20. Tag: Aire sur L´Adour - Navarrenx

 Datum  km  Σ Km  Hm  Σ Hm  Übernachtung
 15.09.2016  91 + 3  1.981  1.150 + 50  12.193  Camping Municipal Beau Rivage

 

Morgens war das Wetter wieder super! Es war beim Radeln noch etwas frisch, aber der Himmel war sehr klar und man konnte bereits bis zu den Pyrenäen sehen.

Ich war noch nicht lange unterwegs und hatte die Autobahn A65 bereits das zweite Mal überquert, als mich im kleinen Ort Latrille ganz plötzlich ein Hund von der rechten Seite angriff. Wenn ich vorher aufmerksamer gewesen wäre, hätte ich vorgewarnt sein können. Kurz vorher an einer Hinweistafel stehend, hatte mich aus dem Vorgarten eine ganze Zeit ein kleiner Hund angekläfft. Dieser machte natürlich alle Hunde des Dorfes aufmerksam, man konnte sie schon von Weitem hören. Der Hund, der mich verfolgte, war nicht gerade klein, er versuchte immer, meinen Fuß im Bereich der Pedale zu packen, was ihm durch die schnelle Kurbelbewegung aber nicht  gelang. Ungefähr 200 -300 m brauchte ich, um ihn endlich abzuhängen. Ein Herrchen oder ein Frauchen war natürlich auch nicht in Sicht, wozu gab es eigentlich Hundeleinen, fragte ich mich.

Etwas später sah ich im Rückspiegel einen Radler, der recht zügig mit Gepäck unterwegs war. Es dauerte nicht lange, da hatte er mich eingeholt und fragte mich nach dem Weg. Er war sich nicht sicher, ob er vorher hätte rechts statt links abbiegen müssen, orientierte sich dann aber an meiner Person. Viel helfen konnte ich ihm leider nicht, schließlich gab es viele Möglichkeiten und zum Teil verstand ich ihn auch nicht. Dank Akku-Unterstützung war er mir zu zügig unterwegs, ich sah ihn aber noch zweimal am Wegrand stehen. Wenn man den Weg nicht kannte, musste man natürlich häufiger die Einheimischen fragen.

In dem winzigen Ort Pimbo sah ich ihn an einer Pilgerherberge zum letzten Mal stehen, ich radelte aber weiter über Arzacq-Arraziguet bis nach Morlaane, dort gab es schließlich ein Chateau zu sehen.

Bei meiner Ankunft in Morlaane war es absolut ruhig im Dorf. Ein paar Touristen liefen durch die nicht sehr lange alte Gasse in Richtung Chateau, ein französisches Paar kam aus einem Restaurant, ansonsten sah ich niemanden. Ich schaute mir das aus dem Jahr 1370 stammende Schloss ein wenig von außen an und machte ein paar Fotos. Ein wenig fühlte man sich ins Mittelalter zurückversetzt. Grundsätzlich konnte man das Schloss auch von Innen besichtigen, es waren dort wohl einige Möbelkollektionen zu sehen, es war aber über die Mittagszeit geschlossen. Also kurbelte ich die Gasse wieder hinauf bis ins Zentrum zurück und machte ich mich wieder auf den Weg.

Im nächsten Ort Arthez-de-Béarn gab es an einer Bar erst einmal eine kalte Cola zu trinken. Cola war nicht unbedingt mein Favorit bei den Getränken, aber kalt war sie erfrischend und Wasser konnte man auch irgendwann nicht mehr sehen.

Eine weitere Pause hatte ich noch in einem kleinen Park in Maslacq direkt gegenüber dem Restaurant Maugouber. Dort verzehrte ich einen vorher gekauften Käse und genoss den Schatten unter den Bäumen sehr. Auch hier war wieder auffallend, dass in den frühen Nachmittagsstunden oder auch Mittagsstunden die Menschen in ihren Häusern blieben, es war kaum jemand unterwegs.

Ein sehr nettes Erlebnis hatte ich an dem Tag noch 13 km vor meinem Tageszielort Navarrenx. Dort gab es im Bereich der Bauernschaft Sauvelade an der Route deu Larvath (D110) ein Haus, vor dem einige junge Leute auf Bänken saßen und sich laut unterhielten. Es sah einer Bar ähnlich, war aber eher wohl nicht für die Öffentlichkeit gedacht.

Sie freuten sich wohl, als sie mich sahen und riefen mir zu, von dem ich mangels Sprachkenntnisse aber so gut wie nichts verstand. Sie versuchten es dann auf Englisch und schon verstanden wir uns vorzüglich. Ich radelte auf den Hof und wurde sofort von den jungen Menschen umringt. Sie fragten mich über meinen weiteren Weg aus, wo ich her käme, halt alles Fragen, die ich auf meinem langen Weg bereits mehrmals gehört hatte.

War die Unterhaltung zunächst noch von zurückhaltender Höflichkeit geprägt, brach der Bann, als sie am Rad das Foto mit dem Text von Jakob entdeckten. Alle klopften mir auf die Schulter und drückten mich herzlich, in dieser Form von eigentlich Fremden umarmt zu werden, hatte ich noch nicht erlebt. Zum Schluss wünschten sie mir auf meiner Tour und Jakob für sein Leben alles Gute, ja, da war ich hin und weg. Wo war da die manchmal Franzosen vorgeworfene Arroganz geblieben?

Nach 91 km stand ich am Ortseingang von Navarrenx. Ich radelte zunächst durch den Ort, sah die großen Festungsmauern und orientierte mich ein wenig. Es gab im Ort mehrere Restaurationen und einen Supermarkt in der Nähe des Campingplatzes.

An der Campingplatzrezeption versuchte ich es mal wieder mit meinem „Do you speek english? Als Antwort kam ein „Yes“ verbunden mit einem Grinsen im Gesicht. Dieses „Yes“ und die Folgesätze hörten sich nicht wie bei einem Franzosen an, der mit mir ausnahmsweise englisch spricht. Der nette Campingplatzbesitzer und Familie stammten von der Kanalinsel Guernsey und sie lebten bereits 12 Jahre in Navarrenx. 

Der Campingplatz „Municipal Beau Rivage“ war einfach klasse, saubere Sanitäranlagen, ein Pool und schöne Stellplätze rundeten meinen Aufenthalt ab. Hinzu kam, dass mir Vater und Tochter mit Informationen halfen, die ich so manches andere Mal den Leuten an der Rezeption „aus der Nase ziehen musste“.

Am späten Nachmittag und Abend sah ich mir den historischen Ortskern mit seinen Festungsmauern etwas genauer an und ging in ein Restaurant. Lidl oder Aldi musste nun wirklich nicht jeden Tag sein.

Ein wenig noch über den Ort Navarrenx:

Der Name Navarrenx bezieht sich auf das Königreich Navarra, an dessen Grenze sich die Ansiedlung am Fluss Gave d´Oleron befand. Die heute noch vorhandene Brücke über den Fluss stammt aus dem 13. Jahrhundert, wobei ein damals errichteter Wehrturm heute nicht mehr existiert. Im 14. Jahrhundert wurde Navarrenx zur Bastide ausgebaut, was noch heute an den schachbrettartig verlaufenden Straßen und dem zentralen Platz zu erkennen ist. 1523 wurden die Befestigungsanlage durch die Truppen Philibert de Chalons zerstört und erst im 16. Jahrhundert nach dem Vorbild der toskanischen Stadt Lucca wieder aufgebaut.

Schon lange ist Navarrenx auch Pilgerort. Noch vor dem Bau der Brücke über den Oleron gab es dort reichlich Bootsverkehr. Entweder bezahlten die Pilger den geforderten Obolus oder warteten auf einen niedrigen Wasserstand. Der heutige Pilgerweg (GR65) verlässt Navarrenx durch das Tor Saint Antoine und führt dann über die Brücke über den Gave d´Oleron.

 

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