28. Tag: Hontanas - Mansilla

 Datum  km  Σ Km  Hm  Σ Hm  Übernachtung
 23.09.2016  130  2.509  693  18.439  Hostal Las Delicias

 

Als ich mich am Morgen auf den Weg machte, hatte ich bereits 2.379 km auf dem Tacho stehen. Eine lange Reise mit vielen Eindrücken lag bereits hinter mir. In Gedanken beschäftigte ich mich bereits mit der Tageseinteilung der letzten Tage. Ursprünglich hatte ich eingeplant, freitags am Nachmittag Santiago de Compostela zu erreichen. Nun bot sich auf dem flachen Terrain vor Leon die Möglichkeit, ein paar Kilometer mehr zu fahren. Würde ich an dem Tag 130 km radeln, käme ich bereits donnerstags am Ziel an. Das hatte den Vorteil, dass ich mein Rad am Freitagmorgen in Ruhe zum Velociped Radgeschäft bringen konnte, bei einer Ankunft am Freitagnachmittag müsste das alles noch am späten Nachmittag nach der Ankunft geschehen. Samstags hatte das Radgeschäft geschlossen, da war eine Radabgabe unmöglich.

Noch im Dunkeln saß ich bereits um 07:45 Uhr auf dem Rad. Bezüglich meiner oben beschriebenen Gedanken war ich zu der Erkenntnis gekommen, das unterwegs zu entscheiden, halt abhängig davon, wie es an dem Tag lief.

Hunderte Pilger waren in der Früh bereits im Dunkeln unterwegs. So manches Mal hatte ich mich schon darüber gewundert, was die Fußpilger so früh trieb. War es die Jagd nach dem nächsten Bett? Ich wusste es nicht! An der Länge der Strecke konnte es nicht liegen, denn die meisten waren bereits am frühen Nachmittag am nächsten Ziel.

In der Morgendämmerung zu radeln machte richtig Spaß. Es gab keine drückende Hitze, die einen am frühen Nachmittag reichlich zu schaffen machte, es war eher etwas kühl. Durch viele kleine Orte wie Castrojeriz, Fromista, Revenga de Campos und Carrion de los Condes kurbelte ich die ersten Stunden und hatte eine himmlische Ruhe, die einfach gut tat.

Viele Kilometer bewegte ich mich auf feinem Schotter des originalen Pilgerweges, dann gab es lange Passagen auf der Nationalstraße, neben der der Pilgerweg auf einem schmalen Pfad lief. Auf den flachen Asphaltstrecken kam ich zügig voran, die Kilometer flogen einfach so dahin.

Ich will ehrlich sein, meine Gedanken waren manchmal bei den Pilgern, auf diesen Strecken an der Nationalstraße taten sie mir einfach leid. Für die vielen Wandertage an der Nationalstraße war ich mit dem Rad einen Tag unterwegs, da konnte man die nicht so interessante Passage schnell abhaken, zu Fuß ging das nicht. Aber solche Gedanken gab es sicherlich auch umgekehrt. Mit dem Rad musste ich wiederum auf manche Passagen des originalen Pilgerweges verzichten, die traumhaft schön waren.

Nach 110 Tageskilometer, auch Sahagun hatte ich schon hinter mich gelassen, hielt ich in El Burgo Ranero an einer Pilgerherberge /Bar an. Mein Versuch dort unterzukommen, scheiterte kläglich, es waren bereits alle Betten belegt. Aber auch dort gab es hilfsbereite Menschen, die sofort zum Telefonhörer griffen, ohne einen Euro zu verlangen.  Die nette Barbesitzerin reservierte mir nach Rücksprache ein Zimmer im Hostal Las Delicias in Mansila. Dort kostete das Zimmer 25,- €, beklagen konnte ich mich bei dem Preis nicht.

17 km ging es dann mit dem guten Gefühl, einen Übernachtungsplatz zu haben, noch auf eine lange Gerade, auf der ich wieder hunderte Pilger sah. Was die Spanier da an Infrastruktur aufgeboten hatten,  um all die Menschen zu versorgen, das war bemerkenswert.

Nach 130 km auf dem Tagestacho stand ich vor dem Hostal Las Delicias und war sehr zufrieden, ich hatte einen Tag gegenüber der Planung rausgeholt. Bis Santiago de Compostela waren nur noch 349 km zu radeln und das bei 6 noch zur Verfügung stehenden Tagen. Die 2.500 km-Marke hatte ich 9 km vor Mansila geknackt, ja meine lange Reise sollte langsam zu Ende gehen.

Mit dem Hostal konnte ich sehr zufrieden sein! Das Zimmer war einfach, aber sauber und einen Biergarten mit Restaurant hatten sie auch. Den kleinen Ort Mansilla de las Mulas sah ich mir am späten Nachmittag noch ausführlich an, schlenderte einfach durch die Gassen, sprach mit Pilgern und trank einen Kaffee.

 

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