17. Tag: Saint Cirq Lapobie - Moissac

 Datum  km  Σ Km  Hm  Σ Hm  Übernachtung
 12.09.2016  100 + 7  1.734  393  9.344  Camping I´ll du Bidounet

 

Nach 6 Jahren die Strecke im Vallee du Lot nochmal entlang zu radeln, war in der Morgenfrische richtig schön. Die Teilstrecke bis Cahors gehörte zu einem der schönsten Abschnitte im Lot Tal.

Ein letzter Blick auf das auf der gegenüberliegenden Flussseite am Berg „klebende“ Künstlerdörfchen Saint-Cirq-Lapobie und schon ging es weiter in Richtung Cahors. Mehrmals musste ich die alte Bahnstrecke queren und immer darauf achten, nicht in eines der Löcher zu fahren. Einen Speichenbruch wollte ich nicht mehr riskieren, also radelte ich ganz langsam hindurch oder fuhr an der Seite vorbei, um möglichen harten Schlägen zu entgehen.

Mitten durch den Fels hatte man die Straße dort teilweise gehauen. An vielen Stellen gab es eine kleine Mauer, welche die einzige Abgrenzung zum Fluss Lot darstellte und verhinderte, dass schleudernde PKW oder „verträumte“ Radler mal einfach so im Fluss verschwanden. Bei meiner Ankunft in Cahors erkannte ich sofort Vieles wieder. Der Ort hatte ja an Sehenswürdigkeiten einiges zu bieten:

- Pont Velentre, eine Brücke aus dem 14. Jahrhundert mit drei befestigten Türmen, sechs Brückenbögen und mit spitzen Bastionen bewehrten Pfeilern. Das außergewöhnliche Beispiel eines mittelalterlichen Verteidigungsbauwerkes wurde zum Wahrzeichen Cahors.

- Kathedrale Saint-Étienne, die Kathedrale, die mit ihrer Kuppelarchitektur die Hauptkirche Cahors und gleichzeitig Sitz des Bischofs ist.

In der Altstadt schaute ich mir ein wenig die alten Straßen und Häuserfronten an, bevor es  weiter zur Pont Velentre ging. Die Brücke lag etwas abseits von meinem weiteren geplanten Weg, den guten Kilometer konnte ich aber locker zurückradeln, das war das geringste Problem. In der Umgebung der Pont Velentre wurden Erinnerungen wach. Ein Blick hinunter auf die unten liegende Schleuse war der Grund. Im Jahr 1999 hatten wir in einem Familienurlaub mit unseren noch kleinen Kindern ein Boot gemietet und waren durch diese Schleuse im Brückenbereich unter der Brücke hindurch gefahren.

Nach einigen Fotos radelte ich zurück zum Parc Phillipp Gaubert, dort ging es über die Brücke Louis-Philippe auf die Südseite des Flusses Lot. Ab dort wurde die Fahrt für wenige Kilometer etwas nervig, weil es dort ein riesiges Gewerbegebiet gab. Zu viele Autos waren noch nie mein Ding gewesen, insofern war ich eine halbe Stunde später froh, diesem Bereich über die D653 zu entfliehen.

Gegen Mittag wurde es mit 38 Grad im Schatten unerträglich heiß. Bei dem Anstieg hinter Cahors ging es zwar nur auf eine Höhe von 285 m hinauf, die Sonnenstrahlen wurden aber vom Asphalt reflektiert und einen kühlenden Fahrtwind gab es auch nicht. Einige Kilometer ging es von der Anhöhe bergab, bis ich am Ortsausgang des kleinen Ortes Montcuq endlich eine Bar fand.  

Bei der Hitze war ich um 14:30 Uhr froh, meinen Zielort Moissac schon so früh zu erreichen. Ich wurde aber noch durch einen Umstand gefordert, den ich bei meiner Ankunft noch nicht sah.

Der Campingplatz liegt zwar recht schön am Tarn, die Rezeption war bei meiner Ankunft aber nicht besetzt. Das ist ja grundsätzlich erst einmal kein Problem. In der Regel baue ich in solchen Fällen erst einmal das Zelt auf und melde mich später an, so auch hier auf dem Campingplatz I´ll du Bidounet.

Nach dem das Zelt stand und ich bereits frisch geduscht war, radelte ich wieder nach vorne zur Rezeption. Um Punkt 16:00 Uhr öffnete diese, es standen aber bereits 10 Leute vor mir und die meisten waren ziemlich genervt. In der Hitze draußen in der Sonne zu stehen, während Madame in Ruhe ihr Programm abzog und jeden Personalausweis einzeln einscannte, nervte kolossal. Nach 60 Minuten hatte ich es tatsächlich geschafft und wurde bedient. Die Dusche hätte ich mir vorher sparen können, so heiß war es an dem Nachmittag. Das Wasser lief mir an den Beinen runter und dann hatte ich auch noch Glück! Bei meiner Anmeldung zeigte Madame mir einen  Plan und kreuzte mir auf dem Plan die Stellflächen an, auf denen mein Zelt nicht stehen durfte, da reserviert. Ich hatte doch tatsächlich zufällig richtig gewählt. Die von ihr markierten Plätze waren vor Ort nicht gekennzeichnet, insofern hätte die Geschichte auch anders ausgehen können. Dann hätte ich mein Zelt in der Hitze auch noch versetzen müssen.

Den Ärger an der Anmeldung schluckte ich herunter und machte mich auf den Weg, schließlich gab es in Moissac noch einiges zu sehen:

Der etwa 12.000 Einwohner große Ort Moissac liegt am rechten Ufer des Flusses Tarn, etwa vier Kilometer oberhalb seiner Mündung in die Garonne. Der Ort ist einer der bedeutendsten Stationen der Via Podiensis. Bereits im Mittelalter gab es eine Reihe von Pilgerherbergen und im Hospiz des Klosters wurden die Kranken versorgt. Die eigentliche Aufgabe des Klosters war aber die geistige Betreuung der Pilger durch das Zelebrieren von Messen und Prozessionen zu Ehren des heiligen Jakob.

Sehr sehenswert sind heute die ehemalige Benediktinerabtei Saint Pierre de Moissac und die 356 Meter lange Kanalbrücke über den Tarn, über die der Canal lateral a la Garonne den Tarn überquert.

Was war es an dem späten Nachmittag doch herrlich auf dem Place Roger Delthil direkt neben der Abtei draußen vor einem Cafe zu sitzen. Das schattige Plätzchen war ideal, um dem Treiben im Ort zuzusehen. Immer wieder tauchten Pilger mit ihren Rucksäcken auf oder ich kam kurz in ein Gespräch mit anderen Touristen, die in der Nähe des Ortes ihre Unterkunft hatten oder den Ort auf der Durchreise besuchten.

An dem Abend rief mich noch Claus Schöbel an. Ihm war eine Zeltstange gebrochen und ihm war nicht klar, wie man diese reparierte. Ersatzgestänge gab es nur bei wenigen Herstellern beim Kauf eines Zeltes kostenlos dabei. Was ich aber wusste war, dass wenn kein Gestänge im Zeltbeutel war, zumindest eine Reparaturhülse mitgeliefert wurde, so auch bei ihm. Ich  erklärte ihm, dass er die Hülse über die Bruchstelle schieben müsste. Danach mit Klebeband oder einem Tape fixiert sollte dem Aufbau des Zeltes nichts mehr entgegenstehen.

 

km,