In Richtung Mont Blanc

Datum Km Σ Km Hm Σ Hm Übernachtung
26.07.1998 68 172 1.605 3.703 Camping in La Rosiere

 

Es ist Sonntag. Wir sind relativ früh auf den Beinen, die Wärme hat uns hinausgetrieben. Bereits um 08:00 Uhr sitzen wir auf den Fahrrädern in Richtung Pre St. Didier, Ausgangs- punkt für den Anstieg zum Kl .St. Bernhard. Richtig ausgeschlafen fühlen wir uns alle wieder topfit. Wir fahren durch einige schwach beleuchtete kurze Tunnel. Die Straßenführung ist relativ flach. Mehrere alte kleinere Burgen sind zu sehen. Dann kurz hinter Runaz erblicken wir den höchsten Berg der Alpen, den Mont Blanc. Was für ein Bild, 4810 m hoch, gewaltig, eisgepanzert und majestätisch. Klar das hier fotografiert werden muss.

Bis Pre St. Didier lassen wir es gemütlich angehen. Schließlich haben wir am heutigen Tag nicht so viel Höhenmeter zu bewältigen wie gestern. Hinzu kommt, dass wir früh gestartet sind. In Pre St. Didier angekommen, entscheiden wir uns für einen Cappuchino. Kaum sitzen wir und machen es uns gemütlich, sehe ich ein älteres Pärchen mit hochbepackten Fahrrädern anrollen. Gleichgesinnte, geschätzt Mitte bis Ende 50, die in umgekehrter Richtung unterwegs sind. Sie nehmen am Tisch neben uns Platz. Ein Gespräch entwickelt sich. Sie fahren nicht zum ersten Mal diese Route und haben im Wesentlichen bereits einige der Pässe hinter sich, die wir noch mit dem Fahrrad erklimmen wollen. Sie wollen noch weiter bis zum Gardasee, um eines ihrer Kinder zu treffen. Einen hervorragenden Tipp haben sie parat: Hinter dem kleinen St. Bernhard gibt es auf 1850 m Höhe in La Rosiere einen sehr schön gelegenen Campinplatz. Wir müssen nicht vollständig bis Bourg St. Maurice hinunterfahren. Um die Straße in Richtung Val de Isere zu erreichen, empfehlen sie uns eine kleinere Straße über St. Foy-Tarentaise. Der Tipp wird sofort abgespeichert. Wir verabschieden uns von ihnen mit dem Gefühl, Menschen getroffen zu haben, die gleiche Interessen besitzen.

Hinter Pre St. Didier dann gleich die ersten Kehren. Wir  lassen es ruhig angehen und legen bis la Thuile keine größere Pause ein. Der Fluß Verney begleitet uns. Mir geht noch einmal das holländische Ehepaar durch den Kopf. Toll, das sie derartige Radreisen bereits seit mehreren Jahren durchführen. Ihre Kinder sind bis vor zwei drei Jahren auch noch mitgefahren. Heute gehen diese aber anderen Interessen nach und sie sind somit in der Lage sich ohne Zeitdruck derartige Reisen zu gönnen. 
Nach dem Motto “Pässefahren macht durstig”, bestellen wir uns in la Thuile draussen vor einem Cafe erst einmal eine große Cola. Das Wetter ist herrlich, schon fast zu warm. Man merkt das es Sonntag ist, viele Ausflügler sind unterwegs.

In Fahrtrichtung links von uns zu sehen, die Gletscher der Testa del Rutor. 200 bis 300 m höher entdecken wir eine herrliche Picknickstelle. Dort stehen zwar bereits ein paar Autos, aber es herrscht eine angenehme ruhige Atmosphäre. Zwei Holzbänke mit Tisch und ein Brunnen mit kaltem Quellwasser laden zum Verweilen ein. Unsere Wasserflaschen werden wieder nachgefüllt und zur Kühlung in den Brunnen gelegt. Ideale Stelle nicht nur für uns. Es ist Süppchenzeit. Wir packen unseren Gaskocher aus, erhitzen Wasser im Topf, hinein die ALDI- Griesklöschensuppe, Käse und Brot auf den Tisch und schon fühlen wir uns pudelwohl. Ein Italiener sitzt nur in Shorts bekleidet in seinem Liegestuhl und döst vor sich hin. Er lässt sich durch uns nicht aus der Ruhe bringen. Zwei Kinder spielen etwas weiter entfernt mit einem Ball. Ein Mann beschäftigt sich mit seinem Schäferhund. Alle strahlen eine wunderbare Sonntagsruhe aus.

Nur zwei drei Kehren hinauf und wir sehen ein weiteres “Highlight”, einen Bergsee, der in der Sonne glitzert. Die Mittagspause war unbedingt erforderlich, die Sonne brennt gnadenlos. Je weiter wir steigen, um so schöner wird der Blick auf den im Nordwesten gelegenen Mont Bério Blanc. Noch ein kurzes Stück und die Passhöhe ist erreicht. Die Statue des Heiligen St. Bernhard begrüßt uns, die Passhöhe liegt relativ einsam. Bei weitem nicht so viel Trubel wie am großen St.Bernhard. Während wir uns oben Zeit lassen, einige Fotos zu machen, zieht etwas Bewölkung auf.

Ein paar Kilometer den Pass hinunter, sehen wir bereits die Ausschilderung zum Ort la Rosiere. Wir beratschlagen und entscheiden uns für den Tipp des holländischen Ehepaars. Der Campingplatz liegt etwas vom Ort entfernt und ca. 100 m tiefer. Er besitzt zwar kein Restaurant, Kleinigkeiten des täglichen Bedarfs lassen sich aber dennoch kaufen. Zum Abendessen schieben wir unsere Fahrräder auf dem kürzesten Nebenweg durch den Wald in den Ort hinauf.  Mehrere Skilifte sind zu sehen. Man kann sich gut vorstellen, wie viel Rummel hier im Winter herrscht.

Zwischendurch verdecken zwar einige Wolken immer wieder die Sonne, aber wir lassen es uns trotzdem nicht nehmen, als einzige Gäste draussen vor einem Restaurant Platz zu nehmen. Das Essen ist vorzüglich. Der Blick auf die andere Talseite erinnert mich an die Studienzeit. Mehrere Male sind damals Anfang der 80er Jahre Kommilitonen von mir im Winter zum Skilaufen nach Les Arc gefahren. Wir haben einen direkten Blick auf Arc 1600 und Arc 1800. Schwenkt man den Kopf etwas in Richtung Val d´Isere ist der Blick frei bis zur Staumauer des Lac du Chevril. Die Wetterlage ändert sich. Bereits nachts bemerken wir, wie es anfängt zu tröpfeln.