13. Tag: Erster Pausentag in Le Puy en Velay

 Datum  km  Σ Km  Hm  Σ Hm  Übernachtung
 08.09.2016  18  1.342  50  6.233  Camping Bouthezard

 

In den ersten zwölf Tagen war ich 1.324 km geradelt und war bereits einen Tag schneller unterwegs als ursprünglich geplant.

Sehr schnell kam an dem Morgen der Gedanke auf, in Le-Puy-en-Velay eine zweite Nacht zu bleiben, sofern es im Ort eine Radwerkstatt gab. Am Abend zuvor hatte der Mann an der Rezeption nach meiner Problemschilderung bereits das Sportgeschäft Decathlon erwähnt, bezüglich der Reparatur des Laufradschadens war ich da aber eher skeptisch gewesen. Am jetzigen Morgen war eine junge Frau an der Rezeption, bei der ich mein Problem nochmal ansprach. Ich konnte oder wollte mir nicht vorstellen, dass es in Le-Puy-en-Velay außer Decathlon nicht noch eine andere Fachwerkstatt gab. Ich hatte kaum die erforderliche Speichenlänge erwähnt, als sie mir direkt antworte, dass Decathlon mir wohl  kaum helfen könnte. Die Speichenlänge wäre in Frankreich eher unüblich, sie könnte mir aber trotzdem eine Lösung anbieten. Und dann erzählte sie mir, dass hier schon mal häufiger Radler mit einem Raddefekt ankämen. Sie würde sie alle zum 5 km entfernten Radgeschäft „Sars Velomania“ schicken und alle wären bisher mit zufriedenen Gesichtern wieder zum Campingplatz zurückgekehrt. Dabei strahlte sie! Es machte ihr sichtlich Spaß, mir zu helfen.

Nach dem sie mir dann auch noch einen Radweg zur Werkstatt empfohlen hatte, stand meine Entscheidung fest, zur Werkstatt zu fahren. Immer am Fluss La Borne entlang in Richtung Osten bis unter die Bahnlinie hindurch, dann auf dem Radweg ein kurzes Stück geradeaus  bis zum dritten Kreisverkehr. Ihre Worte noch im Gedächtnis, radelte ich dort rechts abbiegend den Berg hinauf, noch einmal links in die Rue de la Transcevenole und schon stand ich um 09:00 Uhr bei Geschäftsöffnung am Ziel.

Meine Laune stieg an dem Tag sehr. Kurz nach meiner Ankunft kam der Chef und schloss den Laden auf. 15 Minuten später war das Laufrad perfekt zentriert und die Speichen mit der von mir benötigten Länge (290 mm) hatte er auch. Ich kaufte bei ihm 20 Speichen, dem Laufrad konnte ich irgendwie nicht mehr trauen, hoffte aber gleichzeitig, alle wieder mit nach Hause zu nehmen.

Bereits um 10:00 Uhr war ich wieder am Campingplatz und verwarf schnell den Gedanken doch noch weiterzufahren. Nein, jetzt wollte ich mir den alten Pilgerort einmal etwas genauer ansehen.

Bei meinem Besuch in der Altstadt waren bereits reichlich Pilger unterwegs. Im Zentrum gab es mehrere Pilgerherbergen und viele andere Unterkünfte für relativ „kleines Geld“. Le-Puy-en-Velay ist der Ausgangspunkt des französischen Jakobsweges „Via Podiensis“, der die Pilger bis an den Fuß der Pyrenäen führt. Eine Besonderheit des Ortes sind die weit sichtbaren Basaltkuppen (ehemalige Vulkanschlote). Auf der einen steht die Chapelle Saint Michel und auf der zweiten, dem „Rocher Corneille“, steht die Statue der Notre-Dame de la France. 1860 in einer Größe von 16 m errichtet, wurde diese aus dem Metall von über 200 während des Krimkrieges in Sewastopol erbeuteten Kanonen gegossen. Weiterhin sehenswert ist in der Altstadt die Kathedrale, die zum Weltkulturerbe der UNESCO gehört.

Nach der Ortsbesichtigung wurde ein wenig vor dem Zelt relaxt, der Pausentag hatte richtig gut getan.