Zeitraum

 Σ Distanz

 Σ Höhenmeter

Track

Presse

 14.06.2017 - 22.06.2017

850 km

 1.650 Hm

 
 Highlights: 

 - National Park de Veluwezoom
 - Nationalpark Hooge Veluwe
 - Markermeer
 - Ijsselmeer
 - Volendam, Edam, Hoorn, Enkhuizen


 
 - Brezanddijk
 - Workum, Hindeloopen, Stavoren
 - Nationalpark de Weerribben-Wieden
 - Hansestädte Kampen, Zwolle, Deventer
 - Nationalpark Sallandse Heuvelrug

 

                                                  (Werner Ricken und Georg Föcker im National Park Veluwezoom)

„Warum in die Ferne schweifen, wenn das Gute liegt so nah.“ Mit diesem bekannten Spruch möchte ich den Bericht unserer Radtour durch die Niederlande beginnen, denn zutreffender könnte  er wohl kaum sein. Keine 55 km von unserem Wohnort entfernt, liegt in nordwestlicher Richtung die niederländische Grenze, der Gedanke von zu Hause zu starten war natürlich sofort da. Nach der langen Tour im Vorjahr sollte die Tour in 2017 etwas kürzer werden, die Niederlande hatte hervorragende Radwege und eine umständliche Anreise gab es auch nicht. Als mein alter Radelkumpel Werner dann noch Interesse zeigte mitzufahren, wurde die Tour schon mal vorgeplant. Als Rentner und Pensionär waren wir zeitlich flexibel, aus dem Grund entschieden wir den Startzeitpunkt spontan festlegen, und uns ein wenig an der langfristigen Wettervorhersage zu orientieren.

 

In der nachfolgenden Karte ist die während der Tour live aufgezeichnete Gesamtstrecke dargestellt.

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 01. Tag:  Dorsten - Rheden/Arnheim

 Datum  km  Σ Km  Hm  Σ Hm  Übernachtung
 14.06.2017  115  115  230  230  Camping Rhederlaagse Meren

 

9 Tage Sonne, ein paar Wolken, etwas Wind, auch mal Böen, so ungefähr lautete die Wettervorhersage für die Städte, die an unserer Route der Ijsselmeer Umrundung lagen. Idealere Vorrausetzungen gab es nicht, um früh am Morgen um ca. 08:00 Uhr in Dorsten zu starten.

Die ersten gut 50 km bis Rees am Rhein radelten wir auf bekanntem Terrain, machten eine Kaffeepause am Nettomarkt in Meerhoog direkt an der Kreuzung der L602/L7 und hielten kurz am Haus Bellinghoven, welches ich schon von früheren Rennradausfahrten kannte. Das ehemalige Schloss wurde heute vom Caritas Verband genutzt, aus dem Grund gehörte eine Besichtigung nicht zu unserem Programm.

Auf dem Deich, der parallel an einem Altrheinarm entlangführt, radelten wir von Osten kommend auf die Altstadtmauern der Stadt Rees zu. Das Erste was wir auf dem Deich kurz vor Rees sahen, waren die Planetenmodelle des Reeser Planetenwanderweges. Auf dem kurzen Abschnitt waren die Planeten Mars, Erde, Venus und Merkur im Maßstab 1:1 Milliarde dargestellt.

Im Bereich des Mühlenturms direkt an der Rheinpromenade machten wir noch ein paar Fotos, bevor wir vom Fähranleger aus die Stadt durch die Innenstadt wieder in Richtung Norden verließen.

Nördlich von Millingen überquerten wir dir grüne Grenze in die Niederlande und hatten ab dort bezogen auf die Qualität der Radwege nur noch Spaß. Im Laufe der insgesamt 9-tägigen Tour kam ständig die Frage auf, warum es ein derartig ausgeklügeltes Radwegenetz in den Niederlanden gab, in Deutschland aber nicht? In unserem Land hatte man in den Gemeinden dafür angeblich kein Geld, dann gab es die Trennung zwischen den Zuständigkeiten der Gemeinden, Land und Bund, alles wirkte hier in Deutschland wie Stückwerk, selten war ein Radweg wirklich gut, dann wieder katastrophal schlecht.

Antworten auf einige unserer Fragen gab uns ein Campingplatzbesitzer einige Tage später auf unserer Tour: „Wenn ihr 150,- € PKW-Steuern im Jahr bezahlt, dann zahlen wir das im Monat! Das Geld wird über zentrale Projekte zu 100 % in die Infrastruktur gesteckt und über die Projekte finanzieren sie durchgängige Radwege und Straßen einheitlich.“ Deutschland lag da mindestens 20 Jahre zurück, es gibt bei den Radwegen reichlich Nachholbedarf, vor allen Dingen im Bereich der ortsverbindenden Trassen, sofern denn gewollt! Wir waren uns einig, die Autolobby war in Deutschland stark, viel Hoffnung, dass sich das mal ändern würde, hatten wir nicht.

Über s-Heerenberg, Didam, Zevenaar und Duiven kamen wir unserem Zielort Rheden kurz vor Arnheim immer näher. Der gewählte Campingplatz am Rhederlaagse Mer befindet sich südlich der Ijssel und nur wenige Kilometer von der Mündung in den Rhein entfernt.

Bei der Ankunft waren wir etwas irritiert! Der Campingplatz war sehr groß und dennoch hatte die Rezeption mittwochs den ganzen Tag geschlossen. Für unser Zelt fanden wir aber trotzdem einen schönen ruhigen Stellplatz direkt am Rhederlaagse Mer, die Campingplatzgebühren konnten wir auch am nächsten Morgen entrichten.

Unser Abendessen nahmen wir in einem vom Campingplatz nicht weit entfernten Restaurant ein, dazu mussten wir unseren Anfahrtsweg nur 500 m zurücklaufen, die „Gasterij de Kommensaal“ hatte auch preiswerte Gerichte, so wurde es noch ein schöner Abend.

 

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 02. Tag:  Rheden/Arnheim - Harderwijk

 Datum  km  Σ Km  Hm  Σ Hm  Übernachtung
 15.06.2017  87+3  205  350  580  Camping De Peperkamp

 

Unser zweiter Tag begann früh morgens bereits mit einer Fährfahrt über die Ijssel. Danach führte unser Weg ein kurzes Stück an der Autobahn A348 entlang, bevor wir durch den kleinen Ort  Rheden radelnd die Grenze des ersten National Parks Veluwezoom erreichten.

An dem Tag fuhren wir viele Kilometer durch die Nationalparks Veluwezoom und Hoge Veluwe, bevor es weiter in Richtung Veluwemeer ging.

Für die Niederlande eher ungewöhnlich ging es auf den ersten Kilometern bergauf bis zum „Paviljoen de Posbank“, dass auf einer Höhe von 90 m ü NN liegt. Wir kamen also am frühen Morgen ordentlich ins Schwitzen. Von dort oben hatte man eine tolle Aussicht über den gesamten Park.

Im Nationalpark Veluwezoom radelten wir auf sehr schön geführten Radwegen, die sich Kilometer lang durch den Park schlängelten. Westlich der Autobahn A50 setzte sich das ausgeklügelte Radwegenetz fort, allerdings mussten wir dort im National Park Hoge Veluwe mehr als 9,- € Eintritt für unsere Durchfahrt bezahlen, wir fanden das ganz schön viel.

Nach einer kurzen Außenbesichtigung des Jagdschlosses Hubertus und einer Pause am Besucherzentrum machten wir uns wieder auf den Weg und verließen den Park an der Westseite bei Otterlo. Über Harskamp, Stroe und Garderen kamen wir unserem Tagesziel immer näher, hielten aber noch einmal kurz am „Kasteel Staverden“. Dazu mussten wir einen kurzen Stichweg über eine Allee nach Osten radeln, das war nicht sehr weit und der kurze Ausflug lohnte sich.

Das Landgut Staverden ist nicht sehr alt, es wurde teilweise im Jahr 1853 und in den Jahren um 1905 erbaut. Es befindet sich heute in Privatbesitz und wurde damals auf den Fundamenten einer alten Burg errichtet, daher auch noch der Zusatz „Kasteel“. Eine umfangreiche Restaurierung fand in den Jahren von 1999 bis 2007 statt. Das Projekt wurde damals mit einem Zuschuss aus europäischen Mitteln in Höhe von 1,9 Millionen Euro unterstützt, der ungefähr 2/3 der Gesamtkosten entsprach.

Wir fanden das Landgut mit seinen umgebenden Wäldern recht sehenswert, besichtigen konnte man die Gebäude von innen aber nicht. Nach ein paar Fotos radelten wir weiter in Richtung Harderwijk am Veluwemeer.

Bei unser Ankunft am Camping de Pepercamp war die Reception nicht besetzt. An der Tür stand aber eine Telefonnummer, ein Anruf und schon waren alle Probleme gelöst. Der Platzwart war sehr nett, er sprach gut Deutsch und war keine 15 Minuten später vor Ort. Von ihm bekamen wir auch noch einige Tipps bezüglich verschiedener Restaurants im nahem Ort Hierden. Dort radelten wir etwas später auch noch hin und genossen den Abend.

 

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 03. Tag:  Harderwijk - Amsterdam

 Datum  km  Σ Km  Hm  Σ Hm  Übernachtung
 16.06.2017  90  295  180  760  Camping Badhoeve

 

Reise radeln war etwas Besonderes, man wusste vorher nie, was der Tag so brachte, die kleinen Erlebnisse unterwegs und die sich verändernde Landschaft nahmen uns den ganzen Tag in Anspruch. Man sah ständig neue Dinge, betätigte sich körperlich und war abends so müde, dass man durchaus um 21:00 Uhr schon schlafen konnte.

Am dritten Tag war es schon zur Gewohnheit geworden, sich noch vor dem Zelt einen Kaffee zu kochen, ein Müsliriegel dazu musste reichen, eine Bäckerei wollten wir in Harderwijk aufsuchen. Im Zentrum von Harderwijk, direkt an der Ecke wo die Kleine Markstraat auf die Hoogstraat trifft, fanden wir eine Bäckerei. Sehr schön eingerichtet und mit einer Bank direkt vor dem Geschäft war das der ideale Ort, um endlich unser Frühstück zu genießen. Die Vögel um uns herum waren relativ zutraulich, zu häufig waren sie dort wohl schon in den Genuss einiger Brotkrumen gekommen. Es war ein richtig schöner Morgen, wir ließen uns viel Zeit, beobachteten ein wenig die Frühaufsteher und machten uns erst eine halbe Stunde später auf den weiteren Weg.

Am Markplatz hatten wir noch einen kurzen Halt, erstellten ein paar Fotos und verließen den Ort dann auf der Seeseite immer an der alten Stadtmauer entlang. Dem Zeepad folgend sahen wir immer wieder kleinere Strände, es war noch sehr ruhig dort, nur wenige Menschen waren dort unterwegs.

Danach kam der Abschnitt, an dem es wenige Kilometer an der Autobahn A28 entlangging. Das war nicht so schön, lies sich aber ohne einen größeren Umweg nicht umfahren. In dem Bereich trafen wir auch auf die großen Fahrräder, die auf den Fotos zu sehen sind. Werner konnte es nicht lassen, einmal hochzuklettern, dass stellte sich aber als schwieriger heraus, als von unten zu sehen war.

Nach Westen auf dem Zeedijk radelnd wurde wir etwas später auf ein Gebäude aufmerksam, dass etwas abseits vom Deich lag. Während wir auf dem Deich kaum einen Menschen getroffen hatten, sahen wir vor dem Gebäude einige Kinder und Erwachsene, wussten aber nicht, was es dort zu sehen gab. Selbstverständlich folgten wir dem Stichweg und trafen auf eine alte Mühle mit dem Namen „Stoomgemaal Hertog Reijnout“. Die Mühle war keine Mühle im klassischen Sinn, sie diente zur Entwässerung der Polderfläche in der Zuidersee und ging im Jahr 1863 in Betrieb. Bereits 19 Jahre später wurde ihr Betrieb eingestellt, weil sie durch die von der Firma Backer und Rueb gebaute Dampfmaschine ersetzt wurde.  Die Dampfmaschine, die noch heute zu sehen ist, war dann tatsächlich 101 Jahre in Betrieb. Erst 1983 wurde sie durch eine elektrische Pumpstation ersetzt. Etwa 12 Tage pro Jahr wurde die Dampfmaschine heute noch für Vorführzwecke unter Dampf gesetzt, so erklärte sich für uns auch die Tatsache, warum im Dampfmaschinenraum so viele Kinder mit ihren Lehrern saßen.

Auf dem kurzen Stichweg trafen wir auf dem Rückweg zum Zeedijk noch ein frisch vermähltes Hochzeitspaar. Die alte Mühle sollte wohl als Hintergrund für schöne Hochzeitsfotos dienen. Wir gratulierten ihnen kurz, fotografierten das Paar und machten uns dann aber auf den weiteren Weg in Richtung Amsterdam.

Auf dem weiteren Weg kamen wir in den kleinen Ort Spakenburg, der einen mittelalterlich wirkenden Hafen mit einer alten Werft besitzt. Die Spakenburger waren seit dem 14. Jahrhundert arme, aber freie Fischer. In der Zeit haben sie in der Zuidersee mit bis zu 200 Schiffen (Botter) gefischt.  Die eichenhölzernen Plattbodenschiffe, die man im alten Hafen sieht, werden noch heute in der alten Werft repariert.

In Eemdijk ging es einmal mit einer kleinen Fähre über den Fluß Eem, bevor wir in Huizen dann auf einige in die See gebaute futuristisch wirkende Häuser trafen. Da hatte sich wohl ein Architekt ausgetobt, leider aber vergessen, genügend Fenster einzubauen.

Etwas überrascht waren wir, als wir auf der folgenden eigentlich fast schon einsamen Strecke vor Naarden einen Freizeitpark sahen. Das Gekreische der Kinder im „Old Valkeveen“ war schon von weitem zu hören. Der Park blickte wohl auf eine lange Geschichte zurück. Angefangen hatte es im 19. Jahrhundert, als ein reicher Amsterdamer dort eine Pfannkuchenfarm baute. Dort fanden Pferderennen statt und als Köstlichkeit wurden während des Rennens die Pfannkuchen gereicht. Später kam dann ein Spielplatz hinzu, der immer weiter ausgebaut wurde und der Vorläufer des heutigen Freizeitparks war.

In Naarden (Gooi Region) trafen wir auf eine wunderschöne Stadt, die eine der besten erhaltenen Festungsanlage Europas besitzt. Die Festungsanlage besitzt eine sternförmige Ausrichtung der Mauern, die komplett von einem Grabensystem umgeben sind. Zu sehen gibt es dort darüber hinaus die unterirdischen Kasematten, einige historische Gebäude, eine gotische Basilika aus dem 14. und 15. Jahrhundert, sowie die St. Vituskirche im Zentrum der Stadt.

Über Muiderberg und Muiden erreichten wir am späten Nachmittag den nordöstlich von Amsterdam gelegenen Campingplatz Badhoeve. Zuvor hatten wir noch einen Blick auf den städtischen Campingplatz in Amsterdam, der aufgrund des Fronleichnam Wochenendes vollkommen überfüllt war. Mit dem kleinen Platz Badhoeve trafen wir die richtige Wahl. Er war nicht so überfüllt. Ein kleines altes Restaurant gab es auch, die Abendverpflegung war damit auch gesichert und wir mussten nach den 90 Tageskilometern nicht mehr bis nach Amsterdam zurück radeln.

 

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 04. Tag:  Amsterdam - Enkhuizen

 Datum  km  Σ Km  Hm  Σ Hm  Übernachtung
 17.06.2017  79  374  100  860  Camping Enkhuizer Zand

 

Von unser Fahrt am Markermeer entlang nach Enkhuizen gibt es relativ wenig zu berichten. Dort reihen sich die schönen Orte Monnickendam, Volendam, Edam und Hoorn wie an einer Perlenschnur auf, wobei diese von Touristen gut besuchten Orte leider vollkommen überfüllt sind. Kaum waren wir aber aus den Orten herausgefahren, waren wir mit dem Rad wieder fast alleine unterwegs.

In Hoorn wurden wir noch von einem Konvoi Oldtimern überrascht und machten einige Fotos, bevor wir die letzten Kilometer nach Enkhuizen in Angriff nahmen. Der Campingplatz Enkhuizer Zand liegt nordöstlich hinter dem Stadtzentrum und ist relativ leicht zu finden. Unser Zelt wurde auf einem abgesetzten Platzteil an einer alten Stadtmauer aufgebaut und bis zu den Sanitäranlagen war es auch nicht weit.

Den Abend verbrachten wir im nahen Campingplatz Restaurant.

 

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 05. Tag:  Enkhuizen - Hindeloopen

 Datum  km  Σ Km  Hm  Σ Hm  Übernachtung
 18.06.2017  102  476  100  960  Camping Hindeloopen

 

Die ersten Fotos des Tages zeigen uns beim Frühstück auf dem Campingplatz in Enkhuizen. Die Dolen um uns herum versuchten immer ein wenig von den runtergefallenen Brötchenkrummen zu ergattern, wurden dabei immer mal wieder recht mutig und kamen uns bis auf 50 cm in Nähe.

Nach dem üblichen Packen radelten wir als erstes auf dem Deich zum Leuchturm „De Ven“, der an einem Küstenbogen eines ins Ijsselmeer ragenden Landstriches steht. Über die kleinen Orte Osterdijk und Onderdijk führte unsere Tour dann nach Medemblik. Noch kurz vor dem Ort fiel uns ein Gebäude auf, in dem es wohl ein Museum gab. Es handelte sich um „Medembliker Stoommachinen Museum“, welches schon von außen betrachtet sehr ansehnlich ist.

Das Dampfmaschinenmuseum ist einzigartig in den Niederlanden. Es befindet sich in einer alten Pumpstation unmittelbar am Polderdeich. Der Sinn dieser alten Pumpstation ergibt sich aus der Tatsache, dass das Hinterland bis zu 3,5 m tiefer als die Zuidersee liegt. Bis zum Jahr 1869 wurden für diesen Zweck Windmühlen eingesetzt. Als man jedoch feststellte, dass die Windkraft für diesen Zweck nicht mehr ausreichte, wurden diese durch große Dampfmaschinen ersetzt. Die Pumpstation vor Medemblik war bis 1975 in Betrieb, danach wurde ihre Aufgabe von einer Pumpstation in der Nähe übernommen. Heute befindet sich in dem Gebäude ein Dampfmaschinenmuseum, wobei viele der Dampfmaschinen auch noch funktionieren und hin und wieder in Betrieb genommen werden.

Nördlich von Medemblik ging es in flottem Tempo auf eine lange Gerade. Wir hatten etwas Rückenwind, kamen zügig voran und sahen in der Ferne bereits die Windräder am Afsluitdijk stehen. Der ca. 30 km lange Deich schützt das Ijsselmeer vor den Stürmen der Nordsee, ein mehrere hundert Meter breites Projekt, für dessen Bau man damals Jahre benötigte. Auf dem Damm verbindet die Autobahn A7 den Westen der Niederlande (Friesland) mit dem Norden (Holland), entsprechend stark befahren ist auch die Autobahn. Direkt neben der Autobahn gibt es einen breiten Radweg, auf dem man wunderschön radeln kann, dass einzige was dort stört, ist der Krach der Autobahn.

Bevor es für uns auf den langen Abschlussdeich ging, gab es noch eine kleine Überraschung. Wenige Kilometer vor dem Deich führte die Ausschilderung der Zuiderlandroute und unser GPS-Track nach links in einen Wald. Dort war der Radweg relativ schmal und kurvenreich. Der Wald war wohl nicht dem Großprojekt Afsluitdijk zum Opfer gefallen. Kaum verließen wir den Wald mit unseren Rädern , da standen wir auch schon auf der Zufahrt zum Deich.

30 km geradeaus zu radeln, links von uns der Deich und rechts die Autobahn, war nicht wirklich prickelnd. Bis auf wenige Rennradfahrer war dort auch kaum jemand unterwegs. Ein wenig Abwechslung gab es in den auf künstlichen Inseln gebauten Orten Breezanddijk und Kornwerderzand, wir verließen den Radweg aber nur um uns eine Hinweistafel vom Bau des Dammes anzusehen. Mit dem Bau des Dammes wurde bereits im Jahr 1927 begonnen. Um den Dammbau von vier Seiten aus gleichzeitig beginnen zu können, hatte man zunächst die zwei Arbeitsinseln Breezand und Kornwerderzand geschaffen. Durch diese Vorgehensweise hatte man den Bau des Dammes deutlich beschleunigen können, der dann am 25.09.1933 bereits offiziell eröffnet werden konnte. Mit dem Schließen der ehemaligen Zuiderseebucht erfolgte auch die Umbenennung in Ijsselmeer.

Irgendwann hatten wir die 30 km geschafft, schwenkten nach Süden der Küste folgend und radelten durch die wunderschönen kleinen friesischen Ort Makkum, Gaast und Workum. Die kleinen Häfen, die Schwenkbrücken über den vielen Kanälen, es war einfach alles schön anzusehen.

Mit der Ankunft in Hindeloopen waren wir nicht mehr weit vom südlich des Ortes befindlichen Campingplatzes. Dort bekamen wir nach dem Zeltaufbau und Duschen auch noch etwas zu essen, was wir sehr begrüßten.

 

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 06. Tag:  Hindeloopen - Zwartsluis

 Datum  km  Σ Km  Hm  Σ Hm  Übernachtung
 19.06.2017  92+2  570  110  1.060  Camping Kleine Belterwijde

 

Von Hindeloopen der Küste folgend in Richtung Lemmer radelten wir immer wieder auf der Originalstrecke der DeFrieseElfstedentocht, nur in umgekehrter Richtung. Wenige Wochen zuvor war Georg am Pfingstmontag noch mit 5 Radlern dort gewesen, um die gewaltige Strecke von 240 km an einem Tag unter die Räder zu nehmen (siehe Bericht).

Auf der Fahrt nach Lemmer waren wir mit unseren je 25 kg Gepäck natürlich ruhiger unterwegs, uns trieb niemand, wir hatten genügend Zeit, um uns die kleinen Orte und Landschaften in Ruhe anzusehen. Wir wollten an dem Tag noch weiter nach Südosten bis in den Nationalpark Weerribben-Wieden radeln, dort gab es den Campingplatz Kleine Belterwijde, der von der Bewertung im Netz her recht gut war.

Es wurde wieder ein sehr schöner Tag. Nach einer kurzen Pause in Lemmer wurde es ab dem kleinen Ort Ossenzijl wieder spannend. Ein schmaler Radweg führte an einem wunderschönen Kanal entlang. Gesäumt von tollen Häusern mit eigenen kleinen Bootshäusern, tollen Gärten, die vielen kleinen Boote auf dem Kanal, es war alles herrlich anzusehen. In Kalenberg genehmigten wir uns draußen vor dem Cafe „t-Lokaal“ ein kühles Getränk, die Lufttemperaturen waren mächtig angestiegen und das warme Wasser in den Trinkflaschen schmeckte natürlich schon lange nicht mehr. Auch wenn der Radweg sehr schön war, ein kleines Handicap gab es trotzdem. An den meisten Bootshäusern führte der schmale Weg über eine kleine Brücke und man musste dort immer aufpassen, nicht mit dem Lenker am Geländer hängen zu bleiben. Darüber hinaus ging es auf den Brücken immer wieder kurz steil hinauf und genauso steil wieder hinab. Ein wenig Radjonglierkünste waren dort gefragt.

Über die Orte Nederland (heißt wirklich so), Blokzijl, Moespot und Sint Janskloster erreichten wir schließlich unseren Campingplatz nördlich vom Ort Zwartsluis.

Der Platz war top, hervorragend saubere Sanitäranlagen und alle Plätze hatten einen eigenen Wasser- und Stromanschluss. Von der netten Dame an der Rezeption erhielten wir noch den Hinweis auf ein nahegelegenes nicht so teures Restaurant, es hieß „Eetcafe Het Otterswold“ und befand sich wunderschön gelegen an einem Kanal. Unser Abend war damit gerettet, dass Essen war gut und leckere Bierchen gab es auch.

 

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 07. Tag:  Zwartsluis - Deventer

 Datum  km  Σ Km  Hm  Σ Hm  Übernachtung
 20.06.2017  94+8  672  200  1.260  Camping De Worp

 

Am 07.Tag unserer tollen Tour standen wir bereits kurz hinter Zwartsluis an der ersten Fähre. Sie brachte uns über den „Zwarte Water“, den des als Schiffsverbindung zwischen Zwolle und dem Zwarte Meer gibt.

Über Genemuiden und Ijsselmuiden erreichten wir mit unseren Rädern die alte Hansestadt Kampen, die ich mit meiner Frau Claudia bereits im Jahr 2005 mit unseren Rädern besucht hatte (siehe Bericht 2005). Auf dem Teilstück waren wir zwischen Kampen und Deventer nur in umgekehrter Richtung unterwegs, es war eine sehr schöne Strecke, die auch Werner sehr gefiel.

Zunächst radelten wir aber durch die Altstadt von Kampen, sahen uns die alten Häuser an, fotografierten viel und tranken einen Kaffee. Die Hansestadt gefiel uns sehr, mit den Sehenswürdigkeiten Bovenkerk, dem Koornmarkt, dem Raadhuis Schepenzahl, der Broederkerk und De Nieuwe Toren gab es viel zu sehen.

Immer an der Ijssel entlang ging es danach weiter über Zalk bis zur Ijsselbrug. Über die Brücke führte uns der Track bis in die Innenstadt von Zwolle, dort sahen wir uns genauso wie in Kampen die Altstadt an.

Eine lustige Geschichte gibt es über die Zwoller Bürger. Die Einwohner Zwolles werden auch Blaufinger (Blauwvingers) genannt. Im Mittelalter gab es eine starke Rivalität zwischen den Nachbarstädten Zwolle und Kampen. Man machte sich das Leben schwer: Händler aus Zwolle wurden ausgeraubt und das Vieh der Kamper Bauern gestohlen. Die Zwoller hatten einen Schimpfnamen für die Bürger aus Kampen. Er lautete Kamper Störe (Kampersteure). Diese Fischart kam damals noch in der Ijssel vor. Bis dahin gab es für die Zwoller Bürger noch keinen Schimpfnamen. Der entstand erst, als das Glockenspiel der Kirche in Kampen zerstört wurde und die Zwoller den Kamper Leuten ein Glockenspiel zum Kauf anboten. Die Kamper waren mit dem Preis einverstanden, machten aber zur Bedingung, dass sie die Art und Weise der Bezahlung selber wählen durften. So kam es, dass eines Tages ein Wagen (vierduitenstukken) mit Geldstücke sehr geringen Wertes vor die Stadtmauern Zwolles rollte. Die Zwoller Bürger bekamen beim Auszählen der vielen Münzen blaue Finger, daher wurde „Blauwvingers“ zum Schimpfnamen der Zwoller. Heute gibt es in Erinnerung daran an einem Mittwoch im Juli die Blaufingertage. Dann gibt es einen Markt und anderes Unterhaltungsprogramm in der Stadt.

Durch den Stadtpark von Zwolle (Het Engelse Werk) radelten wir anschließend auf der östlichen Ijsselseite bleibend bis zur nächsten Fähre an der Ijssel. Die Fähre „t kleine Veer“ hatte uns bereits im Jahr 2005 in den alten Ort Hattem gebracht. Vom Fähranleger auf der westlichen Seite waren es bis ins Zentrum von Hattem keine 2 km Entfernung.

Der alte Kern von Hattem war nicht sehr groß, es gab aber einen zentralen Platz und ein schönes altes Stadttor. Nach dem Erstellen einiger Fotos und einer Kaffeepause ging es mit der „t kleinen Veer“ wieder auf die östliche Ijsselseite zurück. Auf dem Weg nach Deventer über Wijhe und Olst radelten wir fast immer auf einem schmalen Radweg oben auf dem Deich. Bei entgegenkommenden Radlern wurde es schon mal eng, da gab es dann eine Schrecksekunde, aber zum Glück ist nie etwas passiert.

Der Campingplatz „De Worp“ liegt auf der Westseite der Ijssel, aus dem Grund hatten wir wenige Kilometer zuvor in Olst nochmals die Ijssel mit einer Fähre überquert. Alles war perfekt, am Campingplatz gab es einen sehr schönen Blick auf den Fluss mit der Altstadt von Deventer im Hintergrund.

Nach dem Zeltaufbau und Duschen radelten wir noch über die Wilhelminabrug in die Altstadt von Deventer. Dort fanden wir eine Pizzeria, in der wir den Abend ausklingen ließen.

 

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 08. Tag:  Deventer - Haaksbergen

 Datum  km  Σ Km  Hm  Σ Hm  Übernachtung
 21.06.2017  94+5  771  210  1.470  Camping Scholtenhagen

 

Der direkte Weg nach Haaksbergen war sicherlich knapp 20 km kürzer als der von uns gewählte Weg. Wir wollten an dem Tag aber noch einen nördlichen Bogen radeln, um ein wenig vom Nationalpark De Sallandse Heuvelrug zu sehen.

An dem Morgen führte unser Weg zunächst einmal zwecks Frühstück in die Innenstadt von Deventer. Dort herrschte noch eine angenehme Ruhe. Kaum ein Geschäft hatte auf, wir fanden aber ein offenes Geschäft an der „Korte Bisschopsstraat“.

In Richtung Nordosten verließen wir dann die Stadt und waren mit unseren Rädern ziemlich schnell wieder auf landwirtschaftlichem Terrain. Auf den u.a. eingestellten Fotos sieht man die teilweise tollen Radwege durch den Nationalpark Sallandse Heuvelrug. Diese Wege hatten aber alle den kleinen Nachteil, dass unsere Räder eingestaubt wurden wie lange nicht mehr. Am Campingplatz mussten sie dann geputzt werden und die Kette brauchte dringend Öl, wenn sie dann aber wieder sauber waren, freute uns das umso mehr.

Wieder in südlicher Richtung unterwegs, trafen wir zwischen den Orten Holten und Rijssen nach dem Überqueren der zwischen diesen beiden Orten verlaufenden Bahnlinie auf ein wunderschönes Bauerncafe. Dort legten wir in der Hitze eine längere Pause ein, fotografierten die schöne alte Tenne und den sehenswerten Schankraum. Schaut in die Fotos unten, sie geben einen Eindruck von unserer Pausenstation.

Hinter Delden überquerten wir später den Twentekanaal und erreichten einige Zeit später unseren Campingplatz südlich von Haaksbergen, der an einem städtischen Sportgelände lag.

Am Campingplatz Scholtenhagen gab es kein geöffnetes Restaurant, aus dem Grund radelten wir gegen Abend wieder in den Ortkern von Haaksbergen hinein. Dort hatten wir bereits auf der Anfahrt zum Campingplatz mehrere Restaurationsmöglichkeiten gesehen.

 

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 09. Tag:  Haaksbergen - Dorsten

 Datum  km  Σ Km  Hm  Σ Hm  Übernachtung
 22.06.2017  79  850  180  1.650  keine

 

Unsere gemeinsame Radtour fand an dem Tag sein Ende, wir hatten auf der Tour sehr viel gesehen und freuten uns an dem gemeinsamen Erlebnis. 80 km waren es noch bis Dorsten, wobei die letzten 50 km auf einer Strecke führten, die wir früher mit den Rennrädern schon viele Male geradelt sind. Viele neue Eindrücke waren an dem Tag nicht mehr zu erwarten, wir wollten mit den Rädern zunächst nach Zwillbrock zum Hotel/Restaurant Kloppendiek radeln, dort frühstücken, dann einmal durch die Innenstadt von Winterswijk und eine letzte Cafepause am Pröbstingsee in Borken einlegen.

Genau so kam es auch. Zügig fuhren wir mit den Rädern auf dem uns meist bekannte Terrain. An den oben aufgeführten Stellen machten wir ein paar Fotos, fuhren ansonsten aber durch. An dem Tag war es sehr, sehr heiß und wir hatten uns das Ziel gesetzt, um 14:00 Uhr zu Hause zu sein. In der Nachmittagshitze wollten wir nicht mehr radeln und so klappte es auch.

Einen ungeplanten Zwischenstopp gab es an dem Tag noch, als wir kurz vor Raesfeld an der Ijsselquelle vorbeikamen. Wir waren einmal ums Ijsellmeer geradelt, waren viele Kilometer dem Fluss Ijssel gefolgt, da gehörte ein Foto von der Ijsselquelle zum Abschluss natürlich dazu.

An der Quelle gab es dann eine Begegnung, die irgendwie ein wenig witzig war. Mehrere Leute hielten sich an der Quelle auf und fotografierten fleißig. In einem kurzen Gespräch klärte sich dann die Situation. Frau Röckinghausen schrieb als gebürtige Erlerin ein Buch über die Ijssel. Laut Presseartikel vom 23.06. in der Dorstener Zeitung sollte dabei eine gelbe Quietscheente die Hauptrolle spielen. Vertreter der Gemeinde Raesfeld, des Ortsmarketings, des Heimatvereins und aus den Niederlanden hatten das Projekt wohl kurz vor unserem Erscheinen an der Ijsselquelle vorgestellt.

Das war ein gelungener Abschluss unserer Tour. Gemeinsam radelten wir noch bis Erle, wo Werner dann über Rhade nach Wulfen fuhr. Ich selber radelte über Schermbeck am Kanal entlang nach Dorsten. Eine schöne Tour war zu Ende gegangen.

 

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