Vorbemerkung

 Zeitraum

 Σ Distanz

 Σ Höhenmeter

Track

Presse

 18.06.2015 - 25.07.2015

 2.875 km
+ 125 km

 9.800 Hm

  

Immer mal wieder hatten wir mit dem Gedanken gespielt, einen Teil des Ostseeküsten Radwegs unter die Räder zu nehmen. Das sich daraus eine so lange Strecke ergeben würde, war ursprünglich nicht vorgesehen. Meine erste Idee bestand lediglich darin, von zu Hause zu starten, ich wollte mir das etwas umständliche Prozedere mit dem Karton und Flugzeug sparen und es so machen wie auf meiner Tour von Dorsten nach Rom. Von einem ehemaligen Arbeitskollegen wusste ich, dass er schon zweimal den Dortmund-Ems-Kanal entlang zur Nordsee gefahren war, seine Erzählungen "klangen mir bei der Planung noch im Ohr". Ihm hatte es gefallen und bis zum Dortmund-Ems-Kanal war es nach Osten hin von Dorsten auch nicht weit.

Schnell war der Gedanke da, die Strecke an der Nordsee entlang mit dem Ostseeküsten Radweg zu verbinden. Als meine Frau dann noch den Vorschlag machte, ab Lübeck bis zur polnischen Grenze (Usedom) mitzuradeln, war die Tour schon fast perfekt. Zuerst sollte es ein erster Teil einer später noch zu vervollständigen Deutschlandumrundung werden, aber warum nicht Dänemark gleich "mitabhaken"? So wurde die Tour immer länger, im östlichen Bereich wurde noch ein wenig "Inselhopping" eingebaut und ein Zeitplan erstellt, im Februar 2015 stand die Strecke dann entgültig fest. Nach der Radtour wollte wir gemeinsam noch eine Woche in Ahlbeck auf Usedom bleiben und ein wenig relaxen, danach sollte es mit dem Zug wieder nach Hause gehen.

Mit ca. 3.000 km (2.875 km Strecke + 125 km für abendliche Ausflüge, bzw. zum Einkaufen) wurde die Tour die bisher längste Radtour meines Lebens. Über die relativ wenigen Höhenmeter freute ich mich, so kam bei den durchschnittlich pro Tag zu bewältigenden 81 Tageskilometer kein Stress auf (3.000 km / 37 Radtage, 1 Pausentag in Lübeck).

Am Tag vor dem Start wurden nur noch die Beine hochgelegt und relaxt. Ein Krimi, der oben an der Nordsee spielte (Ostfriesenangst von Klaus-Peter Wolf) sorgte für die nötige Einstimmung auf die Tour. 

 

km,

 

 


 

 Erste Kilometer auf bekanntem Terrain      

 Datum  km  Σ Km  Hm  Σ Hm  Übernachtung
 18.06.2015  121 +2  123  380  380  Camping Dörenther Klippen

 

Am ersten Tag stand mit den geplanten 116 km bereits die längste Tagesetappe auf dem Programm. Ein Grund mit früh zu starten, um ohne Zeitstress bis kurz vor Ibbenbüren zu radeln. Mein Tagesziel war der Campingplatz Dörenther Klippen, der wenige Kilometer vor Ibbenbüren liegt. Um 07:20 Uhr dann die herzliche Verabschiedung von der Familie, ein letztes Abschiedsfoto mit vollem Gespann noch vor der eigenen Haustür und schon ging es los. Zunächst über Haltern, bis hinter Seppenrade würde ich noch auf bekanntem Rennradterrain unterwegs sein, kurz vor Lüdinghausen ging es dann in Richtung Norden auf den Dortmund/Emskanal Radweg.

Welche Gefühle einen auf den ersten Kilometern so begleiten ist schwer zu beschreiben. Etwas wehmütig ist man schon, weil man die Familie nun 30 Tage nicht sieht, gleichzeitig ist man aber auch neugierig auf die Tour. Wird es Schwierigkeiten geben, werde ich von Pannen wie im letzten Jahr in Südschottland (Freilaufkörper) verschont bleiben? Alles Gedanken, die einen beim Start durch den Kopf gehen, ohne zu wissen, wie es wirklich wird. 

Neugierig auf den Dortmund/Ems-Kanal Radweg, den ich noch nicht befahren hatte, trat ich beherzt in die Pedale, um die ersten Kilometer zu absolvieren. In dem kleinen Ort Lippramsdorf gab es nach 18 km bereits die erste kurze Pause. Nicht, das ich schon eine nötig hatte, es gab einen anderen Grund. Das Cafe Sander war ein beliebter Punkt meiner häufigen Rennradtouren und dort hatte ich von meiner Tour erzählt. Ich wollte mich für die nächsten 6 Wochen verabschieden, denn vorher würde man mich dort nicht wiedersehen.

Zunächst kam ich sehr zügig voran, bereits um kurz nach 09:00 Uhr erreichte ich die Brücke über den Dormund-Emskanal kurz hinter Seppenrade. Der Kanalweg zwischen Lüdinghausen und Senden zeigte sich als reinste Katastrophe, ständig stand ich vor Barrieren, welche den Beginn einer Baustelle anzeigten. Die Wegen waren teilweise von den Baustellenfahrzeugen matschig, einige male musste ich die Baustellen ohne Umleitungsausschilderung mit Hilfe des GPS umfahren. Viele Highlights gab es am Kanal entlang nicht, Radler traf ich so gut wie keinen, ein paar Spaziergänger, ansonsten hatte ich meine Ruhe.

Die große Schleuse im Nordosten von Münster war noch ein paar Fotos wert, ansonsten kurbelte ich bis nach Ibbenbüren durch. Einen kleinen Schrecken gab es unterwegs noch, weil ich mich nichts ahnend in der Einflugschneise vom Flughafen Münster/Osnabrück befand. Über meinem Kopf, keine 50 m entfernt landete gerade ein Airbus 319 oder 320, fast hätte ich mich auf den Boden gelegt.

Bis zum Campingplatz Dörenther Klippen kamen insgesamt 121 km zusammen, ein wenig mehr als geplant, weil ich die Baustellen im Bereich zwischen Lüdinghausen und Senden großräumig umfahren musste.

Eine nette Unterhaltung hatte ich an dem Spätnachmittag auf dem Campingplatz noch mit zwei Brüdern, die einen Teil der Münsterlandroute mit den Rädern befuhren. Sie waren die einzigen Zeltnachbarn auf dem kleinen Rasenstück direkt beim Grill und ungefähr so alt wie unsere Kinder.

Der kurze Ausflug zum "Hockenden Weib" in den Dörinther Klippen misslang ein wenig, weil ich versuchte mit dem Rad dorthin zu gelangen. Um die richtige Perspektive zu bekommen musste man aber auf schmalen Pfaden klettern, was mit meinem Rad nicht möglich war. So erklärt sich auf den letzten Fotos die nicht richtige Perspektive auf die Felsgruppe.

 

 

  

 


 

 Brücken über den Kanal bieten eine hervorragende Unterstellmöglichkeit bei Regen      

 Datum  km  Σ Km  Hm  Σ Hm  Übernachtung
 19.06.2015  90 + 2  215  150  530  Camping Emspark Haren

 

Die Wettervoraussichten für den Tag versprachen einige Regenschauer und genau so kam es auch. Und dennoch schaffte ich es an dem Tag die Regenjacke nicht einmal anzuziehen. Dank einer Regenapp vom Deutschen Wetterdienst konnte ich die Wolkenfronten zeitlich verfolgen und mich jedesmal unter einer Straßenbrücke in Sicherheit bringen. Mich wunderte, dass selbst eine professionell organsierte Radgruppe, die mit einem Reisveranstalter unterwegs war, ständig durch die Regenschauer fuhr. Selber vollkommen nass schauten die Radler mich immer etwas verständnislos an, als sich mich zum zweiten Mal immer noch ohne Regenjacke an trafen.

Mangels Frühstück am Campingplatz, radelte ich um kurz nach 08:00 Uhr zunächst in den kleinen Ort Riesenbeck, in dem es ein Cafe gab. Von den beiden netten Burschen aus Münster und Darfeld hatte ich mich bereits verabschiedet, die wollten weiter nach Tecklenburg.

Kurz vor Lingen traf ich auf das Kernkkraftwerk Lingen, dessen Kühlturm schon voher auf meiner Anfahrt weit sichtbar war. In solchen Momenten wurde ich immer etwas nachdenklich. Da radelte ich hier über die Bauernhöfe, hatte eigentlich Idylle pur und dann dieser Riesenkomplex, von denen viele behaupteten, dass von denen kaum Gefahr ausging. Tschnerobyl und Fukushima waren wohl schon wieder in Vergessenheit geraten. Eine absolute Sicherheit gab es tatsächlich wohl nicht, wie die junge Geschichte bereits bewies.

Wenige Kilometer vor Meppen traf ich auf die oben bereits erwähnte Radlergruppe, die sich zu mir unter eine Brücke stellten. Die Unterkünfte waren alle vorgebucht, wie mir ihr Führer erzählte, ein sehr professionellen Eindruck machte er leider nicht.

Etwas später unterhielt ich mich wieder unter einer Brücke stehend mit einem Arbeiter des Wasser- und Schiffahrtsamtes. Er war stolz darauf, dass der Radweg am Kanal im Bereich Meppen so hervorragend in Schuß war. Er hatte Recht, viele Kilometer war ich auf Asphalt unterwegs. Das meine Radtaschen an dem Tag so dreckig wurden, hat mit den Abschnitten zu tun, wo es eben maal kein Asphalt gab. Der Weg war teilweise so aufgeweicht und matschig, dass ich aufpaasen musste mit dem Rad nicht wegzurutschen.

Die letzten Kilometer von Meppen nach Haren/Ems wurde das Wetter langsam besser. Obwohl es Freitag Nachmittag war, traf ich auf der Strecke niemanden an. Erst kurz vor Haren überholte ich einen Jogger, der dort alleine Sport trieb.

Um ca. 15:00 Uhr stand ich an der Rezeption des "Campingplatzes Emspark Haren", der qualitativ zu den Besseren gezählt werden kann. Die Sanitäranlagen waren top und mein Stellplatz befand sich nicht auf irgendeiner Wiesee, sondern auf einer normalen Parzelle, wie für jeden Wohnwagen auch. 

 

 

  


 

 Die Meyer Werft in Papenburg und seit wann lassen sich Eisenbahnbrücken hochklappen?

 Datum  km  Σ Km  Hm  Σ Hm  Übernachtung
 20.06.2015  78 + 1  294  165  695  Camping Ems Marina Bingum

 

Die Highlights des Tages waren eindeutig die Meyer Werft in Papenburg, die ich mit meiner Frau vor wenigen Jahren schon mal besichtigt hatte und die klappbare Eisenbahnbrücke in Weener. Ansonsten verbrachte ich viele Kilometer auf dem Radweg ohne überhaupt einen Radfahrer oder Hundebesitzer zu sehen. Am Kanal entlang zu fahren wurde inzwischen etwas langweilig, insofern war ich dankbar für ein wenig Abwechslung.

An dem Morgen hatte ich Zeit! Bei 78 Tageskilometern sollte eine Ankunft noch vor 15:00 Uhr möglich sein. Nach dem Cafe verlies ich Haren und kurbelte mein Gespann weiter in Richtung Norden. Die Orte lagen alle etwas abseits, so dass ich von wenigen kurzen Pausen an Schleusen zügig voran kam. 

Am Deich entlang radelnd erreichte ich nach 51 km die Meyerwerft in Papenburg. Schon von weitem war die große Montagehalle vor mir liegend zu sehen. Auf einem großen Schotter-Parkplatz stand ein großer Bus und einige PKW. Die Gäste aus dem Bus standen draußen zusammen und tranken irgendeinen Likör oder Schnaps und Bier. Man bot mir auch einen Likör an, was ich aber in Anbetracht der noch zu radelnden Kilometer ablehnte. Nach ein paar Aufnahmen machte ich mich wieder auf dem Weg um mir ein wenig die Innenstadt von Leer anzusehen.

Vorher traf ich in Weener auf eine interessante Eisenbahnbrücke (Friesenbrücke). Die Brücke ist ein technisches Meisterwerk, die es ermöglicht, die Hälfte der Brücke hochzuklappen. So können die großen Schiffe der Meyerwerft ohne Probleme bis zum Meer fahren. Die Brücke ist 335 m lang und die längste Klappbrücke der Eisenbahn. Sie wurde bereits in den Jahren 1924 bis 1926 erbaut. Nach der Zerstörung im Zweiten Weltkrieg wurde sie in den Jahren 1950 und 1951 in gleicher Form wieder aufgebaut.

Bei der Ankunft in Leer radelte ich in Ruhe durch die Altstadt und staunte nicht schlecht, dass ein Teil der Innenstadt mit Flatterband gesperrt war. Eine Antwort auf die Frage, was dort los war bekam ich sehr schnell, als ich sah, dass Krankenhausbetten mit je einem Patienten im Bett um die Wette durch die Innenstadt geschoben wurden. Eine Passantin gab mir die Auskunft, dass es sich um ein Juxrennen handelte, dass seit vielen Jahren erstmals wieder stattfindet und große Zustimmung in der Bevölkerung erfährt.

Danach fuhr ich die letzten wenigen Kilometer zum Campingplatz in Bingum/Leer, der sehr ruhig am Westrand von Leer liegt. Vorne neben der Rezeption gab es ein kleines Restaurant, dass wie der Campingpaltz auch von einem Niederländer betrieben wird. Nichts besonderes, aber Schnitzel mit Pommes reichten mir um meinen Hunger zu stillen.

 

  

  


 

 Die letzten 84 km über Emden und Norden bis an die Nordsee

 Datum  km  Σ Km  Hm  Σ Hm  Übernachtung
 21.06.2015  84  378  115  810  Nordsee Camp Norddeich

 

Am Abend zuvor waren noch einige Radler angekommen, von denen ich mich zunächst herzlich verabschiedete. Sie wollten weiter bis nach Groningen, also unseren netten Nachbarn einen Besuch abstatten. Bereits um 08:00 Uhr saß ich auf dem Rad. Der Grund, so früh zu starten hatte mit der Wettervorhersage zu tun. Für den frühen Nachmittag war für die Region um Norddeich leichter Regen angesagt, bei einem frühen Start bestand die Möglichkeit, schon vor dem Regen am Zielort zu sein.

Über Leer radelte ich an dem Morgen auf der Ostseite des Ems-Deichs entlang nach Norden. Die Landschaft war hier im Norden fast durchgängig durch endlose Wiesen geprägt, erst bei meiner Ankunft in Emden änderte sich das. Mein Weg führte durch Zufall an der Jugendherberge vorbei, übernachten wollte ich dort natürlich nicht, mich zog es weiter in Richtung Norden. Emden besitzt eine nette Altstadt, in der ich ein paar Fotos machte, lange hielt ich mich dort aber nicht auf. 

In dem kleinen Ort Osterhusen etwas nördlich von Emden fand ich ein Cafe, dass Sonntags geöffnet hatte. Klar, dass ich diese Möglichkeit ausnutzte, um eine kleine Pause einzulegen. Danach führte mein Weg an zahllosen Bauernhöfen vorbei durch die Wiesen, leider wurde der Tag dadurch ein wenig eintönig. In Marienhafe traf ich auf eine Eisdiele. Draußen saß ein junges Pärchen, mit denen ich mich ein wenig unterhielt, ansonsten war in dem Ort nicht viel los. Von der alten Kirche mit dem angrenzenden Friedhof machte ich noch zwei Fotos, danach radelte ich wieder los.

Inzwischen war es 12:00 Uhr, ab dem Zeitpunkt war leichter Regen angekündigt. Mal abgesehen von ein paar Tropfen, blieb es aber relativ trocken. Die Regenjacke musste ich bis nach Nordeich nicht anziehen.

Im kleinen Ort Hage, östlich von Norden traf ich auf ein Dorffest. Was dort gefeiert wurde, wusste ich nicht, ein Schützenfest schien das nicht zu sein, zumindest hingen keine entsprechenden Banner aus, wie sonst üblich. An dem Bratwurststand konnte ich natürlich nicht vorbeiradeln, dadurch ergab sich auch die Möglichkeit, mal in das große Zelt zu schauen.

Bis nach Norden war es dann nicht mehr weit. Der Ort gefiel mir recht gut, weil er einiges an Einkaufsmöglichkeiten bot. Im Zentrum gab es an dem Sonntag sogar einen großen Blumenmarkt.

Bis zum Norseecamp Norddeich waren dann nur noch ca. 5 km zu radeln. Nach 84 Tageskilometern und 378 Gesamtkilometern stand ich an der Nordsee, um einen Tag später auf die North Sea Cycle Route zu schwenken. Der Campingplatz war zwar sehr luxoriös, mit 17,50 € aber relativ teuer, eine andere Alternative hatte ich aber nicht. 

Schön, dass ich so früh mein Zelt aufgebaut hatte, kaum war ich geduscht und saß im warmen Aufenthaltsraum, das fing es für knapp zwei Stunden an zu schütten. Ab 17:30 Uhr klarte es auf und ich konnte die Abendstunden in der Sonne noch nutzen, um auf meiner Tour zum erstenmal über den Deich an die Nordsee zu laufen.

 

  

 


 

 Eine Regenzwangspause am Fährhafen nach Wangerooge

 Datum  km  Σ Km  Hm  Σ Hm  Übernachtung
 22.06.2015   74 + 6  458  90  900  Campingplatz Schillig

 

Am Abend zuvor hatte ich noch eine Familie aus dem Baskenland kennengelernt. Vater, Mutter und Tochter waren mit dem Rad von Rotterdam aus unterwegs, um bis nach Hamburg zu radeln. Dort sollte ihr Tour enden. Als wir auf das Thema "Pilgern in Spanien" kamen, waren sie hin und weg. Die Mutter war mit ihrer Tochter schon mal die Via de la Plata gelaufen, klar dass da ein wenig Gespächsstoff da war.

An dem Morgen frühstückten wir noch zusammen im Aufenthaltsraum, danach machte ich mich um 08:00 Uhr auf den Weg.

Eine dicke Wolkenfront zog vor mir ab nach Osten und die Sonne strahlte bereits, als ich am Fähranleger der Fähre nach Norderney vorbeifuhr. Noch im Winter hatten wir ein paar Tage mit der Familie auf der Insel verbracht.

Weiter ging es in zügigem Tempo mit Rückenwind nach Osten. Die Landschaft vor den Deichen war relativ eintönig, ein wenig Abwechslung brachten die kleinen Orte wie Bensersiel, Neuharlingersiel und Harlesiel. In Haresiel schaffte ich es dank Regenapp so gerade bis an den Fähranleger nach Wangerooge. Dort gab es eine große Überdachung, unter der sich viele Touristen unterstellten. Ich nutzte die Stunde bis zum Ende des Regens und unterhielt mich einige Zeit mit einem netten Ehepaar.

Nach dem Regen konnte ich in einem Zug bis nach Schillig durchradeln. Das Wetter besserte sich für 2 Stunden, so dass ich es schaffte auch das Zelt noch im Trocknen aufzubauen. Der Platz ist für meien Geschmack einfach viel zu riesig, auf der Zeltwiese stand das nächste und einzige weiter Zelt in 100 m Entfernung. Mal schauen, ob ich es gleich in einer Regenpause noch schaffe einen Supermarkt anzufahren.

Linsensuppe aus der Dose mit Brühwürtschen reichten an dem Tag, alles selbst warm gemacht, so langsam werde ich fast noch ein Koch.

 

 

   

 


 

 Einmal rund um den Jadebusen

 Datum  km  Σ Km  Hm  Σ Hm  Übernachtung
 23.06.2015  84  542  100  1000  Camping Tossens

 

Inzwischen hatte sich bei mir der Zeitrythmus eingestellt. So um kurz vor 07:00 Uhr wurde ich wach und saß um ca. 08:00 Uhr bereits auf dem Rad. Beim Verlassen des Platzes sah es zunächst so aus, wie wenn es mal wieder einen kurzen Regenschauer geben würde. Aus dem Grund ging ich in die Rezeption und unterhielt mich ein wenig mit einem älteren Herrn, der als einziger sich um die Uhrzeit um die Gäste kümmerte. Er zeigte mir ein Foto von einem Jahr, in dem der Platz vollkommen überflutet wurde. Nur das Rezeptionsgebäude ragte noch aus dem Wasser empor. Da ich noch Zeit hatte, füllte ich für ihn einen Fagebogen aus, um die Qualität des Platzes zu beurteilen. Da gab es allerdings zwei Punkte, die mir sofort ins Auge fielen. Ein fehlender Aufenthaltsraum für Camper, die mit dem Zelt unterwegs waren und ein Supermarkt. Bei der Größe des Platzes gehörte ein Supermarkt auf jeden Fall dazu.

Bei meiner Abfahrt war es in Horumersiel noch sehr ruhig, kaum ein Mensch war so früh auf den Beinen. Um so ruhiger konnte ich mit meinem Gespann in Richtung Süden nach Wilhelmshaven radeln, meinem ersten Zwischenziel. In Wilhelmshaven gefielen mir die Wohngegenden, die ich durchfuhr nicht. Alles wirkte gleich und langweilig, halt viele Häuser aus den Nachkriegsjahren. Im Hafen traf ich auf die Kaiser Wilhem Brücke, die schon eher etwas hergab, in Blickrichtung nach links ein Schiff der Bundeswehr.

Am Südstrand entlang fuhr ich auf der geschützten Deichseite bis zum Flughafen Wilhelmshaven-Mariensiel. Mehrere Mal konnte ich dort einen Hubschrauber aufsteigen und wieder landen sehen. Vielleicht handelte es sich ja um eine Flugschule, anders machten die Manöver aus meiner Sicht wenig Sinn.

Danach hatte ich endlich wieder den Nordwestwind im Rücken und wurde bis in den nett anzusehenden Ort Dangast "geblasen". Dort gab es einen kleinen Hafen und etwas Gastronomie. Draußen vor der Eisdiele wurde ich von einem Einheimischen angesprochen, er erzählte mir, dass er mit dem Rad schon mal 3 Monate durch Europa getourt ist. 

Über die weitere Fahrt um den Jadebusen gibt es wenig zu schreiben. Endlos ging es auf Betonplatten, die gut zu befahren waren, auf der geschützten Seite des Deiches lang. Vom Meer konnte man dort nur etwas sehen, wenn man den Deich hinauf lief.

Um ca. 14:30 Uhr erreichte ich den Knaus Campingplatz in Tossens. Er liegt im nicht geschützten Bereich direkt am Meer, ist also auch einer der Plätze wie in Schillig, die im Winter geräumt werden müssen. Auffallend war am Sanitärgebäude nicht nur die Tatsache, dass es auf einen Hügel gebaut wurde, die Türen hatten darüber hinaus wohl zusätzlich wasserdichte Metalltüren, die bei einer Sturmflut geschlossen werden konnten.

 

 

  


 

 Mit Rückenwind zum Fähranleger der Weserfähre von Blexen nach Bremerhaven

 Datum  km  Σ Km  Hm  Σ Hm  Übernachtung
 24.06.2015  73  615  120  1120  Camping Muschelgrund

 

Wen freut es nicht, wenn die Menschen ein wenig flexibel sind! So auch am Campingpaltz in Tossens. Für den Zutritt zu den Sanitäranlagen benötigte man einen Schlüssel, den es normalerweise nur für 10 Euro Pfand gab. Leider war es nur so, dass die Rezeption morgens erst um 09:00 Uhr besetzt war und so spät starten wollte ich nicht. Der gute Mensch gab mir den Schlüssel ohne Pfandgeld, ich musste wohl sein Vertrauen geweckt haben.

Vertrauen sollte man nicht zerstören, klar das der Schlüssel bei meinem Verlassen des Platzes ordnungsgemäß im Briefkasten landete, danach fuhr ich direkt los. Die 27 km bis zur Fähre über die Weser wurde ich mit meinem Gespann vom Nordwestwind getragen, zügig kam ich an dem Morgen voran.

Eine kleine Überraschung gab es noch auf dem Weg. Weit vor mir waren Radler zu sehen, also gab ich etwas Gas. Tja und dann gab es eine herzliche Begrüßung, ich hatte nicht mehr damit gerechnet die baskische Familie aus San Sebastian noch einmal wieder zu treffen. Wir freuten uns auf unser Wiedersehen und radelten gemeinsam zum Fähranleger in Blexen.

Beim Übersetzen nach Bremerhaven sahen die Wolken wieder bedrohlich aus, ein paar Tropfen kamen vom Himmel und jeder hatte seinen eigenen Plan. So kam es, dass wir uns direkt wieder aus den Augen verloren. Ob ich sie nochmal treffen würde?

Was danach folgte, war Großindustrie pur! Kilometer lang radelte ich durch den Industriehafen von Bremerhaven. Riesige Schiffe lagen dort und hunderte neue PKW´s der unterschiedlichsten Marken standen dort, um auf verschiedene Schiffe verladen zu werden. Gewaltige Kräne hoben die LKW Container wie Legosteine in den Bauch der Schiffe.

Kaum hatte ich den Zoll passiert stand ich wieder in einer ländlchen Idylle, die einen enormen Kontrast bot. Alte teilweise ungepflegte Häuser die mal ein wenig Farbe gebrauchen konnten und alte Gastwirtschaften, die schon mal bessere Zeiten gesehen haben, gab es dort in den winzigen Dörfern zu sehen. Danach ging es wieder am Deich entlang in Richtung Norden. Die ersten Kilometer waren ein Kampf, weil der Wind noch aus Nordwesten blies und ich nach Nordwesten fuhr. Im Laufe des Vormittags kamen zwei Dinge zusammen, die das radeln leichter machten. Der Wind kam von Westen und meine Fahrtrichtung schwenkte nach Nordost.

Auf dem Tagesabschnitt traf ich mehrere Radler, die auf Teilstücken der Northsea Cycle Route unterwegs waren, ein wenig Smalltalk auf meinem Weg alleine tat auch ganz gut. In Erinnerung geblieben ist mir vor allen Dingen ein Pärchen, die den Weserradweg hinaufgefahren waren und deren Ziel ebenfalls Cuxhaven war. Sie waren mit einem E-Bike-Tandem (Flyer) unterwegs und hatten trotz eigenem Übergewicht wohl viel Spaß auf ihrer Tour.

Bereits um kurz vor 14:00 Uhr erreichte ich den Campingplatz Muschelgrund, der kurz vor Cuxhaven liegt. Die Spannung stieg! War der von Claudia vor fünf Tagen zuvor versandte Brief rechtzeitig angekommen? Ich hatte vor meinem Start in Dorsten mir eine Daten Prepaid Karte bestellt, die bei großem Datenvolumen relativ günstig war und für 11 europäische Länder galt. Leider war sie vor meinem Start wegen eines DHL-Streiks nicht mehr rechtzeitig in Dorsten angekommen. So enstand die Idee, den Brief zum Campingplatz Muschelgrund zu senden. Ich hatte Glück, trotz des anhaltenden Streiks war der Brief 5 Tage später exakt am Tag meiner Ankunft auf dem Campingplatz angekommen.

Die Wetterlage könnte ein wenig besser sein, es regnete zwar nicht, aber alle liefen hier dick vermummt in langer Hose und Jacke rum.

 

 

   


 

 Etwas nervige Bauern und über die Elbe nach Brunsbüttel

 Datum  km  Σ Km  Hm  Σ Hm  Übernachtung
 25.06.2015  102 + 5  722  120  1240  Camping Elbdeich Brunsbüttel

 

Die Temperaturen waren schon in der Nacht merklich gestiegen! Schon beim Aufstehen keinen Flies anziehen zu müssen hatte schon was. Das Zelt war absolut trocken und der Tag würde von der Wetterlage her betrachtet der schönste Tag der ersten acht Tage werden. Morgens war es noch etwas dunstig, zuim Mittag hin als ich über die Elbe nach Glückstadt fuhr kam nur noch blauer Himmel pur.

Auf den ersten 10 Kilometern bis Cuxhaven sah ich viele leere Strände mit verweisten Strandkörbe, einige Jogger waren unterwegs, ansonsten herrschte absolute Ruhe. Im Fischereihafen von Cuxhaven wurde es wie schon in Bremerhaven etwas nervig, auf die großen Lastwagen aufzupassen. Unvorstellbar, welche Mengen an Gütern an solchen Umschlagplätzen auf die Straßen gesetzt wurden.

Mein Track war im östlichen Gewerbegebiet nicht ganz korrekt. In derr Annahme einen kleinen Stichweg auf den Deich fahren zu können fuhr ich 500 m in das Gewerbegebiet. Dot ging es aber absolut nicht weiter, aus dem Grund musste ich die Strecke zurückfahren.

Endlich wieder am Deich kam ich etwas später an der "Dicken Berta" vorbei, ein ehemaliger Leuchturm, der zu bestimmten Zeiten besichtigt werden konnte.

Und dann kam der Bereich, indem es etwas nervig wurde. Immer auf dem ausgeschilderten Radweg unterwegs, stand ich mehrmals vor abgeschlossenen Gattern, ich musst also zurück um auf der anderen Deichseite weiterzufahren. Für welche Deichseite ich mich auch entschied, es war immer falsch, spätestens 2 bis 3 km weiter stand ich wieder vor dem nächsten Tor. Ich musste zwar immer nur wenige hundert Meter zurück um wieder die Seite zu wechseln, nervig war das aber schon. Was dachten sich die Bauern dabei? Die weidenden Schafe konnten nicht der Grund sein, im Bereich der Tore waren im Boden Stahlroste eingelassen. Die Tore hätten offen stehen können und kein Schaf würde über das Rost entrinnen.

Kurz vor der Überquerung des Flusses Oste stand ich wieder vor so einem abgeschlossenen Tor. Ich musste einen Umweg von 2 - 3 km fahren um von der Südseite über die Oste zu fahren. Ein wenig Spaß hatte ich dort mit einem Monteur am Ostewehr. Eigentlich wäre er nur für die Elektrik zuständig, so seine Worte. Ein wenig Fett an der Mechanik wäre aber für die Funktion sehr gut. Er machte das wohl gerne, strahlte mich an und wünschte mir einen weiteren guten Weg. 

Bei dem Westwind kam ich mit meinem Gespann zügig voran, so dass ich bereits um 11:45 Uhr nach 70 km am Fähranleger der Fähre von Wischhafen nach Glückstadt stand. Eine Wartezeit gab es nicht, die Fähre wurde gerade mit PKW´s und LKW beladen, ich konnte sofort ohne zu stoppen auf die Fähre radeln. Auf der Fähre kam ich kurz in ein nettes Gespräch mit einem etwa 70 jährigen Ehepaar. Sie waren bereits ca. 600 km mit den Rädern untewegs und mussten nur noch ein wenig an der Elbe entlang fahren um wieder zu Hause zu sein.

Die weitere Fahrt nach Brunsbüttel verlief problemlos. Nicht direkt an der Küste entlang führte meine Strecke an vielen Bauernhöfen vorbei. Links von mir zu sehen war noch das etwas bedrohlich wirkende Kernkraftwerk Brunsbüttel zu sehen, ansonsten gab es auf den 30 km nicht viel zu sehen.

Bei meiner Ankunft in Brunsbüttel ging es erst einmal kostenlos mit der Fähre über den Nord-Ostsee-Kanal. Das die Fähre kostenlos war sollte noch aus den Zeiten des Baus stammen. Damals hatte Kaiser Wilhelm bereits festgelegt, dass die Fähren über den Kanal die Fahrzeuge und Menschen kostenlos transportieren sollten. So war es noch heute.

Der Campingplatz am Elbdeich liegt am Rande der Stadt, er ist sehr klein, entsprach aber genau meinen Vorstellungen. Es gibt keine große Rezeption (Anmeldung in einem Haus am Deich) und die Sanitäranlagen sind ok. Besser und ruhiger konnte ich es für die eine Nacht nicht antreffen.

Später musste ich noch einmal in die Stadt um fürs Frühstück einzukaufen, ansonsten war relaxen mit Blick auf die Elbemündung angesagt

 

 

 


 

 Alte Erinnerungen wurden in Büsam wach, danach ging es weiter nach St. Peter Ording   

 Datum  km  Σ Km  Hm  Σ Hm  Übernachtung
 26.06.2015  96 + 7  825  120  1360  Camping Biehl Sankt Peter Ording

 

Am Abend zuvor hatte ich noch ein längeres Gespräch mit Joachim einem Radler aus Wuppertal und einem Orgelbauer aus Rendsburg. Während Joachim eine ähnliche Tour wie ich fuhr, war der Orgelbauer beruflich im Ort. Er hatte einiges an der Orgel der Kirche in Brunsbüttel zu tun. Wir verabschiedetenn uns an dem Morgen herzlich, nicht wissend, dass ich Joachim am Campingplatz Biehl in St. Peter Ording am selben Abend wieder traf.

Die ersten Kilometer nördlich von Brunsbüttel verlief meine Strecke durch endlos erscheinende Wiesen. Außer Kühen und ein paar winzige Orte gab es da wenig zu sehen. Interessanter wurde es wieder am Meer. 

Mehrere Male musste ich auf die Meerseite des Deiches wechseln, mit der Konsequenz, dass dort die Schafe weideten. So langsam wurde ich ein Meister im Schafsköttel umfahren. Mit dem Vorderrad meines Fahrrades war das ja noch einfach, dahinter lief aber der Hänger mit doppelter Spur. Irgendwie gelang es mir einigermaßen sauber nach Büsum zu kommen. Einen Sturz hatte ich auch nicht zu verzeichnen, wobei das durchaus denkbar war, weil manche Schafe sich einfach nicht von der Stelle bewegten.

In Büsum wurden alte Erinnerungen wach, vor vielen Jahren hatten wir als die Kinder noch klein waren unseren Familienurlaub dort verbracht. Die Kinder hatten damals reichlich Spaß daran, den in Büsum neu gekauften Drachen steigen lassen. Am Hafen stärkte ich mich ein wenig, bevor es durch die Einkaufsstraße weiter in Richtung Norden ging. Bis St. Peter Ording waren noch ca. 35 km zu radeln, es war erst 11:00 Uhr, insofern gab es kein zeitliches Problem.

Nördlich von Büsum trifft man am Meer unweigerlich auf das Eider Stauwerk, dasst schon ein gewaltiges Bauwerk ist. Viele Touristen fahren aber nicht nur wegen des Bauwerks dorthin, sie besichtigten dort im Watt auch die Brutstätten der Eiderenten.

Eine kurze Pause gab es noch an einer Deichkaate, auf deren Terasse ich eine Apfelschorle trank, danach ging es auf der Meerseite des Deiches weiter zwischen den weidenden Schafne hindurch nach st. Peter Ording.

Die weit ins Wattenmeer gebaute Holzbrücke war schon frühzeitig  zu sehen. Fünfzehn Minuten später stand ich im Ort und staunte nicht schlecht, welche Massen an Touristen dort unterwegs waren. Ein paar Fotos und schon ging es weiter zum drei Kilometer nördlich vom Ort liegenden Campingplatz. Der Platz ist qualitativ sehr gut ausgestattet, kostete aber auch 17,50 Euro, was ich deutlich zu viel fand.

Gespräche über meine Tour gab es an dem Tag reichlich, immer wieder wurde ich auf meinen Hänger angesprochen, der halt für viele irgendwie nicht in ihre eigenen Vorstellungen passt. Aber das kannte ich ja schon von meiner Tour drei Jahre zuvor nach Rom.

 

 

 


 

  Der Leuchturm von Westerhever und die Fahrt über Husum nach Magarethenruh (Nordstrand)   

 Datum  km  Σ Km  Hm  Σ Hm  Übernachtung
 27.06.2015  89  914  170  1.530  Camping Magarethenruh (Nordstrand)

 

Den Campingplatz in St.Peter Ording verlies ich direkt durch ein Seitentor auf den Deichweg, der direkt hinter dem Platz verläuft. Mein erstes Tagesziel war der Leuchturm von Westerhever, der mir von Karl Schroer, den ich auf meiner Tour nach Rom kennengelernt hatte, empfohlen wurde. Wie man an den Fotos sehen kann, hatte sich der Besuch auf jeden Fall gelohnt. Auf dem Weg dorthin traf ich einen netten Radler mit dem Namen Olaf. Olaf kam aus Düsseldorf und war die Lippe entlang über Dorsten zum Dortmund-Emskanal geradelt und dann auf derselben Strecke wie ich unterwegs. Wir verstanden uns sofort und fuhren die Strecke am Deich entlang bis Husum gemeinsam. Dort trennte sich unser Weg, weil ich ja noch meine Schleife östlich um Husum fahren wollte.

Die östliche Schleife hatte ich eingeplant, um mir den Flugplatz in Schwesing und die Kaserne an der Flensburger Chausee anzusehen. Dort hatte ich meine Monate bei der Bundeswehr verbracht. Das war jetzt 37 Jahr her und an den Katastrophen Winter mit Schneehöhen von 2 m konnte sich hier noch jeder erinnern.

Danach fuhr ich noch zum Schloss. Dort genehmigte ich mir eine Apfelschorle, bevor es weiter in Richtung Hafen ging. Ja, vor 37 Jahren war ich so einige Male dort am alten Hafen gewesen und hatte mir ein Fischbrötchen gekauft. Die Zeiten änderten sich, jetzt gab es dort nur noch Restaurants. In ein Restaurat gehen wollte ich nicht, aus dem Grund verzichtete ich auf den Genuss und fuhr weiter in Richtung Nordstrand.

Auf der Strecke hatte ich reichlich Gegenwind. so dass ich für die ca. 20 km noch 1 1/2 Stunden brauchte. Um kurz vor drei Stand ich am Ziel, dem kleinen wirklich idyllisch zu nennenden Platz in Magarethenruh. Der Platz hat nur wenige Stellplätze, dafür aber einen wunderschönen Aufenthaltsraum, in dem ich diese Zeilen schrieb.

 

 

  


 

 Nach 985 km geht es am 11.Tag über die Grenze nach Dänemark

 Datum  km  Σ Km  Hm  Σ Hm  Übernachtung
 28.06.2015  83  997  95  1.625  Vadehavs Camping

 

Der kleine Campingplatz in Magarethenruh (Nordstrand) hatte mir sehr gut gefallen. Am Abend zuvor war noch eine sehr nette Stimmung entstanden, weil der Platzbesitzer noch bei jedem vorbeischaute und mit vielen ein längeres Gespräch führte. Meinem Nachbarn half er bei der Ausrichtung seiner Satellitenantenne, weil dieser seinen Fernseher nicht ans Laufen bekam. Auch wenn ich nur wenige Stunden auf dem Platz verbrachte war zu spüren, dass sich fast alle bereits kannten.

Als ich mein Zelt an dem Morgen bereits um 06:30 Uhr öffnete, war das erste was ich sah der wolkenfreie blaue Himmel. Es machte richtig Spaß in Ruhe den Cafe zu kochen, weil es absolut ruhig war. Noch niemand ausser mir war bereits aufgestanden, außer den gurrenden fetten Wildtauben warnen keine Geräusche zu hören.

Um 07:30 Uhr saß ich bereits auf dem Rad und kurbelte gegen den Wind in Richtung Westen. Mein Ziel bestand ja darin, möglich nah an der Küste entlang zu fahren. So radelte ich bei dem schönen Wetter einmal um die "Halbinsel" Nordstrand herum, lies den Fähranleger nach Pellworm aber links liegen und kam so relativ zügig nach Norden. Die Duchschnittsgeschwindigkeit wäre an dem Tag deutlich höher audgefallen, wären nicht die ständigen Schafsgatter gewesen. Ich hatte in den Tagen ja schon viele passiert und mir inzwischen eine Trick angewöhnt. Um mit dem Gespann durch so ein Tor zu kommen, muss man wissen, dass dieses eine Neigung besitzt, die sicherstellt, dass das Tor von alleine wieder in die Verriegelung fällt. Nach dem entriegeln bestand bei mir immer das Problem, dass das Fahrrad bereits duch das Tor war, der Hänger aber noch nicht. Gleichzeitig musste ich das Rad aber weiterschieben, wobei ich dann das Tor nicht weiter festhalten konnte. Damit das Tor nicht in die Seite des Hängers schlug, gab ich dem Tor mit meinem Fuß noch einen schwungvollen Trtt, so dass es nochmal ein wenig aufging. Genau diesen Zeitschlitz benötigte ich um den Hänger mit durch die Öffnung zu buchsieren. Danach fiel das Tor krachend ins Schloss.

Viele Kilometer kurbelte ich so auf der dem Meer zugwandten Seite des Deiches entlang. Links von mir waren mehrere Halligen zu sehen, wobei es zur Halligkrug auf Norstrandischmoor sogar eine Verbindung mit einer Schmalspurbahn gab (siehe Fotos).

Auf der ganzen Strecke bis Dagebüll, dem Fährhafen zur Insel Föhr kam mir nicht ein Radfahrer mit Gepäck entgegen. Die Zahl derjenigen, die die Northsea Cycle Route befuhren konnte nicht sehr groß sein.

Entgegen meiner Planung radelte ich in Dagebüll noch zum Fähranleger, ich konnte es nicht lassen, diesen Schwenk zu fahren, weil wir vor vielen Jahren bereits zweimal in Familienurlaub auf Föhr gewesen waren. Viel wieder erkennen konnte ich am Fähranleger aber nicht.

Weiter in Klanxvbüll hatte ich das Glück, dass ein Supermarkt an dem Sonntag aufhatte, so konnte ich die erforderlichen Einkäufe tätigen, denn am Campingplatz in Dänemark gab es nichts.

Wenige Kilometer weiter ging es über die Grenze. An dem Grenzübergang war von einem Grenzübergang wie man ihn von früher kannte nicht mehr viel zu sehen. Dort stand aber ein Schild auf dem man ein wenig über den geschichtlichen Hintergund dieses Aussenpostens lesen konnte. Zum einen stand dort der Hinweis, dass niemand von den Grenzbeamten dort arbeiten wollte, weil der Übergang so abgelegen lag. So kam es wohl, dass dort immer die Strafversetzten ihren Dienst zu versehen hatten. Dann wird weiter darüber berichtet, dass die Grenzbeamten ständig Ärger mit einem Bauern hatte, dessen Zufahrt zum Hof wohl auf der anderen Seite des Schlagbaums lag. D.h. er musste jedesmal, wenn er von seinem Hof zu seinen Feldern und umgekehrt wollte die Grenze passieren.

Das erste kleine Dorf, das ich in Dänemark erreichte hies Hojer. Dort sprach ich eine älter Dame in deutscher Sprache an und hatte sofort Glück. Mein Problem, dass ich noch keine dänischen Kronen hatte wurde von ihr persönlich in der Form gelöst, dass sie mit ihrem Rad vorausfuhr und mir an einem Supermarkt den Geldautomat zeigte. Dannn hatte ich mit ihr noch ein wirklich sehr nettes Gespräch über "Gott und die Welt". Ihre Söhne hatte in dem Ort auch ein Geschäft, ich wusste nun, wie man in Dänemark mit Pflegefällen umging und vieles mehr. Die ersten Eindrücke von Dänemark, waren sehr positiv.

Bis zum Campingplatz waren danach nur noch wenige Kilometer zu radeln.

  

 

 


 

 Ein Abstecher nach Ribe und eine ungeplante Schleusenbaustelle

 Datum  km  Σ Km  Hm  Σ Hm  Übernachtung
 29.06.2015  89 + 7  1093  156  1.781  Esbjerg Camping

 

Am Abend zuvor hatte es ab 19:00 Uhr fast drei Stunden geregnet. Mir war es egal, zumal die Wetteraussichten für den darauffolgenden Tag gut waren. In solchen Situationen hilft es sich etwas Erholung zu gönnen, um 08:30 Uhr mal die Augen zu schließen und ein wenig zu träumen. Das Regenproblem war damit am Vorabend gelöst.

Als ich an dem Tag wach wurde, war der Regen schon wieder vergessen, in der Morgenfrische zu frühstücken und den Cafe zu kochen machte mir sehr viel Spaß. Wie ruhig es dort war! Der Platz war zwar nur zum Teil belegt, aber irgendwie schien es mir, dass viele der Ansicht waren, dass ein Urlaub zum schlafen da war. Ganz so sah ich das nicht, mal war ok, aber man verpasste auch die mir so lieb gewonnene Morgenstimmung.

Als ich um 08:00 Uhr mit meinem Gespann den Platz verlies, schaute mich der Platzwart mit einem Blick "Wo will der denn so früh hin?" an. Mir störte das nicht, sehr schnell schwenkte ich wieder auf den Orignaltrack der Northsea Cycle Route ein.

Das erste Highlight des Tages war ein kleines Museum nur hundert Meter von der Straße, in dem man einiges über die unmittelbare Region hinter dem Deich erfahren konnte. Der kleine Ziegelbau lag sehr schön auf einem Hügel und erinnerte daran, dass die Deiche früher vielleicht nicht so hoch waren.

Etwas später nach einigen Sandpassagen auf der Northsea Cycle Route war ich es leid mein Rad immer mal wieder schieben zu müssen. Ich verlies die Route und radelte etwas weiter östlich nach Ribe, einen Ort, den ich 30 Jahre zuvor gemeinsam mit meiner Frau bereits per Rad besucht hatte. 

Es ware sehr schön so einen Ort nach so vielen Jahren nochmal wieder zu sehen! Ich wünschte mir in der Situation, meine Frau wäre dabei. Schon damals war er etwas besonderes auf unserer Tour gewesen. Die alten Fachwerkbauten, die alte Kirche, die kleinen Kanäle und vielen Cafes und Restaurants zogen einen einfach in ihren Bann.

Etwas später verlies ich über eine kleine Straße Ribe. Sie führte direkt nach Westen in Richtung Meer und quasi wieder auf die Northsea Cycle Route zurück. Auf dem ersten Kilometer dieser Straße gab es bereits ein Hinweischild, welches auf eine Baustelle an einer Schleuse hinwies. So richtig konnte ich den Text nicht übersetzen, ich dachte nur, wird wohl für Autos gelten, wie falsch ich damit lag, bemerkte ich erst 7 km später. 

Da stand ich dann vor einer Großbaustelle und die Straße war komplett gesperrt. Sehr schnell merkte ich, dass einige Fussgänger und Radfahrer ohne Gepäck ihr Rad oben uf dem Deich schoben, also gab es irgendwo einen Weg. Mit meinem Gespann durchs Gras hinauf auf den Deich war ja schon nicht so leicht, an der Schleuse gab es dann das nächste kleine Problem. Direk über dem Schleusentor befand sich nur eine schmale Brücke von ungefähr 40-50 cm Breite. Ein Durchkommen war mit dem Gespann oder Rad alleine so nicht möglich. Also alle Taschen ab und mit dem Rad über den Kopf auf die andere Seite der Schleuse. Danach jeweils mit Hänger und Taschen das ganze noch viermal und all mein Gepäck war drüben.

Nach Esbjerg ging es dann weiter kilometerlang am Deich entlang, danach im Bogen um den Ort herum bis zum Campingplatz. Kurz vorher hatte ich noch einen Stop an einem Denkmal, wo ich kurz in ein Gespräch mit einer Familie aus Xanten kam. Sie fotografierte mich mit meiner Kamera und im Gegenzug fotogrsfierte ich ihre Kinder, die auf einem der unten zu sehenden Fotos sind.

Bei der Ankunft auf dem Campingplatz in Esbjerg war die Wetterlage hervorragend. Über den Platz lässt sich auch nichts negatives sagen. Sehr schöne Stellplätze, einen Pool, saubere Duschen, was will man mehr.

 

 

  


 

 Eine sehr schöne Dünenlandschaft prägte den Tag, die Ausschilderung war hervorragend 

 Datum  km  Σ Km  Hm  Σ Hm  Übernachtung
 30.06.2015  98 + 2  1.193  234  2.015  Sondervig Camping

 

Und wieder gab es einen Morgen, der durch absolute Ruhe geprägt war. Kein Auto war zu hören und alle Camper schliefen noch als ich um 06:45 Uhr begann meinen Cafe zu kochen. Während ich mein Frühstück bereitete, kam noch ein Radler zu mir rüber. Es handelte sich um einen Holländer, der am Abend zuvor mit seinem Freund noch relativ spät auf dem Platz erschien. Ich hatte die beiden noch kurz wahrgenommen, bevor ich auf meine Schlafmatte kroch. Die beiden waren bereits seit drei Monaten unterwegs und nun auf dem Rückweg vom Nordkap. Wir unterhielten uns nicht sehr lang, weil er kein Deutsch und nur sehr wenig Englisch Sprach. Ein kurzes nettes Gespräch, danach verabschiedete er sich. Und trotzdem blieb dieses besondere Gefühl der Verbundenheit, das bei mir an dem Morgen sofort die Stimmung hob.

Unterwegs traf ich an dem Tag keinen einzigen Radler mit Gepäck. Der Tag war durch eine sehr ruhige Atmophäre geprägt, kaum da ich ein Auto sah oder durch ein Auto gestört wurde. Der Grund liegt in einer Besonderheit. Die Northsea Cycle Route verläuft in Dänemark zu große Teilen auf Radwegen, vollkommen abseits vom PKW-Verkehr. Stundenlang kurbelte ich mein Rad durch Nadelwälder oder durch die herrliche Dünenlandschaft in Richtung Norden, meist auf nur ca. 1 m breiten Radwegen.

Die Auschilderung war in Dänemark einfach hervorragend. Auf vielen Kilometern hätte ich auf meinen Track im GPS-Gerät verzichten können, ganz im Gegensatz zu der Ausschilderung in Deutschland, dort war sie eine Katastrophe.

Von dem Tag gibt es weiter wenig zu berichten, ich genoss die wellige Fahrt auf dem schmalen Radweg durch die Dünen und kam zügig voran. Schafsgatter musste ich nicht mehr öffnen, auf den dänischen Radwegen hatte man daran gedacht, so wenig Hindernisse wie eben möglich einzubauen.

Auffallend war in der Region, dass es dort sehr viele Ferienhäuser gab. An hunderten dieser gemütlichen Holzhäuser fuhr ich an dem Tag vorbei. Häufig waren sie reedgedeckt, manchmal aber auch einfach mit Ziegeln vesehen. Komfortabel ausgestattet schienen sie jedenfalls meist zu sein. 

Einen kurzen Stop hatte ich noch am Leuchturm von Lynvig, der sehr imposant in den Dünen steht, bevor ich beherzt in die Pedale trat um die letzten Kilometere zu absolvieren. Bereits um 14:15 Uhr erreichte ich nach 98 km mein Ziel, den Campingplatz in Sondervig.

Das Zentrum des kleinen Ortes Sondervig lag nur einen guten Kilometer vom Campingplatz entfernt. In dem Supermarkt und draußen vor den einzelnen Restaurants waren sehr viele Touristen unterwegs, es galt wohl das schöne Wetter für ein leckeres Essen im Restaurant oder für den Grillabend zu nutzen. Da ich keinen Grill auf dem Rad mitnehmen konnte gab es halt Bratwürstchen aus der Pfanne.

An dem Abend machte ich mich noch auf den Weg zum Strand. Herrlich war es , bei dem Wetter am Strand entlang zu laufen und sich den leicht kühlen Wind um die Ohren blasen zu lassen. An dem Teilstück des Strandes befanden sich mehrer alte Bunker aus Beton, die noch aus dem 2. Weltkrieg übrig geblieben sind. Ich machte davon ein paar Fotos und lief danach wieder zum Campingplatz.

 

 

 

 


 

 Auf schmalen Pfaden geht es weiter nach Norden   

 Datum  km  Σ Km  Hm  Σ Hm  Übernachtung
 01.07.2015  72 + 5  1.270  180  2.195  Vesterhavs Camping

 

Als ich am frühen Morgen den Kopf aus meinem Zelt steckte war am Himmel nur ein durchgängiges Blau zu sehen. Meine Sachen hatte ich wie an jedem Morgen innerhalb von 20 Minuten gepackt. Ich radelte zunächst durchs Zentrum Sondervigs, wo im Vergleich zum Vorabend absolut nichts los war. Einen Kilometer verlies ich den Ort zunächst in östlicher Richtung, danach schwenkte die Northsea Cycle Route in nördlicher Richtung. Der Pfad auf dem ich nach Norden fuhr war vielleicht 30-40 cm breit. Rechts und links wuchsen Gräser bis zu einer Höhe von 80 cm. Fahrtechnisch war das kein Problem. Was die vorderen Radtaschen nicht schon an Gräsern plattgewalzt hatten, dass übernahm danach der Hänger.

Kilomterlang radelte ich so durch die Wiesen, vorbei an kleinen Seen ohne, dass mir auch nur eine Menschenseele begegnet wäre. Westlich von mir lag der Vest Stadil Fjord, den ich quasi östlich umfuhr. Erstaunlich war für mich an dem Tag, wie abwechslungreich die Westküste Dänemarks doch war. Mal radelte ich auf schmalen Pfaden durch die Wiesen, nur um kurze Zeit später wieder in einem Nadelwald zu stehen. Die Temperaturen stiegen an dem Tag mächtig an, genau so wie es in der Wettervorhersage stand, da freut ich mich, wenn es mal wieder ein Stück durch den Wald ging.

Ein nettes Erlebnis hatte ich noch in dem kleinen Ort Thorsminde. Ich war gerade mit einer Dose Cola aus einem Supermarkt gekommen, als auf dem Parkplatz ein Kleinbus mit mehreren älteren Dänen erschien. Sie hatten eine Betreuerin dabei, dich sich sehr lieb um alle kümmerte. Ein Ehepaar machte es sich an dem Tisch, an dem ich stand gemütlich, wobei der ältere Herr mir nur zu sah. Seine Frau wurde plötzlich sehr neugierig und sprach mich auf dänisch an. Ich verstand aber so gut wie kein Wort, bis die Hilfe in Form der Betreuerin kam. Das war dann der Auftakt zu einer Liste von Fragen, die sich nicht nur darauf beschränkten wo ich herkäme und hinfahren wollte. Nein, die Dame interessierte sich auch für mein gesamtes Material einschließlich Anhänger. Ich gab mein Bestes und berichtete artig, danach machte ich mich wieder auf den Weg.

Ca. 10 Kilometer führte ein Radweg hinter dem Ort an der Straße entlang. Da der Wind günstig stand, konnte ich diese Strecke mit fast 28 km/h durchfahren. Wie auf den Fotos zu sehen hatte ich an der Straße noch einen Stop an einem Denkmal für die britischen Seeleute, die zu Beginn des 19. Jahrhundert dort vor der Küste mit ihrem Schiff untergegangen waren.

Ein weiteres Highlight des Tages war die Küstenregion im Bereich des Leuchtturmes von Bovbjerg. Die Küste ist dort sehr steil, es gibt zwar auch Treppen hinab zum Strand, erstaunlicherweise sah ich aber auch eine Stelle, an der man mit Hilfe eines dicken Seiles hinab klettern konnte (siehe Foto). Dort am Leuchturm kamen mir die einzigen Radler mit Gepäck entgegen, die ich an dem Tag sah. Es handelte sich um eine norwegisches Paar, dass in der Küstenregion nur eine Woche unterwegs war. Nach ein wenig Smalltalk ging es für mich weiter um die letzten Kilometer zu bewältigen.

Bereits um 13:00 Uhr stand ich auf dem Campingplatz. Wie bisher alle Campingplätze in Dänmemark hatte auch dieser einen TV Raum, in dem es entsprechende Steckdosen gab. Gerne nutzt ich auch hier den Raum, um den Akku des Netbook zu laden und die obigen Zeilen zu formulieren.

Und zum Schluss mal ein wenig Statistik:  In den ersten 14 Tagen bin ich 1.270 km geradelt, dass bedeutet im Durchschnitt 90,7 km pro Tag. Meine zu Hause erstellte Planung hatte ich bisher zu 100 % einhalten können, was mich ein wenig freute. Die Einhaltung war grundsätzlich natürlich nicht zu 100 % erforderlich, wichtig war aber, den Blick aiuf die Strecke bis Lübeck im Auge zu behalten. Bis dorthin waren noch ca. 1.250 km zu radeln, und ich wollte am 17.07. in Lübeck am Bahnhof stehen, um meine Claudia nach 4 Wochen wiederzusehen. Ich hatte also für den zweiten Abschnitt noch 16 Tage zur Verfügung. Ab Lübeck würden wir dann gemeinsam noch bis Usedom radeln.

  

 

 


 

 Als einziger Fahrgast auf der Fähre in Thyboren

 Datum  km  Σ Km  Hm  Σ Hm  Übernachtung
 02.07.2015  91  1.361  294  2.489  Hanstholm Camping

 

Mit Blick auf die geplanten mehr als 100 km war ich an dem Tag früh gestartet, schon um 07:00 Uhr saß ich auf dem Rad. Auf dieser Tour hatte mir bereits sehr gefallen immer relativ früh am Zielort zu sein. So blieb genügend Zeit ein wenig zu relaxen, die Einkäufe zu tätigen und natürlich diese Zeilen zu schreiben.

Auf einem schmalen Radweg führte mein Weg über gut 12 km nach Thyborn zum Fähranleger. Dort müsste ich einmal für einen kurzen Abschnitt die Fähre nutzen, bevor es weiter gehen konnte. Auf dem Weg dorthin kam ich an einer Schwanenfamilie vorbei, die mich neugierig betrachteten, von mir aber ansonsten wenig Notiz nahmen. 

Als ich mit meinem Gespann den Fähranleger erreichte, wurde ich zunächst ein wenig nervös. Kein Auto oder sonstiger Fahrgast war zu sehen und eine Fähre sah ich auf dem Wasser auch nicht. Es dauerte aber nur wenige Minuten, bis ich sie auf den Hafen in Thyboren zukommen sah. Und so kam es, dass ich an dem Morgen um ca. 08:00 Uhr mit meinem Rad und Hänger der einziger Fahrgast war. Die Überfahrt dauerte nicht lang, so dass ich bereits nach 20 Minuten auf der anderen Seite stand.

Auf der anderen Seite beginnt der Nationalpark Thy, durch den ich an dem Tag noch viele Kilometer radelte. Bevor es wieder durch ausgedehnte Nadelwälder ging hatte ich eine ca. 10 km lange Gerade zu bewältigen, die mich bis in den Ort Agger führte. Der Wind kam überwiegend von der Seite, mit einer kleinen Schiebehilfe für mich.

Danach führte meine Route durch abwechslungsreiches Terrain, mal war ich im Nadelwald, mal sah es aus bei uns zu Hause im Münsterland aus. Am Ortsausgang von Stenbjerg kam mir eine Radlerin mit Gepäck entgegen, die auf dem relativ leichten Anstieg ihr Rad schob. Ich grüsste kurz, fuhr aber weiter, weil ich auf der leichten Gefällstrecke ein gutes Tempo gewonnen hatte.

Wenige Kilometer vor Klitmoeller fiel mir auf, dass mein Track fehlerhaft war. Der Track führte in einem östlichen Bogen nach Klitmoeller, während die Ausschilderung am Straßenrand einen kürzeren Weg vorsah. Mir kam es aufgrund der Hitze entgegen, mein Tagespensum etwas zu kürzen, aus dem Grund fiel die Entscheidung nicht schwer.

In Klitmoeller zog es mich an einen besonderen Ort, den Wegpunkt hatte ich mir schon zu Hause in mein Gerät gespeichert. Also in Klimoeller gab es eine Sommerhausvermietung, deren Eigentümer ich mit meiner Frau vor zwei Jahren auf Lanzarote kennengelernt hatte. Schon damals hatte ich Bendt erklärt, dasss wenn ich mal mit dem Rad in Richtung Norden unterwegs wäre, ich plötzlich bei ihm in der Sommerhausvermietung stehen würde. Einfach mal Guten Tag sagen war aber leider nicht möglich, weil die Ferienhausvermietung geschlossen hatte. Einen Versuch war es wert gewesen, lange hätte ich mich aufgrund des Tagesprogramms in Klitmoeller ohnehin nicht aufhalten können.

Bei der Ankunft in Hastholm musste ich feststellen, das die Stadt nicht viel hergab. Ein großer Industriehafen, Wohngegenden, wie es sie überall in Dänemark gibt, nichts besonderes halt.

Der Campingplatz liegt etwas östlich von Hanstholm. Bei meiner Ankunft nach 91 km war ich froh am Ziel zu sein. Die Sonne strahlte gnadenlos vom Himmel, aber wollten wir nicht genau das?. Vor wenigen Tagen hatten wir noch über jeden herannahenden Schauer gemeckert, der blaue Himmel kam schon genau richtig.

 

 

   


 

 Es wird immer einsamer, je weiter man nach Norden kommt  

 Datum  km  Σ Km  Hm  Σ Hm  Übernachtung
 03.07.2015  63 + 9  1.433  224  2.713  Svinklov Camping

 

Die Strecke der Northsea Cycle Route ist in Dänemark wirklich hervoragend geführt. Mal verläuft sie ein kurzes Stück auf asphaltierten Straßen, kurze Zeit später verschwindet sie wieder im Wald. Man kann auf den Wegen natürlich nicht besonders schnell fahren, weil es trotz relativ festem Untergrund immer wieder lose Steine gibt. Ein wenig Konzentration ist auf den Wegen schon gefragt.

Je weiter ich nach Norden kam, je einsamer wurde es. Hier sah man nur noch vereinzelt deutsche Touristen, vielen war es wohl zu weit mit dem Auto so weit in den Norden zu fahren. Und dennoch war die Welt an dem Tag mal wieder klein. Während ich so durch die Landschaft kurbelte und mal wieder von einer Asphaltstraße auf einen Schotterwewg einbog, sah ich rechts einen PKW mit deutschem Kennzeichen aus Lippstadt stehen. Direkt daneben stand eine Hinweistafel über die Region, die ein Ehepaar sich gerade ansahen. Ich hatte an dem Tag aufgrund der begrenzten Kilometerzahl viel Zeit und sprach sie an. Der Mann war mit einer Finnin verheiratet lebte jetzt mit ihr in Detmold und kam gebürtig aus Hervest-Dorsten. Klar, dass wir uns eine kurze Zeit über Dorsten und eine ganze Zeit über verschiedene Länder und Urlaubsformen unterhielten. Sie zog es immer wieder in den Norden, vielleicht war das auch schon deshalb verständlich, weil sie Finnin war. 'Jedenfalls freute ich mich über diese Komunikation mitten in der "dänischen Wildniss".

Ein wenig behielt ich an dem Tag immer den Himnmel im Blick. Für die Mittagszeit war für die Dauer von ein bis zwei Stunden Regenschauer angesagt. Ich schafft es problemlos trocken bis nach Thorup Strand zu radeln, wo erst einmal eine Pause fällig war. Der Himnmel wirkte etwas bedrohlich, als ich draußen vor der Restauration saß und zum ersten Mal auf dieser Reise "Fish an Chips" aß. Als ich dort saß, kamen ein paar wenige Tropfen vom Himmel, die aber dank Sonnenschirm nicht auf meinem Körper ankamen. Ich machte mich aber trotzdem wieder auf den Weg und radelte noch kurz an den Strand um ein paar Fotos zu erstellen.

Die Entscheidung war zwar vielleicht nicht richtig gewesen, ich hatte aber trotzdem Glück. Als es nach wenigen Kilometern für einen Zeitraum von ca. 20 Minuten richtig zu regnen anfing, erreichte ich gerade eine Bushaltestelle mit einem alten Schutzhäuschen. Dort konnt ich mich hervorragend unterstellen. Nach max. 30 Minuten war der Spuk vorbei und der Himmel klarte deutlich auf.

Vor der Ankunft in Svinklov wurde die Landschaft nochmal richtig schön. In einem weiten Bogen führte die Straße um eine hügelige Dünenlandschaft herum, bevor es durch einen Wald zum Campingplatz ging. 

Der Platz in Sinklov ist wirklich gut ausgestattet. Es sind nicht nur die sauberen Sanitäranlagen, es gibt eine Küche mit mehreren Herden, den üblichen TV-Raum, wo ich diese Zeilen schreibe und sehr schöne Stellplätze. Auf der Campingwiese stand ein großes Zelt. Wie man andeutungsweise auf den Fotos erkennen kann, war ich dort der einzige Gast mit Zelt.

Am Nachmittag fuhr ich noch 4,5 km bis zum nächsten Supermarkt, am Campingplatz gab es wie meist üblich nur eine sehr beschränkte und meist teure Auswahl. Meine Radtaschen waren leer, mir blieb also nichts übrig, als die insgesamt 9 km zu fahren. Aber Radfahren bei tollem Wetter machte doch Spaß oder?

Morgen würde meine Fahrt mich ins 85 km entfernte Hirtshals bringen, wobei die Route relativ nah am Meer verläuft.

  

 

 


 

 Am Strand radeln geht mit dem Gepäck und Hänger einfach nicht 

 Datum  km  Σ Km  Hm  Σ Hm  Übernachtung
 04.07.2015  89 + 3  1.525  297  3.010  Hirthals Camping

 

Der Tag war geprägt durch eine Wetterlage, die mich ein wenig an unseren Familienurlaub vor zwei Jahren an der Westküste Amerikas erinnerte. Am Pazifik stieg auch immer ein Dunstschleier auf, fuhr man ein wenig ins Land schien die Sonne. So war es auch auf meinem Weg nach Hirtshals. Den ersten Stop hatte ich an dem Morgen in Slettestrand, da war ich mal gerade 4 km unterwegs. Ich fuhr mit meinem Gespann bis direkt an die Nordsee, wollte den Strand einfach mal ohne Toruristen sehen. Zwei Schiffer werkelten an ihren Schiffen bereits rum, ansonsten war niemand zu sehen. Nach zwei drei Fotos von den am Strand liegenden Schiffen machte ich mich wieder auf den Weg. 

Danach führte mein Weg wieder durch die tolle Dünenlandschaft, bis ich nach Blockhus kam. Noch einen Tag zuvor hatte ich fast keine deutschen Touristen mehr gesehen, hier wurde ich einen besseren belehrt. Es war wohl mal wieder die Bequemlichkeit, die diesem Ort einen derartigen Zustrom verdankt. Dort konnten sie mit ihren Autos an den Strand fahren und dort einfach parken. Die riesige Sandfläche erinnerte mch an einen Radurlaub auf Römo, da war das in den 80 er Jahren auch so.

Was ich nicht bedacht hatte, war die Tatsache, dass ich dort mit meinem Radgewicht einschließlich Hänger garnicht fahren konnte. Schon ein erster Versuch misslang, dass Vorderrad grub sich tief in den Sand ein. Also schob ich mein Rad die wenigen Meter zurück und schaute auf meinem GPS-Gerät nach einer Alterenative. Es gab nur die Möglichkeit in einem Bogen mit 5 km Umweg diesen 10 km langen Abschnitt am Strand zu umfahren. Schade, die Alternativstrecke ging zwar auf einem Radweg, aber an einer stark befahrenen Straße (55) lang. Das änderte sich erst mit der Ankunft in Lökken, als ich wieder auf den Originaltrack der Northsea Cycle Route traf.

Während ich an dem Tag so durch die kleineren Ort fuhr, traf ich auf eine Familie aus Köln, die mit ihren beiden Kinder per Rad in Dänemark unterwegs waren. Sie machten zwar nur eine relativ kurze Tour, waren aber immerhin in Hanstholm gestartet und wollten an dem Tag noch bis Hirstholm. Der Vater hatte sein Rad schwer beladen und noch ein Kinderad mit dem kleinen hintendran. Die Frau zog einen Charity Kinderanhänger mit einem nicht geringen Teil des Gepäcks. Alle Achtung, wie die Gruppe, zu der dann noch ein Junge mit eigenem Rad zählte, sich über die hügelige Landschaft bewegte.

24 km vor meinem Tagesziel hatte ich die 1.500 km Marke geknackt. Noch 1.000 km und ich würde meine Frau am Bahnhof in Lübeck wiedersehen.

Bei meiner Ankunft am Campingplatz baute ich mein Zelt in ungefähr 50 m Abstand vom nächsten Zelt auf. Das Zelt gehörte einem Pärchen, dass gerade in Hirsthals mit der Fähre von Island gekommen war. Da hatten wir natürlich schnell ein Thema, dass ausschöpfend besprochen wurde. Etwas später radelte ich noch kurz zum Einkaufen in die Stadt, als ich wiederkam waren weitere Motorradfahrer aus Polen gerade dabei, noch zwei Zelte in dem von mir gelassenen Zwischenraum zu stellen. Leider würde man dann das Schnarchen hören, aber vielleicht hatten die ja eher ein Problem mit mir?!

Am morgigen Tag würde ich den nördlichsten Punkt der diesjährigen langen Radtour erreichen. Am 18. Tag würde ich nach knapp 1.600 km am Skagerrak stehen. 

 

 

 


 

 Am nördlichsten Punkt Dänemarks, dem Skagerrak  

 Datum  km  Σ Km  Hm  Σ Hm  Übernachtung
 05.07.2015  62 + 6  1.593  109  3.119  Grenen Camping

 

An dem Morgen war ich bereits sehr früh auf den Beinen. Bereits um 06:00 Uhr hörte ich Geräusche, die einen weiteren Schlaf unmöglich machten. Die Motorradfahrer waren bereits dabei zu packen. Ich hatte ja viel Verständnis dafür, dass sie so früh anfingen zu packen, denn dafür gab es meistens einen Grund, wie z.B. eine Fähre, dass sie sich aber in normaler Lautstärke unterhielten ohne Rücksicht auf die Zeltnachbarn zu nehmen störte mich schon. So kam es, dass ich bereits um 07:20 Uhr auf dem Rad saß. Vorher hatte ich mich noch von den beiden aus Wuppertal verabschiedet und ihn für die weitere Tour nach Norwegen alles Gute gewünscht.

Einen ersten kurzen Stop hatte ich noch im Zentrum von Hirtshals, wo an dem frühen Morgen natürlich noch nichts los war. Danach warf ich noch einen kurzen Blick auf den Hafen, bevor es wieder auf die Strecke ging. Der Hafen ist nicht klein, weil von dort viele Fähren nach Norwegen und Island starten.

Unmittelbar hinter Hirtshals führte der Weg wieder durch die schöne Dünenlandschaft oder durch kleinere Nadelwälder. In Dänemark gibt es Schutzhütten, wo man grundsätzlich auch kostenlos übernachten darf. An dem Tag traf ich auf mehrere. Wenn man in die u.a. Fotos schaut wird man einen dieser Hütten einen Holzspalter sehen. Der großere Holzblock wird quasi eingespannt und mittels einer Spindel die einen Keil schiebt gespalten. Ein eigenes Lagerfeuer ist an solchen Stellen dadurch auch möglich. Mir gefielen diese ruhigen Plätze sehr, irgendwie fehlte mir aber die Dusche.

Auf dem weiteren Weg in Richtung Skagen kam ich zwei mal relativ nah am Strand vorbei, ich nutzte die Möglichkeit und fuhr fast bis an den Strand. Diese Stellen waren schon fast unheimlich leer. Ich konnte mir kaum vorstellen, dass es solche langen Strandabschnitte ohne Menschen noch gab. Einfach einen Moment die Seele baumeln lassen dachte ich vor Ort und dann aufs Rad und weiter durch die Natur.

Der Campingplatz in Skiveren sagte mir etwas. Noch vor Monaten hatte ich mit meiner Frau auf der Camping und Reisemesse in Essen an einem Stand des Campingplatzes gestanden. Der Besitzer machte mächtig Werbung für seinen Platz, ich wusste aber damals schon, dass ich dort nicht übernachten würde, weil das nicht in meine Tagesplanung passen würde. Ich radelte dort deshalb nur einmal einen 500 m langen Stich zum Strand und machte mich dann wieder auf den Weg.

Der weitere Weg bis Skagen war sehr schön, schon zu dem Zeitpunkt zählte der Tag nicht nur aufgrund des schönen Wetters zu einen der wirklich gelungenen Tage. In Skagen wurde ich an dem Tag aber noch von einer Menschenmasse überrascht, mit der ich garnicht gerechnet hatte. In der Stadt war "der Bär los", wie man so schön sagt. Als erstes raldelte ich aber zum nördlichsten Punkt, vom dem man einen schönen Blick auf den nördlichsten Punkt erhält. Die letzten wenigen hundert Meter konnte ich leider nicht laufen, weil ich mein Gepäck nicht mitnehmen konnte, aber auch nicht unbeaufsichtigt lassen wollte. Ein wenig schade, aber es war auch so schon beindruckend genug.

Danach radelte ich erst einmal ein kurzes Stück zurück zum Campingplatz in Grenen. Dort musste ich einen Stunde warten, weil die Reception über den Mittag geschlossen hatte. Um Punkt 13:00 Uhr war ich aber der erste in einer langen Schlange, der sofort bedient wurde.

Nach dem Zeltaubau und Wäsche waschen radelte ich gemütlich in den Ort und schob mein Rad durch die von Urlaubern überfüllten Straßen der Innenstadt. Es machte Spaß diesem Treiben zuzusehen, man hatte den Eindruck, dass die Menschen ausgehungert nach der Sonne waren. Endlich hatten sie Urlaub und konnten das tolle Wetter genießen. Mehrere Restaurants hatten Musiker engagiert, die sich teilweise, nicht weit auseinander mit ihrer Musik übertönten. In einen großen Zelt spielte eine Gruppe irische Musik, wobei viel Menschen ihre Köroer im Takte der Musik bewegten. Ja, ein gelungener Tag.

Den Abend verbrachte ich damit einmal zum Strand zu laufen und ein paar Meter über den Campingplatz zu gehen.Das Resultat sieht man in Form der vielen Fotos. Am Strand traf ich auf eine Menge Bunker, die vermutlich schon aus dem 1. Weltkrieg stammen. Auf dem Platz entdeckte ich eine Art VW-Fan Gemeinde, einen Bulli T1 mit Wohnmobil als Auflieger hatte ich auch noch nicht gesehen.

Morgen geht es wieder nach Süden am Kattegatt entlang. War mein erstes großes Ziel, der nördlchste Punkt Dänemarks, habe ich nun ein neues zweites Ziel, es ist der Lübecker Hauptbahnhof wo in 12 Tagen meine liebe Frau Claudia steht. Also auf nach Süden! 

 

 

  


 

  Ein Tag des Windes oder erste Kilometer nach Süden an der Ostsee entlang nach Asaa 

 Datum  km  Σ Km  Hm  Σ Hm  Übernachtung
 06.07.2015  87 + 2  1.682  217  3.336  Asaa Camping

 

Über den Tag ein paar Zeilen zu schreiben fiel mir richtig schwer, zum einen hatte sich wenig ereignet, darüber hinaus war die Fotoausbeute relativ gering. Zunächst musste ich an der Rezeption, ca. 10 Minuten warten weil ich etwas zu früh fertig war. Vor 8:00 Uhr lief da nichts und ich hatte noch noch nicht bezahlt. Das ging am Vorabend nicht, weil sie für die Duschen so ein hochmodernes Abrechnungsystem mit Karte hatten, d.h. das Duschen wurde tatsächlich nach konkreter Nutzungsdauer abberechnet.

Noch bevor ich Skagen verlies hielt ich an einer Autowerkstatt, an der ich zufällig vorbei kam. An der Befestigung des Gepäckträgers hatte ich bereits 2 Tage zuvor eine Schraube verloren und durch Kabelbinder ersetzt. Die Konstruktion hatte gut gehalten, es wurde aber Zeit den Originalzustand wieder herzustellen. Ein Monteur nahm sich des für ihn kleinen Problems an und schon war die Sache in 5 Minuten gelöst. Als ich ihn nach den Kosten fragte grinste er nur und winkte ab. Der Tag hatte damit erst einmal gut begonnen.

Die ersten 15 km ging es ja auf demselben Weg der Northsea Cycle Route zurück, den ich am Tag zuvor nach Skagen geradelt war, dann folgte ich nicht mehr der Nr. 1, sondern der Nr. 5, die Nr. 5 war die Ausschilderung für den Ostseeküstenradweg.

Was den Tag kennzeichnete, war ein massiver Wind mit 40-50 km/h, der aus Südwesten blies und dadurch reichlich an den Kräften zehrte. Die Strecke selber entäuschte mich ein wenig, weil sie viele Kilometer an einer Straße entlang führte. Der Radweg war zwar abgesetzt von den Fahrspuren der PKW, schöner wurde er dadurch aber auch nicht. Man konnte nicht jeden Tag durch die Idylle radeln, dass war mir schon klar, aber ein bischen mehr optische Abwechsiung hätte hier oben im Norden dem Ostseeküstenradweg gut getan.

Wenige Highlights an dem Tag waren eine Mühle in Eiling kurz vor Frederikshavn, einige alte Häuser in den historischen Gassen von Saeby  und eine Bootsvermietung im kleinen Ort Voersa, die ganz nett aussah.

Etwas abgekämpft von dem strammen Gegenwind erreichte ich um kurz vor 14:00 Uhr den Campingplatz in Asaa. Er ist sehr schön angelegt, ansonsten ist in dem Ort aber nicht viel zu sehen. Bin sehr gespannt, wie es auf dem, Ostseeküstenradweg weitergeht. Ich denke aber, dass die wirklichen Highlights noch kommen werden.

 

 

 


 

 Mit der Fähre über den Limfjord, auch Naturreservate gibt es hier

 Datum  km  Σ Km  Hm  Σ Hm  Übernachtung
 07.07.2015  73 +5  1.760  200  3.536  Hadsund Camping

 

Inwischen hatte sich auf der Tour ein Rythmus eingespielt, der fast jeden Tag gleich ablief. Zu einem Zeitpunkt, an dem noch alle schliefen kochte ich meinen Cafe und genoß die Ruhe, so auch an diesem Tag. Es war einfach schön, sich den leichten Morgenwind um die Nase blasen zu lassen und am Cafe zu schlürfen.

Relativ nahe am Meer entlang radelte ich an dem Morgen zunächst in das kleine Hafenstädchen Hou zum Hafen. Ein paar ältere Herren schauten bei meinem Eintreffen ein wenig skeptisch auf mein Gespann, unterhielten sich wohl sichtlich auch kurz über mich, aber das war ich schon gewohnt, so einen Hänger hinter dem Rad sah man auch nicht jeden Tag. In Hou radelte ich noch bis zum Ende des Hafens, ohne zu wissen was es dort zu sehen gab. Tja, zu sehen gab es einen wunderschönen kleinen Strand, der auch auf einen der u.a. Fotos zu sehen ist.

Nach 26 km stand ich Hals am Fähranleger um über den Limfjord nach Egense zu gelangen. Dort traf ich den Holländer aus Emmen (nahe Groningen) wieder, den ich bereit am Skagerrak kennengelernt hatte. Er wollte wieder in Richtung Heimat und hatte dafür zumindest auf dem ersten Abschnitt den Ostseeküstenradweg gewählt.

Das nächste Highlight des Tages war ein kleines Museum mit einem Steg ins Meer in Dokkedal. Zuerst schaute ich in den kleinen Auststellungsraum des Museums und staunte nicht schlecht, als mir Seeschwalbern entgegengeflogen kamen. Da der vordere Bereich offen war hatten sie sich dort eingenistet, ich war nur ein Störenfried.

Auf den langen ins Meer hineinragenden Steg fuhr ich mit dem Rad, aus dem Grund sieht das auif meiner GPS Karte so aus, wie wenn ich mit meinem Rad im Wasser stehe, dass stand ich natürlich nicht. Auch hier waren mit Ausnahme von zwei Joggern niemand unterwegs.

Der Ostseeküstenradweg macht hinter dem Ort Dokkedal einen Schwenk von der Küste weg. Man umfährt einem Naturreserevat (Vildmosecentret) in weitem Bogen, wobei es allerdings einen sehr schönen Aussichtspunkt gibt, von wo aus man die einzigartige Vogelwelt beobachten kann. Dieser Aussichtpunkt ist auch auf den u.a. Fotos zu sehen.

Danach wurde die Wegstrecke teilweise sehr schlecht. Verbunden mit der Tatsache, dass es zum erstenmal auf dieser Tour etwas hügelig wurde, kam ich noch gehörig ins Schwitzen. Ab dem kleinen Ort Baelum hatte ich dann richig Spaß. Von dort aus ging es bis in meinen Zielort auf einer alten asphaltierten Eisenbahntrasse entlang. Die alte Bahnlinienführung wurde innerhalb den kleinen Orten Solbjerg, Veddum und Skelund zwar kurz uinterbrochen, ging hinter den Ortausgängen aber weiter. Bei mässiger Steigung oder Gefälle kam ich so zügig voran.

Der Ort Hadsund liegt am Mariager Fjord. Am Nachmittag radelte ich noch in die Innenstadt, dort gab es aber mit Ausnahme von ein paar Geschäften nicht viel zu sehen. Ein Blick auf die über den Fjord führende Brücke, über die ich einen Tag später den Ort verlassen würde reichte mir. Nach dem Einkauf in einem Supermarkt ging es zum Campingplatz zurück.

Vom Campingplatz ist mir in Erinenrung geblieben, dass er klein ist, dafür aber der bisher günstigste auf meiner Tour ist. Vorne an der Rezeption gab es einen Tisch und eine Steckdose, dort hatte ich Platz um diese Zeilen zu formulieren. Mit der Eigentümerin des Platzes hatte ich noch eine nette Unterhaltung über meine Touren und über einige andere Radler, die hier auf ihrer Fahrt zum Nordkapp durchgekommen sind.

 

 

  


 

 Die wenigen kurzen Schauer störten kaum und zwei Hänger hinter einem Rad geht auch  

 Datum  km  Σ Km  Hm  Σ Hm  Übernachtung
 08.07.2015  92  1.852  526  4.062  Fornaes Camping

 

Auf dem kleinen Campingplatz in Hadsund standen am Vorabend ganz zwei Zelte. Nach mir war noch ein Brasilianer mit dem Rad erschienen, als ich in einem kleinen Nebenraum der Rezeption meinen Tagesbericht schrieb. Etwas später kam es zu einem kurzem Gespräch mit ihm, er lebte seit 4 Jahren in Kopenhagen, arbeitete an der Universität und war nun zum ersten mal in seinem Leben mit dem Rad unterwegs. Die Unterhaltung war sehr kurz, weil es leider wieder zu regnen anfing. So krochen wir in unsere Zelte und holten unser Gespräch am Morgen nach. Er wollte wie ich dem Ostseeküstenradweg folgen, hatte jedoch eine andere Tagesetappeneinteilung. Bald eine knappe Stunde unterhielten wir uns über alle möglichen Themen von Ausrüstungen für eine Radtour bishin zur Nichtakzeptanz des Rades in Brasilien.

Etwas später als sonst aber immerhin noch um 08:20 Uhr saß ich auf dem Rad. Die Sonne schien in voller Pracht, ein paar Wolken jagten am Himmel entlang, Regen gab es aber zunächst nicht. Einige kurze Regenschauer waren für den Tag angesagt und genauso kam es auch.

Hadsund befindet sich auf der Nordseite des Mariager Fjords, über den Fjord gelang man am südlichen Ortsausgang über eine Brücke, auf der es auch einen Radweg gibt. Ein letzter Blick auf den Fjord und schon ging es wieder in einer hügeligen Lanschaft durch viele kleine Dörfer. Der erste Regenschauer des Tages hätte mich fast erwischt, wäre ich nicht zufällig an einem großen Gehöft vorbeigekommen. Ein langer Torbogen diente als hervorragender Schutz, bis es eine Viertelstunde später weiter ging.

An der Anlegestelle in Udbyhoj musste ich auf die Fähre nicht warten, sie stand abfahrbereit und wollte schon starten. Der Mann, der bei mir später auch die paar Kronen für die Überfahrt kassierte, hatte mich noch gesehen und mit einer lässigen Handbewegung auf die Fähre durchgewinkt. Die Überfahrt dauerte nur wenige Minuten, weil es sich auch nur um eine Strecke von 300 m handelt.

An der Kirche von Estruplund (siehe Fotos) vorbei führt der Ostseeküstenradweg in den Ort Vivild, wo ich kurz vor einem Supermarkt hielt. Ich wollte nicht einkaufen, dass stand erst am Zielort auf dem Programm. Nein, ich hatte das Radgespann von einem schwedischen Pärchen wieder erkannt. Noch vor zwei Tagen hatte ich sie auf dem Ostseeküstenradweg überholt. Von dem Gespann habe ich ein Foto gemacht und unten auf dieser Seite eingefügt, welches man sich unbedingt ansehen muß. Sie waren mit einem Tandem einschließlich Kinderanhänger unterwegs, indem zwei kleine Kinder saßen. Hinter dem Kinderanhänger hing dann noch ein weiterer Einradanhänger, der zusätzlich beladen war. Ein eindrucksvolles Gespann, mit dem die vier bereits von ihrem Heimatort 200 km südlich von Stockholm gestartet waren. Sie waren so tatsächlich schon knapp 1000 km unterwegs. Ich unterhielt mich eine Weile mit ihnen, machte mich aber dann wieder auf den Weg, noch hatte ich gut 40 km vor mir.

Den nächsten kurzen Stop hatte ich am Meilgaards Slot (Schloß), dort machte ich aber nur ein paar Fotos und wartete einen Regenschauer ab, danach radelte ich wieder los. Das letzte Highlight des Tages war das Sostrup Slot. Dort traf ich auf ein Bochumer Ehepaar, die ihren Urlaub in der Nähe verbrachten und mir ein paar Infomationen über das Gebäude und Kloster geben konnten. Wie nicht zum ersten Mal an diesem Tag nutzte ich wieder den Torbogen, um den nächsten kurzen Regenschauer abzuwarten. Ich hatte wieder Glück, ich benötigte die Regenjacke wieder nicht.

Bis zum Campingplatz waren dann nur noch wenige Kilometer über leicht hügeliges Terrain zu radeln. Zum ersten mal hatte ich auf dieser langen Tour die 500 m Höhenmarke knapp überschritten.

Der Campingplatz in Fornaes liegt sehr schön direkt an der Ostsee. Leider spielte nach meinem Zeltaufbau das Wetter nicht mit, so dass ich zunächst nicht zum Strand laufen konnte. Erst um 20:00 Uhr Abends riss der Himmel auf und aus meinem Gang zum Kattegat wurde doch noch was. 

 

 

  


 

 Später Start um die Mittagszeit, am Morgen hatte es zum ersten mal durchgeregnet   

 Datum  km  Σ Km  Hm  Σ Hm  Übernachtung
 09.07.2015  64  1.916  538  4.600  Kalovig Camping

 

Machmal freute man sich ja, wenn die Wettervorhersage nicht zu traf, es kam aber wie vorher gesagt, es goss den ganzen Morgen in Strömen. Ich schaffte es mein Zelt in einer winizgen Regenpause abzubauen und fuhr zu Rezeption. Gegenüber der Rezeption hatte ich ja am Vortag im TV-Raum gesessen und den Tagesbericht verfasst. Dort verbrachte ich den Morgen und schrieb die ersten Zeilen dieses Berichtes. Es galt abzuwarten, ob die Wetterlage wie angekündigt um die Mittagszeit besser würde. Bisher hatte ich in den drei Wochen zuvor viel Glück gehabt und die Regenjacke wegen Regens erst einmal angehabt. Bei kurzen Schauern hatte ich immer eine Unterstellmöglichkeit gefunden, bei Dauerregen über mehrere Stunden ging das natürlich nicht.

Während ich im TV-Raum saß, kam mir die Idee, doch mal in die Wetter App vom Deutschen Wetterdienst zu schauen. Das schöne an der App ist, dass sie das Regen Szenario relativ genau darrstellt und zwar auch für Dänemark. In dem Szenario konnte ich sehen, dass es bis 14:00 Uhr regnen würde. Wenn ich dann erst starten würde, wäre ich sehr spät im Ziel. Die Entscheidung fiel schnell, zehn Minuten später saß ich in Regenkleidung auf dem Rad und "quälte" mich gegen den Wind durch den Regen.

Auf der Strecke nach Kalovig schaffte ich es kaum ein paar Fotos zu machen, weil es nicht einfach war, einen trockenen Moment abzupassen. Wenn ich auf ein schönes Motiv traf, regnete es meist, war es mal kiurze Zeit trocken, war kein Motiv weit und breit zu sehen.

In dem Regen ging es auch noch bei Gegenwind über hügeliges Terrain, so dass mir die 64 km und 538 Höhenmeter an dem Tag durch aus reichten.

Bei der Ankunft am Campingplatz traf ich auf einen netten Menschen, den ich zum ersten mal am Elbdeich in Brunsbüttel kennengelernt hatte. Jochen hatte ich irgendwann an der Westküste verloren und jetzt durch Zufall wieder getroffen. Die Freude über das zufällige Wiedersehen war groß, kurze Zeit später stand mein Zelt auf demselben Rasenstück, wie das von Jochen.

Und dann riss um 14:00 Uhr doch tatsächlich der Himmel auf. das Zelt war binnen 15 Minuten trocken, weil der starke Wind einfach mitten durch blies.

So einen Tag gab es auf langen Radtouren immer wieder mal, ich war aber guter Dinge, zumal für den Folgetag Wetterbesserung angesagt war.

 

 

   


 

 Vorbei an Arhus weiter nach Süden, es wird hügeliger auf dem Weg nach Husodde

 Datum  km  Σ Km  Hm  Σ Hm  Übernachtung
 10.07.2015  89 + 6  2.012  645  5.245  Husodde Camping

 

An dem Morgen hatte ich noch reichlich mit Jochen gequatscht. Der Regen vom Vortag war wieder vergessen, die Sonne schien, ea gab aber immer noch den harten Wind, der aus dem Westen blies. Jochen wollte auf der Radstrecke Nr. 3 weiterfahren, ich auf der Nr. 5 weiter nach Süden. Aus dem Grund verabschiedeten wir uns herzlich und tauschen ein paar Informationen zwecks Kontakltaufnahme aus.

Die Strecke bis Arhus verlief über das bereits bekannte Terrain, also viele Wiesen und abschnittsweise Wälder, bis ich in die größere Stadt Arhus kam. Erstaunlich gut ging es dort auf hervorragenden Radwegen durch die Innenstadt. Interessanter wurde es kurz hinter der Stadt, als ich durch einen großen Buchwald fuhr. Viele Moutainbiker waren dort unterwegs, weil es dort für die Mountianbiker sop beliebten Hügel gibt. Mich forderte das Auf und Ab schon ein wenig, dafür war aber die Strecke schön.

Danach führte der Ostseeküstenradweg mit etwas Abstand von der Küste weiter nach Süden. Im kleinen Hafenstädchen Hov, macht der Weg dann einen Schwenk nach Westen. was für mich bedeutete, dass der Wind ab dem Zweitpunkt fast nur noch von vorne kam. Wenn keine Bäume in der Nähe waren, war es nicht leicht die Geschwindigkeit von 15 km/h zu halten. Mehrmals zeigte mein GPS-Gerät, dass ich noch mit 10 km/h unterwegs war.

So radelte ich durch die kleinen Orte Gylling und Sondrup, die fast Menschen leer schienen. Mich wunderte es etwas, dass hier in unmittelbarer Nähe zur Küste so wenig los war. Kaum eine Gastronomie am ganzen Weg, dabei hätte ich mir doch mal einen Cafe gewünscht.

Vor dem Zielort wurde es nochmal sehr schön. Mehrere Kilometer führte der Weg direkt an der Küste durch einen Wald. Die Sonne schien durch die Bäume und erzeugte mit dem Meer im Hintergrund eine ganz besondere Atmosphäre. Ja, es machte richig Spaß auf dem jetzt flachen Terrain die letzten paar Kilometer unter die Räder zu nehmen. 

Kurz vor dem Campingplatz in Husodde hat ich die 2.000 km - Marke zum dritten mal in meinem Leben überschritten und natürlich mit meiner Frau, Kinder und Freunde über WhatsApp miteinander kommuniziert. Diese Möglichkeit hatte sich schon früh zu Beginn meiner Tour als ideal herausgestellt.

 

 

 


 

 Knackige Anstiege machten den Tag nicht leicht 

 Datum  km  Σ Km  Hm  Σ Hm  Übernachtung
 11.07.2015  96 + 10  2.117  803  6.048  Morkholt Camping

 

Etwas unruhig war es in der Nacht. Am Abend zuvor hatte sich nicht nur ein weiterer Radler (Alex) eingefunden, darüber hinaus drei junge Burschen, die am späten Abend noch auf Party gingen. Irgendwann zwischen 04:00 Uhr und 05:00 Uhr morgens kamen sie wieder und unterhielten sich noch eine ganze Zeit im oder vor dem Zelt. Für mich war damit die Nacht vorbei. Bereits um kurz nach 06:00 Uhr kochte ich meinen Cafe und packte während das Wasser heiss wurde das Zelt zusammen. Mit Alex, der aus der Gegend um Niebüll kam, hatte ich den Abend zuvor ein wenig gequatscht, er war seit langer Zeit mal wieder mit dem Rad auf Tour, lies sich aber einfach treiben, d.h. er hatte keine vorher fest geplante Tour.

Der Wind vom Tag zuvor hatte deutlich nachgelassen, der Blick nach oben zeigte einen fast wolkenfreien Himmel, so konnte der Tag beginnnen. Die kleine Stadt Horsens hatte ich ziemlich schnell hinter mich gelassen, es ging weiter Nach Südosten, relativ nach am Kattegat entlang. Auffalllen war sofort, dass der Ostseküstenradweg immer mal wieder zum Meer schwenkte, mit den Folgen, dass es gnadenlos auf und ab ging. Am schlimmsten wurde es kurz vor Vejle, wo ich durch einen tollen Wald radelte und plötzlich vor einer Steigung stand, die auf dem Gerölluntergrund selbst schiebend kaum zu bewältigen war. Dort hatte ich das Glück, dass zwei MTB-Radler vorbeikamen, die mir halfen mein Gespann die letzte 5 m hoch zu bugsieren.

Über einige Kilometer konnte ich vor Vejle auf die andere Seite der Bucht blicken, in ungefähr einer Stunde würde ich ja auf der anderen Seite langfahren. Hinter Vejle ging es mal ein paar Kilomter am Kategatt entlang, danach verlies die Straße die Küste und es ging natürlich wieder steil den Berg hoch. Ein älterer Mountainbiker überholte mich in dem Bereich mit seinem MTB und gab auf dänisch einen Kommentar ab, den ich nicht verstand. drei Kilometer weiter wunderte er sich nur noch, dass er mich immer noch sah. 

Auch wenn die Küste in dem Bereich recht schön ist, sie zu sehen kostet mit dem Rad Kraft. Von den Alpen her kannte ich es ja, in Ruhe einen Alpenpass hinaufzufahren. Die Gesamthöhenmeter in einer Höhe von gut 800 waren nicht das Problem, es waren die kurzen knackigen Anstiege von ca. 16-18 %.

Der Campingplatz in Morkholt ist recht luxuriös, allein die Küche zu betrachten hatte schon was. Einzeln Küchenquader bestehend aus Spüle und Herd mit 4 Platten, über jedem Quader eine Dunstabzuhaube und von den Quadern gleich mehrere in einem Raum war schon toll. Die Gäste kochten nicht direkt vor ihrem Zelt sondern machten das in diesem großen Raum. 

 

 

 

  


 

 Über die "Kleine Belt Brücke" nach Fünen   

 Datum  km  Σ Km  Hm  Σ Hm  Übernachtung
 12.07.2015  94 + 2  2.213  659  6.707  Logismosestrand Camping

 

An dem Tag kam ich mit "großen Schritten" weiter nach Süden. Darüber hinaus hatte der Tag einen gewissen besonderen Stellenwert, weil die Tour zu meiner längsten Radtour in meinem bisherigen Leben wurde. Die bisherige längste Tour war mit 2203 km die Irlandumrundung im Jahr 2013 gewesen. Aber das war eigentlich auch egal, Hauptsache, man hatte schöne Erlebnisse und sah reichlich was.

An dem Sonntag war in den Dörfern am Morgen absolut nichts los. Stundenlang radelte ich durch leicht hügeliges Terrain und sah kaum einen Menschen. Als ich nach ca. 26 km in Fredericia stand und von der Fussgängerzone ein Foto machte standen in meiner Nähe insgesamt zwei Menschen. Der Sonntag Morgen war wohl für die Famlie da.

Eine gewaltige Brücke, sowohl für den PKW-Verkehr, für die Eisenbahn und für die Radfahrer überspannt den Kleinen Belt hinüber zur Insel Fünen. Ein paar Fotos machte ich auf der Brücke, anschließend ging es weiter nach Middelfart. An dem Morgen vermisste ich ein wenig mal ein Cafe am Weg, ein kurze Pause und einen Cappuchino hätte ich mir gewüscht. Die Alternative sah anders aus, irgendwann fand ich einen Supermarkt ich dem ich mir mal eine Fanta kaufte. Ansonsten ging es strundenlang durch Getreidefelder und über die Bauernhöfe. Mal kam ich etwas näher an die Küste und konnte ein Foto machen, einen Hafen sah ich erst in der etwas größeren Stadt Assens, wo ich in ein Radrennen geriet. Das war kein Problem, die Streckenposten ließen mich ohne Schwierigkeiten durch, so konnte ich die geplante Strecke einfach weiterfahren.

Hier auf Fünen war es leichter die Höhenmeter zu bewältigen, die Anstiege waren nicht sehr steil und dennoch kamen 659 Höhenmeter zusammen. Bereits sehr früh um 14:00 Uhr erreichte ich den Campingplatz Logismosestrand. So hatte ich am Nachmittag etwas Zeit vor meinem Zelt zu sitzen und einfach in Ruhe aufs Meer zu schauen. Ja, ich hatte auf dieser Tour zum ersten Mal einen Stellplatz direkt am Wasser.

Etwas gespannt war ich auf den folgenden Tag. Wie schon im schottischen Westen ein Jahr zuvor bagann nun das Inselhüpfen. Mit einer Fähre würde ich von Faaborg aus auf die kleine Insel Aero übersetzen.

 

 

 


 

 Mit der Fähre zur Insel Aero, Aeroskobing ist eine schöne alte Stadt 

 Datum  km  Σ Km  Hm  Σ Hm  Übernachtung
 13.07.2015  71 + 4  2.288  490  7.197  Aeroskobing Camping

 

Ein sehr schöner Tag lag hinter mir als ich im Aufenthaltsraum des Campingplatzes diese Zeilen schrieb. Morgens war ich noch bei bewölktem Himmel um Punkt 08:00 Uhr in Richtung Faarborg gestartet. Die Fähre zur Insel Aero ging um 10:40 Uhr, eigentlich war Zeit genug um die 25 km bis zur Fähre zu radeln, ein wenig zeitliche Sicherheit konnte aber nie schaden, so würde selbst ein Plattfuss am Rad noch nicht zu Problemen führen. Es kam wie vermutet, eine Stunde vorher stand ich am Fährterminal und die Fähre war natürlich noch nicht da.

Um die Zeit ein wenig zu überbrücken radelte ich in die Innenstadt von Faarborg und schaute mir ein wenig das Zentrum an, ein paar alte Häuser, wenig Geschäftsstraßen, alles relativ klein, aber zur Zeitüberbrückung reichte es.

Mit der Ankunft der Fähre riss der Himmel auf und es wurde auf der Fahrt hinüber zur Insel wunderschön. Einige Segelboote begleiteten die Fähre oder querten den Fahrweg, es war richtig schön auf die See zu sehen.

Der Ort Soby in dem die Fähre anlegte ist recht klein, ich blieb dort nur einen Moment und radelte direkt los. Bei der knapp 48 km langen Fahrt über die Insel hatte ich die Strecke so gewählt, dass die Tour schon fast eine Inselumrundung wird. Fahrtechnisch gab es da keine Probleme, da leicht hügeliges Gelände. Auf der Insel gibt es sehr viele wunderschöne Reed gedeckte Häuser, die alle in unterschiedlichen Farben sehr schmuck aussehen. Zwischen den Orten duchfährt man viele Getreidefelder, hat aber sehr häufig einen schönen Blick auf die See.

Kurz vor Aeroskobing traf ich durch Zufall auf einen Radweg in den Ort, auf dem sehr schön zu fahren war. Er führte direkt in das Zentrum von Aeroskobing, mitten in die Gassen, der von alten Häusern gesäumten Straßenzüge.

Erst ging es aber mal zum Campingplatz. Er liegt ca. 1. km am Rande des Ortes, ist klein aber absolut ok. Mein Zelt war schnell aufgebaut, danach ging es natürlich in den alten Ort um sich die vielen kleinen Gassen und Plätze anzuschauen. Der Ort ist bei den Dänen natürlich bekannt, insofern wunderte es nicht, dass die kleinen Gassen voll von Touristen waren.

Auf einem Platz entdeckte ich dann etwa ganz witziges. Dort hatte man eine Tanzfläche relaisiert und wohl 40 Paare tanzten dort im Takte der Musik und das an einem Montag Nachmittag, bei uns zu Hause hatte ich das in dieser Art noch nicht gesehen. Es handelte sich ja nicht um ein Stadtfest oder ähnliches, hier tanzten einfach die Urlauber die durch Zufall vorbeikamen und Spaß am Tanzen hatten.

Einen Tag später geht es mit der Fähre von Aeroskobing nach Svendborg, am Fähranleger hatte ich mich bereits über die Fährzeiten informiert. Meine Fähre ging um 08:45 Uhr. Mein nächste und letzter Tageszielort in Dänemark war Maribo auf der Insel Lolland, danach würde es wieder nach Deutschland gehen.

 

 

 


 

 Von Aero über Fünen und Langeland nach Maribo auf Lolland

 Datum  km  Σ Km  Hm  Σ Hm  Übernachtung
 14.07.2015  84 + 3  2.375  280  7.477  Maribo So Camping

 

An dem Tag saß ich bereits sehr früh auf dem Rad, um nur ca. 1 km zu radeln, dass war die kurze Strecke vom Campingplatz zur Fähranlegestelle. Die Fähre von Areoskobing nach Svendborg auf Fünen fuhr um 08:15 Uhr. Ich war aus Sicherheitsgründen mal wieder eine halbe Stunde zu früh da, aus dem Grund lief ich durch den Hafen und machte ein paar Fotos. Pünktlich ging es los, die Überfahrt mit Sicht auf die verschiedenen Inseln war sehr schön. Auch die Fahrt unter der Brücke hindurch, über die ich 20 Minuten später nach Langeland radeln würde hatte was. Beim Einlaufen im Hafen von Svendboerg sah ich, wie schön der Ort war. Traumhaftes Wetter hatte ich, die Sonne schien, gleichzeitig war es nicht zu heiss, also zum radeln ideal.

Bei der Fahrt über die Brücke sah ich einen Radler mit Gepäck, den ich vorher kurz einmal im Hafen gesehen hatte, nicht aber auf dem Schiff. Der Radler hieß Harry und kam aus Manchester. Unser erstes Gespräch war der Auftakt zu einer gemeinsamen Fahrt bis kurz vor meinem Zielort Maribo. Ja, wir hatten viele Gesprächsthemen an dem Tag, Harry war auf dem Weg nach Stockholm, wir trennten uns einige Kilometer vor Maribo.

Mit Harry sauste ich über Langeland in der Hoffnung die nächste Fähre von Spodsberb hinüber nach Lolland bereits um 10:15 zu erreichen, bei 28 km Strecke war die Zeit von 1 Std und 15 Minuten aber einfach zu knapp. Zehn Minuten zu spät standen wir am Fähranleger und hatten 50 Minuten Zeit, bis die nächste Fähre kam.

Nach der Überfahrt nach Lolland entfernten wir uns sehr schnell von der Hauptstraße und fuhren kilometerlang durch die Wiesen und einige Dörfer. Nach dem Harry sich verabschiedete hatte und in Richtung Norden verschwand, kürzte ich die geplante Strecke etwas, mir wurde die etwas eintönige Fahrt durch die Getreidefelder zu lang.

Bei der Ankunft am Campingplatz in Maribo war ich sehr überrascht, wie schön er am Sönderso See liegt, ich hatte so einen schönen Stellplatz, wie man ihn sich kaum vorstellen kann. Ich baute mein Zelt nah am See auf, hatte Tisch und Bank und in unmittelbarer Nähe einen kleinen Strand. So konnte ich mich von Dänemark verabschieden, einen Tag später würde es mit der Fähre nach Fehmarn gehen, womit ich wieder in Deutschland war.

2.375 km hatte ich nun auf dem Tacho und damit täglich im Schnitt 88 km hingelegt, ich denke, dass das eine sportliche Leistung war, die sich sehen lassen konnte, mal ganz abgesehen von den zwischenmenschlichen Begegnungen und den tollen Landschaften, die ich durchfahren hatte.

Nur noch 147 km trennten mich nach der langen Tour vom Treffen mit meiner Frau Claudia. 

 

 

  


 

 15 km auf einer alten Bahntrasse nach Rodbyhavn und Rückkehr nach Deutschland

 Datum  km  Σ Km  Hm  Σ Hm  Übernachtung
 15.07.2015  57 + 7  2.439  200  7.677  Camping Strandparadies Grossenbrode

 

Am Abend zuvor hatte ein holländisches älteres Pärchen noch in unmittelbarer Nähe von mir ihr Hilleberg Staika Zelt aufgebaut. Mein Kommantar "Hilleberg is the best" war der Auftakt zu einer langen Unterhaltung bis kurz vor 23:00 Uhr. Sie waren mit einem Toyota Landcruiser in Finnland gewesen und nun auf der Rückkehr nach Arnheim, wo sie wohnten. Sie waren die totalen Islandfans, klar dass da der Gesprächsstoff nicht ausging.

Am Morgen verabschiedete ich mich von den beiden, wünschte ihnen eine gute Heimreise und machte mich auf den Weg. Zurst ging es auf einem Radweg durch den Wald quasi immee am Sönderso See entlang. Nach 5 km traf ich auf eine alte Bahntrasse, die zum Radweg ausgebaut war. Ich staunte nicht schlecht, sie brachte mich über die Orte Holeby und Rodby bis nach Rodbyhavn, von wo aus die Fähre nach Puttgarden ging.

Am Fähranleger war "der Bär los"! Mehrspurig stauten sich die Pkw über ca. 200 m Länge, einige sprachen davon, dass sie dort bereits fast 3 Stunden stünden. Mit dem Rad war das kein Problem. Ich wurde auf der Spur 1 bis nach vorne durchgewinkt, musste aber trotzdem warten, bis alle PKW verladen waren. Ganz witzig fand ich, das ich zum Schluss hinter dem letzten LKW fahren musste. Mein Rad mit Hänger wurde also als LKW eingestuft...grins.

Die Überfahrt nach Puttgarden dauerte 45 Minuten, ich verbrachte die meiste Zeit in der Trucker Launch bei einer Tasse Cafe. Die Rechnung war saftig, 4,96 € für eine kleine Tasse Cafe. Der krumme Preis ergab sich aus der Umrechnung von der dänischen Krone. Bei der Ankunft in Puttgarden ging alles sehr schnell, keine 500 m vom Hafen entfernt verschwand ich auf einer kleinen Nebenstraße. Über die kleinen Orte Klausdorf und Gahlendorf radelte ich dann in das alte Städchen Burg auf Fehmarn.

Burg auf Fehmarn war von Touristen vollkommen überfüllt! Die PKW stauten sich ständig auf der Straße und auf dem Radweg liefen einem ständig Fussgänger in den Weg. Im Zentrum gab es eine erste deutsche wirklich leckere Bratwurst, nach ein paar Fotos verlies ich dann den Ort.

Am Hafen vorbei hangelte ich mich über den Deich bis nach Fehmarn Sund. Über die lange Brücke führte auch ein Radweg, der einem schöne Ausblicke auf die See bot. 

Auf kleine Wegen erreichte ich dann den Campinglatz Strandparadies, der südlich vom Ortskern direkt an der See liegt. Vom Standard her ist er ok, mir aber zu groß. Aber vieleicht war ich ja auch nur vom Vortag verwöhnt. Den späteren Nachmittag verbrachte ich in der näheren Umgebung des recht schönen Strandes.

 

 

 


 

 Massenweise Urlauber auf dem Weg nach Haffkrug

 Datum  km  Σ Km  Hm  Σ Hm  Übernachtung
 16.07.2015  69 + 10  2.518  255  7.932  Camping Wiese

 

Der erste Teil meiner Tour näherte sich so langsam dem Ende. Ich war lange genug alleine unterwegs gewesen und freute mich auf meine Frau. Einen Tag später und 27 Radkilometer trennten uns noch, bis zum Lübecker Hauptbahnhof war es auf dem Rad "ein klax".

Die Fahrt von Grossenbrode nach Haffkrug hatte bei mir verschiedene Gefühle ausgelöst. Die Strandabschnitte die ich sah waren sehr schön, es waren immer wieder Highlights dabei, auch ausserhalb der Orte. Was mich in den Orten störte, waren die Massen an Urlauber, war das wirklich noch Urlaub? Es gab kaum einen Moment der Ruhe und hunderte von Mieträdern kamen mir an dem Tag entgegen. Gleichzeitig gab es keinen Zugang zum Strand wo nicht ein Automat hing, an dem man seine Art Kurtaxe entrichten konnte.

Kurz vor Neustadt gibt es eine Art Gedenkstätte für die Opfer der Cap Arcona, ein Schiff, dass mit 7000 Menschen kurz vor Ende des zweiten Weltkrieg versenkt wurde. An Bord waren überwiegend Menschen aus dem Konzentrationslager Neuengamme bei Hamburg. Schrecklich diese Zeile zu lesen, möge so eine Zeit nie wiederkommen.

Von der Fahrt durch die Touristenorte gibt es wenig zu berichten, aus dem Grund endet der Bericht hier. Ich freute mich darauf nach der langen Tour meine Frau wiederzusehen. Ja, eine gewaltige Tour lag hinter mir!

 

 

 


 

 Ankunft in Lübeck, ab dort geht es mit meiner Frau Claudia gemeinsam weiter

 Datum  km  Σ Km  Hm  Σ Hm  Übernachtung
 17.07.2015  27  2.545  143  8.075  Jugendherberge Lübeck

 

An dem Tag hatte ich morgens viel Zeit, ich lies dass Zelt von der frühen Morgensonne gut trocknen und machte mich erst dann auf den Weg. An dem Tag sollte es ja nur noch über 27 km nach Lübeck zum Hauptbahnhof gehen. Da der Zug mit meiner Frau erst um 13:15 Uhr eintraf, konnte ich gemütlich auf einem Radweg am Strand entlang radeln und eine Cafe Pause einlegen. Ab Timmendorfer Strand ging es dann über eine ruhige Strecke durch die Wiesen und Felder weiter. Ich durchquerte die Örtchen Neurupperdorf, Alruppersdorf, Ratekau und den Kurort Bad Schwartau, bis ich wenige Kilometer nach dem Unterqueren der Autobahn A1 vor einer Bahnlinie stand.

Das man vor einer Bahnschranke mal auf zwei Züge warten musste, war mir ja schon häüfig passiert, aber gleich fünf? Ungefähr 15 Minuten stand ich davor, bis es endlich weiterging. Bereits um kurz nach 11:00 Uhr stand ich vor dem Lübecker Hauptbahnhof. Zwei Stunden hatte ich nun Zeit bis der Zug eintraf. In der Nähe gab es ein Cafe, dort konnte ich es gut aushalten und mit Hilfe meinses Netbook und iphon ein wenig im Internet recherechieren.

Zwei Stunden später war es dann so weit, der Zug traf auf Gleis 5 ein. Die Wiedersehensfreude war groß, wir hatten uns schließlich 30 Tage nicht gesehen.

Die Jugendherberge war schnell gefunden, sie befindet sich in der Altstadt, nur ca. einen Kilometer vom Bahnhof entfernt. Nach dem Einschecken verbrachten wir den Nachmittag und den Abend in der Lübecker Altstadt und sahen uns die vielen kleinen Hinterhöfe, die alten Stadtore und die Burg ab.

 

 

 


 

 Mal ein Tag ohne Rad, Besichtigung Lübecks

 Datum  km  Σ Km  Hm  Σ Hm  Übernachtung
 18.07.2015  0  2.545  0  8.075  Jugendherberge Lübeck

 

Über eine Besichtigung Lübecks möchte ich hier keine detaillierten Zeilen schreiben, sehr umfangreich findet man dazu Informationen im Netz. Ich gebe deshalb hier nur kurz stichpunktartig an, wo wir uns an dem Tag in der Altstadt zu Fuß bewegt haben und mehr nicht. Schaut euch die Fotos an, sie geben einen kleinen Blick darüber, dass sich ein Besuch Lübecks absolut lohnt.

- Holstentor mit Museum
- Puppenmuseum
- Petri Kirche mit Aussichtsplattform
- Weitere Eindrücke in der Innenstadt
- Marzipan Speicher

Einen Tag später würde es gemeinsam mit meiner Frau in Richtung Travemünde weitergehen per Rad, unser Tagesziel war das 52 km entfernte Boltenhagen.

 

 

 


 

 Von Lübeck über Travemünde nach Boltenhagen an der Ostsee

 Datum  km  Σ Km  Hm  Σ Hm  Übernachtung
 19.07.2015  52   2.597  259  8.334  Camping Regenbogen Boltenhagen

 

Als wir an dem frühen Morgen in den Hinterhof der Jugendherberge sahen und unserer Räder ordnungsgemäß an ihrem Platz standen waren wir erst einmal froh. Der Hinterhof wurde erst abends spät verschlossen, so dass dort aufgrund eines angrenzenden Jugendzentrums fast immer was los war. Die Pausen zwischendurch waren aber so lang, dass jemand der mit böser Absicht ein Rad entwenden wollte, dieses problemlos bewerkstelligen konnte. Es war ja nichts passiert, um so besser unserer Reise konnte ohne Probleme weitergehen.

Die Wettervorhersage versprach für den Tag nichts gutes,. es sollte immer mal wieder regnen und so kam es auch. Wir verließen Lübeck auf dem Weg an der Bahnlinie entlang, an der ich zwei Tage zuvor noch nach Lübeck hinein geradelt war. Kurz vor Bad Schwartau schwenkte der Weg dann weiter südlich an Sereetz vorbei in Richtung Travemünde. Bis zum Fähranleger kamen wir fast trocken durch, danach goss es in Strömen. Gegenüber vom Fähranleger fanden wir ein Cafe, vor dem wir unter einen großen Schirm flüchteten. Dort trafen wir einige Radler, die auf demselben Weg unterwegs waren wie wir. Die meisten wollten an dem Tag noch bis Wismar radeln, unser Ziel war der Campingplatz in Boltenhagen.

Nach ca. 1 1/2 Stunden hörte es auf zu regnen. Die Fähre über die Trave ging regelmässig, so dass wir bereits kurze Zeit später auf der südlichen Seite des Hafens nach Nordosten radelten. Im Hafen bewunderten wir noch ein großes Segelschiff, und machten ein paar Fotos vom Hafen, danach radelten wir auf dem hügeligen Terrain immer nah an der See entlang weiter.

Kurz vor Boltenhagen auf einer kleinen Hügelkuppe gibt es ein schönes Cafe mit selbstgemachtem Kuchen. Das Cafe war bei der wackeligen Wetterlage der reinste Radlertreff. Wir unterhielten uns eine ganze Zeit mit ihnen, bevor es den Berg hinab zum Campingplatz ging.

An der Rezeption in Boltenhagen saß ein junger Mann, der sich laut eigener Auskunft noch nicht so gut auf dem Platz auskannte. Die Folge war, dass er uns einen Platz gab, der nicht nur klein war, sondern volltständig in einer Senke lag. Also zuerück zur Reception, der Zuweisung eines neuen Platzes war aber überhaupt kein Problem.

Dort lernten wir auch noch ein nettes Radlerpärchen kennen, die in Bonn lebten, wobei er aber ursprünglich aus Waltrop stammte. Sie waren zum ersten mal mit den Rädern und Zelt unterwegs, waren aber sehr begeistert von der Reiseform.

Ab Spätnachmittag schauten wir uns noch den Strand, die Seebrücke und ein wenig das Zentrum von Boltenhagen an. Dort fanden wir auch ein Cafe, in dem wir einen Tag später frühstücken wollten.

 

 

 


 

 Über Wismar nach Kühlungsborn

 Datum  km  Σ Km  Hm  Σ Hm  Übernachtung
 20.07.2015  73 + 3  2.681  455  8.870  Campingpark Kühlungsborn

 

Das Cafe in Boltenhagen für unser Frühstück hatten wir uns ja schon am Abend zuvor ausgesucht. Die Wahl war richtig gewesen, als Grundlage für den Tag gab es alles was das Herz begehrt zu einem angenehmen Preis.

Der erste Teil des Radweges bis nach Wismar war von guter Qualität, einige Kilometer auf festem Boden, ansonsten asphaltierten Radwegen. Betonplatten aus DDR-Zeiten musste man auf diesem Abschnitt schon fast suchen, als hätte es die DDR -Zeiten nie gegeben. Auch die Streckenführung war sehr schön, immer wieder sah man Häuser, vor denen die Stockrosen blühten.

Bei der Ankunft n Wismar fielen uns die vielen restaurierten Häuser insbesondere im Bereich des Marktplatzes auf, viel hatte sich hier wohl in den letzten 25 Jahren getan. In der Sonne draußen vor einem Cafe zu sitzen und dem Treiben der Menschen zuzuschauen, ja das gefiel uns sehr.

Mehr touristischen Trubel erlebten wir im Ostseebad Rerik, etwas 10 km vor Kühlungsborn unserem Tagesziel. Dort fielen hunderte Touristen über die reichlich vorhandene Gastronomie her, mit dem Rad kam man dort kaum mehr durch. Für eine kurze Pause im Hafen hatten wir genügend Zeit, danach radelten wir bis nach Kühlungsborn durch.

Bei der Ankunft in der Campingplatz Rezeption in Kühlungsbiorn durften wir zum ersten mal die Erfahrung machen, dass ein Campingplatzt auch ausgebucht sein kann. Es betraf glücklicherweise nicht uns, sondern Touristen mit einem Wohnmobil oder Wohnwagen. Es war für sie kein Platz mehr frei, an der Ostseeküste waren viele Unterkünfte ausgebucht, dass konnte man bereits in der Presse lesen. Wir bekamen noch einen Stellplatz in der Nähe der Dusche und hatten insofern ein wenig Glück, der Platz gefiel uns und zu bemängeln gab es auf dem Campingplatz auch nichts. 

Den späten Nachmittag und späteren Abend verbrachten wir an dem sehr schönen Strand, dazwischen gab es ein leckeres Essen in einer sehr schönen Pizzeria in unmittelbarer Nähe vom Campingplatz (Zugang vom Campingplatz aus).

 

 

 


 

 Es ist Saison, die Campingplätze haben kaum noch Aufnahmekapazitäten

 Datum  km  Σ Km  Hm  Σ Hm  Übernachtung
 21.07.2015  60 + 7  2.748  125  8.995  Campingplatz Dierhagen

 

Wir schafften es an dem Tag unser Zelt noch absolut trocken abzubauen. Der Kocher war schon aufgebaut um Wasser für den Cafe zu erhitzen, als es in Strömen anfing zu regnen. Mit unserem Equipment flüchteten wir schnellsten unter das Vordach eines Gebäüdes, dort stand eine Bank und so konnten wir wenigstens in Ruhe frühstücken. Ein holländisches älteres Radlerpärchen gesellte sich kurz zu uns, sie hielten es aber nicht lange aus und starteten im Regen. Unsere Entscheidung war richtig, laut Regentool im Smartphone handelte es sich um einen heftigen Schauer, der um 10:00 Uhr vorbei war und so war es auch. Der Himmel riss auf und kurze Zeit später als wir die Strandpromenade in Kühlungsborn erreichten war keine Wolke mehr am Himmel zu sehen.

Auf den unten eingestellten ersten Fotos kann man sehen, wieviel in den Ort seit der Wende investiert worden ist. Die Strandpromenade wurde wohl komplett neu gestaltet und die großen Villen vollkommen renoviert.

Wenige Kilometer vor Heiligendamm schwenkt der Ostseeküstewnradweg nach Süden, er nähert sich dort der alten Bahntrasse der Bahnverbindung Kühlungsborn - Heiligendamm. In dem Moment als wir auf die Bahntrasse zuradelten kam auch der historische Zug von Kühlungsborn, verschwand aber zu schnell hinter den Bäumen. Ich ärgerte mich ein wenig, weil ich nicht schnell genug reagiert hatte. Als ich die Kamera in den Händen hielt, war der Zug schon vorbei. Zu dem Zeitpunkt wusste ich noch nicht, das ich den Zug im Bahnhof von Heiligendamm wieder sehen würde.

Der Ort Heiligendamm ist ein kleiner Ort, der aber wegen des G8 Gipfels im Jahr 2007 weltweit bekannt wurde. Der G8-Gipfel war das 33.Treffen der Staats- und Regierungschefs der Gruppe der Acht. Das Treffen fand vom 06. bis zum 08. Juni 2007 erstmals im Grand Hotel Kempinski statt. Es stand unter dem Motto "Wachstum und Verantwortung". Ein Foto vom Hotel befindet sich auch unter den unten eingestellten Fotos.

Auf dem weiteren Weg über Nienhagen nach Warnemünde verlässt der Ostseeküstenradweg kurz die Küstenlinie, kehrt aber in Nienhagen wieder an den Strand zurück. Man befindet sich ab hier aber an einer Steilküste, an der an vielen Stellen auf die Abbruchgefahr hingewiesen wird. Zum Strand kommen die Urlauber über viele Treppenstufen, von oben hat man allerdings einen tollen Ausblick über die gesamte Küstenlinie.

Ein paar Relikte aus der DDR-Zeit sieht man auch noch, ein paar angemalte Betonmauern und einen Wachturm zur Grenzsicherung habe ich in dem Bereich auch fotografiert.

Wie der Ortsname schon sagt, mündet der Fluss Warne in Warnemünde in die Ostsee. Im näheren Bereich der Küste kommt man über die Warne nur mit einer Fähre. Um den Fährhafen zu erreichen radelten wir mit unseren Rädern einen südlichen Bogen und staunten nicht schlecht als wir mitten in einem Wohngebiet stehend vor uns ein riesengroßes Kreuzfahrschiff sahen. Hinter dem Wohngebiet lag unweit davon der Hafen, in dem das große Schiff vor Anker lag. Die Perspektive war insofern eine besondere, weil das Schiff die Häuser um ein vielfaches überragte.

Im Zentrum von Warnemünde hielten wir uns nur kurz auf. Der Ort war dermaßen voll, so dass wir unsere Räder nur schiebend durch die Menschenmassen bewegen konnten. Auf der anderen Warne-Seite wurde es nach dem Übersetzen merklich ruhiger.

Bei der Ankunft in Dierhagen auf dem Campingplatz hatten wir zum ersten mal das Problem, dass wir aufgrund des überfüllten Platzes fast abgewiesen worden wären. An der Rezeption bot man uns an, selber auf den Platz zu radeln, um nach einem freien Platz zu suchen, wir nahmen das Angebot dankend an. In Kühlungsborn hatten wir ja schon feststellen müssen, dass der Platz ziemlich voll war, dort in Dierhagen ging wirklich nichts mehr. Sehr schön fanden wir die Enge auf dem Platz nicht, aber weiterradeln wollten wir auch nicht. Also gaben wir uns mit einem kleinen Platz zufrieden und sagten uns, dass wir dort ja nur schlafen würden.

Und so war es auch. Am späten Nachmittag radelten wir in den kleinen Hafen von Dierhagen und verwöhnten uns mit einem leckeren Essen. Der Ort liegt etwas südöstlich von Dierhagen Strand und man wundert sich, wie ruhig es dort ist. Am Abend blieben wir auch nicht am Campingplatz, sondern mit einem leckeren Wein am Strand.