Vorbemerkung

 Zeitraum

 Σ Distanz

 Σ Höhenmeter

Track

 Presse

 27.08.2016 - 02.10.2016

 2.858 km

 23.175 Hm

 
 - 32 Radtage
 - 2 Pausentage unterwegs ( In Le Puy en Velay und St.-Jean-Pied-du-Port )
 - 2 Tage Aufenthalt nach der Tour in Santiago de Compostela
 - Durchschnittlich 90 km pro Radtag
 - Durchschnittlich 725 Höhenmeter pro Radtag

 Mein Motto unterwegs:
 - Alles Gute unserem Enkelkind Jakob "Riding for my first grandson Jakob, born on August 21 th 2016
 - Frei ist nicht, wer viel hat, sondern wer wenig braucht und nichts vermisst.

 

Von zu Hause aus nach Santiago de Compostela radeln, ja das hatte was. Die Idee diese Strecke einmal unter die Räder zu nehmen, war nicht neu. Im Jahr 2011 hatte ich auf der Via de la Plata bereits einen Pilger kennengelernt, der zu Fuß von Deutschland aus nach Santiago gelaufen war. Da war die Via de la Plata mit ihren ca. 1.100 km Gesamtstrecke eher die kleinere Herausforderung für ihn. Von Deutschland aus war er allerdings knapp 5 Monate unterwegs gewesen, das kam für mich absolut nicht in Frage, insofern war mein Rad wieder ein sehr guter Kompromiss.

Im Winter 2015/16 recherchierte ich die verschiedenen Wege durch Frankreich, die in St.-Jean-Pied-de-Port kurz vor dem Pyrenäenübergang zusammentreffen. Meine Wahl fiel auf die Via Podiensis, auf die ich in Le Puy-en-Velay (südwestlich von Lyon) treffen würde. Ab St.-Jean-Pied-de-Port ging es für die meisten Pilger auf dem Camino Frances gemeinsam weiter, sofern sie sich nicht schon früher für den Camino del Norte entschieden hatten, um in Küstennähe nach Santiago zu reisen.

Die Statistiken des offiziellen Pilgerbüros in Santiago de Compostela brachten Erschreckendes. Der von mir ausgewählte Reisemonat September wies für das Vorjahr 37.000 ankommende Pilger in einem Monat aus. Zunächst kamen bei mir große Bedenken auf. Die Pilgerzahlen hatten sich in der Vergangenheit alle 7 Jahre verdoppelt! Wo schliefen die mehr als 1000 Pilger pro Tag? Bei weiteren Recherchen fand ich heraus, dass die Infrastruktur in den letzten Jahren immens ausgebaut worden war. In meinem GPS-Kartenmaterial fand ich auf den knapp 800 Kilometern mehr als 400 offizielle Herbergen. In der Zahl waren günstige Hostals noch nicht einmal enthalten, diese kamen in großer Zahl als Übernachtungsmöglichkeiten noch hinzu. Statistisch betrachtet konnte ich mich also alle 2 km schlafen legen und Campingplätze gab es zum Teil auch. 

Die Entscheidung war gefallen, es konnte an die Detailplanung der Strecke gehen. Um zunächst Höhenmeter zu vermeiden, fiel meine Wahl darauf, zunächst dem Rhein und dann der Mosel zu folgen, so käme ich westlich an den Vogesen vorbei. Danach ging es über hügeliges Terrain weiter über Taizé nach Süden. Ab Le Puy-en-Velay sah meine Planung vor, der offiziellen Via Podiensis zu folgen, welche quasi als Verlängerung der Via Gebennensis von Genf nach Santiago führt.

Und dann war da noch die Frage nach dem Termin! Im Hochsommer war es mir im Süden zu heiß, etwas später zu starten war deshalb ohnehin vorgesehen, es gab aber einen noch viel wichtigeren Grund: Am 21.08.2016 wurde unser Enkelkind Jakob geboren, die Freude darüber war riesengroß. Kind und Mutter Rike waren wohlauf, ich konnte daher wenige Tage später ganz in Ruhe starten. Gibt es etwas schöneres als für sein erstes Enkelkind mit dem Namen Jakob nach Santiago zu radeln?

In der nachstehend zu sehenden Karte ist die Strecke zu sehen, wie ich sie tatsächlich geradelt bin. Das gleiche gilt für die in den Tagesberichten erscheinenden Tagesstrecken. Die Tagesberichte wurden bis Anfang Dezember ebenfalls fertiggestellt.

  

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 01. Tag:  Auf derselben Strecke wie im Jahr 2012 beim Start nach Rom  

 Datum  km  Σ Km  Hm  Σ Hm  Übernachtung
 27.08.2016  131 + 7  138  250  250  Camping Berger

 

Zugegeben, ein wenig müde war ich an dem Morgen schon noch, als der Wecker um 06:00 Uhr klingelte und ich mich diszipliniert in mein Radtrikot zwang. Als frisch gebackener Opa eines kleinen Jakob hatten wir mit Freunden unserer Kinder am Abend zuvor bei uns im Garten gefeiert und beim „Babypinkeln“ einige Bierchen geleert. Kräftig in die Pedale tretend, machte ich mich auf die erste Etappe eines über 2.800 km langen Weges, die frische Morgenluft tat gut und half dabei, die Müdigkeit zu verscheuchen.

Die ersten Kilometer dachte ich viel über die vergangenen Tage nach, Claudia und ich waren hin und weg, was war es doch schön, Oma und Opa zu werden. Wir konnten uns nicht satt sehen an den ersten Fotos vom kleinen Jakob und schauten sie uns immer wieder an und hatten wir ihn im Arm, dann wollte man ihn nicht wieder hergeben, so süß war er anzuschauen.

Auf dem Rad fiel es mir nicht leicht, wenn ich daran dachte, die ersten Wochen der Entwicklung zu verpassen, aber motiviert für unser erstes Enkelkind Jakob über 2800 km nach Santiago de Compostela zu radeln, ja dass hatte was. Mit einem Schmunzeln im Gesicht bog ich mit meinem alten Koga Randonneur in Oberhausen auf die alte HOAG Bahnlinientrasse ein und dachte, na 20 km von den über 2800 km hast du doch schon geschafft.

Die Strecke nach Köln-Rodenkirchen zum Campingplatz Berger war für mich nicht neu, es handelte sich um exakt dieselbe Etappe wie im Jahr 2012 von Dorsten nach Rom. Auch wenn die Strecke identisch war, so verlief der Nachmittag doch vollkommen anders als vier Jahre zuvor. In Düsseldorf hatte ich noch ein paar Fotos am Rhein und am Landtag gemacht, dort fand ein Fest zum 75jährigen Bestehen NRWs statt, so dass es manchmal schwierig wurde, den Fußgängern auszuweichen. In der kleinen alten Stadt Zons gönnte ich mir im Rahmen einer Mittagspause einen leckeren Salat , bevor es weiter in Richtung Köln ging.

Kurz vor Köln passierte es dann, die Kette am Rad hing durch, weil der Freilaufkörper einen Defekt hatte und nicht mehr rückwärts drehte. Ein wenig sauer über diese Tatsache war ich deshalb, weil genau dieser Schaden am selben Laufrad in Schottland aufgetreten war. Der neue Freilaufkörper war in einer Fachwerkstatt montiert worden und hatte gerade mal die 3.000 km der Tour vom Vorjahr hinter sich. Es war nicht ungefährlich, so weiter zu fahren. Das ging nur, wenn man durchgängig in die Pedale trat und sauber schaltete. Wenige Kilometer weiter stand ich auf der Domplatte und holte mir im Domforum meinen zweiten Stempel im Credential de Peregrino (Pilgerausweis). Dort bekam ich auch die Auskunft, dass es am Hansaring zwei oder drei Radgeschäfte, es aber zudem in Nähe hinter dem Bahnhof eine Radstation gab. Dort würden sie Räder auch reparieren.

Also machte ich mich als erstes auf den Weg zur Radstation, dort war der Monteur aber bereits im Wochendurlaub. Weiter ging es dann durch die Innenstadt zum Hansaring. Dort hatte ich richtig Glück. Sie hatten zwar keinen Freilaufkörper, aber ein komplettes Hinterrad als Ersatz. Ein Laufrad mit XT-Nabe wie mein Altes gab es dort nicht, es stand Shimano drauf, mehr konnte man leider nicht sehen. Aber immerhin, ich war ja schon froh, dass es überhaupt weiterging. Ich bezahlte die 78,- €, bedankte mich für den prompten Service und radelte weiter am Rhein entlang nach Süden.

Die Wetterlage war den ganzen Tag über super gewesen, mit 34 Grad im Schatten schon fast zu warm, am späten Nachmittag kündigte sich aber noch ein Gewitter mit starkem Regen und Hagel an. Ich hatte das Zelt kaum aufgebaut und geduscht, da ging es schon los. Einen Unterschlupf fand ich bei einem deutschen Zeltnachbarn. Er hatte ein Sonnensegel vor seinem Wohnwagen gespannt. Dort saßen wir und ich erzählte während des Regens mit etwas Hagel ein wenig von meiner geplanten Tour. Ein Sonnensegel ist ja ein Sonnensegel und kein optimaler Regenschutz, aus dem Grund bildeten sich immer wieder Wassersäcke, die wir regelmäßig entleeren mussten, aber das machte uns nichts. Ich freute mich über die netten Nachbarn und lief nach dem kurzen aber heftigen Regen zum Campingplatz Restaurant. Dort wartete ich auf meine Cousine Renate und Uwe, ihrem Lebensgefährten, die in Köln auf der anderen Seite des Rheins wohnten und mich besuchen wollten. Mit den beiden verbrachte ich noch einen netten Abend, so dass der Radschaden und starke Regenschauer schnell vergessen waren.

 

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 02. Tag: Ein erster Schwenk ins Moseltal

 Datum  km  Σ Km  Hm  Σ Hm  Übernachtung
 28.08.2016  110  248  250  500  Camping Winninger Ferieninsel

 

Die erste Nacht im Zelt hatte ich „wie ein Stein“ geschlafen! Kein Wunder, die Nacht zuvor war ich aufgrund der Feier erst um 01:00 Uhr im Bett gewesen, gerade mal 5 Stunden Schlaf und dann wegen der Umwege in Köln gleich 138 km auf dem Rad waren wohl die Gründe dafür.

Am Campingplatz Berger bekam ich bereits um 07:30 Uhr einen Cafe und Croissants, so dass es gestärkt um 08:00 Uhr weiter in Richtung Süden ging.

An dem Tag war es extrem heiß und gleichzeitig hatte ich kontinuierlich Gegenwind. Die Strecke selber kannte ich ja genauso wie die vom Vortag von meiner Tour nach Rom. Bis Bad Breisig gab es auf den ersten 60 Tageskilometern nur kurze Stopps am alten Bundestag in Bonn, am Brückenmuseum der Brücke von Remagen und am Imbiss der Mehlemer Fähre, um ein paar Fotos zu machen oder etwas zu trinken.

In Bad Breisig war dann ein alkoholfreies Weizenbier fällig, wie sagt man so schön „Zisch und klack und weg“, dass zweite brachte dann die Lebensgeister zurück. Bis zum Dreiländereck in Koblenz hatte ich ordentlich mit der Hitze und dem Gegenwind zu kämpfen, es floss reichlich Schweiß und um 14:00 Uhr wurde es immer drückender. 100 km hatte ich bereits auf dem Tacho, als ich den kurzen Umweg zum Dreiländereck radelte und am dortigen Imbiss eine Kleinigkeit aß. Ich konnte zufrieden sein, bis zum Ziel einem Campingplatz in Winningen an der Mosel waren es nur noch 10 km, insofern hatte ich Zeit.

Mit dem Schwenk ins Moseltal befand ich mich mit dem Rad endlich auf neuem Terrain. Wir waren zwar mit der Familie schon mehrfach in verschiedenen Orten an der Mosel gewesen, mit den Rädern aber noch nicht, insofern war es schön, das Moseltal mal aus der Radperspektive wahrzunehmen.

Wenige Kilometer vor meinem Ziel traf ich noch einmal auf eine Gastronomie. Als die jungen Mädels hinter dem Tresen mein Rad mit dem Foto von Jakob sahen, waren sie hin und weg. „Ach wie süß! Wie alt ist er denn?“ Als ich dann erzählte, wohin meine Reise mit dem Rad geht, stutzte die eine und sagte, da war doch heute schon einer hier. So ein Herr etwas älter als sie, der wollte auch mit dem Rad nach Santiago de Compostela. Als ich dann antwortete: „Ja, das ist der Claus, den kenne ich, der ist heute von Mettmann aus gestartet und auf demselben Weg“, da waren sie ein wenig irritiert, gleich zwei „Verrückte“ an einem Tag, dass waren ihre Gedanken wohl.

Claus kannte ich seit einiger Zeit per Telefon. Er hatte mit mir mal Kontakt aufgenommen, um sich Tipps zu holen. Wir wussten beide davon, dass wir zeitgleich nach Santiago d. C. gestartet waren, würden uns sicher auch unterwegs treffen, aber jeder sein eigenes Tempo fahren.

Der Campingplatz in Winningen ist sehr groß, aber auch schon älter. Duschen und Toiletten befanden sich im ersten Stock eines Gebäudes, das wie auf Stelzen gebaut aussah. Klar, wenn die Mosel Hochwasser führte, musste der Platz geräumt werden und den Dreck und Schlamm im Sanitärgebäude wollte auch keiner, daher die etwas eigenartige Bauweise. Schön war an dem Abend, dass ich nicht mehr in den kleinen Ort radeln musste, um essen zu gehen, alles was das Herz begehrte, gab es vor Ort.

 

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 03. Tag: An der Mosel entlang kommen reichlich Kilometer zusammen

 Datum  km  Σ Km  Hm  Σ Hm  Übernachtung
 29.08.2016  122 + 6  376  280  780  Camping Kues

 

Schon häufig hatte ich von Freunden und Bekannten gehört, dass sich an der Mosel wunderbar radeln lies. Immer mal wieder hatten wir den Moselradweg gedanklich „ins Auge gefasst“, doch noch nie in die Tat umgesetzt. An dem Montag konnte ich ihre Äußerungen nach den 122 km bis Bernkastel-Kues nur bestätigen, ja es war sehr schön. Häufig ging der Radweg ein wenig durch die Weinberge ohne starke Steigungen, nur leicht ansteigend und dann, wenn der Radweg an der Straße entlang führte, war ein breiter Randstreifen vorhanden, auf dem man sich relativ sicher fühlte. Die zahlreichen Möglichkeiten der Einkehr, die vielen auch kleineren historischen Orte zogen seit Jahren viele Menschen an, die hier ihren Urlaub verbrachten, insofern war in den Orten relativ viel los. Kaum war man aber wieder in den Weinbergen,  war es ruhig und man traf nur hin und wieder jemanden.

Radfahrer waren auch nicht übermäßig viele unterwegs, die ersten zwei Stunden bis etwa 10:00 Uhr traf ich kaum auf einen Radler, später kamen mir mal einzelne Familien oder auch Gruppen entgegen, die bei einem der zahlreichen Radreiseveranstalter ihre Tour gebucht hatten. Der Moselradweg war zwar entsprechend vermarktet, von überlaufen konnte aber keine Rede sein.

An dem Tag ging es durch reichlich viele Orte. Über Treis-Karden, Cochem, Beilstein, Zell, Traben-Trabach und Zeltingen führte mein Weg immer nahe an der Mosel entlang bis nach Bernkastel-Kues. Die Orte ausführlicher ansehen wollte ich mir nicht, einige kannte ich schon von früheren Besuchen im Familienurlaub. Wenn ich wieder in den Weinbergen war, dann hatte ich meine Ruhe und einen herrlichen Blick in die umliegende Umgebung, auf alte Burgen und auf die Ausflugschiffe auf der Mosel.

Einen kurzen Halt hatte ich noch an einem Radgeschäft. Dort kaufte ich mir eine neue Klingel für mein Rad, weil die alte ein wenig defekt war. In den Orten und auch auf den Radwegen  war eine gut funktionierende Klingel immer „Gold wert“.

Nach 122 km erreichte ich um 16:45 Uhr den Campingplatz Kueser Werth, er befindet sich westlich vom Ort hinter dem Schutzhafen Kues. Das übliche Programm wie Zeltaufbau und Duschen war schnell erledigt, danach ging es direkt zum Campingplatz Restaurant. Leider hatte die Küche noch nicht geöffnet und die Ankündigung, dass es nur ein Gericht gab, fand ich auch nicht besonders einladend, aus dem Grund schnappte ich mir mein Rad und radelte in den Ort. Geld am Automaten ziehen musste ich ohnehin noch und fürs Frühstück einkaufen konnte ich dort sicherlich auch.

Später im Zentrum von Bernkastel-Kues wurde mir klar, warum das Restaurant am Campingplatz so wenig anbot. Die meisten Campinggäste verbrachten den Abend vermutlich ohnehin im Ort und dort war das Angebot an Restaurants groß.

 

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 04. Tag: Von Bernkastel Kues nach Schengen

 Datum  km  Σ Km  Hm  Σ Hm  Übernachtung
 30.08.2016  110 + 4  490  350 + 50  1.180  Moselcamping Dreiländereck

 

Die weitere Fahrt an der Mosel entlang war von ähnlichen landschaftlichen Eindrücken geprägt  wie die Etappe am Vortag. Auch wenn es in Richtung Trier mal an der Straße entlang ging, die wenigen Autos störten nicht und zum ersten Mal sah ich bei einem Wechsel der Straßenseite an einem Pfahl eines Straßenschildes die Muschel des Jakobsweges.

In Neumagen-Drohn gab es im Dorf Cafe Hermes erst einmal ein zweites Frühstück, bevor ich kurze Zeit später noch im Ort vor einem Replikat des Neumagener Weinschiffes stand. Bei dem in Stein gehauenen Weinschiff handelt es sich um das Grabmal einen römischen Weinhändlers. Es hatte wohl den Zweck, den Beruf des Verstorbenen darzustellen. Das Weinschiff wurde im Jahr 1878 in Neumagen als Teil eines Fundamentes einer Kastellanlage gefunden. Das Original steht im Rheinischen Landesmuseum in Trier. Nach der kurzen Besichtigung ging es weiter in Richtung Trier.

In einem Familienurlaub vor vielen Jahren waren wir mit den Kindern mal in Trier gewesen, das war lange her. Umso erstaunter war ich, wie schön sich die Altstadt von Trier mir präsentierte. Nicht nur die Porta Nigra, deren Besuch ja zum Pflichtprogramm gehörte, nein auch die Altstadt rund um den Hauptmarkt und am Domfreihof.

Meine Mittagspause verbrachte ich draußen in einem Restaurant in unmittelbarer Nähe zum Domforum. Dort hatte ich mir kurz vorher nach der Dombesichtigung einen Stempel für meinen Pilgerausweis geholt.

Und dann wurden wieder einige Touristen auf mein Schild am Rad aufmerksam. Es war ja nicht das erste Mal, dass sich Menschen dafür interessierten. Die Gespräche verliefen ähnlich! Alle fanden Jakob süß, gleichzeitig fanden sie es toll, dass ein Großvater für sein erstes Enkelkind so eine riesige Strecke mit dem Rad fuhr. Danach erzählten sie mir, dass sie schon zwei, drei oder vier Enkelkinder hatten und ein weiteres geplant sei. Das kannte ich noch nicht, es gab quasi einen Wettbewerb bezüglich der Anzahl der Enkelkinder, je mehr man hatte, je mehr stieg mal als Opa oder Oma im Wert.

Während es morgens noch angenehm kühl war, stieg die Temperatur nach dem Mittag wieder gewaltig an. Hinter Konz am Moselufer kurz hinter der alten Fährrampe Igel sah ich im letzten Augenblick rechts von mir ein Wassertretbecken, vor dem jemand mit kurzer Hose saß. Das Tretbecken war einfach zu verlockend, um einfach weiterzufahren. Die Schuhe ausgezogen dauerte es keine zwei Minuten und ich stand im Wasser und genoss die angenehme Kühle.

Und dann kam ich in ein Gespräch mit Rainer Becker, der dort ebenfalls seine Füße kühlte, er war Triathlet. Wir endeckten viele gemeinsame Themen, wie z.B. dass 24 Stunden Rennen auf dem Nürburgring, meine Radreisen,  seine Teilnahme an Triathlon Veranstaltungen und vieles mehr. Es war ein sehr nettes Gespräch! Nach ca. einer Stunde verabschiedeten wir uns herzlich voneinander und ich machte  mich wieder auf den Weg, schließlich sollte es noch bis Schengen gehen.

In Wasserbillig radelte ich über die Grenze nach Luxemburg auf die Westseite der Mosel. Das stellte sich später als Fehler heraus. Wäre ich etwas später in Grevenmacher über die Brücke zurück nach Deutschland gefahren, hätte ich es deutlich ruhiger und nicht so anstrengend gehabt.

Der Grund war, dass der Radweg an der N10 entlang führte und ich in deren Verlauf hinter Machtum auf eine Baustelle traf. Für Radfahrer war die weitere Straße gesperrt und die Ausschilderung verlief steil hoch in die Weinberge. Höhenmeter kamen auf dem Stück nicht viel zusammen, aber es war sehr steil. Oben angekommen gab es natürlich die Belohnung in Form eines tollen Rundblickes in die Umgebung.

In dem kleinen Ort Remich kurz vor Schengen führte mein Track dann über die Brücke auf die deutsche Seite, dort gab es den Campingplatz „Moselcamping Dreiländereck“ und in der Nähe ein tolles Restaurant mit dem Namen „Rothaus“. Dort gefiel es mir an dem Abend.

 

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 05. Tag: Schengen - Corny-sur-Moselle

 Datum  km  Σ Km  Hm  Σ Hm  Übernachtung
 31.08.2016  90 + 11  591  210  1.390  Camping Le Paquis

 

Wenige Meter neben meinem Stellplatz befand sich ein Pavillon, mit einem Tisch aus Stahlfüßen und einer Tischplatte aus Beton. Nicht dass ich diese Kombination mit Plastikstühlen schön fand, zum Kaffee kochen und zum Frühstücken war der Platz aber trotzdem optimal. Am Abend zuvor war ich noch kurz im nahen Lidl gewesen und hatte Baquette, Margarine und Aufschnitt gekauft, so konnte ich in Ruhe mein Frühstück genießen, übrigens etwas, das mir generell auf den Campingplätzen gefiel. Die meisten Gäste standen erst um 08:00 Uhr auf, es gab keine Stimmen, es herrschte fast absolute Ruhe.

An dem Tag ging es fast nur an der Mosel oder dem parallel zur Model führenden Canal entlang. Meine vorherigen Bedenken bezüglich der Durchquerung der etwas größeren Städte Thionville und Metz lösten sich unterwegs „in Luft auf“. Was war es doch einfach, dem im GPS Gerät gespeicherten Track zu folgen, wenn man gleichzeitig noch auf die Schilder für Radfahrer achtete.

Ein Problem hatte ich eher noch vor Thionville zwischen den kleinen Städten Basse-Ham und Haute-Ham. Dort gab es in unmittelbarer Nähe von einem Nautic-Zentrum eine große Baustelle und die Umleitung war für Radfahrer relativ schlecht ausgeschildert. Ein zusätzlicher Bogen von ca. 2 km löste das Problem, danach war ich wieder auf dem Moselradweg unterwegs.

Wenn man in die unten zu sehende Karte hinein zoomt, dann sieht man nicht nur den geradelten Bogen, sondern auch sehr schön, wie einen der Moselradweg vollkommen verkehrsfrei durch Thionville und Metz führt.

An dem Tag kam ich zweimal mit Radlern ins Gespräch, die ebenfalls auf dem Moselradweg unterwegs waren. Eine Gruppe hatte einen Plattfuß am Rad, der aber wohl fast schon behoben war. Später traf ich auf ein Pärchen, die gemeinsam mit Pedelecs ebenfalls auf dem Weg nach Santiago d. C. waren. Sie standen am Radweg und störten sich daran, ein Knacken vorne am Motor eines ihrer Pedelecs zu hören. Ich konnte ihnen dabei nicht helfen, sie überholten mich später aber und hielten den Daumen hoch, daher wusste ich, dass der kleine Schaden wohl behoben war.

Der Radweg an der Mosel entlang gefiel mir in Frankreich sehr, was etwas fehlte waren die in Deutschland typischen Einkehrmöglichkeiten. Genügend Wasser mitzunehmen war dann wichtig, wenn man nicht vorhatte, den Moselradweg zu verlassen, um einen Ort anzusteuern.

Nach 90 km war ich bereits um 14:00 Uhr im Ziel, ein wenig relaxen und einmal in den 5 km entfernten Lidl zu fahren, war an dem Nachmittag gut möglich. Darüber hinaus radelte ich noch ein paar Kilometer vom Campingplatz in Corny-sur-Moselle zurück, um mir in Jouy-aux-Arches das bereits auf der Anfahrt entdeckte römische Aquädukt näher anzusehen. Das riesige Aquädukt ist über 1100 m lang und verbindet die beiden Moselufer mit Hilfe von 110 Säulen, deren längste 25 m lang ist. Das Bauwerk stammt aus dem 2. Jahrhundert n. Chr. und ist nur ein Teil einer insgesamt 22 km langen Kanalisierung, die das Wasser von Gorze bis nach Metz transportierte. 

 

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 06. Tag: Corny-sur-Moselle - Charmes

 Datum  km  Σ Km  Hm  Σ Hm  Übernachtung
 01.09.2016  107 + 5  703  408  1.798  Camping Les Iles

 

Manchmal war das spannende an Radtouren ja die Tatsache, dass man zu Beginn des Radtages nie genau wusste, was an dem Tag so alles auf einen zukam. So auch an diesem Morgen, als ich kurz vor Novéant-sur-Moselle entschied, nicht der D6 nach Süden zu folgen, sondern näher am Moselufer zu fahren. Dort gab es auf meiner Karte eine gestrichelte Linie, der ich verbunden mit der Hoffnung folgte, dass sie befahrbar war. Am Anfang konnte ich dort relativ gut radeln, kam an alten nicht mehr in Betrieb befindlichen Schleusen vorbei, danach wurde der immer schmaler werdende Trail unerträglich. Wurzelkanten, tiefe Löcher, es gab halt alles, was geeignet war, mich zu Fall zu bringen. Zurück wollte ich nicht und auf der Karte im GPS Gerät war zu sehen, dass nach 1,5 km dieser Piste die Erlösung kam. An der Stelle gab es einen Bahnübergang, an dem sollte es möglich sein, über die rechts von mir parallel verlaufenden Gleise zur Straße zurückzukehren.

Als ich dort ankam, war die Schranke geschlossen. Nach genauerer Inspektion sah ich rechts von der Schranke einen Kasten mit einer Ruftaste. Also wurde die Taste gedrückt, aber nichts geschah, bis ich durch Zufall auf der anderen Seite in etwa 100 m Entfernung ein Stellwerkhäuschen sah. Dort winkte eine Frau aus dem Fenster, sie wollte wohl wissen, ob ich auf die andere Seite der Bahngleise wollte. Sehr logisch fand ich das nicht, wozu hatte ich sonst wohl die Taste gedrückt. Ach ja, vielleicht konnte man damit auch Eis bestellen.

Egal, nach einigem Zeigen auf die andere Seite ging dann endlich die Schranke hoch. Ich hatte es geschafft und befand mich etwas später doch tatsächlich auf der anderen Seite der Bahngleise.

An der relativ wenig befahrenen D657 ging es dann einige Kilometer entlang nach Süden. Das Tagesteilstück war nicht wirklich schön, meine Begeisterung stieg aber einige Kilometer vor Nancy wieder an, als ich auf einen wunderschön geführten Radweg traf. Er folgte zunächst noch der Mosel, verlief aber dann weiter an der La Meurthe bzw. dem Canal de la Marne au Rhin. Noch am Morgen hatte ich ein wenig Bedenken bezüglich der Fahrt durch die Großstadt Nancy gehabt, aber es gab überhaupt keine Probleme, der Radweg führte mich so, dass ich nur eine Handvoll Autos sah.

Südlich von Nancy traf ich wieder auf die Mosel, die im Bereich der Großstadt Nancy einen großen westlichen Bogen um die Stadt herum macht. Danach schwenkt das Moseltal wieder nach Südwesten, so dass ich ganz automatisch wieder auf den Fluss traf. Ab dort radelte ich auf kleinen Sträßchen beziehungsweise wenig befahrenen Straßen weiter nach Süden bis in meinen Zielort Charmes.

In Charmes gibt es zwischen der Mosel und dem Canal du Vogeses einen Campingplatz, der im Ort gut ausgeschildert ist, man kann ihn also kaum verfehlen. Ja und dort stand direkt am Eingang des Platzes der Claus. Bei Claus handelt es sich um den Radler aus Mettmann, auf den ich bereits im Tagesbericht 02 hingewiesen habe. Er war seit Tagen immer ein Stück vor mir her geradelt, hatte in Charmes aber einen Pausentag eingelegt. Tja und da standen wir nun beide in Charmes auf dem Campingplatz, begrüßten uns herzlich und erinnerten uns an die vielen Telefonate, die wir bereits zu Hause miteinander geführt hatten. Den Abend verbrachten wir beide in einer Pizzeria in Charmes, es war ein netter gemeinsamer Abend.

 

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 07. Tag: Charmes - Fontenoy

 Datum  km  Σ Km  Hm  Σ Hm  Übernachtung
 02.09.2016  71  774  230  2.028  Camping Fontenay

 

An dem Tag wusste ich am Morgen noch nicht, dass es einer der schönsten Radtage werden würde, aber mehr etwas später.

Von Claus verabschiedete ich mich an dem Morgen nur kurz! Wir hatten vereinbart, dass jeder sein eigenes Tempo fuhr. Wir würden uns am Abend wohl wieder treffen, aber in den Folgetagen dann doch aus den Augen verlieren, das war vorher schon klar. Claus hatte in seiner Planung mehr Pausentage als ich vorgesehen, von Santiago de Compostela nach Hause ging sein Flug auch einige Tage später.

An dem Morgen machte ich an dem Tag zunächst einen kleinen „Fehler“ und fuhr nach Charmes in den Ort. Eigentlich hätte ich bereits vom Campingplatz aus am Canal des Vogeses entlang radeln können, das hatte ich aber leider übersehen. Also ca. 3 km nach Süden an der D 157 entlang, bis ich einen Weg auf meinem GPS-Gerät sah, der direkt wieder auf den Canal des Vogeses traf.

Ab dort wurde es richtig schön! Noch nie war ich knapp 70 km lang auf einem schmalen asphaltierten Weg nur an Schleusen entlang gefahren. Dicke Bäume säumten immer mal wieder den Weg, es war richtig schön anzusehen. Immer wieder traf ich auf Boote der Bootsvermietung Le Boat. Die Vermietung war in Frankreich eine der großen Vermietungen, die Boote hatten wir auf früheren Touren schon im Valle du Lot, am Canal du Midi oder am Canal lateral du Garonne gesehen.

Ich winkte den Bootsführern immer zu und erhielt das entsprechende Feedback und mit so manchem kam ich an den Schleusen in ein lockeres nettes Gespräch. Das machte an dem Tag richtig Spaß. Auf der Strecke ging es an dem Tag unzählige Schleusenstufen hinauf und dann wieder hinab. Wegen der wenigen jeweiligen Meter an Höhenunterschied kam ich zügig voran.

Einen letzten Halt hatte ich noch kurz vor dem Ortszentrum von Fontenoy-le-Chateau. Dort gab es eine tolle Picknickstelle und einen Bootshafen der oben erwähnten Bootsvermietung Le Boat. Eine Zeit lang schaute ich mir das Treiben dort an, wie Boote geputzt wurden und an Mieter übergeben wurden, darüber hinaus war es ein schöner Picknickplatz.

Über die Brücke des parallel zum Canal des Vogeses fließenden Flusses Le Coney ging es dann in den kleinen Ort. Und dort gab es dann eine Überraschung, die Straße zum Campingplatz war gesperrt. Natürlich gab es dort keinen Hinweis, ob man mit dem Rad vielleicht doch an der Baustelle vorbei kam. Einen großen Umweg wollte ich aber nicht fahren, aus dem Grund ging ich das Risiko ein und kurbelte die ansteigende Straße in Richtung Baustelle hoch. Kurz vor dem Terrain de Moto-Cross de Fontenoy-le-Château sah ich sie dann, ein riesen Loch in der Straße. Die Arbeiter an der Baustelle schauten etwas „muffig“ als ich um die  Baustelle lief, um eine Möglichkeit zu finden, an der Baustelle vorbei zu kommen, einer der Arbeiter half mir aber dann. Hinter dem am rechten Fahrbahnrand stehenden Container (Frühstücksbude der Arbeiter) gab es schon einen Trampelpfad durch die Wiese. Er führte über eine kleine Brücke zurück auf die hinter der Baustelle liegende Straße, ich hatte mal wieder Glück.

Bis zum Campingplatz waren es dann nur noch wenige hundert Meter, sein Name war einfach zu merken, er hieß wie der Ort „Camping Fontenoy-les-Chateau“. Claus informierte ich noch mittels Whatsapp darüber, dass er die Baustelle rechts problemlos passieren konnte und legte mich nach dem Zeltaufbau in die Sonne und relaxte. Mir gefiel es dort, ich hatte mir einen sehr schönen und gemütlichen Campingplatz ausgesucht.

Claus war später gestartet und erschien etwa 1 ½ Stunden später auf dem Platz. Er baute in Ruhe sein Zelt auf und wollte im Anschluss danach seine bei Globetrotter erworbenen Fertiggerichte ausprobieren. Ich radelte in der Zwischenzeit  nochmal an der Baustelle vorbei in den Ort hinunter und besorgte einige Lebensmittel für ein gemeinsames  Frühstück am folgenden Tag.

Nach meiner Rückkehr wurde dann der Gaskocher „angeschmissen“! Bei Fertiggerichten ist man ja berechtigter Weise zunächst etwas skeptisch, Claus hatte mich netterweise eingeladen und ich muss sagen, dass es durchaus schmeckte. Der Platz hatte für mich einen gewissen Charme, die Zahl der Gäste hielt sich in Grenzen, uns störte niemand bei unserem einfachen Essen und brauchte man mehr? Aber sicher doch! Den Abend verbrachten wir später gemeinsam draußen vor der Bar mit einer leckeren Flasche Wein. 

 

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 08. Tag: Fontenoy - Gray

 Datum  km  Σ Km  Hm  Σ Hm  Übernachtung
 03.09.2016  100 + 5  879  750  2.778  Camping Longue Rive

 

Ein Tag der Turbulenzen!

Ich startete wohl knapp zwei Stunden früher als Claus und freute mich schon darauf , wieder am Canal entlang zu fahren. Das ging auch bis zu dem kleinen Ort Corre ganz gut, dort wurde die Piste aber fast unbefahrbar, so dass ich halt wieder zur Straße radelte. Auf meinem Ipad schaute ich mir den weiteren Verlauf etwas genauer an. Die ursprünglich geplante Strecke weiter zu fahren hatte keinen Zweck, weil der direkt am Canal entlang führende Weg mit hoher Wahrscheinlichkeit nicht befestigt war, dass hatte ich bei der Planung zu Hause wohl übersehen.

Die Entscheidung war schnell gefallen, ich wählte eine etwas kürzere Strecke an der D70 entlang, dort war auch nicht mit viel Verkehr zu rechnen und es kamen immer noch 100 km Strecke mit 750 Höhenmeter bis Gray zusammen.

Als ich knapp 50 km unterwegs war, klingelte mein Telefon. Claus rief mich an, weil an seinem hinteren Laufrad zwei Speichen gebrochen waren. Er hatte zwar zwei Notfallspeichen und Speichen in der richtigen Länge für die Zahnkranzseite dabei, aber keine Kettenpeitsche und Zahnkranzabnehmer, um Speichen einzubauen. Die Notfallspeichen mussten zunächst reichen, um das Rad einigermaßen zu zentrieren. Diese ließen sich ja ohne Zahnkranzentfernung montieren und das schaffte Claus auch ohne meine Hilfe vor Ort.

Dann hörte ich einige Zeit nichts von ihm. Ich war bereits in Gray am Campingplatz und hatte das Zelt bereits aufgebaut, als ich ein Knacken an meinem eigenen Rad hörte. Das Rad war überhaupt nicht mehr beladen und doch war auch bei meinem Hinterrad eine Speiche defekt. Als dann noch Claus anrief und mir mitteilte, das er mit einem Taxi unterwegs zu mir wäre und in 1 ½ Stunden in Gray wäre, wurde dieser Tag zum Tag der Speichenbrüche.

Mein Hinterrad hatte ich innerhalb einer halben Stunde repariert. Die Felgenzentrierung war ohne Zentrierständer nicht so einfach und selbst dann gehörte einfach eine mir fehlende Erfahrung dazu. Unterwegs war das nur möglich, in dem man  den Abstand der Bremsbacken zur Felge beobachte und schaute ob der Spalt beim Drehen des Rades gleichmäßiger wurde. Ich bekam das einigermaßen (< 1mm) hin, auf jeden Fall konnte es am nächsten Tag erst einmal weitergehen.

Als Claus dann mit dem Taxi erschien, war sein Rad dran. Gemeinsam tauschten wir die zwei Erste Hilfe Speichen gegen richtige aus und zentrierten in Ruhe das Rad. Das Ergebnis war nicht das Ergebnis eines Profis, der ein Laufrad im Zentrierständer zentriert, wir waren aber schon froh, dass das Laufrad nur noch einen winzigen Schlag aufwies.

Der Tag war inzwischen fortgeschritten, Zeit um noch kurz zum Lidl zu radeln. An der Reception wusste man, dass der Lidl immer bis 20:00 Uhr geöffnet hatte, es gab also kein Grund zur Eile. Als ich im 18:58 Uhr den Supermarkt betrat, wunderte ich mich schon, dass er so gut wie leer war, dachte mir aber nichts dabei und füllte in Ruhe meinen Einkaufskorb. An der Kasse wurde es dann um 19:10 Uhr etwas stressig, weil der Supermarkt seit 10 Minuten geschlossen war. Madam war so genervt, dass sie fast übersehen hätte, dass ich noch bezahlen musste. Als ich ging, erinnerte mich das Gezetere in einer schnellen Sprache, von der ich nur ein paar Worte verstand, an einen Rausschmiss. Irgendwie war das nicht mein Tag.

Aber der Tag war ja noch nicht beendet! Neben dem Campingplatz gab es ein Restaurant, das ganz ansehnlich aussah. Wir also zu Fuß die paar Meter rüber auf die Straßenseite, nur um festzustellen, dass alle Tische reserviert waren. Ja, es war Sonntag und da gingen halt auch viele Franzosen auswärts essen und für uns gab es leider keinen Platz mehr.

Also noch mal aufs Rad und ein paar hundert Meter weiter in den Ort. Dort fanden wir dann ein Restaurant, das zwar optisch nicht so toll aussah, wir wurden aber immerhin satt. Was war das nur für ein Tag? Oder, ja auf Radreisen erlebt man was!

 

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 09. Tag: Gray - Seurre

 Datum  km  Σ Km  Hm  Σ Hm  Übernachtung
 04.09.2016  78  957  320  3.098  Camping de la Plage

 

Ein Tag, von dem es wenig zu berichten gibt. Auf dem Programm stand eine Strecke von 78 km, die mich durch viele kleine Dörfer führte. Immer wieder traf ich kurze Stücke auf die unweit von meinem Weg verlaufende Soane oder dem parallel verlaufenden Canal. Dort sah ich wieder einige der Mietboote wie schon an den Tagen zuvor.

Es war zwar bewölkt, bis auf ganz wenige Tropfen regnete es aber nicht. Bei Kilometer 57 hörte ich dann das Knacken, der nächste Speichenriss. So langsam wurde ich nachdenklich, ich hatte insgesamt 6 Speichen dabei! Wenn ich jeden Tag eine bräuchte, käme ich nicht weit. Also das Gepäck vom Rad, Laufrad ausgebaut, Zahnkranz runter und neue Speiche eingebaut. Was ich zu dem Zeitpunkt noch nicht wusste, war die Tatsache, dass genau die Reparatur mehrere hundert Kilometer halten würde.

Meine Gedanken gingen aber in eine andere Richtung, ich wollte am nächsten Tag wenn eben möglich in Chalon sur Soanne eine Werkstatt aufsuchen. Chalon sur Soane war eine größere Stadt, da war die Chance, ein Radgeschäft zu finden doch recht hoch. Aber das wollte ich am Zielort im Internet recherchieren.

Nach einer halben Stunde saß ich wieder im Sattel. Das Komische an einer derartigen Situation ist, dass man in so einem Moment auf alle Geräusche hört. Man „traut dem Braten“ nicht, wie man so schön sagt und wartet quasi auf den nächsten Knacks. Aber es passierte nichts.

Gegen 16:00 Uhr erschien auch Claus auf dem Campingplatz Municipal La Piscine in Seurre, sein Laufrad war unterwegs glücklicherweise stabil geblieben. Auf dem Platz gab es ein kleines Restaurant. Die Speisenauswahl war nicht besonders groß, eher einfache Gerichte, es reichte aber, um den Kalorienhaushalt wieder ins Gleichgewicht zu bringen.

 

 

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 10. Tag: Seurre - Matour

 Datum  km  Σ Km  Hm  Σ Hm  Übernachtung
 05.09.2016  118 + 2  1.077  610 + 20  3.728  Camping du Paluet

 

In der Nacht hatte es zum ersten Mal über einen längeren Zeitraum bis morgens um 08:00 Uhr geregnet. Als nur noch ein paar Tropfen vom Himmel kamen, packte ich das nasse Zelt zusammen und machte ich mich auf den Weg. Früh zu starten war an dem Tag sinnvoll, um mehr Zeit für die erforderliche Laufradzentrierung in Chalon sur Soane zu haben.

Durch mehrere kleinere Orte wie Chivres (kurze Kaffeepause), Bragny-sur-Saone, Verdun-sur-le-Doubs, Gergy und Sassenay radelte ich die ersten Kilometer des Tages in Richtung Chalon-sur-Saone. An dem Tag konnte ich die Fahrt noch nicht so richtig genießen, zu sehr waren die Gedanken immer wieder bei dem zu schwachen Hinterrad. Es ist ein komisches Gefühl, wenn man quasi jede Minute damit rechnet, wieder das typische Knackgeräusch eines Speichenrisses zu hören. Dass meine letzte Reparatur noch 400 km halten würde, dass wusste ich zu dem Zeitpunkt ja noch nicht.

Mein Wunsch, im Radgeschäft in Chalon sur Soane mein Hinterrad zentriert zu bekommen, erfüllte sich nicht! Das Geschäft hatte montags morgens geschlossen und machte erst wieder um 14:00 Uhr auf. Drei Stunden warten wollte ich nicht, aus dem Grund ging ich das Risiko, weiterzufahren ein, schließlich hatte ich noch 4 Speichen in meinen Packtaschen verstaut.

Im Zentrum von Chalon sur Soane hielt ich mich nicht lange auf. Am Bahnhof vorbei radelte ich nach Westen und traf auf eine alte Bahnlinie, die zunächst nach Westen und dann über viele Kilometer nach Süden führt. Vollkommen PKW frei ließ  sich dort einfach herrlich radeln. Immer wieder traf ich auf kleinere alte Bahnhöfe, die vollkommen verlassen an alte Zeiten erinnerten. Die verlassenen Bahnhöfe befinden sich immer außerhalb der kleinen Orte, so dass es auf dieser langen Radstrecke leider auch keine Infrastruktur gibt. Wasser hatte ich aber genug dabei, insofern gab es kein Problem, aber einen Kaffee trinken zu können wäre recht schön gewesen.

Nach weit über inzwischen 1.000 Radkilometern meiner Tour stand ich an dem Nachmittag an der alten Bahnlinie in der Nähe von Taizé.  Die Commune von Taizé ist heute eine Gemeinschaft von ca. hundert Brüdern, Katholiken und Mitglieder verschiedener evangelischer Kirchen.  Sie stammen aus fünfundzwanzig Ländern. Die Gemeinschaft ist ein Zeichen der Versöhnung unter gespaltenen Christen. Die Brüder bestreiten ihren Lebensunterhalt ausschließlich durch den Erlös ihrer Arbeit, Spenden nehmen sie nicht an. Heute ist die Commune u.a. ein Treffpunkt für viele Jugendliche aus Europa, die ihren eigenen „Pilgerweg des Vertrauens auf der Erde“ gehen.

Ich schaute mir kurz das Gelände der Commune an, machte mich dann aber weiter auf den Weg. Bis nach Cluny waren es nur noch wenige Kilometer und auf dem Stück bis Cluny führte mich die Bahnlinie immer weiter nach Süden. Cluny ist kein sehr großer Ort, er hat nicht mehr als 5.000 Einwohner, wurde aber bereits im Mittelalter durch seine Benediktinerabtei sehr berühmt. Sehenswert sind heute der alte Stadtkern, die Abtei, der Glocken- und Wachturm, sowie die Kirche Notre Dame.

Etwa 2 Stunden hielt ich mich in Cluny auf und schob mein Rad durch die Innenstadt. Die alten kleinen Gassen sind wirklich sehr schön, nur leider waren natürlich auch viele Touristen unterwegs. Es war noch recht früh an dem Nachmittag, aus dem Grund kam mir der Gedanke, den darauffolgenden Tag von den Höhenmetern und Kilometern etwas zu entzerren und schon mal ein Stück der folgenden Etappe unter die Räder zu nehmen.

So kam es, dass ich nach den bereits 92 Tageskilometern  noch 26 km in die Berge fuhr. Noch in Cluny hatte ich ein wenig im Internet recherchiert und einen recht schönen Platz in Matour als neues Ziel definiert. Der Campingplatz „Le Paluet" war ein drei Sterne Platz, hatte einen Pool und ganz ordentliche Sanitäranlagen.

An dem Abend wollte ich im Ort eigentlich in einem Restaurant essen, das wurde aber leider nichts, weil alle geschlossen hatten. „Auf den letzten Drücker“ konnte ich noch in einem Supermarkt einkaufen und so mein Abendessen sichern.

 

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 11. Tag: Matour - Montbrisan

 Datum  km  Σ Km  Hm  Σ Hm  Übernachtung
 06.09.2016  129  1.206  1.000  4.728  Camping Municipal

 

Der Campingplatz in Matour war sehr schön! Er hatte einen Pool, der in der Nachsaison zwar bereits geschlossen war, aber das störte mich nicht. Die Temperaturen waren ohnehin nicht hoch genug und hin und wieder kamen auch ein paar Tropfen Regen vom Himmel.

Am Tag zuvor hatte ich zwischen Cluny und Matour ja schon einige Höhenmeter geschafft, um so einfacher war es an dem Morgen nur noch knapp 200 Höhenmeter hinauf zum Col de la Croix D´Auterre (556 m) zu fahren. Schon sehr früh stand ich oben vor dem Passschild und machte das übliche Foto.

An dem Tag radelte ich reichlich viele Kilometer (129 km) und Höhenmeter (1000 Hm), es ging zweimal bis auf 560 m hinauf, nur dass es auf der zweiten Anhöhe kein Passschild gab. Hinter dem Col de la Croix D´Auterre ging es erst einmal über 200 Höhenmeter hinab bis in den kleinen Ort Clayette. Im Ort sah ich ein Schild mit dem Hinweis auf das Chateau de la Clayette. Das Schild war nicht groß und hätte ich es übersehen, wäre ich auf der D987 einfach weitergefahren. Also bog ich rechts ab und radelte auf der Rue de la Promenade an einem kleinen See entlang. Am westlichen Ende des Sees stand ich dann plötzlich vor dem imposanten Chateau.

Das Wasserschloss war vom 14. Jahrhundert bis zur Französischen Revolution das Zentrum eines der größten Besitzungen in der Region. Das Schloss wechselte in den darauffolgenden Jahrhunderten mehrmals den Besitzer, bis La Clayette im Jahr 1736 zur Grafschaft erhoben wurde. Seit dem Zeitpunkt ist es im Besitz der Familie des Baron von Clayette (Bernard de Noblet).

Überwiegend ging es an dem Tag auf den typischen D Straßen weiter, aber die Strecke zog sich hin. Ich durchquerte die Orte Chateauneuf, Charlieu, Pouilly-sous-Charlieu, Saint-Germain-Lespinasse und Saint-Alban-les-Eaux und radelte anschließend den zweiten größeren Anstieg des Tages hoch.  In Saint-Germain-Laval  traf ich nach 100 Tageskilometern auf eine lustige Rennradfahrergruppe aus dem Schwarzwald. Sie saßen draußen vor einer Bar und schauten bei meiner Ankunft sofort auf mein hochbepacktes Rad. Eine der Frauen machte sich sofort daran, ein wenig zu lästern: „Der hat ja auch ein zu großes Trikot an, genau wie du Paul! Kauft euch doch mal was richtig Passendes zum anziehen, dass sieht ja unmöglich aus!“ Für so einen Spaß war ich natürlich zu haben! Ich erklärte ihr, dass Trikots immer zu groß würden, wenn man mit 27 kg Gepäck unterwegs wäre. Wenn man mit 7 kg Carbon Rennrädern radelte, würde man so einen angenehmen luftigen Zustand natürlich nie erreichen. Das sei bei Läufern ja auch so. Aus Trainingszwecken wären die ja manchmal mit Bleigürteln unterwegs. Alle lachten natürlich und das war dann der Auftakt für einen weiteren netten Plausch.

Bis Montbrison waren noch 29 km zu radeln, es ging aber tendenziell bergab. Ich konnte ein wenig stolz darauf sein, die 129 km mit 1000 Hm schon um 15:15 gemeistert zu haben. Bezogen auf die ursprüngliche Tagesplanung hatte ich in den letzten zwei Tagen einen ganzen Tag rausgeholt und jetzt 2 Tage Reserve auf meinem Weg nach Santiago de Compostela.

Der Campingplatz in Montbrison lag am südlichen Ende des Ortes. Es handelte sich um einen kleinen Municipalplatz, den ich in die Kategorie „Klein aber fein“ einordnete. Beim Zeltaufbau passierte mir noch ein kleines Missgeschick. Ich stellte mein Zelt direkt neben einer Bank auf, wobei ich übersah, dass es sich um einen Picknickplatz handelte, Zelte waren dort nicht erlaubt. Es gab dort kein Schild mit einem Hinweis, aus dem Grund war mir das nicht aufgefallen. Der Platzwart machte mir aber in nettem Ton klar, dass ich das Zelt umsetzen musste, was ich dann natürlich tat.

Später radelte ich noch in den historischen Kern des Ortes und schaute mir die gotische Kirche Notre-Dame-d´Espérance und den Ortskern an. Die Kirche wurde in den Jahren 1223-1466 erbaut und steht als Monument historique unter Denkmalschutz.

 

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 12. Tag: Montbrisan - Le Puy en Velay

 Datum  km  Σ Km  Hm  Σ Hm  Übernachtung
 07.09.2016  115 + 3  1.324  1405 + 50  6.183  Camping Bouthezard

 

Als ich an dem Morgen in Montbrison am Campingplatz startete, zeigte das Thermometer bereits 20 Grad Celsius an. Das war zum Radeln natürlich eine sehr angenehme Temperatur, aber zum Mittag würde die Temperatur die 36-37 Grad-Marke erreichen, da fiel einem das Radeln sicherlich schwer. Ursprünglich hatte ich mir vorgenommen, meinen Zielort Le-Puy-en-Velay bereits um 14:00 Uhr zu erreichen, daraus wurde aber leider aus zwei Gründen nichts.

Über die erste auf einem der Fotos zu sehende Anhöhe (601 m) war ich schnell geradelt, danach ging es wieder hinab ins wunderschöne Loire Tal. Vorbei an Saint-Paul-en Cornillon führte mein Weg danach in das kleine Städtchen Aurec-sur-Loire, wo es eine tolle alte Hängebrücke zu sehen gab.

Den Ort hatte ich kaum auf der Westseite der Loire nach Süden der D46 folgend verlassen, da knallte es wieder im Hinterrad, eine weitere Speiche hatte die Gewichtsbelastung nicht ausgehalten. 56 km war ich bereits geradelt, etwas mehr als die Hälfte der geplanten Strecke war geschafft, die Sonne brannte bereits gnadenlos von oben herab. An einem einigermaßen schattigen Platz reparierte ich den Schaden und belud im Anschluss wieder das Rad. Bei der Kontrolle meiner Ersatzspeichen stellte ich ernüchternd fest, dass ich nur noch drei Speichen mit einer Länge von 290 mm (Zahnkranzseite) dabei hatte. Würden die Probleme mit dem Hinterrad anhalten, reichten die drei Speichen bis Santiago de Compostela sicherlich nicht. Aber vielleicht gab es in Le-Puy-en-Velay ja eine Radwerkstatt, das wollte ich nach meiner Ankunft recherchieren.

Die Strecke an der Loire entlang war sehr sehr schön, aber in Lavoute-sur-Loire stand ich vor dem nächsten Problem. Die Straße D103, die südlich des Ortes direkt nach Le-Puy-en-Velay führte, war gesperrt. Eine Nachfrage im Ort ergab, dass eine Weiterfahrt mit dem Rad über diese Straße auch nicht möglich war. Ich müsste nach Osten radeln und ungefähr 12 km Umweg fahren. Ich hatte keine andere Wahl, nach bereits 100 Tageskilometern und 1150 Höhenmetern musste ich nochmals knapp 300 Höhenmeter hinauf. Der über schöne kleine Straßen geführte Umweg war nicht sehr steil, in der Hitze fielen mir die Zusatzkilometer aber etwas schwer.

Erst um 16:45 Uhr war ich reichlich abgekämpft im Ziel. Von Osten kommend hatte ich in der Innenstadt noch ein wenig mit dem PKW-Verkehr zu kämpfen, dann stand ich aber endlich an der Rezeption des Campingplatzes Bouthezard. Der Platz befindet sich auf der Westseite des Ortes in unmittelbarer Nähe der Altstadt. Von dort hat man einen direkten Blick auf die hoch auf einem Felsen erbaute Chapelle Saint Michel.

Frisch geduscht ging es an dem Abend noch ein wenig in die alte Pilgerstadt. Ab dort wollte ich in den Folgetagen der Via Podiensis folgen. Allerdings hatte zunächst die Beseitigung des Laufradproblems oberste Priorität, darum musste ich mich einen Tag später unbedingt kümmern.

 

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 13. Tag: Erster Pausentag in Le Puy en Velay

 Datum  km  Σ Km  Hm  Σ Hm  Übernachtung
 08.09.2016  18  1.342  50  6.233  Camping Bouthezard

 

In den ersten zwölf Tagen war ich 1.324 km geradelt und war bereits einen Tag schneller unterwegs als ursprünglich geplant.

Sehr schnell kam an dem Morgen der Gedanke auf, in Le-Puy-en-Velay eine zweite Nacht zu bleiben, sofern es im Ort eine Radwerkstatt gab. Am Abend zuvor hatte der Mann an der Rezeption nach meiner Problemschilderung bereits das Sportgeschäft Decathlon erwähnt, bezüglich der Reparatur des Laufradschadens war ich da aber eher skeptisch gewesen. Am jetzigen Morgen war eine junge Frau an der Rezeption, bei der ich mein Problem nochmal ansprach. Ich konnte oder wollte mir nicht vorstellen, dass es in Le-Puy-en-Velay außer Decathlon nicht noch eine andere Fachwerkstatt gab. Ich hatte kaum die erforderliche Speichenlänge erwähnt, als sie mir direkt antworte, dass Decathlon mir wohl  kaum helfen könnte. Die Speichenlänge wäre in Frankreich eher unüblich, sie könnte mir aber trotzdem eine Lösung anbieten. Und dann erzählte sie mir, dass hier schon mal häufiger Radler mit einem Raddefekt ankämen. Sie würde sie alle zum 5 km entfernten Radgeschäft „Sars Velomania“ schicken und alle wären bisher mit zufriedenen Gesichtern wieder zum Campingplatz zurückgekehrt. Dabei strahlte sie! Es machte ihr sichtlich Spaß, mir zu helfen.

Nach dem sie mir dann auch noch einen Radweg zur Werkstatt empfohlen hatte, stand meine Entscheidung fest, zur Werkstatt zu fahren. Immer am Fluss La Borne entlang in Richtung Osten bis unter die Bahnlinie hindurch, dann auf dem Radweg ein kurzes Stück geradeaus  bis zum dritten Kreisverkehr. Ihre Worte noch im Gedächtnis, radelte ich dort rechts abbiegend den Berg hinauf, noch einmal links in die Rue de la Transcevenole und schon stand ich um 09:00 Uhr bei Geschäftsöffnung am Ziel.

Meine Laune stieg an dem Tag sehr. Kurz nach meiner Ankunft kam der Chef und schloss den Laden auf. 15 Minuten später war das Laufrad perfekt zentriert und die Speichen mit der von mir benötigten Länge (290 mm) hatte er auch. Ich kaufte bei ihm 20 Speichen, dem Laufrad konnte ich irgendwie nicht mehr trauen, hoffte aber gleichzeitig, alle wieder mit nach Hause zu nehmen.

Bereits um 10:00 Uhr war ich wieder am Campingplatz und verwarf schnell den Gedanken doch noch weiterzufahren. Nein, jetzt wollte ich mir den alten Pilgerort einmal etwas genauer ansehen.

Bei meinem Besuch in der Altstadt waren bereits reichlich Pilger unterwegs. Im Zentrum gab es mehrere Pilgerherbergen und viele andere Unterkünfte für relativ „kleines Geld“. Le-Puy-en-Velay ist der Ausgangspunkt des französischen Jakobsweges „Via Podiensis“, der die Pilger bis an den Fuß der Pyrenäen führt. Eine Besonderheit des Ortes sind die weit sichtbaren Basaltkuppen (ehemalige Vulkanschlote). Auf der einen steht die Chapelle Saint Michel und auf der zweiten, dem „Rocher Corneille“, steht die Statue der Notre-Dame de la France. 1860 in einer Größe von 16 m errichtet, wurde diese aus dem Metall von über 200 während des Krimkrieges in Sewastopol erbeuteten Kanonen gegossen. Weiterhin sehenswert ist in der Altstadt die Kathedrale, die zum Weltkulturerbe der UNESCO gehört.

Nach der Ortsbesichtigung wurde ein wenig vor dem Zelt relaxt, der Pausentag hatte richtig gut getan.

 

 


 

   

 14. Tag: Le Puy en Velay - Saint Alban

 Datum  km  Σ Km  Hm  Σ Hm  Übernachtung
 09.09.2016  78  1.420  1.605  7.838  Camping LeGalier

 

Am Abend zuvor hatte ich noch einen netten Motorradfahrer aus Bayern kennengelernt und ein wenig mit ihm geplaudert, an dem Morgen verabschiedete er sich von mir, er wollte mit seinem Motorrad über mehr als 800 km in einem Tag nach Hause.

Bereits um 08:00 Uhr saß ich auf dem Rad, wohl wissend, dass auf dem Weg nach St. Alban mehr als 1600 Höhenmeter zu bewältigen waren. Mit 78 km war die Strecke nicht zu lang, für die Höhenmeter benötigte man halt Zeit und davon hatte ich an dem Tag auch genug. Was ich beim Verlassen des Campingplatzes noch nicht wusste, der steilste Anstieg kam gleich zu Beginn. Noch in Le Puy en Velay traf ich nach wenigen hundert Metern bereits auf den Pilgerweg und ab dort ging es ca. 150 m mit 10 - 12% Steigung hinauf. Die Strecke war nicht sehr lang, erschreckte mich aber ein wenig, weil selbst die Fußpilger außer Atem kamen. Viele Wanderer waren in der Morgendämmerung schon unterwegs, wir begrüßten uns gegenseitig mit dem üblichen „Bon Camino“.

Eine kleine Senke folgte und schon befand ich mich am ersten Anstieg, der bis auf eine Höhe von 1150 m führte. Die Steigung war eher moderat, sie lag so bei 5-7 % und war sehr gleichmäßig, so kam ich gut voran. Schon vor 10:00 Uhr war der erste Berg geschafft und ich stand auf einer Höhe von 1150m. Der Himmel war leicht bewölkt, bei ca. 20 Grad Außentemperatur war es sehr angenehm, dort oben zu stehen.

Bis in den Ort  Monistrol d´Allier konnte ich das Rad fast 500 Höhenmeter hinunter nur laufen lassen, danach führte eine Brücke über den Fluß L´Allier, die sich am Eingang des Ortes befindet. Der Ort liegt etwas abseits der Straße, so dass ich die Häuser nur von oben sehen konnte. Als nächstes Ziel zeigten die Straßenschilder den Ort Saugues an, um dorthin zu gelangen, ging es aber erst einmal wieder 450 Höhenmeter hoch.

Saugues schien ein beliebtes Etappenziel der Jakobspilger zu sein. Überall standen Tafeln mit Hinweisen auf ein Pilgermenü, man konnte dort überall für relativ kleines Geld einkehren oder auch einen Übernachtungsplatz finden. Für mich kam das nicht in Frage, ich war ja noch lange nicht im Ziel.

Hinter dem Ort gab es für mich ein Problem. Ich wollte links in Richtung Grèzes abbiegen, dort stand aber  ein Schild „Route Barre“. Ich verstand die Erläuterungen auf dem Schild so, dass sich die Baustelle im Ort Grèzes und nicht auf der dorthin führenden Straße befinden musste. Ich hatte mir bereits eine unwesentlich längere Alternativstrecke ausgesucht, als mir der Zufall zu Hilfe kam. Dort wo ich mit meinem Rad stand, lud ein Vater für seine Tochter gerade ein Mountainbike vom Autodach. Für mich war die Gelegenheit, die Situation zu klären. Der Franzose war sich sicher, dass die Straße im Ort für PKW unpassierbar war, dass das mit dem Rad aber kein Problem war.

Der gute Mann hatte Recht. Mein Rad musste ich an der Baustelle nur ein paar Meter schieben und schon war ich durch. Witzig war die Tatsache, dass die Tochter des Franzosen die ganze Zeit vor mir hergefahren war, den Weg aber nicht kannte und mehrmals hielt. Sie hatte mitbekommen, dass ich mit einem GPS-Gerät unterwegs war und fragte mich immer wieder nach kleineren Orten, die sie doch passieren wollte. Diese Orte waren auf einer einfachen Skizze markiert, wo sie sich aktuell befand, wusste sie aber nicht. In der Region war sie wohl genauso wie ich Tourist und kannte die Umgebung nicht. Ich gab ihr die Info, dass sie auf dem richtigen Weg war und schon war sie mit ihrem MTB wieder weg.

In dem kleinen Ort Chanaleilles befindet sich rechts an der Straße eine kleine Bar (Bar du Pont). Ich hatte bereits über 1400 Höhenmeter in den Beinen und freute mich auf eine Pause, um danach die letzten 200 Höhenmetern des Tages zu radeln. Mein Rad stellte ich rechts von der Bar auf dem Parkplatz ab und schaute mich um, wer dort alles draußen auf der Veranda saß.

Dort traf ich dann Vater und Tochter wieder, die mir zuvor doch so nett mit der Baustellenauskunft geholfen hatten. Der Vater der Radlerin begrüßte mich mit Handschlag herzlich, obwohl er nur ein paar Wörter Englisch sprach. Mit Händen und Füßen „unterhielten“ wir uns, hatten trotz der Sprachschwierigkeiten aber sichtlich unseren Spaß. Das war dann der Auftakt für eine weitere Kommunikationsrunde mit einer Pilgergruppe, die am Nebentisch saß. Die Gruppe bestehend aus einer Amerikanerin, einer Kanadierin und einer Niederländerin war gemeinsam seit 5 Tagen unterwegs. Sie wollten nur ein Teilstück des Jakobsweges gehen, wenige Tage später sollte es mit dem Flugzeug bereits wieder nach Hause gehen. Diese Unterhaltungen unterwegs machten immer Spaß. Zu sehen, wie sich solche Gruppen unterwegs erst bildeten und häufig aus mehreren Ländern stammten, war schon interessant.

Eine halbe Stunde später nahm ich die letzten 200 Höhenmeter in Angriff, um 14:00 Uhr auf dem Col de la Croix du Fau in 1.305 m Höhe war es geschafft. Die letzten 13 km nach St.Alban bestanden aus einer sehr schönen Abfahrt, es ging über 400 Höhenmeter wieder bergab.

Bei der Ankunft ging alles recht herzlich und familiär zu. Ich hatte Glück, ein richtig schöner kleiner Platz erwartete mich, mit Pool und kleinem Restaurant. Dort konnte ich bleiben und musste noch nicht einmal zurück ins Zentrum von St. Alban hinauf.

 

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 15. Tag: Saint Alban - Entraygues

 Datum  km  Σ Km  Hm  Σ Hm  Übernachtung
 10.09.2016  98 + 3  1.521  725  8.563  Camping Le Val de Saures

 

Ein sehr schöner Tag lag hinter mir, als ich in Entraygues im Vallee du Lot am frühen Nachmittag ankam. Die 700 Hm zum 1340 m hohen Col du Aubrac waren kein Problem gewesen, die Straße zog sich gemächlich in Wellenform hoch. Viele Pilger sah ich unterwegs und die Landschaft war einfach wunderschön. Am Col de Aubrac machte ich einige Fotos, nach Hause senden konnte ich sie nicht, weil die Netzstärke zu schwach war, aber so wichtig war das nicht, dass konnte auch etwas später geschehen.

Kurz hinter dem Pass kommt man in den Ort Aubrac, wo ich auf viele Pilger traf. Eine Frau am Nebentisch vor einer Restauration erzählte mir von einem besonderen Erlebnis während ihrer nur 4-tägigen Tour. Sie war mit alten Schuhen gestartet und ausgerechnet auf dieser Tour waren die Schuhe bereits am zweiten Tag in der Sohle gebrochen. Unterwegs hatte sie anderen Pilgern von ihrem Problem erzählt und schon wurde Hilfe von einer anderen Frau signalisiert. Diese hatte Ersatzschuhe mit. Ihre ursprünglich mitgenommenen Schuhe waren ihr zu klein gewesen und aus dem Grund hatte sich bereits neue gekauft. Die alten hingen am Rucksack und wie der Zufall es wollte, passten die Schuhe der Frau, die diese dann von ihr geschenkt bekam.

Oben in Aubrac hatte ich erste 43 km der insgesamt 97 Tageskilometer zurückgelegt, zeitlich war das aber kein Problem. Ich wusste, bis ins Ziel ging es über 1000 Höhenmeter fast nur bergab. Bei Geschwindigkeiten um die 35-40 km/h lies ich das Rad einfach laufen und musste kaum bremsen. Auch hier wieder landschaftlich schöne Ausblicke.

Unser Sohn Felix hatte mir an dem Tag ein Video von unserem Enkelkind Jakob gesandt. Unterwegs war das Netz zu schlecht, um die 40 MB aus dem Netz zu laden, am Zielort war aber auch das Problem mittels WLAN gelöst. Es war einfach schön, dass es heute die Möglichkeit gab, die ersten Tage der Entwicklung von Jakob per Videoversand mit zu verfolgen.

Das Vallee du Lot kannte ich ja schon von einer Radtour mit meiner Frau 6 Jahre zuvor. Damals waren wir die Tarnschlucht rauf und das Lot Tal hinunter geradelt. In Saint-Come-D´Olt trafen die alte und jetzige Streckenführung zusammen, ab dort war ich wieder auf bekanntem Terrain.

Saint-Come-D´Olt lag wie ausgestorben, als ich dort eintraf. Eine Bar oder Restauration sah ich nicht, obwohl der Ort direkt am Lot lag. Erst in Espalion erblickte ich mehrere Hotels und Restaurants und eine Touristeninformation. Im Ortskern gibt es darüber hinaus eine Pilgerherberge, sowie mehrere Gites d´Etape. Espalion ist ein regionales Zentrum im oberen Lot Tal. Mit den alten Gerberhäusern und einer gotischen Brücke besitzt der Ort ein sehr ursprüngliches Stadtbild.

Den nächsten Halt hatte ich im 10 km entfernten Ort Estaing. Der Ursprung des Ortes Estaing ist wohl unbekannt. Das Zentrum des recht kleinen Ortes (gut 600 Einwohner), das man bei der Ankunft nicht übersehen kann, bildet das Schloss (15. Jahrhundert) der Familie d´Estaing. Guilaume d´Estaing war mit dem englischen König Richard Löwenherz auf dem dritten Kreuzzug. Ein weiterer Dieudonné d´Estaing konnte Phillipp II. in der Schlacht von Bouvines das Leben retten. Dafür durfte er die königlichen Lilien in seinem Wappen führen. Während der Französischen Revolution setzte sich Charles-Hector Graf von Estaing für die königliche Familie ein. Er wurde festgenommen und sagte im Prozess gegen die Königin aus. Daraufhin wurde er selbst zum Tode verurteilt. Die Familie Estaing starb im 18. Jahrhundert aus, ihr Titel wurde jedoch 1922 von Edmont Giscard gekauft. Dessen Sohn Valéry Giscard d´Estaing, früherer französischer Staatspräsident hat das Schloss 2005 mit seinem Bruder erworben und baute es später zu einem Konferenzzentrum/Museum um.

In Estaing gibt es wie schon in Espalion mehrere Unterkünfte. Die Via Podensis (Jakobsweg) führt von hier aus noch weiter bis nach Cahors. Ich radelte ein wenig durch die Gassen, kehrte in einem Cafe ein und beobachtete ein wenig das Treiben im Ort. Auf der weiteren Strecke von Estaing bis in meinen Zielort Entraygues ging es dann immer leicht bergab.  Der Lot und gleichzeitig die Straße verlor auf dem Teilstück etwa 100 m an Höhe über NN, so dass ich kaum in die Pedale treten musste. 

Bei der Ankunft am Campingplatz „Le Val de Saures“ hatten sie meinen Namen sogar noch im Computer gespeichert, so ging es an der Anmeldung schnell. Am späten Nachmittag radelte ich noch zu einem nahe gelegenen Supermarkt, fuhr ein wenig durch den Ort und schaute mir das Chateau an. Den Abend verbrachte ich am Campingplatz. 

 

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 16. Tag: Entraygues - Saint-Cirq-Lapobie

 Datum  km  Σ Km  Hm  Σ Hm  Übernachtung
 11.09.2016  106  1.627  388  8.951  Camping de la Plage

 

Die Strecke von Entraygues über Capdenac war ich mit meiner Frau Claudia ja sechs Jahre zuvor geradelt, insofern kannte ich den Weg. Morgens war es noch angenehm kühl, als ich den Ort verließ. Die Fahrt ging überwiegend bergab, kleine Anstiege gab es, doch das fühlte sich an wie im Münsterland. An dem Tag traf ich schon früh einen Schweizer Radler, der mit relativ wenig Gepäck nach Santiago unterwegs war. Wir unterhielten uns einige Zeit über die noch vor uns liegende Strecke und er erzählte mir, dass er aus der Gotthard Region kam.

Ich passierte mehrere Bauernhöfe, eine alte Tankstelle und eine alte Waschstelle, bevor ich auf das Hinweisschild zum Chateau Larroque-Toirac traf. Das Chateau befindet sich auf der anderen Seite des Flusses Lot. Ich nutzte wie vor 6 Jahren schon den Straßenabzweig zur D38/D662, um auf die andere Seite zu gelangen. Nach der Flussüberquerung sieht man das Schloss hoch oben über dem kleinen gleichnamigen Ort am Berg „kleben“.

Bis zum Ort Carjac war es dann nicht mehr weit. Immer an einer stillgelegten Bahntrasse entlang, ging es direkt in den Ort hinein. Gleich am Anfang des Ortes, wo ich rechts abbiegen musste, gab es ein kleines Restaurant. Ich bestellte mir dort einen leckeren Salat. In der Mittagshitze wurde es  Zeit, eine Mittagspause einzulegen.

Nun ein wenig über die Geschichte des Ortes:

Schon seit dem Mittelalter war Carjac eine Durchgangsstation für Pilger. Das 1269 erbaute Hospiz des Ortes findet in mehreren alten Texten Erwähnung. Eine Pilgerbrücke gibt es bereits seit 1320 über dem Fluss Lot. Heute gibt es in Cajarc zwei Pilgerherbergen (Gîte d'étape), Hotels und private Unterkünfte (Cambre d'hôtes) sowie einen Campingplatz. Ebenso befindet sich am Ort ein lokales Touristenbüro. Erste Anzeichen von Menschen fand man in den zahlreichen prähistorischen Höhlen der Umgebung. Aus den Ursprüngen einer römischen Siedlung entwickelte sich die Stadt Caiac, aus der später Cajarc wurde. Während des Hundertjährigen Krieges hatte  Cajarc, wie die meisten französischen Städte unter den Angriffen  der Engländer zu leiden. Der Festung oberhalb der Stadt und den massiven Verteidigungsanlagen um die Stadt ist es wohl zu verdanken, dass sie von englischer Besatzung verschont blieb. Allerdings wurde die Brücke über den Lot im Jahre 1356 von den Invasoren zerstört. 1842 baute man eine Hängebrücke, die bis heute in Betrieb ist. Während der Religionskriege bildete Cajarc für mehr als ein Jahrhundert einen protestantischen Zufluchtsort. Im Januar 1623 wurden die Festung und die Verteidigungsanlagen der Stadt auf Anweisung des Kardinals Richelieu zerstört. Seine Blütezeit erlebte der Ort im 19. Jahrhundert, dank der Gerbereien, Fabriken, Bergwerke und des Phosphat-Transports per Binnenschiff auf dem Fluss Lot.

Auf meiner weiteren Fahrt wurde die Landschaft immer schöner. Die steilen Felsen und die  teilweise eng an die Felsen gebauten Häuser waren malerisch anzusehen. 

Um 15:00 Uhr erreichte ich den „Camping de la Plage“ in Saint-Cirq-Lapobie. Die Hitze war bis in einen unerträglichen Bereich gestiegen, so dass ich keine Lust mehr verspürte, in den alten Ort hoch zu laufen. Zweimal war ich ja bereits mit Claudia dort gewesen und kannte das alte Künstlerdörfchen von unseren Besuchen in den Jahren 1999 und 2010.

Über Saint-Cirq-Lapobie:

Saint-Cirq-Lapobie wurde von der Vereinigung „Les plus beaux villages de France“ zu einem der schönsten Dörfer Frankreich erklärt. Die steilen Gassen des Ortes sind geprägt durch ziegelgedeckte Giebelhäuser aus dem 13. bis 16. Jahrhundert. Viele Künstler haben sich im Dorf niedergelassen und bieten ihre Erzeugnisse an. Am Fuße des Felsens Lapobie erinnern Mühlen, Schleusen und der Hafen sowie der Leinpfad an die Zeit der florierenden Binnenschifffahrt auf dem Lot. Im Mittelalter existierte in Saint-Cirq-Lapobie ein Hospiz für Pilger. Heute gibt es im Ort eine Pilgerherberge (Gîte d'étape), mehrere Hotels und Privatzimmer (Chambre d'hôtes) sowie den am Lot gelegenen Campingplatz, auf dem ich übernachtete.

 

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 17. Tag: Saint Cirq Lapobie - Moissac

 Datum  km  Σ Km  Hm  Σ Hm  Übernachtung
 12.09.2016  100 + 7  1.734  393  9.344  Camping I´ll du Bidounet

 

Nach 6 Jahren die Strecke im Vallee du Lot nochmal entlang zu radeln, war in der Morgenfrische richtig schön. Die Teilstrecke bis Cahors gehörte zu einem der schönsten Abschnitte im Lot Tal.

Ein letzter Blick auf das auf der gegenüberliegenden Flussseite am Berg „klebende“ Künstlerdörfchen Saint-Cirq-Lapobie und schon ging es weiter in Richtung Cahors. Mehrmals musste ich die alte Bahnstrecke queren und immer darauf achten, nicht in eines der Löcher zu fahren. Einen Speichenbruch wollte ich nicht mehr riskieren, also radelte ich ganz langsam hindurch oder fuhr an der Seite vorbei, um möglichen harten Schlägen zu entgehen.

Mitten durch den Fels hatte man die Straße dort teilweise gehauen. An vielen Stellen gab es eine kleine Mauer, welche die einzige Abgrenzung zum Fluss Lot darstellte und verhinderte, dass schleudernde PKW oder „verträumte“ Radler mal einfach so im Fluss verschwanden. Bei meiner Ankunft in Cahors erkannte ich sofort Vieles wieder. Der Ort hatte ja an Sehenswürdigkeiten einiges zu bieten:

- Pont Velentre, eine Brücke aus dem 14. Jahrhundert mit drei befestigten Türmen, sechs Brückenbögen und mit spitzen Bastionen bewehrten Pfeilern. Das außergewöhnliche Beispiel eines mittelalterlichen Verteidigungsbauwerkes wurde zum Wahrzeichen Cahors.

- Kathedrale Saint-Étienne, die Kathedrale, die mit ihrer Kuppelarchitektur die Hauptkirche Cahors und gleichzeitig Sitz des Bischofs ist.

In der Altstadt schaute ich mir ein wenig die alten Straßen und Häuserfronten an, bevor es  weiter zur Pont Velentre ging. Die Brücke lag etwas abseits von meinem weiteren geplanten Weg, den guten Kilometer konnte ich aber locker zurückradeln, das war das geringste Problem. In der Umgebung der Pont Velentre wurden Erinnerungen wach. Ein Blick hinunter auf die unten liegende Schleuse war der Grund. Im Jahr 1999 hatten wir in einem Familienurlaub mit unseren noch kleinen Kindern ein Boot gemietet und waren durch diese Schleuse im Brückenbereich unter der Brücke hindurch gefahren.

Nach einigen Fotos radelte ich zurück zum Parc Phillipp Gaubert, dort ging es über die Brücke Louis-Philippe auf die Südseite des Flusses Lot. Ab dort wurde die Fahrt für wenige Kilometer etwas nervig, weil es dort ein riesiges Gewerbegebiet gab. Zu viele Autos waren noch nie mein Ding gewesen, insofern war ich eine halbe Stunde später froh, diesem Bereich über die D653 zu entfliehen.

Gegen Mittag wurde es mit 38 Grad im Schatten unerträglich heiß. Bei dem Anstieg hinter Cahors ging es zwar nur auf eine Höhe von 285 m hinauf, die Sonnenstrahlen wurden aber vom Asphalt reflektiert und einen kühlenden Fahrtwind gab es auch nicht. Einige Kilometer ging es von der Anhöhe bergab, bis ich am Ortsausgang des kleinen Ortes Montcuq endlich eine Bar fand.  

Bei der Hitze war ich um 14:30 Uhr froh, meinen Zielort Moissac schon so früh zu erreichen. Ich wurde aber noch durch einen Umstand gefordert, den ich bei meiner Ankunft noch nicht sah.

Der Campingplatz liegt zwar recht schön am Tarn, die Rezeption war bei meiner Ankunft aber nicht besetzt. Das ist ja grundsätzlich erst einmal kein Problem. In der Regel baue ich in solchen Fällen erst einmal das Zelt auf und melde mich später an, so auch hier auf dem Campingplatz I´ll du Bidounet.

Nach dem das Zelt stand und ich bereits frisch geduscht war, radelte ich wieder nach vorne zur Rezeption. Um Punkt 16:00 Uhr öffnete diese, es standen aber bereits 10 Leute vor mir und die meisten waren ziemlich genervt. In der Hitze draußen in der Sonne zu stehen, während Madame in Ruhe ihr Programm abzog und jeden Personalausweis einzeln einscannte, nervte kolossal. Nach 60 Minuten hatte ich es tatsächlich geschafft und wurde bedient. Die Dusche hätte ich mir vorher sparen können, so heiß war es an dem Nachmittag. Das Wasser lief mir an den Beinen runter und dann hatte ich auch noch Glück! Bei meiner Anmeldung zeigte Madame mir einen  Plan und kreuzte mir auf dem Plan die Stellflächen an, auf denen mein Zelt nicht stehen durfte, da reserviert. Ich hatte doch tatsächlich zufällig richtig gewählt. Die von ihr markierten Plätze waren vor Ort nicht gekennzeichnet, insofern hätte die Geschichte auch anders ausgehen können. Dann hätte ich mein Zelt in der Hitze auch noch versetzen müssen.

Den Ärger an der Anmeldung schluckte ich herunter und machte mich auf den Weg, schließlich gab es in Moissac noch einiges zu sehen:

Der etwa 12.000 Einwohner große Ort Moissac liegt am rechten Ufer des Flusses Tarn, etwa vier Kilometer oberhalb seiner Mündung in die Garonne. Der Ort ist einer der bedeutendsten Stationen der Via Podiensis. Bereits im Mittelalter gab es eine Reihe von Pilgerherbergen und im Hospiz des Klosters wurden die Kranken versorgt. Die eigentliche Aufgabe des Klosters war aber die geistige Betreuung der Pilger durch das Zelebrieren von Messen und Prozessionen zu Ehren des heiligen Jakob.

Sehr sehenswert sind heute die ehemalige Benediktinerabtei Saint Pierre de Moissac und die 356 Meter lange Kanalbrücke über den Tarn, über die der Canal lateral a la Garonne den Tarn überquert.

Was war es an dem späten Nachmittag doch herrlich auf dem Place Roger Delthil direkt neben der Abtei draußen vor einem Cafe zu sitzen. Das schattige Plätzchen war ideal, um dem Treiben im Ort zuzusehen. Immer wieder tauchten Pilger mit ihren Rucksäcken auf oder ich kam kurz in ein Gespräch mit anderen Touristen, die in der Nähe des Ortes ihre Unterkunft hatten oder den Ort auf der Durchreise besuchten.

An dem Abend rief mich noch Claus Schöbel an. Ihm war eine Zeltstange gebrochen und ihm war nicht klar, wie man diese reparierte. Ersatzgestänge gab es nur bei wenigen Herstellern beim Kauf eines Zeltes kostenlos dabei. Was ich aber wusste war, dass wenn kein Gestänge im Zeltbeutel war, zumindest eine Reparaturhülse mitgeliefert wurde, so auch bei ihm. Ich  erklärte ihm, dass er die Hülse über die Bruchstelle schieben müsste. Danach mit Klebeband oder einem Tape fixiert sollte dem Aufbau des Zeltes nichts mehr entgegenstehen.

 

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 18. Tag: Moissac - Condom

 Datum  km  Σ Km  Hm  Σ Hm  Übernachtung
 13.09.2016  78 + 5  1.817  1.003  10.347  Camping Municipal De L` Argente

 

Als ich an dem Morgen den Reißverschluss meines Zeltes öffnete und einen Blick auf den Himmel warf, war eines klar, keine Wolke am Himmel bedeutete weiterhin 38 Grad. Nach Wettervorhersage sollte es am Abend in meinem Zielort Condom ein starkes Gewitter mit sturmartigen Böen geben, aber bis dahin lagen noch 78 km Strecke vor mir.

Der Tag war gekennzeichnet durch ein ständiges auf und ab. Es waren jeweils nie mehr als 100 Höhenmeter zu bewältigen und trotzdem kamen mehr als 1.000 Höhenmeter zusammen.

Westlich von Moissac überquerte ich mit meinem Rad die breit dahinfließende Garonne auf einer alten Stahlbrücke, die von ihrer Konstruktion her sehr interessant war (siehe Fotos). Danach ging es über viele kleinere Örtchen in Richtung Südwesten. In den Orten traf ich nur vereinzelt Pilger, sie alle beklagten sich aber über die auf diesem Streckenabschnitt mangelhafte Infrastruktur. Alle wünschten sich mal eine Bar am Weg, aber selbst Wasser zu bekommen, fiel schon schwer. Mir selber gelang das erst in dem kleinen Ort Flamarens, in dem es ein altes Chateau zu besichtigen gab. 

In Miradoux fand ich endlich einen kleinen Supermarkt, um Getränkereserven zu „bunkern“. Davor traf ich auch ein sehr nettes Pärchen im Rentenalter aus Kanada. Sie wollte unbedingt ein Foto von mir mit Jakob am Rad machen, um es nach Kanada zu senden und ihrer Familie zu zeigen. Ok dachte ich, Jakob kommt ja schon weit rum. Etwas später gesellte sich noch ein Radlerpaar aus Belgien zu uns. Sie waren auf dem Weg nach Zaragoza und ebenfalls sehr nett. Den ganzen Tag hatte ich bis hierher nur wenige Menschen gesehen, kaum ein paar Worte mit jemandem gewechselt, jetzt aber gleich mit vieren.

Vor meinem Zielort Condom gab es auf den letzten Kilometern nur noch den Ort Lectoure. Er liegt auf einem Hügel oberhalb des Flusses Gers. Der Ort ist ein Thermalbad, an Sehenswürdigkeiten besitzt er eine Kathedrale, die für den kleinen Ort als zu groß geraten erscheint. Die Innenstadt war aus mir unbekannten Gründen gesperrt. Hinzu kam die Mittagshitze, die mich in Richtung Condom trieb.

Um 14:00 Uhr traf ich bereits im historischen Ort Condom ein. Ich war froh, so früh angekommen zu sein, denn es wurde eine Entscheidung fällig. Am Nachmittag sollte ein gewaltiges Unwetter aufziehen, es stellte sich die Frage nach der Unterkunft, Campingplatz ja oder nein? Bei einer Unterhaltung noch im Ortszentrum mit einer deutschen Pilgerin und ihrem französischen Begleiter fiel die Entscheidung, ich fuhr zum Campingplatz. Bei der Stellplatzwahl achtete ich darauf, nicht in einer Senke zu stehen, das die Zeltleinen straff gespannt werden mussten war selbstverständlich. Die Vorbereitungen waren getroffen, mehr konnte ich nicht tun.

Im Zentrum des Ortes schaffte ich es noch, mir die Innenstadt in Ruhe anzusehen, danach ging es los! Ich erinnere mich nicht daran, jemals in meinem Leben einen so krassen Wetterwechsel gesehen zu haben. Es dauerte keine fünf Minuten, in denen die Himmelsfarbe von blau bis ins pechschwarze wechselte. Mit dem Farbwechsel kam auch ein Wind auf, der die Stühle draußen vor den Restaurants durch die Luft fliegen ließ. Die Menschen rannten und retteten sich in die Gebäude und die Kellner mühten sich damit ab, die Möbel festzubinden. Während es wie aus Kübeln schüttete, standen andere Gäste an den Fensterscheiben und schüttelten mit den Köpfen, sowas hatten sie noch nie gesehen.

Als der Zauber vorbei war radelte ich wieder zum Campingplatz, mein Hilleberg Nallo 3GT stand noch „wie eine Eins“, nur hatte ich leider vergessen, mein Handtuch von der etwas abseits hängenden Wäscheleine zu nehmen.

So schnell wie das Gewitter Condom erreichte, so schnell war es auch wieder abgezogen.

 

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 19. Tag: Condom - Aire sur L´Adour

 Datum  km  Σ Km  Hm  Σ Hm  Übernachtung
 14.09.2016  68 + 2  1.887  646  10.993  Camping Les Ombrages

 

In der Nacht hatte es noch geregnet, am frühen Morgen war das vorbei. Um 08:15 Uhr blickte ich zum Himmel und hoffte auf Wetterbesserung. Um es vorwegzunehmen, ich wurde auf der ganzen Fahrt nicht nass und brauchte auch die Regenjacke nicht.

Kaum hatte ich aber am Zielort in Aire Sur L´Adour mein Zelt aufgebaut, da ging es sofort los. Das war kein starker Regen, es tröpfelte aber kontinuierlich und hatte sich auch deutlich abgekühlt.

Von den Stunden ab meiner Abfahrt am Morgen  gibt es wenig zu berichten. Meine Fahrt ging über leicht hügeliges Terrain durch einige kleine Dörfer, bei teilweise zu viel LKW Verkehr.

In dem kleinen ansehnlichen Ort Eauze traf ich ihm Zentrum einen Iren (Foto), der sehr nett war und später Andre, einen Franzosen, der zu Fuß mit seiner Karre schon seit Wochen von Rouen aus unterwegs war. Es waren ein herzliche Treffen, die mir sehr viel Spaß gemacht hatten.

Eine Pause gab es noch in einem Bistro, danach radelte ich durch. Um 13:15 Uhr war ich bereits am Ziel in Aire Sur L´Adour. Der Campingplatz befindet sich nur wenige Meter vom Ortszentrum entfernt.

Während einer kurzen Regenpause schaffte ich es einmal bis in den Ort, um einen Cafe zu trinken, bei der nächsten kurzen Regenpause bis zum Lidl-Markt. Es blieben nicht viele Alternativen. Ich kaufte im Lidl-Markt einige Lebensmittel für den Abend und nächsten Morgen und verkroch mich später ins Zelt. Dort konnte ich noch ein wenig über WhatsApp mit der Familie kommunizieren und ein wenig im Internet recherchieren.

 

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 20. Tag: Aire sur L´Adour - Navarrenx

 Datum  km  Σ Km  Hm  Σ Hm  Übernachtung
 15.09.2016  91 + 3  1.981  1.150 + 50  12.193  Camping Municipal Beau Rivage

 

Morgens war das Wetter wieder super! Es war beim Radeln noch etwas frisch, aber der Himmel war sehr klar und man konnte bereits bis zu den Pyrenäen sehen.

Ich war noch nicht lange unterwegs und hatte die Autobahn A65 bereits das zweite Mal überquert, als mich im kleinen Ort Latrille ganz plötzlich ein Hund von der rechten Seite angriff. Wenn ich vorher aufmerksamer gewesen wäre, hätte ich vorgewarnt sein können. Kurz vorher an einer Hinweistafel stehend, hatte mich aus dem Vorgarten eine ganze Zeit ein kleiner Hund angekläfft. Dieser machte natürlich alle Hunde des Dorfes aufmerksam, man konnte sie schon von Weitem hören. Der Hund, der mich verfolgte, war nicht gerade klein, er versuchte immer, meinen Fuß im Bereich der Pedale zu packen, was ihm durch die schnelle Kurbelbewegung aber nicht  gelang. Ungefähr 200 -300 m brauchte ich, um ihn endlich abzuhängen. Ein Herrchen oder ein Frauchen war natürlich auch nicht in Sicht, wozu gab es eigentlich Hundeleinen, fragte ich mich.

Etwas später sah ich im Rückspiegel einen Radler, der recht zügig mit Gepäck unterwegs war. Es dauerte nicht lange, da hatte er mich eingeholt und fragte mich nach dem Weg. Er war sich nicht sicher, ob er vorher hätte rechts statt links abbiegen müssen, orientierte sich dann aber an meiner Person. Viel helfen konnte ich ihm leider nicht, schließlich gab es viele Möglichkeiten und zum Teil verstand ich ihn auch nicht. Dank Akku-Unterstützung war er mir zu zügig unterwegs, ich sah ihn aber noch zweimal am Wegrand stehen. Wenn man den Weg nicht kannte, musste man natürlich häufiger die Einheimischen fragen.

In dem winzigen Ort Pimbo sah ich ihn an einer Pilgerherberge zum letzten Mal stehen, ich radelte aber weiter über Arzacq-Arraziguet bis nach Morlaane, dort gab es schließlich ein Chateau zu sehen.

Bei meiner Ankunft in Morlaane war es absolut ruhig im Dorf. Ein paar Touristen liefen durch die nicht sehr lange alte Gasse in Richtung Chateau, ein französisches Paar kam aus einem Restaurant, ansonsten sah ich niemanden. Ich schaute mir das aus dem Jahr 1370 stammende Schloss ein wenig von außen an und machte ein paar Fotos. Ein wenig fühlte man sich ins Mittelalter zurückversetzt. Grundsätzlich konnte man das Schloss auch von Innen besichtigen, es waren dort wohl einige Möbelkollektionen zu sehen, es war aber über die Mittagszeit geschlossen. Also kurbelte ich die Gasse wieder hinauf bis ins Zentrum zurück und machte ich mich wieder auf den Weg.

Im nächsten Ort Arthez-de-Béarn gab es an einer Bar erst einmal eine kalte Cola zu trinken. Cola war nicht unbedingt mein Favorit bei den Getränken, aber kalt war sie erfrischend und Wasser konnte man auch irgendwann nicht mehr sehen.

Eine weitere Pause hatte ich noch in einem kleinen Park in Maslacq direkt gegenüber dem Restaurant Maugouber. Dort verzehrte ich einen vorher gekauften Käse und genoss den Schatten unter den Bäumen sehr. Auch hier war wieder auffallend, dass in den frühen Nachmittagsstunden oder auch Mittagsstunden die Menschen in ihren Häusern blieben, es war kaum jemand unterwegs.

Ein sehr nettes Erlebnis hatte ich an dem Tag noch 13 km vor meinem Tageszielort Navarrenx. Dort gab es im Bereich der Bauernschaft Sauvelade an der Route deu Larvath (D110) ein Haus, vor dem einige junge Leute auf Bänken saßen und sich laut unterhielten. Es sah einer Bar ähnlich, war aber eher wohl nicht für die Öffentlichkeit gedacht.

Sie freuten sich wohl, als sie mich sahen und riefen mir zu, von dem ich mangels Sprachkenntnisse aber so gut wie nichts verstand. Sie versuchten es dann auf Englisch und schon verstanden wir uns vorzüglich. Ich radelte auf den Hof und wurde sofort von den jungen Menschen umringt. Sie fragten mich über meinen weiteren Weg aus, wo ich her käme, halt alles Fragen, die ich auf meinem langen Weg bereits mehrmals gehört hatte.

War die Unterhaltung zunächst noch von zurückhaltender Höflichkeit geprägt, brach der Bann, als sie am Rad das Foto mit dem Text von Jakob entdeckten. Alle klopften mir auf die Schulter und drückten mich herzlich, in dieser Form von eigentlich Fremden umarmt zu werden, hatte ich noch nicht erlebt. Zum Schluss wünschten sie mir auf meiner Tour und Jakob für sein Leben alles Gute, ja, da war ich hin und weg. Wo war da die manchmal Franzosen vorgeworfene Arroganz geblieben?

Nach 91 km stand ich am Ortseingang von Navarrenx. Ich radelte zunächst durch den Ort, sah die großen Festungsmauern und orientierte mich ein wenig. Es gab im Ort mehrere Restaurationen und einen Supermarkt in der Nähe des Campingplatzes.

An der Campingplatzrezeption versuchte ich es mal wieder mit meinem „Do you speek english? Als Antwort kam ein „Yes“ verbunden mit einem Grinsen im Gesicht. Dieses „Yes“ und die Folgesätze hörten sich nicht wie bei einem Franzosen an, der mit mir ausnahmsweise englisch spricht. Der nette Campingplatzbesitzer und Familie stammten von der Kanalinsel Guernsey und sie lebten bereits 12 Jahre in Navarrenx. 

Der Campingplatz „Municipal Beau Rivage“ war einfach klasse, saubere Sanitäranlagen, ein Pool und schöne Stellplätze rundeten meinen Aufenthalt ab. Hinzu kam, dass mir Vater und Tochter mit Informationen halfen, die ich so manches andere Mal den Leuten an der Rezeption „aus der Nase ziehen musste“.

Am späten Nachmittag und Abend sah ich mir den historischen Ortskern mit seinen Festungsmauern etwas genauer an und ging in ein Restaurant. Lidl oder Aldi musste nun wirklich nicht jeden Tag sein.

Ein wenig noch über den Ort Navarrenx:

Der Name Navarrenx bezieht sich auf das Königreich Navarra, an dessen Grenze sich die Ansiedlung am Fluss Gave d´Oleron befand. Die heute noch vorhandene Brücke über den Fluss stammt aus dem 13. Jahrhundert, wobei ein damals errichteter Wehrturm heute nicht mehr existiert. Im 14. Jahrhundert wurde Navarrenx zur Bastide ausgebaut, was noch heute an den schachbrettartig verlaufenden Straßen und dem zentralen Platz zu erkennen ist. 1523 wurden die Befestigungsanlage durch die Truppen Philibert de Chalons zerstört und erst im 16. Jahrhundert nach dem Vorbild der toskanischen Stadt Lucca wieder aufgebaut.

Schon lange ist Navarrenx auch Pilgerort. Noch vor dem Bau der Brücke über den Oleron gab es dort reichlich Bootsverkehr. Entweder bezahlten die Pilger den geforderten Obolus oder warteten auf einen niedrigen Wasserstand. Der heutige Pilgerweg (GR65) verlässt Navarrenx durch das Tor Saint Antoine und führt dann über die Brücke über den Gave d´Oleron.

 

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 21. Tag: Navarrenx - St-Jean-Pied-du-Port

 Datum  km  Σ Km  Hm  Σ Hm  Übernachtung
 16.09.2016  59  2.040  843  13.036  Camping Municipal in Ortsmitte

 

Den Campingplatz in Navarrenx verließ ich schon fast ungern, so sehr hatte es mir dort gefallen. Am Abend zuvor hatte ich meinen Powerpack (Akku) in der Rezeption zum Laden abgegeben, nun konnte ich ihn vollgeladen abholen.

In der Nacht hatte es noch einmal kurz geregnet, bei meinem Start waren aber keine Regenwolken mehr zu sehen. Ich verabschiedete mich noch von dem netten Platzbesitzer und radelte in den Ort. Zwei letzte Fotos von der Brücke und einer Hinweistafel und schon war Navarrenx sehr schnell nicht mehr zu sehen.

Der Tag war geprägt durch viele herrliche Blicke auf die Hügelketten der Pyrenäen. An Bauerhöfen vorbei, näherte ich mich auf kleinen einsamen Wegen unaufhaltsam dem Startort des Camino Frances in den französischen Pyrenäen. Zweimal musste ich an dem Tag schieben, weil es einfach zu steil war, außer der tollen Landschaft gab es unterwegs nicht viel zu sehen.

Meinen einzigen Stopp hatte ich an dem Tag an einer Bar in dem winzigen Ort Lohitzun-Oyhercq . Dort gab es eine kalte Cola und weiter ging es.

An dem Tag summierten sich bis zur Ankunft in St. Jean-Pied-du-Port noch 800 Höhenmeter auf, bei 59 km Gesamttagesstrecke war das aber kein Problem. Bis zu bei meiner Ankunft in dem alten Pilgerort hatte das Wetter gehalten, 5 km vor dem Ziel musste ich mich dann einmal unterstellen. Mit fast trockener Jacke kam ich ins Ziel.  

Der Campingplatz Municipal Plaza Berri ist eher einfach gehalten, hat aber den Vorteil, sich direkt im Ortszentrum zu befinden. Bei meiner Ankunft war die winzige Rezeption gar nicht besetzt, also suchte ich mir einen Stellplatz und baute mein Zelt auf.

Später im Ort lernte ich Dieter Rohr kennen, einen Radler aus Basel, ebenfalls auf dem Weg nach Santiago. Er hatte insgesamt mehr Zeit für seinen Weg nach Santiago eingeplant und war noch unentschlossen bezüglich seines Übernachtungsortes. Später traf ich ihn dann auf dem Campingplatz an seinem bereits aufgebauten Zelt, die Entscheidung warzugunsten seines Zeltes gefallen.

Die Scharen an Pilger machten mich an dem Tag „fast schwindelig“, so viele Pilger strömten durch die Gassen. Zum Fotografieren fehlte einfach die Sonne und die Wettervorhersage für den nächsten Tag fiel nicht gerade rosig aus. An dem Tag ging ich noch in einer Pizzeria essen, bekam einen ersten Eindruck vom Ort und verbrachte den späteren Abend am Zelt.

Den Ort wollte ich mir einen Tag später genauer anschauen, mit Regenjacke und kurz entschlossen gekauftem kleinen Faltregenschirm sollte dies möglich sein. Der Folgetag sollte mein zweiter Pausentag werden, über den Ibanetapass im Regen zu fahren, machte einfach keinen Sinn.

Drei Wochen war ich nun einschließlich einem Tag Pause in Le-Puy-en-Velay unterwegs. In 20 Radtagen hatte ich eine sportliche Leistung von 2.040 km hingelegt. Ich konnte sehr zufrieden sein und auf der weiteren Strecke waren die Tagesetappen auch noch kürzer.

 

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 22. Tag: Zweiter Pausentag in St-Jean-Pied-du-Port

 Datum  km  Σ Km  Hm  Σ Hm  Übernachtung
 17.09.2016  0  2.040  0  13.036  Camping Municipal in Ortsmitte

 

Die Nacht über hatte es die ganze Zeit leicht geregnet. In einem Zelt hört sich das Prasseln des Regens ohnehin immer schlimmer an, dank festem Schlaf hatte ich davon aber nicht viel  mitbekommen. Ich frühstückte im Zelt, weil es nach wie vor tröpfelte, um 10:00 Uhr klarte es aber zeitweise etwas auf, so dass ich in die Stadt lief.

Nun mal ein wenig zur Geschichte des Ortes:

Wer sich mit dem Thema Camino Frances auseinandersetzt, der hat meistens ein Foto im Auge. Es zeigt die alte Brücke über die Nive de Béhérobie, links mit dem Turm der Kirche und auf dem Berg im Hintergrund die Zitadelle zu sehen. Saint-Jean-Pied-du-Port ist wahrlich ein historischer Ort! Wie viele Millionen Pilger hatte den Startort des Camino Frances wohl schon besucht?

Die Altstadt beiderseits des Flusses ist auch heute noch von einer Mauer umgeben. Wer sich der Stadt von Norden nähert, betritt sie durch das Jakobus-Tor (Porte Saint-Jacqques). Innerhalb der Stadtmauern folgt der Pilger in der Regel dann der Rue de la Citadelle, die von Häusern gesäumt wird, die teilweise aus dem 16. Jahrhundert stammen. Die alten Häuser sind aus grauem und rosa Sandstein gebaut. Steil führt die Straße hinab zur Kirche und zum Porte Notre Dame, durch die man auf die Brücke über den Fluss Nive läuft. Blickt man von der Brücke aus nach rechts oder links, fallen sofort die mittelalterlichen Häuser auf, deren Holzbalkone bis über den Fluss ragen.

Dort auf der Brücke stehend sollte man sich im Klaren sein, dass man vielleicht nicht in einem Reiseführer erscheint, auf jeden Fall aber Bestandteil mehrerer heimischer Fotosammlungen wird. Es wimmelt dort nur so von Fotografen, die alle ein Brückenfoto mit nach Hause nehmen wollen.

Um die  Mittagszeit herum lief ich zur Zitadelle hoch. Sie wurde von dem bekannten Baumeister Vauban erbaut und ist ziemlich groß. Von dort hat man auch eine schöne Sicht auf die umliegenden Häuser des Ortes und in die Umgebung.

Nach dem Mittag lief ich dann mit Dieter Rohr, den ich zwischendurch traf, noch ein wenig durch die Gassen. Wir schauten uns das Pilgerbüro und das alte Gefängnis an, tranken in einer Bar einen Cafe und hatten immer reichliche Unterhaltung. Dieter hatte einige Jahre in Ecuador gelebt, sprach sehr gut spanisch und französisch und war einfach ein netter Mensch. Auf seiner ersten langen Radreise von Basel aus, wollte er sich Zeit lassen und mindestens noch einen Tag mehr in Saint-Jean-Pied-du-Port verbleiben. Für mich würde es also einen Tag später alleine zum Ibanetapass hinaufgehen. 

Am späten Nachmittag wurde das Wetter noch etwas besser. Vom Ort hatte ich bereits genug gesehen, also wurde ein wenig Fahrrad geputzt. Nach drei Wochen hatte sich da Einiges an Dreck angesammelt und mal die Bremsbelege vor der Überquerung der Pyrenäen zu kontrollieren machte auch Sinn.

 

 

 


  

 23. Tag: St.-Jean-Pied-du-Port - Pamplona

 Datum  km  Σ Km  Hm  Σ Hm  Übernachtung
 18.09.2016  76  2.116  1.332  14.368  Pilgerherberge "Paderborn"

 

Um 08:30 Uhr verabschiedete ich mich von Dieter Rohr, wir waren prima miteinander ausgekommen. Er gab mir noch sein Visitenkärtchen für eine mögliche spätere Kontaktaufnahme,  meine Internetseite mit Kontaktmöglichkeit hatte er sich bereits notiert. Am Vortag hatten wir von uns noch kein Foto gemacht, das wurde bei der Verabschiedung natürlich noch schnell nachgeholt (siehe Fotos).

Danach ging es ab Ortsausgang in 3 Stunden hinauf zum Ibanetapass, das Wetter war deutlich besser als am Vortag, lange Zeit hatte ich eine tolle klare Sicht. Die Grenze nach Spanien hatte ich am Anstieg in dem winzigen Ort Arneguy bereits unbemerkt überschritten, es ging mit gleichmäßiger Steigung hinauf, wobei es immer diesiger wurde.

Unterwegs lernte ich ein junges Paar aus Belgien kennen, die mit ihren Rädern etwa gleich schnell unterwegs waren.  Wir überholten uns bei den kurzen Pausen immer gegenseitig. Auf der Passhöhe machten wir von uns gegenseitig Fotos, trennten uns aber dann. Zu ungemütlich war es dort oben und man konnte nur wenig sehen.

Um auf der Abfahrt nicht auszukühlen ging es in voller Montur dann nach Roncesvalles hinab. Dort befindet sich eine große Pilgerherberge für die Camino Frances Pilger, die den Pyrenäenübergang geschafft haben.

Weiter in Richtung Pamplona musste ich  noch die kleineren Pässe Meskiritz (922 m) und Erro (801 m) überwinden, die waren aber kein Problem. Auf dem Erro kreuzt der originale Pilgerweg die Straße, aus dem Grund trifft man dort sehr viele Pilger, die sich an einem Verkaufswagen mit weiteren Getränken oder Speisen versorgen. Zügig ging es danach weiter bergab in Richtung Pamplona.

Der Campingplatz liegt in Pamplona zu weit außerhalb, aus dem Grund steuerte ich sofort eine Herberge nahe der Altstadt an. Bei Recherchen von zu Hause aus hatte ich bereits erfahren, dass die Herberge den Namen Paderborn besitzt, weil sie im Rahmen einer Städtepartnerschaft entstanden war. Ich staunte nicht schlecht, als Franz der Herbergsvater und seine Frau Ursula mich nett auf Deutsch begrüßten. Sie waren für einige Wochen die Hospitalieros und erzählten mir, dass man sich für diesen Job tatsächlich bewerben musste, sie machten das aber nicht zum ersten Mal.

Aufgrund meiner frühen Ankunft hatte ich noch damit gerechnet, dass die Erzählungen einiger anderer Pilger zutreffen könnten und ich als Radpilger warten müsste, um ein Bett zu bekommen. Also hier in Pamplona war das schon mal nicht der Fall. Mich stimmte das sehr zufrieden und als Franz mir dann auch noch den abschließbaren Keller für mein Rad zeigte, war meine Welt perfekt.

Frisch geduscht ging es etwas später in die Altstadt. Witzig fand ich, dass es in unmittelbarer Nähe der Herberge einen Aufzug hoch in die Altstadt gab.  Mit ihm fuhr man etwa 10 m bis an die alten Stadtmauern hoch. Die restlichen wenigen hundert Meter konnte man dann locker laufen und stand plötzlich in den alten Gassen der Innenstadt.

Pamblona liegt auf einer kleinen Hochebene 450 m ü.NN am Fluss Arga. Der Rio Arga floss direkt hinter der von mir gewählten Pilgerherberge Paderborn her, bei Hochwasser gab es dann schon mal Wasser im Keller, dass hatte mir der Hospitaliero Franz erzählt.  Im Wesentlichen wird das Stadtbild durch die gut erhaltene Zitadelle und die große Kathedrale geprägt. Darüber hinaus sind der Plaza de Castillo und das Rathaus an der Plaza Consistorial sehr sehenswert. 

Was war es herrlich, an dem Nachmittag in der Sonne auf den Plätzen einen Kaffee zu genießen! Zum Abend hin bestellte ich mir ein leckeres Essen und einen Vino Tinto der richtig gut mundete. Viele Pilger waren dort am Nachmittag unterwegs, immer wieder sah ich Rucksäcke und kam hier und da mit einigen Pilgern ins Gespräch.

Ein schöner Tag lag hinter mir, als ich zur Pilgerherberge zurücklief. Was man in den wenigen Stunden von Pamplona sehen konnte, hatte ich gesehen. Franz und Ursula waren bei meiner Ankunft immer noch mit irgendwelchen Arbeiten beschäftigt. Ich grüßte sie nur noch nett  und kroch müde in mein Bett.

 

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 24. Tag: Pamplona - Estela/Lizzara

 Datum  km  Σ Km  Hm  Σ Hm  Übernachtung
 19.09.2016  51  2.167  824  15.192  Camping Lizzara

 

Am Abend zuvor war ich schnell eingeschlafen. Irgendwann hatte mich mein Nachbar im Nebenbett noch geweckt, weil ich „angeblich“ schnarchen würde, aber das nahm ich nur kurz war.

Um 06:00 Uhr wurde es im Zimmer unruhig. Alle kramten in ihren Sachen, mit einem weiteren Schlaf war es wohl vorbei. Mir war es egal,  ich hatte genug geschlafen und freute mich auf den Tag. Das Frühstück war einfach aber reichlich. Ursula bediente alle und brachte jedem seinen gerösteten Toast. Sie fand das vom Handling her einfacher, weil dann niemand in der Küche um sie herumlief. Am Frühstückstisch kam ich kurz mit einem Kanadier und einer Deutschen ins Gespräch, der Morgen begann gemütlich.

Als ich mein Rad aus dem Keller holte, tippte mir eine Spanierin auf die Schulter und zeigte immer mit dem Finger auf ihr Rad. Sie sprach kein Wort Englisch und ich kein Spanisch, für eine Kommunikation nicht gerade die geeigneten Voraussetzungen, aber die Körpersprache half.

Das hintere Laufrad hatte einen ziemlichen Seitenausschlag, an den Speichen lag es aber nicht, das hatte ich schnell gesehen. Der Schaden lag eindeutig am zu lockeren Lager und mit dem war sie, so hatte ich sie verstanden, bereits zwei oder drei Tage unterwegs. Die gute Frau war dann auch noch der Ansicht gewesen, man könnte den Schaden durch ein strammeres Anziehen des Schnellspanners beheben, ich benötigte sogar einen Metallhebel um den Schnellspanner überhaupt aufzukriegen. Es war extrem schwierig ihr klarzumachen, dass das Anziehen keine Lösung war. Da ich den entsprechenden Schlüssel zur Einstellung des Lagers auch nicht im Gepäck hatte, suchte ich für sie nach einem anderen Lösungsweg.

Auf  meinem iphone zeigte ich ihr, wie man mit googlemaps ein Radgeschäft in Pamplona fand. Sie hatte ein eigenes Samsung Smartphone dabei, gab die von mir recherchierte Adresse ein und schon war das Problem fast gelöst.  Das Radgeschäft, das wir im Netz fanden, war max. 1 km entfernt und hatte laut Internet geöffnet, es wurde also wohl alles gut.

(Kleine vorweggenommene Anmerkung: Ich traf sie später auf dem Camino Frances noch wieder. Man hatte ihr Laufrad in dem Geschäft repariert).

Aus Pamplona hinauszukommen dauerte etwas und mein Track im GPS Gerät war alles andere als optimal. An der Stadtgrenze ging es auf Schotterwegen unter der Autobahn durch und danach steil bergauf. Hinzu kam, dass der Weg aus losem Geröll bestand, da fiel das Schieben auf den Passagen schon schwer.

Über den Pass des Tages, den Puerto del Perdon in einer Höhe von 675 m zu radeln, war wirklich nicht schwer, bei gleichmäßiger Steigung  war ich ziemlich schnell oben und nur wenig ins Schwitzen geraten.

Noch vor Puente la Reina sah ich auf der Abfahrt zwei Radler, die mir vom Outfit ziemlich deutsch vorkamen. Später im Ort traf ich sie und stellte fest, dass ich mit meiner Einschätzung richtig lag. Beide wohnten in Hamburg, waren dort gestartet und wollten auch bis Santiago de Compostela radeln. Er stammte aus Hamburg, sie kam aber gebürtig aus Coesfeld, ein Ort, der nur 40 km von meinem Heimatort Dorsten lag. So kamen wir natürlich einige Zeit ins Gespräch. Auf der Brücke in Puente la Reina fotografierte ich noch beide, sah sie in den Tagen darauf aber leider nicht mehr wieder, was irgendwie schade war.

Die Gemeinde Puente la Reina hat nur ca. 2.800 Einwohner, ist aber an Geschichte reich. Bereits 1122 erhielt der Ort Stadtrechte, mit denen einige Privilegien verbunden waren. Ab 1235 begann man mit dem Bau der Stadtmauer. Später wurde die Stadt an die Templer verschenkt, nach deren Auflösung zu Beginn des 14. Jahrhunderts ging sie an die Johanniter über.

Es machte Spaß, durch die alten Gassen zu radeln, um ein paar Fotos zu machen. Das Örtchen war ein absolutes Muss für jeden Pilger, den es nach Santiago zog. Im Ort gab es mehrere Pilgerherbergen und einige Restaurants, bezüglich der Infrastruktur konnte man sich auf dem Camino Frances absolut nicht beklagen, die Spanier hatten reichlich vorgesorgt.

Auf der Puente la Reina, die über den Rio Argo führt, liefen viele Pilger. Aus dem Grunde schob ich mein Rad auf die andere Seite, fotografierte die beiden jungen deutschen Radler aus Hamburg und blieb auf der gegenüberliegenden Seite der Brücke stehen. Der Punkt wird mir immer in besonderer Erinnerung bleiben, weil ich gedanklich vertieft ins Fotografieren nicht bemerkte, was um mich herum geschah. Ca. 10  Frauen hatten sich versammelt und redeten in Englisch gleichzeitig auf mich ein. Laut ihrer Aussagen kamen sie aus allen möglichen Ländern wie Neuseeland, England, Amerika und Kanada und hatte sich unterwegs kennengelernt. Sie hatten das Bild von Jakob hinten am Rad gesehen und außer einem mehrfachen „how nice“ konnte ich bei dem Durcheinander kaum mehr verstehen. Unser Enkelkind Jakob hatte also anscheinend schon Freundinnen in aller Welt.  

Später an einer Pilgerherberge in Maneru trank ich noch eine Cola und holte mir einen Stempel für mein Credential de Peregrino. Auch darauf musste ich täglich achten, um meinen Nachweis ordnungsgemäß zu führen.

Vor dem Ort Cirauqui schwenkte ich mal wieder auf den Original Pilgerweg mit unangenehmen Folgen. Schotterpassage wäre ja noch einfach gewesen, nein es ging über Felsblöcke mit Trittunterschieden von 40-50 cm hinauf. Also alles Gepäck vom Rad, denn mit Gepäck war ein Tragen über diese 100 m kaum möglich. Ein wenig Glück hatte ich dort, weil mir ein netter deutscher Pilger beim Tragen half.

Die restlichen Kilometer fuhr ich aus dem Grund auf der Nationalstraße, auf der aber kaum ein Auto unterwegs war. Früher musste es dort voller gewesen sein, aber seit dem die Autobahn genutzt werden konnte, war dort kaum ein Auto unterwegs.

Bei meiner Ankunft in Estella/ Lizarra radelte ich über die Brücke über den Rio Ega und fuhr auf der anderen Seite ein Stück auf dem Pilgerweg zurück. Der Campingplatz befindet sich etwa zwei bis drei Kilometer südlich vom Ort und dort wollte ich hin. Die Zufahrt zum Platz lud nicht unbedingt zur Weiterfahrt ein. An mehreren nicht ansehnlichen Industrieanlagen kam ich vorbei und dennoch konnte ich bei meiner Ankunft überhaupt nicht klagen, der Platz war relativ groß, ordentlich  und hatte ein Restaurant und Pool.

Bereits am  frühen Nachmittag, nach einem Essen im Campingplatz Restaurant hing alle Wäsche in der Sonne und ich lag auf meiner Matte draußen vor dem Zelt und schlief für 1 ½ Stunden ein. 

 

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 25. Tag: Estela/Lizzara - Logrono

 Datum  km  Σ Km  Hm  Σ Hm  Übernachtung
 20.09.2016  50 + 7  2.224  698  15.890  Camping La Playa

 

 

Ich hatte doch tatsächlich bis kurz vor 08:00 Uhr durchgeschlafen. Hinter meinen Zeltplatz, jenseits der angrenzenden Hecke verlief der Pilgerweg. Dort plapperten schon einige weibliche Pilger ziemlich laut drauf los, ein Wunder, dass ich noch nicht früher aufgewacht war.

An dem Tag gab es nicht viel Besonderes. Mal fuhr ich eine Herberge an und holte mir einen Stempel für mein Credential, dann ging es wieder über die Hügel. Den Originalpilgerweg zu radeln, hatte ich aufgrund der Erfahrung vom Vortag fast aufgegeben. Anderseits fuhren auf der Nationalstraße kaum Autos, sie störten nicht.

Unterwegs radelte ich eine kurze Zeit mit einem niederländischen Pärchen, das auch von zu Hause aus unterwegs war. Später traf ich noch zwei junge Deutsche aus Emmerich auf Rädern, mit denen ich mich eine ganze Zeit unterhielt.

Die Landschaft war überwiegend gleichförmig. Etwas trockene Getreidefelder, Weinreben und Felder mir trockenen Gräsern wechselten sich ab. In Los Arcos und Biana / Viana machte ich an einer Pilgerherberge und im Zentrum eine kurze Pause, ansonsten radelte ich die Strecke fast durch.

Die Tagesetappe war mit 50 km relativ kurz. Bereits um 13:00 traf ich in Logrono ein. Der Campingplatz La Playa liegt auf der Nordseite der Stadt direkt am Rio Ebro, ich musste also nicht erst noch durch das Zentrum durch. Der Campingplatz war nicht schlecht. Was etwas störte war die Tatsache, dass es dort auf den Stellplätzen keinen Rasen gab. Zum ersten Mal musste ich die mitgenommene Schutzfolie unter das Hilleberg Zelt legen, weil der Boden sehr hart und etwas steinig war.  

Am Nachmittag radelte ich in den Ort und schaute mir das Zentrum an. Der Weg dorthin führte einfach am Rio Ebro entlang über eine Rad- und Fußgängerbrücke direkt bis ins Zentrum hinein.

Logrono ist nicht grade klein! Mit über 150.000 Einwohnern ist sie schon eine der größten in der Region. Die Hauptstadt der Region Rioja ist für seinen guten Wein bekannt. Die Altstadt mit ihren unzähligen Bars bietet eine gute Möglichkeit, die Weine der bekanntesten Weinanbauregion zu probieren.

Logrono hat eine sehr lange Geschichte! Bereits die Römer bauten dort eine erste Brücke über den Ebro, noch bevor die Mauren kamen. Nach deren Vertreibung erhielt der Ort zum Ende des 10. Jahrhunderts Stadtrechte. Eine neue Brücke machte Logrono später zu einer der wichtigen Stationen der Pilger auf ihrem Weg nach Santiago de Compostela. Sehenswert sind heute die Iglesia de Santiago el Real, der Plaza del Mercado und die Bars und Restaurants in der Umgebung des Calle San Agustin. 

Ebenso wie in Pamplona genoss ich den Nachmittag und frühen Abend in der Stadt, machte viele Fotos und schaute dem Treiben der Menschen zu. Am frühen Abend radelte ich dann wieder zum Campingplatz. Und dort gab es noch eine kleine Überraschung, neben meinem Zelt stand das Zelt der jungen Burschen aus Emmerich. Viele Alternativen gab es in Logrono ja auch nicht. Insofern war dieses Treffen keine große Überraschung, sofern man sich für eine Campingplatzübernachtung entschied. Die beiden waren sehr nett. Da sie noch zum Lidl wollten und mir Batterien für mein Garmin fehlten, brachten sie sie mir einfach mit.

 

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 26. Tag: Logrono - Belorado

 Datum  km  Σ Km  Hm  Σ Hm  Übernachtung
 21.09.2016  73  2.297  1.031  16.921  Albergue de Peregrino Cuatro

 

Ein abwechslungsreicher Tag lag hinter mir, als ich diese Zeilen im Restaurant der Pilgérherberge in Belorado schrieb. Bevor es soweit war, lag aber ein sehr schöner Weg über 73 km und 1031 Höhenmeter hinter mir. Nachdem ich Logrono am Morgen verlassen hatte, gefiel es mir einfach wieder, dem  Originalpilgerweg zu folgen.

An einem idyllisch gelegenen See vorbei, verließ ich die Stadt und traf tatsächlich wieder die Holländer, die ich tags zuvor bereits getroffen hatte. Er hatte wohl die Information erhalten, nicht der Nationalstraße zu folgen, das wäre auf dem Abschnitt zu gefährlich, aus dem Grund hatten sie eine Strecke weiter südlich mit einem großen Umweg gewählt. Ich wollte mein Glück versuchen und hielt mich an dem Tag überwiegend auf Schotterwegen des Originalpilgerweges auf. Und der war traumhaft schön.

Nachdem der Morgendunst verflogen war, radelte ich bei angenehmen Temperaturen und Sonnenschein über die Hügel. Ich glaube, dass ich an dem Tag mehrere hundert Pilger überholt habe. Immer wieder traf ich auch auf deutsche und unterhielt mich ein wenig mit ihnen.

Das Problem mit der Nationalstraße gab es zwar für ein paar Kilometer, von reichlichem PKw Verkehr konnte aber nicht die Rede sein und die LKW überholten mich in weitem Bogen, insbesondere dann, wenn ich ihnen mit meinem Arm vorher ein Zeichen gab.

Vor Belerado wurde es richtig voll. Ich schätze, dass ich alleine kurz vor Belorado 150 Pilger überholte. In Gedanken an eine akzeptable Unterkunft kamen gedanklich natürlich Fragen auf. Musste ich als Radpilger warten? In Ortszentrum traf ich einen jungen Deutschen aus Gelsenkirchen, der alleine als Fußpilger unterwegs auf der Suche nach einer bestimmten Herberge war. Gemeinsam suchten wir die im Reiseführer beschriebene Unterkunft „Albergue de Peregrino Cuatro“. Die Herberge hatte sogar einen Pool und war in den Führern nur positiv bewertet.

Die Herberge befand sich nicht weit von der Stelle, wo wir uns getroffen hatten. An der Rezeption war noch nicht viel los und wir wurden beide sofort eingelassen und registriert. Gleichzeitig bekamen wir ein Bett zugewiesen. Nr. 50 war mein Bett, es befand sich im zweiten Stock und ich hatte richtig Spaß. Es war im Zimmer absolut sauber und ordentlich  und im Raum gab es viel Platz. Da die meisten Pilger erst später ankamen, konnte ich in Ruhe duschen und diese Notizen im zum Haus gehörenden Restaurant formulieren. Das Restaurant war ebenfalls ein absolutes Highlight der Herberge.

Am späten Nachmittag bummelte ich noch ein wenig durch den relativ kleinen Ort. Immer wieder gab es einzelne kurze Gespräche mit Pilgern, wobei jeder seine eigene Geschichte erzählte. 

 

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 27. Tag: Belorado - Hontanas

 Datum  km  Σ Km  Hm  Σ Hm  Übernachtung
 22.09.2016  82  2.379  825  17.746  Albergue Juan de Yepes

 

Hatte ich etwas anderes erwartet? Nein, auch in Belorado ging es in der Herberge um 06:00 Uhr los. Einige Pilger fingen an, in ihren Rucksäcken zu kramen und damit war die Nacht auch für alle Anderen vorbei.

Das Frühstück nahmen alle Pilger im Restaurant des Hauses ein. Dort war vom Küchenpersonal alles professionell vorbereitet worden, es war absolut ok und Spiegelei und Speck hatte ich noch nirgendwo gesehen. Darüber hinaus gab es natürlich noch Kaffee, Toast Marmelade und ein wenig Käse und Aufschnitt.

Viele Kilometer verbrachte ich an dem Tag auf dem Originalpilgerweg, streifte oder durchfuhr die Orte Tosantos, Villambistia und Espinosa del Camino, kam auf dem Schotter natürlich aber nur langsam voran. Die Strecke war sehr schön, immer wieder sah ich alte Kreuze, Steinhaufen, die den Weg markierten oder Stellen, an denen die Pilger rasteten. Wenige Kilometer hinter Belorado traf ich noch den ca. 35 Jahre alten Pilger aus Gelsenkirchen, verabschiedete mich aber nach einem kurzen Gespräch von ihm. Zu Fuß und per Rad passten schlecht zusammen, also machte ich mich weiter auf den Weg.

Vor Villafranca Montes de Oca traf ich auf die N120. Zwischen dem Ort und Burgos führte der Weg über einen Pass, dem Puerto de La Predaja (1150 m). Auf dem Abschnitt wählte ich deshalb die Straße, weil diese die mit 6 % Steigung leichter zu befahrene war. Noch einige Kilometer vor der Passhöhe gab es eine große Baustelle mit Ampelregelung. Es dauerte sehr sehr lange, bis ich weiterkam. Die Ampelregelung hatte aber anderseits den Vorteil, dass ich bei der Abfahrt lange Zeit mit meinem Rad alleine war. Wenn LKW oder PKW kamen, dann waren es die einer Grünphase.

Nach einer tollen Abfahrt vom Puerto de la Predaja erreichte ich das Zentrum von Burgos bereits um 11:30 Uhr. Burgos war mit 177.000 Einwohnern zwar keine Kleinstadt, der Vorstadtbereich war aber eher dünn besiedelt. Ich radelte die Calle las Calzadas entlang und stand ziemlich schnell im Altstadtbereich.

Burgos wurde um 850 als wichtige Befestigung im Kampf gegen die Mauren gegründet. Bereits im 11. Jahrhundert wurde sie die Krönungsstadt der Könige von Kastilien. Von der Größe her kaum zu übersehen ist die gotische Kathedrale, deren Portal „Puerto del Sarmental“ als eines der schönsten Beispiele gotischer Skulpturen des 13. Jahrhunderts gilt.

Die ersten Fotos machte ich auf dem Plaza San Juan. Das alte Monasterio de San Juan und die sehr alten Gebäude waren natürlich geeignete Fotomotive. Eine kleine Brücke über den Rio Vena brachte mich dann auf die Calle San Juan, die einen durch die Altstadt führt. Unzählige Bars und Restaurants säumen den Weg, bevor man unterhalb des Castillo de Burgos auf die Kathedrale de Santa Maria trifft. Was für ein gewaltiges Gebäude!

Mein Aufenthalt in der Altstadt dauerte etwa knapp drei Stunden, danach verließ ich den Ort auf dem originalen Pilgerweg. Immer den gelben Pfeilen folgend, ging es durch die Felder unter die Autobahn A231 hindurch, ich durchradelte Tardajos und gelangte schließlich nach Rabe de las Calzadas. Hinter dem Ort gab es eine tolle Picknickstelle für Pilger, die etwas abseits vom Weg liegt und wo ich einige Pilger traf. Es waren inzwischen dermaßen viele  unterwegs, dass es schwierig wurde, überhaupt ein Landschaftsfoto ohne Pilger zu erstellen. Egal wohin man schaute, überall waren Pilger mit ihren Rucksäcken zu sehen.

Es wurde noch anstrengend an dem Tag,da es über eine steinige Piste ging, die zudem sehr hügelig war. In Hornillos de Camino versuchte ich nach 69 km in einer Herberge unterzukommen, es war aber alles belegt. Der „Chef“ rief aber in einer 11 km  entfernten Herberge in Hontanas an und reservierte mir ein Bett. Schön, dass das funktionierte und so den Pilgern half.

Und nochmals ging es 130 m auf Schotterpiste hinauf. Beim Erreichen der Straße BU-P—4041 hatte ich von der Schotterpiste genug. Ich fuhr die restliche Strecke lieber auf Asphalt in einem Bogen, als weiter diese kaputte Piste zu fahren. Über Castellanos de Castro erreichte ich um 14:30 Uhr von Norden kommend Hontanas, meinen Zielort.

Dort hatte ich Glück, die Herberge „Juan de Yepes“ war fast neu. Dort war alles hervorragend organisiert. Ruckzuck hatte ich einen Schlafplatz mit nur wenigen Betten im Raum, vielleicht war auch die Zeit, in der man noch Bettensäle mit 80 Betten einrichtete einfach vorbei. Der Frühstücksraum, die Dachterrasse, der Bereich der Wäscheleinen etwas abseits vom Gebäude und die gepflegten Sanitäreinrichtungen, es gab nicht einen Punkt, über den ich negativ hätte berichten können.

Am Nachmittag bummelte ich noch ein wenig durch den kleinen Ort. Essen wollte ich an dem Abend in der Herberge, denn dort boten sie verschiedene Gerichte an. Auch wenn es mir beim Abendessen in dem hellhörigen Saal zu laut wurde, behielt ich den Abend in angenehmer Erinnerung. Ich unterhielt mich mit zwei Russlanddeutschen, einem Schweden, einer Österreicherin und einem Polen. Etwas müde vom Wein ging es um 21:30 Uhr ins Bett. Die Nacht war nicht, wie ich befürchtet hatte. Keiner schnarchte,  außer mit vielleicht.

 

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 28. Tag: Hontanas - Mansilla

 Datum  km  Σ Km  Hm  Σ Hm  Übernachtung
 23.09.2016  130  2.509  693  18.439  Hostal Las Delicias

 

Als ich mich am Morgen auf den Weg machte, hatte ich bereits 2.379 km auf dem Tacho stehen. Eine lange Reise mit vielen Eindrücken lag bereits hinter mir. In Gedanken beschäftigte ich mich bereits mit der Tageseinteilung der letzten Tage. Ursprünglich hatte ich eingeplant, freitags am Nachmittag Santiago de Compostela zu erreichen. Nun bot sich auf dem flachen Terrain vor Leon die Möglichkeit, ein paar Kilometer mehr zu fahren. Würde ich an dem Tag 130 km radeln, käme ich bereits donnerstags am Ziel an. Das hatte den Vorteil, dass ich mein Rad am Freitagmorgen in Ruhe zum Velociped Radgeschäft bringen konnte, bei einer Ankunft am Freitagnachmittag müsste das alles noch am späten Nachmittag nach der Ankunft geschehen. Samstags hatte das Radgeschäft geschlossen, da war eine Radabgabe unmöglich.

Noch im Dunkeln saß ich bereits um 07:45 Uhr auf dem Rad. Bezüglich meiner oben beschriebenen Gedanken war ich zu der Erkenntnis gekommen, das unterwegs zu entscheiden, halt abhängig davon, wie es an dem Tag lief.

Hunderte Pilger waren in der Früh bereits im Dunkeln unterwegs. So manches Mal hatte ich mich schon darüber gewundert, was die Fußpilger so früh trieb. War es die Jagd nach dem nächsten Bett? Ich wusste es nicht! An der Länge der Strecke konnte es nicht liegen, denn die meisten waren bereits am frühen Nachmittag am nächsten Ziel.

In der Morgendämmerung zu radeln machte richtig Spaß. Es gab keine drückende Hitze, die einen am frühen Nachmittag reichlich zu schaffen machte, es war eher etwas kühl. Durch viele kleine Orte wie Castrojeriz, Fromista, Revenga de Campos und Carrion de los Condes kurbelte ich die ersten Stunden und hatte eine himmlische Ruhe, die einfach gut tat.

Viele Kilometer bewegte ich mich auf feinem Schotter des originalen Pilgerweges, dann gab es lange Passagen auf der Nationalstraße, neben der der Pilgerweg auf einem schmalen Pfad lief. Auf den flachen Asphaltstrecken kam ich zügig voran, die Kilometer flogen einfach so dahin.

Ich will ehrlich sein, meine Gedanken waren manchmal bei den Pilgern, auf diesen Strecken an der Nationalstraße taten sie mir einfach leid. Für die vielen Wandertage an der Nationalstraße war ich mit dem Rad einen Tag unterwegs, da konnte man die nicht so interessante Passage schnell abhaken, zu Fuß ging das nicht. Aber solche Gedanken gab es sicherlich auch umgekehrt. Mit dem Rad musste ich wiederum auf manche Passagen des originalen Pilgerweges verzichten, die traumhaft schön waren.

Nach 110 Tageskilometer, auch Sahagun hatte ich schon hinter mich gelassen, hielt ich in El Burgo Ranero an einer Pilgerherberge /Bar an. Mein Versuch dort unterzukommen, scheiterte kläglich, es waren bereits alle Betten belegt. Aber auch dort gab es hilfsbereite Menschen, die sofort zum Telefonhörer griffen, ohne einen Euro zu verlangen.  Die nette Barbesitzerin reservierte mir nach Rücksprache ein Zimmer im Hostal Las Delicias in Mansila. Dort kostete das Zimmer 25,- €, beklagen konnte ich mich bei dem Preis nicht.

17 km ging es dann mit dem guten Gefühl, einen Übernachtungsplatz zu haben, noch auf eine lange Gerade, auf der ich wieder hunderte Pilger sah. Was die Spanier da an Infrastruktur aufgeboten hatten,  um all die Menschen zu versorgen, das war bemerkenswert.

Nach 130 km auf dem Tagestacho stand ich vor dem Hostal Las Delicias und war sehr zufrieden, ich hatte einen Tag gegenüber der Planung rausgeholt. Bis Santiago de Compostela waren nur noch 349 km zu radeln und das bei 6 noch zur Verfügung stehenden Tagen. Die 2.500 km-Marke hatte ich 9 km vor Mansila geknackt, ja meine lange Reise sollte langsam zu Ende gehen.

Mit dem Hostal konnte ich sehr zufrieden sein! Das Zimmer war einfach, aber sauber und einen Biergarten mit Restaurant hatten sie auch. Den kleinen Ort Mansilla de las Mulas sah ich mir am späten Nachmittag noch ausführlich an, schlenderte einfach durch die Gassen, sprach mit Pilgern und trank einen Kaffee.

 

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 29. Tag: Mansilla - Astorga

 Datum  km  Σ Km  Hm  Σ Hm  Übernachtung
 24.09.2016  67  2.576  454  18.893  Albergue San Javier

 

Der kleine Ort Mansila de las Mulas befindet sich südöstlich von Leon und von dort bis in die Altstadt von Leon war es nur 16 km weit. Der Pilgerweg geht auch hier auf einem schmalen Pfad an der Nationalstraße entlang, danach führt er durch die nicht sehr ansehnlichen Industrieanlagen der Vororte der knapp 130.000 Einwohner großen Stadt.

Leon wirkt für Pilger, die ja meist ihre Ruhe suchen, riesig. Der eigentliche Altstadtbereich ist  dagegen wieder klein. Als ich noch vor Mittag auf dem Plaza de Regla direkt vor der großen Kathedrale von Leon eintraf, war es verhältnismäßig ruhig. Die Stadtreinigung beseitigte wohl noch den Schmutz vom Vortag, wässerte den Platz, damit es nicht staubte und fegte hier und da. Ein paar Pilger mit ihren Rucksäcken querten den Platz, ein paar Menschen mit Tüten, die bereits Einkäufe getätigt hatten, ansonsten waren nicht viele Menschen zu sehen.

Die wichtigsten Sehenswürdigkeiten der Stadt sind die Kathedrale mit ihren tollen Glasfenstern, die Basilika Isidoro mit romanischen Fresken und das ehemalige Convento de San Marcos, das heutige Parador-Hotel. Beim Verlassen des Ortes kam ich  mit meinem Rad dem Pilgerweg folgend automatisch an dem ehemaligen Convent vorbei. Auf dem Vorplatz vor dem Parador Hotel, dem Plaza de San Marco gibt es mehrere Bänke, die geeignet sind, zu pausieren. Dort setzte ich mich bei dem herrlichen Wetter einfach ein wenig in die Sonne und schaute dem Treiben der Menschen zu.

Einige Zeit später war ich froh, den Innenstadtbereich hinter mir gelassen zu haben, beim Verlassen des Ortes überholte ich wieder Hunderte von Pilgern. Wo kamen diese Menschen alle her? Den Statistiken des Pilgerbüros in Santiago de Compostela konnte man entnehmen, dass die Kurven der Pilgerzahlen in den letzten Jahren steil nach oben wiesen und es kein Ende nahm. Immer mehr Menschen zog es auf diesen Weg, der meiner Ansicht durch die Massen immer unattraktiver wurde, aber ich konnte gut reden, war ich doch selber dort unterwegs.

Eine Pause legte ich noch kurz vor dem kleinen Ort San Martin del Camino ein. Dort gab es direkt an der N120 gelegen eine Pilgerherberge, die nicht besonders schön war, aber eben draußen vor der Herberge die Möglichkeit bot, Kaffee zu trinken. Einige abgekämpfte Pilger „lümmelten“ sich dort auf den Stühlen, bevor sie weiter in Richtung Astorga liefen.

Mein nächstes Zwischenziel war dann der Ort Puente de Orbigo. Der Ort hatte den Namen, weil er an der Brücke über den gleichnamigen Fluss liegt. Beim Betrachten der Brücke fühlte ich mich ein wenig ins Mittelalter versetzt. Eine Hinweistafel zeigte, dass auf dem Gelände in unmittelbarer Nähe des Flusses wohl hin und wieder „Ritterspiele“ aufgeführt wurden. Spätere Recherchen über den Ort ergaben, dass es den Ort tatsächlich schon im Mittelalter gegeben hat. Auf der anderen Seite der Brücke, über die ich mein Rad schob, gab es damals schon ein Krankenhaus, aus dem Grund hieß der Ortsteil auf der anderen Seite des Orbigo auch „Hospital de Orbigo“.

In Astorga kam ich nach 67 km bereits um 14:00 Uhr an. Am Ortseingang hatte ich noch auf einer in Serpentinen hochführenden Stahlrampe die Bahnlinie überquert, danach radelte ich über wenig befahrene Straßen bis in die Innenstadt.

Die Altstadt von Astorga ist nicht besonders groß. Meine gewählte Herberge (Albergue San Javier) hatte ich schnell gefunden und mein Rad im Hinterhof sicher deponiert. Der Kern der Altstadt ließ sich problemlos zu Fuß erkunden und meinen Beinen wollte ich nicht noch mehr Kilometer antun.

Wie man auf den Fotos sehen kann, war die Herberge, in der ich untergekommen wa,r sehr alt. Man hatte irgendwann mal die Sanitäranlagen erweitert und erneuert und der Schlafsaal war wie in alten Herbergen üblich sehr groß. Bei meinem Aufenthalt hatte ich die Betten nicht gezählt, ungefähr 40 müssten es aber gewesen sein, kein gutes Omen für eine ruhige Nacht.

Die Calle Porteria, in der sich meine Unterkunft befand, musste ich nur wenige Meter nach Norden laufen und schon wurde der Fotoapparat aktiviert. Zwei große Objekte standen direkt vor mir, rechts die Iglesia de Santa Marta und links daneben die Kathedrale von Astorga. Im Größenvergleich konnte sie mit der Kathedrale von Leon natürlich nicht  mithalten, war aber schön anzusehen.

Den späten Nachmittag verbrachte ich die meiste Zeit im Ort. Ich lief ein wenig durch die Gassen bis zum Plaza de Espana und aß dort auch in einem Restaurant.

 

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 30. Tag: Astorga - Ponferrada

 Datum  km  Σ Km  Hm  Σ Hm  Übernachtung
 25.09.2016  57  2.633  863  19.756  Albergue San Nicolas

 

Sonntag, der 25.09.16 wird mir immer in Erinnerung bleiben, er war aus den verschiedensten Gründen ein ganz besonderer Tag. Ich möchte aber nicht zu viel vorwegnehmen, beginne mal lieber von vorne und erzähle, wie der Tag begann.

Noch im Dunkeln radelte ich in Astorga zum Plaza de Espana, nur um festzustellen, dass kein Cafe geöffnet hatte. Ich kehrte also um, kam wieder an der Pilgerherberge San Javier vorbei und fand am Ortsausgang eine geöffnete Bar. Der Besitzer hatte wohl erkannt, dass sich so früh am Morgen direkt am Pilgerweg einige Euros verdienen ließen.

Das Licht an meinem alten Koga war aufgrund des immer wieder durchrutschenden Rollendynamos nicht besonders hell. Ein anderer Radler hatte mich schon im Ort darauf hingewiesen, also wartete ich in dem Cafe wenigsten so lange, bis ein wenig die Sonne herauskam.

Auf den ersten Kilometern am Anstieg zum Cruz de Ferro sah ich immer wieder Radler, die in ihrem eigenen Tempo noch gegen die morgendliche Kühle ankämpften. Zum ersten Mal war es auf meiner Tour so frisch, dass ich für die ersten zwei Stunden Fingerhandschuhe anzog. Bei den Bekleidungsstopps gab es immer wieder Rückblicke in die aufgehende Sonne, das Farbenspiel war einfach herrlich anzusehen.

Einen ersten Stopp hatte ich in Rabanal del Camino an der Pilgerherberge „Nuestra Senora del Pilar“, die links etwas abseits der Straße liegt. Der Herbergsvater, ein Deutscher, begrüßte mich sogleich, holte seinen Stempel für mein Credential und sprach einige Zeit mit mir. Franz und Ursula von der  Pilgerherberge in Pamblona  kannte er, er wollte sie noch am selben Tag anrufen, weil er nicht mitbekommen hatte, dass sie wieder in Pamblona waren. 

Einige Höhenmeter weiter hielt mich an der Straße ein chinesisches Ehepaar an, sie wollten mit mir unbedingt ein Foto machen, dass war natürlich kein Problem und wir hatten alle unseren Spaß.

Hinter dem kleinen Ort Foncebadon war es dann schnell geschafft. Noch ein paar hundert Pedalumdrehungen bei mäßiger Steigung und bereits um 11:00 Uhr war ich  in über 1.500 m Höhe am Cruz de Ferro. Ich glaube, dass das Erreichen dieses markanten Punktes auf dem Pilgerweg  für die meisten ein bewegender Moment ist. Und das hat einen Grund.

Das Cruz de Ferro ist ein kleines Eisenkreuz, das auf einen stabilen Baumstamm montiert mit 1.500 m den höchsten Punkt des Jakobsweges markiert. Der dicke Stamm mit dem Kreuz steht auf einem Steinhaufen, der von den Pilgern ständig vergrößert wird. Der jeweilige Stein, den jeder von zu Hause mitbringt, dient als Symbol der hinter sich gelassenen „Sünden“ oder der auf dem Weg bereits erfahrenen Läuterung im christlichen Sinn. Ursprünglich soll dieser Brauch wohl nicht christlichen Ursprungs sein, darüber konnte ich im Internet aber keine weiteren Angaben finden.

Das Gebet des Cruz de Ferror lautet: „Herr möge dieser Stein Symbol für mein Bemühen auf meiner Pilgerschaft sein, den ich zu Füßen des Kreuzes des Erlösers niederlege, dereinst, wenn über die Taten meines Lebens gerichtet wird, die Wagschale zugunsten meiner guten Taten senken. Möge es so sein.“

In der heutigen Zeit nutzten viele Pilger diesen Ort überwiegend, um am Baumstamm einen Stein mit einer persönlichen Beschriftung, Briefe oder Votivgaben abzulegen. Meistens wird mit der Ablage wohl ein Wunsch für eine andere Person oder der Person selber verbunden.

Der große Moment war für mich persönlich, einen schönen Platz für meinen Stein zu finden, ja ich war gerührt. Ich wünschte unserem gerade geborenen Enkelkind Jakob für seinen Lebensweg alles Gute und viel Glück im Leben. Direkt am Stamm fand ich eine sehr schöne Stelle, vielleicht kommt Jakob ja später tatsächlich in seinem Leben dort mal hin.

Ich war gerade mit meinen Fotos fertig und hatte einige davon über Whatsapp an die Familie gepostet, da traf ich Uwe Rupp. Er kam aus einer Kleinstadt in der Nähe von Stuttgart und erzählte mir, dass er dort  auch einigee Zeit Bürgermeister gewesen ist. Uwe war auch mit dem Rad unterwegs und wollte natürlich auch nach Santiago de Compostela.

Zwei Stunden war ich oben auf dem Berg, hatte mich viel mit Uwe und anderen Radlern unterhalten, die Zeit drängte nicht, ich wollte ja nur noch bis Ponferrada. Die Abfahrt war toll! Immer wieder gab es Möglichkeiten der Einkehr, ich fotografierte mehrmals die tief unten liegende Landschaft, hielt deshalb immer mal wieder an schönen Ausblicken an,  radelte ansonsten aber zügig durch.

Die Herberge in Ponferrada war zwar groß, hatte aber nur 4 Bett Zimmer, was mir sehr entgegen kam. Die Organisation beim Empfang war schon top! Eine Spanierin trug die Ausweisdaten in eine Liste ein, ein Spanier sorgte für den Stempel im Credential und ein weiterer half mir, die Radtaschen zum Bett zu tragen. Das Bett war frisch bezogen, ich konnte nach dem Abschließen des Rades direkt duschen gehen.

In der Stadt schaute ich mir später die Kathedrale und die tolle Templerburg an und freute mich riesig über diesen gelungenen Tag.  Am Abend bewegte ich mich zwecks Essen und Trinken im Umfeld der Templerburg, dort gab es die meiste Gastronomie.

 

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 31. Tag: Ponferrada - Alto do Poio

 Datum  km  Σ Km  Hm  Σ Hm  Übernachtung
 26.09.2016  64  2.697  1.160  20.916  Hostal Santa Maria do Poio

 

An dem Tag standen mehrere hintereinanderliegende Pässe auf dem Programm. Mit insgesamt 1.160 Höhenmeter ohne Weiteres machbar, aber es zog sich hin. Hinzu kam, dass es  kurz vor dem Zielort oben auf ca. 1.000 m Höhe mal wieder einen Radschaden gab. Das hintere Laufrad, dass ich in Le-Puy-en-Velay in der Fachwerkstatt hatte zentrieren lassen, war mal wieder das Problem. Ein Speichenriss, auf meiner langen Tour nun das vierte Mal, galt es zu reparieren, dann war ich auf dem Alto do Poio am Ziel.

Aber ich beginne mal am Morgen:  Schon um 08:00 Uhr saß ich im Sattel und verließ Ponferrada wie auch an manchen Tag zuvor noch im Halbdunkel. Vorher hatten mich zwei Pilger aus San Diego in Amerika noch über meine Tour ausgefragt, danach konnte ich starten.

Kurz hinter dem Ortsausgang von Ponferrada verließ ich dem Track folgend die Avenida de Galizia und schwenkte auf die Carreterra Del Canal.  Wie der Straßenname schon wiedergibt, ging es stur geradeaus  immer am Canal Bajo de Bierzo entlang. Durch die aufsteigende Feuchtigkeit in der Nähe des Kanals war es richtig kalt und neblig und ich zog meine Fingerhandschuhe an. Kilometer weiter, ich hatte den Kanal kaum verlassen, konnte ich bei strahlendem Sonnenschein weiterradeln.

In Villafranca Del Bierzo stand ich dann urplötzlich vor einem Tunnel, bei dem ich zunächst ein wenig erschrak. Er konnte Kilometer lang sein, aus meinem Blickwinkel konnte ich aber nicht erkennen, wie lang er tatsächlich war. Über der Betonröhre hatten sie eine große Jakobsmuschel platziert, das sah ganz nett aus, half mir aber nicht. Rechts von der Tunneleinfahrt gab es eine Bar und dort trafen sich wohl die Einheimischen. Dort trank ich einen Kaffee und nutzte die Gelegenheit, den Barbesitzer gleichzeitig über den Tunnel auszufragen. Mit  Händen und Füßen nicht so einfach, ich verstand aber, das ich  mit meinem Rad den Tunnel durchqueren konnte.

Es zeigt sich dann, dass meine zunächst vernünftige Sorge unberechtigt war, der Tunnel war gut beleuchtet und vielleicht ca. 300 m lang. Ein Auto begegnete mir vielleicht mal alle 10 Minuten. Zügig durchfuhr ich die Strecke.

Lange Zeit folgte die Straße hinter dem Tunnel der Autobahn, die Pilger liefen viele Kilometer geschützt von ungefähr 80 cm hohen Betonwänden auf der linken Seite der Straße. Auf der Straße fuhren so gut wie keine Autos, die Fahrer nutzen eher die Autobahn. Durch mehrere kleine Orte radelte ich, nachdem ich die Straße immer wieder verließ und dem Pilgerweg folgte. Immer wieder kam ich in Gespräche mit verschiedenen Pilgern und so einige wollten die Geschichte von Jakobs Foto am Rad hören.

Als der steilere Anstieg begann, folgte ich nicht mehr dem Pilgerweg, sondern fuhr weiter auf der Straße. Es war dort absolut ruhig, ich überholte eine Chinesin, die ihr Rad schob und kam in ein Gespräch mit einem Franzosen bezüglich meines am Rad befestigten Garmin. Danach ging es weiter den Berg hinauf. Nach 1.000 Höhenmeter stand ich bereits auf dem ersten Pass dem „ Alto do Cebreiro“ in 1.300 m Höhe. Auch da gab es wieder einen Austausch mit einem Spanier, der in Bern lebte und etwas Deutsch sprach, sowie einem jungen Burschen aus London, es waren doch auch reichlich Pilger mit Rädern unterwegs. Auf der Abfahrt vom Alto do Cebreio kam es zu dem Radschaden am Hinterrad, den ich schon oben beschrieben habe.

Ich rollte noch ein wenig weiter bis in einen Ort, wo der Pilgerweg wieder auf die Straße traf. Dort reparierte ich das Rad in zwanzig Minuten und hörte mir die Kommentare der eintreffenden Pilger an. Es waren mal wieder einige „Spezialisten“ dabei, die natürlich zum Besten gaben, dass ich mit viel zu viel Gepäck unterwegs wäre. Als ich ihnen erzählte, dass ich mit einem älteren Laufrad mit XT-Nabe bereits 20.000 km ohne Speichenriss mit 30 kg Gepäck gefahren wäre, wurden sie stumm.

Den zweiten Pass „Alto do San Roque“ in einer Höhe von 1.270 m gab es nur, weil nach dem ersten Pass eine Senke von knapp 100 m folgte, ich musste also nicht wieder hunderte von Metern den Berg hinauf. Ein paar Fotos noch an einem Pilgerdenkmal und noch hundert Höhenmeter dann stand ich oben auf dem Alto do Poio an meinem Ziel. Dort gab es zwar auf der anderen Seite der Straße des Hostal „Santa Maria do Poio“ in der Nähe einer Pilgerherberge, ich wollte in der Nacht aber meine Ruhe haben und wählte das Zimmer mit Bad.

In der Bar traf ich bei meiner Ankunft auf ein paar deutsche Pilger, die auch in dem Hostal übernachteten. Mit ihnen unterhielt ich mich eine ganze Zeit über die bereits zurückliegenden Etappen und Strapazen, ging dann aber erst einmal duschen, denn zu essen gab es ja erst ab 19:00 Uhr. 

 

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 32. Tag: Alto do Poio - Portomarin

 Datum  km  Σ Km  Hm  Σ Hm  Übernachtung
 27.09.2016  62  2.759  632  21.548  Albergue Villamartin

 

Als mir der Gastwirt des Hostals Santa Maria do Poio am Morgen die Garage aufschloss und mein Rad gab, war es noch reichlich frisch. Warm angezogen wartete ich darauf, dass die Sonne den über die Straße ziehenden Nebel endlich vertrieb. 20 Minuten später machte ich mich dann trotz immer noch vorhandener Wolken langsam auf den Weg.

Bei dem Nebel mit Brille zu fahren, war schon eine Herausforderung, es dauerte nicht lange, da befand sich die Brille in der Lenkertasche. Bei nur 0,5 Dioptrin Sehschwäche war das kein Problem.

850 Höhemeter radelte ich bis in den kleinen Ort Samos hinab, dort gab es ein großes Kloster, das wollte ich mir zumindest von außen ansehen. Auf der Abfahrt sah und hörte ich sehr viele Pilger, der schmale Fußweg verlief häufig direkt an der Straße entlang.

Das Kloster war schon imposant auszusehen. Erfreulich war auch, das bis Sarria  nur 200 Höhenmeter zu bewältigen waren. Mehr als die Hälfte des Tagespensums waren in Sarria bereits geschafft, als ich dort im Cafe der Pilgerherberge „Albergue Credential“ überlegte, wie es an dem Tag weitergehen sollte. Von der Zeitplanung her hätte ich in Sarria bleiben können, bei dem was ich bisher aber vom Ort  gesehen hatte, fand ich ihn schrecklich. Nein, dort wollte ich nicht bleiben, also entschloss ich mich weiter, bis Portomarin zu fahren.

Sarria ist bei vielen Pilgern deshalb bekannt, weil von dort bis Santiago nur noch gut 100 km zu bewältigen sind. Für den Erhalt der Compostela im Pilgerbüro in Santiago hat ein Fußpilger nur 100 km an Nachweis zu führen, so erklärt sich auch, warum es in Sarria alleine 16 Pilgerherbergen gibt. Ab dort sieht man viele Gruppen, die erst in Sarria starten, ihr Gepäck teilweise bis zur nächsten Herberge transportieren lassen, halt wandern gehen. Welche Verbindung da noch zu der ursprünglichen Intention „seinen Weg zu gehen“ bestand, war mir schleierhaft..

Auf dem weiteren Weg sah ich dann hier und da schon mal Pilger mit dem Bus fahren oder sie stiegen in ein Taxi und fuhren damit bis zur nächsten Herberge. Selbstverständlich holten diese Zeitgenossen sich als Erstes einen Stempel für ihr Credential, denn man hatte ja eine tolle Leistung vollbracht und war Taxi oder Bus gefahren.

Mir sollte es egal sein! Ich kurbelte weiter in Richtung Portomarin, bis dahin waren es noch 25 km mit 400 Höhenmetern und freute mich, dass ich dem großen Ziel immer näher kam.

Die letzte Abfahrt nach Portomarin war ein Genuss, zweimal ging es über große Brücken hinüber über Encoro de Belesar. Interessante Fotos konnte ich dort machen, weil der Wasserstand sehr niedrig und die abgeschliffenen Felsen zu sehen waren.

Bei meiner Ankunft in Portomarin radelte ich noch bis in den Ort hoch und entschied mich für die Herberge Villamartin. Die Herberge ist gleichzeitig auch Hotel, das Hotel war mir mit 50€ aber deutlich zu teuer, als entschied ich mich für ein Bett in der Herberge, die für 10 € ganz ok war. 6 Betten im Zimmer war auch eine akzeptable Größenordnung, bei der es nicht zu viel Unruhe nachts gab, aber meistens schlief ich nach der körperlichen Anstrengung ohnehin wie ein Murmeltier durch.

Meine Reise ging langsam dem Ende zu. 2.759 km hatte ich bereits auf dem Tacho stehen und bis Santiago waren es nur noch 95 km, die in zwei Tagen leicht zu bewältigen sind.

Am Nachmittag wurde das Wetter noch richtig schön, die Sonne kam raus und es machte Spaß in den Café/Restaurants einen Kaffee oder später eine Glas Vino Tinto zu genießen.

Zur üblichen Essenszeit am Abend änderte sich das dann, es wurde richtig voll. Die Erklärung war einfach, die „100 km-Pilger“ erreichten natürlich alle nach 25 km ihr erstes Etappenziel. Da wurde gegrölt und viel getrunken, selbst auf die Leistung, Taxi- oder Bus gefahren zu sein, wurden die Gläser gehoben. Ich kam aus dem Staunen nicht mehr heraus und mir kam der Gedanke, was wollen die alle hier? Ich dachte immer, dass zum Camino Frances ein „sich selbst quälen können“ dazu gehörte, was sollte dieser Selbstbetrug?

Irgendwann hielten meine Ohren das nicht mehr aus, da lag es nahe, zur Pilgerherberge zu laufen und auf die Matratze zu gehen.

 

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 33. Tag: Portomarin - Arzua

 Datum  km  Σ Km  Hm  Σ Hm  Übernachtung
 28.09.2016  55  2.814  980  22.528  Hostal Albergue Apostel

 

Am Abend zuvor hatte ich nach meiner Rückkehr aus dem Zentrum in unserem 6-Bettenzimmer noch einen sehr netten Deutschen kennengelernt. Gesehen hatte ich ihn am Nachmittag schon, da lag er auf dem Bett und hatte die Augen zu. Später klärte sich die Situation, als er mir erzählte, dass er bereits zwei Nächte in der Herberge verbracht hatte, weil er krank war und deshalb meistens im Bett lag. Ich bot ihm noch Tabletten an, die hatte er aber selber und war auch wohl inzwischen auf dem Weg der Besserung.

Morgens radelte ich noch ins Zentrum, trank einen Kaffee und staunte nicht schlecht. Was dort bereits an Massen unterwegs war, konnte man sich fast nicht vorstellen. Ein endloser Pilgerstrom lief an der Kirche vorbei direkt auf den Pilgerweg und die die sich noch nicht auf den Weg gemacht hatten, saßen in Scharen draußen vor den Bars und tranken Kaffee. Es war ein kontinuierliches Kommen und Gehen, wie viele „Pilger“ das in einem Startzeitfenster von vielleicht 2 Stunden sein würden, wusste ich nicht, ich wusste nur eins, es waren große Mengen.

Die vielen Pilger, die ich später auf dem Weg überholte,  zählte ich nicht, es waren hunderte unterwegs.

An dem Tag folgte ich meistens dem Originalpilgerweg, der sehr schön über kleine Straßen in Richtung Arzua führte. Es gab unzählig viele kleinere Orte, in denen es fast nichts zu kaufen gab, eines war aber sicher, mindestens eine Pilgerherberge hatten sie sicherlich.

Bei einem Halt an einer der unzähligen Pilgerherbergen kam ich mit einem deutschen Ehepaar ins Gespräch. Sie fanden es richtig toll, dass man in der Herberge bereits einen Zettel ausfüllen konnte, damit das Gepäck zur nächsten Herberge transportiert wurde. Nur drei Euro mussten sie für die Dienstleistung bezahlen. Vollkommen entspannt strahlten sie mich an und waren total überzeugt, von dem was sie mir erzählten. Georg dachte ich, du musst nicht alles verstehen, radel weiter und lass es gut sein.

Bei meiner Ankunft in Arzua hatte ich nur 55 km auf dem Tacho, war aber nochmals 980 Höhenmeter in dem hügeligen Gelände gefahren. Ein endloser Pilgerstrom begleitete mich am Ortseingang, alle waren auf der Suche nach einer Unterkunft. In der ersten Herberge wurde ich direkt abgewiesen, weil ich auf die Frage, ob ich reserviert hätte, leider nicht mit ja antworten konnte. Also weiter in Richtung Ortszentrum. Nicht viel weiter sah ich auf der rechten Straßenseite die Herberge „Albergue Apostel“. Dort erhielt ich dieselbe Abfuhr wie schon in der ersten, verabschiedete mich trotzdem nett und ging. Als ich draußen am Rad stand und gerade wieder losradeln wollte, kam die gute Frau von der Rezeption mir nachgelaufen und schon löste sich das Problem. Die Herberge war nach wie vor belegt, sie hatte aber wohl vergessen, dass sie parallel ein Hostal im selben Haus betrieb. Für 25,- € konnte ich dort die Nacht bleiben und hatte keine Schnarcher neben mir, ich fand den Preis absolut in Ordnung.

Ich möchte fast am Ende meiner doch so an Erlebnissen reichen Tour ehrlich sein, ich hatte an dem Abend noch ein paar tolle Gespräche mit einer Pilgergruppe im Zentrum von Arzua, die Massen die dort unterwegs waren, waren aber absolut nicht mein Ding. 

 

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 34. Tag: Arzua - Santiago de Compostela

 Datum  km  Σ Km  Hm  Σ Hm  Übernachtung
 29.09.2016  44  2.858  647  23.175  Hotel Windsor 

 

Bei Sonnenaufgang verließ ich Arzua ohne jegliche Wehmut, der Ort hatte mir ohnehin nicht gefallen. Sehr schnell fand ich kleinere Wege, die abgesetzt vom eigentlichen Pilgerstrom nach Santiago d.C. führten, ich konnte die Massen an Pilger nicht mehr sehen.

Mein Weg führte über viele verlassene und noch betriebene Bauernhöfe, dort begann leider aber  wieder das Hundeproblem. Meistens waren sie ja angeleint, einmal aber nicht. Der Hund, der mir folgte, war nicht gerade klein, er hatte nur leider das Pech, dass ich zu schnell unterwegs war, es ging flott bergab, in dem Fall hatte ich mal Glück.

Etwas später erreichte ich die Nationalstraße, die direkt zum Flughafen führt. Das waren noch einige Kilometer, aber es gab einen breiten Randstreifen und dort konnten selbst LKW gut überholen. Von Nordosten kommend, kam ich vor Santiago d. C. zunächst am Flughafen vorbei. Dort gab es einige Irritationen bezüglich meiner Weiterfahrt und das hatte seinen Grund: Den Kreisverkehr in der ersten Ausfahrt nach rechts verlassen durfte ich nicht, es war die Stadtautobahn, für Radfahrer verboten. Eine Ausfahrt im Kreisverkehr weiter ging es wieder nach Osten, in die Richtung, aus der ich herkam und dort wollte ich natürlich auch nicht hin. Was ich aber auch sah, war die Tatsache, dass quer vor mir auf der anderen Seite des Kreisverkehrs hinter einem Zaun massenhaft Pilger liefen. Nur wie kam ich dahin?

Meine Einschätzung war richtig. Ich musste die zweite Ausfahrt nehmen und 200 m nach Osten radeln, dort endete der Zaun. Genau dort konnte ich um 180 Grad rechts abbiegen und wenden, um mich in den Pilgerstrom einzureihen.

Vor der Fahrt ins Zentrum war es noch schön, einige bekannte Stellen auf letzten Kilometern des Pilgerweges wiederzusehen (siehe Fotos). 2009 war ich auf der Strecke mit meiner Frau Claudia in umgekehrter Richtung unterwegs gewesen, unser Zwischenziel war damals Arzua mit einem weiteren Schwenk auf den Camino del Norte (Sobrado de Monxes) gewesen.

Und dann kam der große bewegende Moment! Ich stand mit meinem alten Rad  zum dritten Mal vor der Kathedrale in Santiago de Compostela auf dem Praza do Obradoiro, nur diesmal nicht alleine oder wie 2009 mit meiner Frau! Diesmal hatte ich das laminierte Foto von unserem vor wenigen Wochen geborenen Enkelkind Jakob dabei. Es ist nicht einfach zu beschreiben, was man dann fühlt. Ich hatte 2.858 km und 23.175 Höhenmeter in den Beinen, fühlte mich gut und dachte an die vielen Erlebnisse unterwegs. Was war das für eine gewaltige Strecke gewesen und nun war ich mit Jakob am Rad am Ziel.  

Nach dem Versand einiger Fotos über Whatsapp an Familie und Freunde war die Resonanz groß, mein Smartphone „pinkte“ nur noch und ich hatte reichlich zu tun.

Etwa später machte ich mich auf den Weg zum Pilgerbüro. Etwas naiv lief ich zunächst in die Straße, wo das Pilgerbüro 2011 nach meiner Ankunft über die Via de la Plata gewesen war, nun im Jahr 2016 gab es dort kein Pilgerbüro mehr. Passanten auf den Straßen halfen mir dann aber und ich war trotzdem schnell im Ziel.

Nur das mir das an dem Nachmittag nichts half. Bei meiner Ankunft hatte ich sehr schnell wahrgenommen, dass das neue Pilgerbüro u.a. aus einem großen Innenhof bestand. Dort standen geschätzt 200 bis 300 Pilger in einer Schlange und man rechnete mit 2-3 Stunden Wartezeit. Nein, das wollte ich mir an dem Tag nicht antun, ich hatte ja noch zwei Tage Zeit.

Von zu Hause aus waren schon zwei Nächte in der Pension Baldala gebucht. Durch meine einen Tag frühere Ankunft hatte ich eine Nacht unterwegs zusätzlich im Hotel Windsor über booking.com nachgebucht, in der Pension Baldala war keine weitere Übernachtung möglich. Also radelte ich mit GPS-Hilfe zunächst zum Hotel Windsor, wo ich sehr freundlich empfangen wurde und man mir beim Gepäcktragen half.  Mein Rad kam bis zum nächsten Morgen in die Tiefgarage und schon war alles gelöst.

Am Abend lief ich ein wenig durch die Innenstadt, immer in unmittelbarer Nähe der Kathedrale. Dort gab es genügend Restaurationen, um ein Abendessen einzunehmen. Für weitere Besichtigungen hatte ich ja noch zwei Tage Zeit, ich musste langsam ankommen,

 

 Ja, ich war nach 2.858 km auf dem Fahrrad „mit Jakob“ am Ziel

 

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 35. Tag: Besichtigung Santiago de Compostela

 Datum  km  Σ Km  Hm  Σ Hm  Übernachtung
 30.09.2016  0  2.858  0  23.175  Hotel/Pension Badalada

 

Schon seit einigen Tagen hatten ich mit meinen Radschuhen Probleme, die Sohle war beim rechten Schuhe gebrochen, sie hatten die letzten Tage noch so gerade gehalten, jetzt kamen sie im Hotel Windsor in die Mülltonne. Unterwegs hatte ich zwar mal ein Radgeschäft gefunden, dass MTB-Schuhe mit SPD-System führte, dort hatten sie aber nicht die richtige Größe. Also war ich  mit der angebrochenen Sohle weitergefahren.

Am Morgen nach meiner Ankunft in Santiago de Compostela musste ich erst einmal das Hotel wechseln. Ich bepackte mein Koga Rondonneur nach dem Frühstück zum letzten Mal und radelte zur Pension Baldala. Dort musste ich einige Zeit warten, weil das Personal um die frühe Zeit noch nicht da war. Als ein Hotelgast die Pension verließ, nutzte ich die Gelegenheit, um mein Gepäck im Vorraum der Pension zu deponieren.

So konnte ich mit Rad und Lenkertasche zum Radgeschäft Velociped fahren, Einchecken in der Pension konnte ich auch noch später, das war wohl kaum ein Problem. Um 10:00 Uhr hatte ich einen Termin im Radgeschäft, um mein Koga abzugeben. Schon von zu Hause hatte ich recherchiert, dass sie dort einen Service boten, der mit die Heimreise nicht unerheblich erleichterte. Das Rad wurde von ihnen ordentlich verpackt und für 120,- € bis nach Hause vor die eigene Haustür transportiert.

Von dort ging es dann zu Fuß wieder zur Pension Baldala zurück, dort war inzwischen auch die Rezeption besetzt, dass Zimmer konnte ich später dann um 13:00 Uhr beziehen.

Den Tag verbrachte ich damit, an der Pilgermesse teilzunehmen, nicht die gesamte Länge, denn dass kannte ich ja schon. Ganz witzig war an dem Tag die Situation, dass ich in der Nähe der Kathedrale Frank vom RC-Buer Westerholt mit Sohn traf. Die beiden waren den Jakobsweg ab Astorga gelaufen und hatten auf meiner Internetseite gesehen, dass ich von zu Hause aus unterwegs wäre. Dort stand zu dem Zeitpunkt aber noch kein Datum meiner Reise, daher konnten sie nicht abschätzen, wann ich wohl in Santiago eintraf. Wir unterhielten uns eine ganze Zeit über verschiedene Themen, gingen dann aber unsere eigenen Wege.

Der Tag verging recht schnell, ich bummelte durch die Gassen, beobachtete die vielen Menschen bei ihrem Treiben, kehrte mal in ein Cafe ein oder aß die leckeren Tapas der Region. 

 

 


  

 36. Tag: Besichtigung Santiago de Compostela

 Datum  km  Σ Km  Hm  Σ Hm  Übernachtung
 01.10.2016  0  2.858  0  23.175  Hotel/Pension Badalada

 

Am Morgen war es richtig frisch, der Herbst war eingezogen, als ich sehr früh um 07:20 Uhr zum Pilgerbüro lief. Ein „Geheimtipp“ unter den Pilgern war der, sehr früh zum Pilgerbüro zu laufen, noch bevor dieses um 08:00 Uhr öffnete. Als ich 25 Minuten vor der Öffnung eintraf, standen bereits 40 Pilger vor der Tür. Ok dachte ich, 40 sind keine 300 wie am gestrigen Mittag. Am Tag zuvor war ich erneut zum Pilgerbüro gelaufen, hatte mein Ansinnen aber aufgrund der dort stehenden Menge aufgegeben.

Nun klappte es. Um 08:45 Uhr stand ich wieder draußen vor der Tür. Meine Compostela und ein zusätzliches Zertifikat waren in einer schützenden Papprolle verpackt und mein Credential de Peregrino zierte der letzte Stempel, den man im Pilgerbüro erhält. Das zusätzliche Zertifikat, für das man 3,-€ entrichten musste, bescheinigte, dass ich von Dorsten über 2.858 km nach Santiago de Compostela geradelt war. Froh den „Geheimtipp“ befolgt zu haben, kehrte ich wieder zur Kathedrale zurück und kehrte in ein Cafe in der Nähe ein.

Im Laufe des Tages hielt ich mich sehr lange auf dem Vorplatz der Kathedrale auf, immer wieder trafen dort Radler ein, mit denen ich kurz ins Gespräch kam. Jeder hatte eine Menge von seinem Weg zu erzählen und freute sich über seine Ankunft an diesem historischen Ort.

Die vielen Fußpilger lagen erschöpft von ihrem langen Weg auf dem Vorplatz und so manches Mal dachte ich, wo diese wohl herkommen.

An einem Stand kaufte ich noch eine größere Muschel für unser Enkelkind Jakob. Gegen eine kleine Zusatzgebühr schrieb der Verkäufer seinen Namen auf die Muschel, ich fand das sehr schön. Diese wollte ich ihm als persönliches Geschenk mit bringen, daher wurde sie gut eingepackt in der Lenkertasche verstaut.

Später lief ich einige Gassen weiter, um ein Restaurant zu finden, in dem ich 2009 mit meiner Frau Claudia eingekehrt war. Das Essen dort war mir gut in Erinnerung geblieben und genauso schmackhaft war es auch 7 Jahre später.

Meine lange Reise ging an dem Abend zu Ende, für den nächsten Morgen hatte ich mir ein Taxi zum Flughafen bestellt.

 

 


 

 37. Tag: Rückflug über Madrid nach Düsseldorf

 Datum  km  Σ Km  Hm  Σ Hm  Übernachtung
 02.10.2016  0  2.858  0  23.175  zu Hause

 

Das  Taxi stand 10 Minuten vor der vereinbarten Zeit vor der Pension Baldala, ich stand dort bereits fertig, insofern war das kein Problem. Meine Radtaschen hatte ich in einen üblicherweise für Gartenlaub zu nutzenden großen Sack verpackt. Der Platz reichte für alle Radtaschen mit Ausnahme der Lenkertasche und einer hinteren Radtasche, diese waren mein Handgepäck. So hatte ich es ausgeklügelt, mit 8 kg Handgepäck und einem Gepäckstück von max. 23 kg keinen Aufpreis zahlen zu müssen.

Vor der Taxifahrt war ich noch kurz unten im Bereich der Kathedrale gewesen, hatte zwei letzte Fotos gemacht, gefrühstückt und innerlich Abschied benommen. Dreimal war ich bereits in Santiago de Compostela gewesen, würde ich diesen Ort je wiedersehen?

Die Taxifahrt dauert nur gut 15 Minuten. Das Gepäck konnte ich direkt aufgeben, es war alles perfekt. Über Madrid flog ich zur Mittagszeit nach Düsseldorf, als ideale Ankunftszeit war ca. 18:30 Uhr vorgesehen. Ein wenig Nervosität kam noch auf, als die Iberia in Santiago eine verzögerte Startzeit von 20 Minuten durchgab. In Madrid hatte ich ohnehin nur eine Stunde Umsteigezeit, konnte das gut gehen?

Später stellt sich heraus, dass das alles kein Problem war, die Flugzeit war insgesamt relativ ungenau angegeben und in Madrid benötigte ich vom Ankunftsterminal bis zum Abflugterminal maximal 15 Minuten. Pünktlich erreichte ich Düsseldorf, ich war nach der langen Reise nach noch 30 Minuten Autofahrt wieder zu Hause.