31. Tag: Ponferrada - Alto do Poio

 Datum  km  Σ Km  Hm  Σ Hm  Übernachtung
 26.09.2016  64  2.697  1.160  20.916  Hostal Santa Maria do Poio

 

An dem Tag standen mehrere hintereinanderliegende Pässe auf dem Programm. Mit insgesamt 1.160 Höhenmeter ohne Weiteres machbar, aber es zog sich hin. Hinzu kam, dass es  kurz vor dem Zielort oben auf ca. 1.000 m Höhe mal wieder einen Radschaden gab. Das hintere Laufrad, dass ich in Le-Puy-en-Velay in der Fachwerkstatt hatte zentrieren lassen, war mal wieder das Problem. Ein Speichenriss, auf meiner langen Tour nun das vierte Mal, galt es zu reparieren, dann war ich auf dem Alto do Poio am Ziel.

Aber ich beginne mal am Morgen:  Schon um 08:00 Uhr saß ich im Sattel und verließ Ponferrada wie auch an manchen Tag zuvor noch im Halbdunkel. Vorher hatten mich zwei Pilger aus San Diego in Amerika noch über meine Tour ausgefragt, danach konnte ich starten.

Kurz hinter dem Ortsausgang von Ponferrada verließ ich dem Track folgend die Avenida de Galizia und schwenkte auf die Carreterra Del Canal.  Wie der Straßenname schon wiedergibt, ging es stur geradeaus  immer am Canal Bajo de Bierzo entlang. Durch die aufsteigende Feuchtigkeit in der Nähe des Kanals war es richtig kalt und neblig und ich zog meine Fingerhandschuhe an. Kilometer weiter, ich hatte den Kanal kaum verlassen, konnte ich bei strahlendem Sonnenschein weiterradeln.

In Villafranca Del Bierzo stand ich dann urplötzlich vor einem Tunnel, bei dem ich zunächst ein wenig erschrak. Er konnte Kilometer lang sein, aus meinem Blickwinkel konnte ich aber nicht erkennen, wie lang er tatsächlich war. Über der Betonröhre hatten sie eine große Jakobsmuschel platziert, das sah ganz nett aus, half mir aber nicht. Rechts von der Tunneleinfahrt gab es eine Bar und dort trafen sich wohl die Einheimischen. Dort trank ich einen Kaffee und nutzte die Gelegenheit, den Barbesitzer gleichzeitig über den Tunnel auszufragen. Mit  Händen und Füßen nicht so einfach, ich verstand aber, das ich  mit meinem Rad den Tunnel durchqueren konnte.

Es zeigt sich dann, dass meine zunächst vernünftige Sorge unberechtigt war, der Tunnel war gut beleuchtet und vielleicht ca. 300 m lang. Ein Auto begegnete mir vielleicht mal alle 10 Minuten. Zügig durchfuhr ich die Strecke.

Lange Zeit folgte die Straße hinter dem Tunnel der Autobahn, die Pilger liefen viele Kilometer geschützt von ungefähr 80 cm hohen Betonwänden auf der linken Seite der Straße. Auf der Straße fuhren so gut wie keine Autos, die Fahrer nutzen eher die Autobahn. Durch mehrere kleine Orte radelte ich, nachdem ich die Straße immer wieder verließ und dem Pilgerweg folgte. Immer wieder kam ich in Gespräche mit verschiedenen Pilgern und so einige wollten die Geschichte von Jakobs Foto am Rad hören.

Als der steilere Anstieg begann, folgte ich nicht mehr dem Pilgerweg, sondern fuhr weiter auf der Straße. Es war dort absolut ruhig, ich überholte eine Chinesin, die ihr Rad schob und kam in ein Gespräch mit einem Franzosen bezüglich meines am Rad befestigten Garmin. Danach ging es weiter den Berg hinauf. Nach 1.000 Höhenmeter stand ich bereits auf dem ersten Pass dem „ Alto do Cebreiro“ in 1.300 m Höhe. Auch da gab es wieder einen Austausch mit einem Spanier, der in Bern lebte und etwas Deutsch sprach, sowie einem jungen Burschen aus London, es waren doch auch reichlich Pilger mit Rädern unterwegs. Auf der Abfahrt vom Alto do Cebreio kam es zu dem Radschaden am Hinterrad, den ich schon oben beschrieben habe.

Ich rollte noch ein wenig weiter bis in einen Ort, wo der Pilgerweg wieder auf die Straße traf. Dort reparierte ich das Rad in zwanzig Minuten und hörte mir die Kommentare der eintreffenden Pilger an. Es waren mal wieder einige „Spezialisten“ dabei, die natürlich zum Besten gaben, dass ich mit viel zu viel Gepäck unterwegs wäre. Als ich ihnen erzählte, dass ich mit einem älteren Laufrad mit XT-Nabe bereits 20.000 km ohne Speichenriss mit 30 kg Gepäck gefahren wäre, wurden sie stumm.

Den zweiten Pass „Alto do San Roque“ in einer Höhe von 1.270 m gab es nur, weil nach dem ersten Pass eine Senke von knapp 100 m folgte, ich musste also nicht wieder hunderte von Metern den Berg hinauf. Ein paar Fotos noch an einem Pilgerdenkmal und noch hundert Höhenmeter dann stand ich oben auf dem Alto do Poio an meinem Ziel. Dort gab es zwar auf der anderen Seite der Straße des Hostal „Santa Maria do Poio“ in der Nähe einer Pilgerherberge, ich wollte in der Nacht aber meine Ruhe haben und wählte das Zimmer mit Bad.

In der Bar traf ich bei meiner Ankunft auf ein paar deutsche Pilger, die auch in dem Hostal übernachteten. Mit ihnen unterhielt ich mich eine ganze Zeit über die bereits zurückliegenden Etappen und Strapazen, ging dann aber erst einmal duschen, denn zu essen gab es ja erst ab 19:00 Uhr. 

 

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