Die "t kleine Veer" nach Hattem 

Datum Km Σ Km Hm Σ Hm Übernachtung
01.08.2005 62 156 50 100 Camping in Zwolle

 

Es gab ihn noch, den blauen Himmel, zumindest stellenweise! Wir waren um etwa 09:30 Uhr zurück über die Wilhelminabrücke (Wilhelminabrug) auf die westliche Seite der Ijssel geradelt und anschließend auf den Ijsseldeich (Ijsseldijk) nach Norden geschwenkt. Eine wunderschöne Deichlandschaft erwartete uns dort. Einzelne Schiffe tuckerten in gemächlichem Tempo die Ijssel flussabwärts und begleiteten uns. Der Ijsseldeich war zwar für den PKW-Verkehr freigegeben, von Auto-Verkehr konnte an dem Morgen aber keine Rede sein. Wie so häufig in den Niederlanden, hatten die Straßenbaumeister einen großen Teil der Fahrbahn links und rechts mit roter Farbe markiert und als Radweg ausgewiesen.

Wunderschön ruhig war es auf der ganzen Strecke bis zur nächsten Fähranlegestelle in Höhe des Ortes Olst-Wijhe. Wir fühlten uns gut und hofften, dass das Wetter hielt. Der kleine Ort Olst-Wijhe befindet sich auf der anderen Ijsselseite und ist nur mit einer Fähre erreichbar. Olst-Wijhe ist sehr klein und besitzt im Zentrum eine schmale lange Einkaufsstraße mit dem Namen „Kornet van Limburg Stirumstraat“. An ihr befinden sich die wesentlichen kleinen Geschäfte des Ortes und ein blumengeschmücktes Kaffee. Wir fanden draußen vor dem Cafe ein gemütliches Plätzchen, genossen den Capuccino und freuten uns über die morgendlichen Sonnenstrahlen. So konnte die Wetterlage bleiben.

20 km weiter nördlich auf der östlichen Seite der Ijssel befanden wir uns bereits am südlichsten Ortsrand von Zwolle. Wir radelten aber noch nicht nach Zwolle hinein und hangelten uns westlich vom Ort auf schmalen Wegen an der Ijssel entlang. In den Ijsselauen gibt es noch einen kleinen schmalen Bootsanlegesteg der unser Interesse weckte. Von dort brachte uns eine kleine Fähre (´t kleine Veer) direkt an den Ortsrand von Hattem. Hattem besitzt einen schönen alten Stadtkern, den wir uns auf keinen Fall entgehen lassen wollten. Der Ort musste früher, als die Ijssel noch als Haupttransportweg genutzt wurde, eine große Bedeutung besessen haben.

Zurück über die Ijssel nutzten wir dieselbe kleine Fährverbindung und radelten durch den Stadtpark von Zwolle („Het Engelse Werk“) dem Ortszentrum entgegen. Der von uns als Ziel eingeplante Campingplatz befindet sich 3-4 km in nordöstlicher Richtung außerhalb des Ortes. Deshalb schauten wir uns das Ortszentrum bereits bei der Durchfahrt etwas näher an. Am Abend wollten wir nicht mehr in die Stadt radeln und auf dem Campingplatz verbleiben. Der alte Ortkern von Zwolle ist vollständig von einer Gracht umgeben. Zwolle besitzt was seine historische Entwicklung anbelangt, eine ähnliche Geschichte wie die anderen an der Ijssel liegenden Städte.

Eine lustige Geschichte gibt es über die Zwoller Bürger. Die Einwohner Zwolles werden auch Blaufinger (Blauwvingers) genannt. Im Mittelalter gab es eine starke Rivalität zwischen den Nachbarstädten Zwolle und Kampen. Man machte sich das Leben schwer: Händler aus Zwolle wurden ausgeraubt und das Vieh der Kamper Bauern gestohlen. Die Zwoller hatten einen Schimpfnamen für die Bürger aus Kampen. Er lautete Kamper Störe (Kampersteure). Diese Fischart kam damals noch in der Ijssel vor. Bis dahin gab es für die Zwoller Bürger noch keinen Schimpfnamen. Der entstand erst, als das Glockenspiel der Kirche in Kampen zerstört wurde und die Zwoller den Kamper Leuten ein Glockenspiel zum Kauf anboten. Die Kamper waren mit dem Preis einverstanden, machten aber zur Bedingung, dass sie die Art und Weise der Bezahlung selber wählen durften. So kam es, dass eines Tages ein Wagen (vierduitenstukken) mit Geldstücke sehr geringen Wertes vor die Stadtmauern Zwolles rollte. Die Zwoller Bürger bekamen beim Auszählen der vielen Münzen blaue Finger, daher wurde „Blauwvingers“ zum Schimpfnamen der Zwoller. Heute gibt es in Erinnerung daran an einem Mittwoch im Juli die Blaufingertage. Dann gibt es eine Markt und anderes Unterhaltungspramm in der Stadt.

Unseren Übernachtungsplatz hatten wir schnell gefunden. Im Ort war er gut ausgeschildert und nach der Unterquerung der Autobahn A28 war es nur noch ein kurzes Wegstück am Sportpark „De Pelikaan“ entlang bis zur „Overijsselschen Vecht“. Den Abend verbrachten wir in der Umgebung des Campingplatzes. Das Restaurant war recht hübsch anzusehen, in Erinnerung geblieben sind uns allerdings die recht hohen Preise.