Vorbemerkung

Zeitraum

 Σ Distanz

 Σ Höhenmeter

Track

 02.09.2005 - 05.09.2005

175 km

 4.000 Hm

 

Die Idee sich einmal bei einer gemeinsamen Passfahrt kennen zulernen entstand im Frühjahr 2005 während eines über mehrere Tage andauernden Meinungsaustausches im Rad-Forum (www.rad-forum.de) . Reiseradler aus verschiedenen Teilen Deutschlands und der Schweiz, die sich seit längerer Zeit aus dem Rad-Forum kannten, suchten nach einem geeigneten Termin und Ort um sich zu treffen. Schnell kam die Idee auf, einen spektakulären Pass mit schöner Streckenführung, am besten ohne Autoverkehr zu wählen. Der autofreie Samstag am Stilfser Joch (03.09.2005) wurde als ideal angesehen. Auf dem Campingplatz in Mals  wurden die entsprechenden Stellplätze reserviert, danach konnte jeder seine individuelle Anreise planen. Einige der ca. 15 Teilnehmer machten sich bereits Tage zuvor mit dem Fahrrad auf den Weg um rechtzeitig am Freitag Abend (02.09.05) auf dem Campingplatz in Mals zu erscheinen.

Ich selber konnte meinen Kollegen Robert Kluske aktivieren, der sofort begeistert zusagte an dem Treffen teilzunehmen und gemeinsam das Stilfser Joch hinaufzufahren. Für den anschließenden Sonntag hatten wir uns noch vorgenommen die Martelltalstraße mit dem Rad zu befahren.

 

km,

  

 


 

 Anreise

Datum Km Σ Km Hm Σ Hm Übernachtung
02.09.2005 0 0 0 0 Camping Mals

 

Die Anreise mit dem Auto lief bis hinter Bregenz problemlos und zügig. Danach wurde es zeitraubend, weil die Autobahn in Richtung Innsbruck / Landeck aufgrund der noch nicht geräumten Straßen gesperrt war. Gut eine Woche vor unserem Termin gab es in der Region aufgrund erheblicher Wassermassen Bergabgänge, die etliche Straßen unpassierbar machten. Wir suchten uns eine Alternativroute über die Silvretta-Hochalpenstraße, die zunächst als frei ausgeschildert war. An der Mautstadion mussten wir dann leider erfahren, dass die Straße zwar passierbar war, aber leider nur bis Galtür. Eine Weiterfahrt war damit ausgeschlossen. Glücklicherweise erhielten wir dort zumindest eine Karte mit einer Streckenführung, die es uns noch ermöglichte Abends um 19:00 Uhr nach 12 Stunden Fahrt über mehrere Pässe zuletzt über den Reschenpass Mals zu erreichen.

Die ersten Zelte der Reiseradler standen bereits auf dem Platz. Schnell wurden die ersten Kontakte geknüpft und die Uhrzeit für den Start zum Stilfser Joch am kommenden Morgen festgelegt.  Die auf dem Rasen abgestellten Bauarten der Fahrräder konnten nicht unterschiedlicher sein. Rennräder, Liegeräder, MTB´s mit Hänger, sowie als „Spitzenprodukt“ das „Klapp“-Rad (Falt-Rad) von Falk Arnhold (neue Bezeichnung = Falk-Rad). Gute 20 kg schwer, Rohloff-Nabe, stabil und für längere Reisen ausgelegt.  Der Abend endete mit lange anhaltenden Diskussionen über Fahrradtechniken sowie Berichten über Reiserouten, Pässe und Orte die von den Radlern durchfahren wurden.

 

 


 

 Autofreier Samstag am Stilfser Joch oder mit 5000 Radlern aufs Joch

Datum Km Σ Km Hm Σ Hm Übernachtung
03.09.2005 71 71 2000 2000 Camping Mals

 

Die Organisatoren des Autofreien Samstags hatten die Teilnehmer gezählt und einen Tag später auf ihrer Internetseite veröffentlich. Die spektakulären 48 Kehren wurden doch tatsächlich von 5183 Radlern bewältigt.

Als Robert und ich um 07:00 Uhr wach wurden, machten sich die ersten Forumsmitglieder bereits auf den Weg nach Prad, dem eigentlichen Startort. Wir hatten vereinbart, dass jeder seinem Rhythmus folgen sollte und dass wir uns zwischen ca. 13:00 Uhr und 14:00 Uhr oben etwas abseits von der eigentlichen Passhöhe des Stilfser Jochs am Lift treffen wollten. Die knapp 10km bis Prad wurden zügig leicht bergab befahren.  In der Ortsmitte von Prad ging es dann um kurz nach 09:00 Uhr los. Ein gigantischer nicht abreißender Strom an Radler, die alle mit ihren Rädern angekommen waren um das Stilfser Joch zu bezwingen. Fast unvorstellbar, mit was für Rädern hier teilweise gefahren wurde. Von uraltem MTB, über Cityrädern mit 5 –Gang Nabenschaltung, Rennräder für ca. 5000,- Euro bis zum Tandem. Einige machten selbst nicht davor Halt ihren Sprössling im Kinderanhänger mit hinaufzuziehen. Auch die Verpflegung unterwegs war jederzeit gesichert. Zu Beginn entwickelte sich eine gewisse Hektik, die aber relativ schnell nachließ. Jeder wollte zunächst mit den anderen Gruppen mithalten, fuhr eigentlich zu Beginn zu schnell um das Tempo dauernd halten zu können. Robert und ich fanden unseren Rhythmus und so kurbelten wir uns zügig in ungefähr 3 ½ Std. Gesamtzeit incl. Pausen die 1850 m zum Pass hinauf.

Am Hotel Franzenshöhe (2200 m) legten wir die erste größere Pause ein. Dort spielte ein Musikkapelle.  Die ersten 1500 Radler sollten dort eine Kappe des Nationalsparks Stilfser Joch erhalten. Meine Nachfrage ergab, dass bei unserer Ankunft erst 650 Kappen verteilt wurden. Wir waren also zeitlich nicht schlecht unterwegs gewesen und erhielten das „Prunkstück“. Die letzten Kehren, von Franzenshöhe aus überbrücken einen Höhenunterschied von ca. 550 m, der über seine gesamte Strecke aus bis oben eingesehen werden kann. Die Kehren besitzen eine recht spektakuläre Führung, wirken wie versetzt übereinandergestapelt, lassen sich aber bei gleichmäßiger Steigung zügig befahren. Oben auf der Passhöhe dann ein gigantisches Spektakel, kaum ein Durchkommen um am Passschild ein Foto zu machen. Überall wurden die Fotoapparate hochgehalten, um die spektakulären Kehren zu fotografieren oder sich selbst am Passschild fotografieren zu lassen. Die Sonne strahlte, wir waren zufrieden den Anstieg gemeistert zu haben und suchten uns eine ruhiges Plätzchen für den Trikotwechsel. Hinter dem Restaurant Tibet trafen wir dann die ersten Radler vom Rad-Forum wieder. Wie abgesprochen fuhren wir gemeinsam zur Seilbahnstation um ein Gruppenfoto der Rad-Forum-Mitglieder zu erstellen.

Danach radelten wir gemeinsam die 250 Höhenmeter bis zur Grenzstation hinab um die 10 m hinauf zum Umbrailpass zu fahren. Am Schlagbaum standen sehr viele Motorradfahrer, die es wohl nicht verstehen konnten, warum man sie nicht nach Bormio hinunterfahren ließ. Am Umbrailpass wurde dann schnell noch eine Foto vor dem Passchild geknipst um im Anschluss zügig über St. Maria nach Mals hinabzufahren. Den Campingplatz in Mals erreichten wir bereits um 15:30 Uhr. Es blieb also noch genügend Zeit für Gespräche zwischen den Reiseradlern. Den Abend verbrachten wir alle gemeinsam in einer nahen Pizzeria. Beim Essen wurden Adressen und Erfahrungen ausgetauscht und vor allen Dingen die Meinung vertreten, dass im kommenden Jahr ein erneutes Treffen am selben Ort oder in einer ähnlichen Umgebung stattfinden sollte.

 

 

 

 


 

 Durchs Etschtal zur Martelltalstr.

Datum Km Σ Km Hm Σ Hm Übernachtung
04.09.2005 104 175 1950 3950 Camping Mals

 

Morgens herrschte sehr schnell Aufbruchstimmung. Viele der Reiseradler hatten noch eine anspruchvolles Tagesprogramm vor sich, der eine mit dem Zug, andere wiederum noch einige Kilometer und Höhenmeter mit dem Rad. Robert und ich hatten uns ja noch den recht anspruchsvollen Anstieg über die Martelltalstraße vorgenommen. Schon beim Öffnen des Zeltes war eines klar. Das wird ein toller Tag, schönes Wetter, keine Wolke am Himmel. Was sollte noch schief gehen ?

Die Fahrt durchs Etschtal wunderschön über Nebenwege auf dem Etschtalradweg über 350 Hm hinab bis zum Abzweig auf die Martelltalstr. war ein Genuss. Immer wieder durch Obstplantagen in denen die Früchte ein praktisch einluden einmal hineinzubeißen. Die ersten Kilometer auf der Martelltalstr. sind optisch nicht sehr ansprechend, die Straßenführung schlängelt sich durch eine Talschneise, mit Ausnahme einer schönen Kapelle wenig Spektakuläres. Danach noch vor dem Zufritt-Stausee wunderschöne kleine Kehren, während die Staumauer in der Ferne bereits zu sehen war. Durch den Wald kurbelten wir uns bei 14 % -Steigung hinauf. Robert sah ich eine kurze Zeit  nicht mehr, weil er mit seinem Rennrad immer etwas schneller unterwegs war als ich mit meinem Trekkingrad. Auf der Staumauer trafen wir uns kurz danach wieder. Links von uns ein Schlund durch den das Wasser abgelassen werden kann. Am Stausee entlang schlängelte sich die Straße relativ eben weiter bis eine weitere Kehrengruppe mit ebenfalls ca 14% uns bis zum Endpunkt der Martelltalstr. führte. Hinter einem Schild auf dem der Hinweis stand, dass die eigentliche Straße hier endet, machte die Straße noch einen engen Linksknick über eine Holzbrücke. Dann war die Fahrt aufgrund eines Schlagbaumes beendet. Kurz vor der Brücke steht „Rudi´s Würstchenbude“. Schnell entschlossen bestellten wir uns eine Pommes mit Currywurst und hatten Glück. Wir waren uns einig schon lange keine so gut schmeckende Currywurst gegessen zu haben. Die dazubestellte Cola bekamen wir nicht aus einem Elektrokühlschrank sondern aus einem draußen vor der Wurstbude befindlichen Wasserbassin. Ständig lief dort naturgespeist eiskaltes Wasser hinein.

Die Abfahrt ging rasend schnell, besonders auf dem langen Stück zum Schluss ließen wir die Fahrräder einfach laufen. Auf der Rückfahrt über den Etschtalradweg hatten wir ein Schild entdeckt, auf dem das Höhenprofil der von uns befahrenen Strecke dargestellt war. Klasse gemacht. Die 350 m hinauf zurück nach Mals über knapp 30 km wurden auch noch locker absolviert. Den Campingplatz in Mals erreichten wir nach 104 km und 1950 Hm um ca. 17:30 Uhr. Den Abend verbrachten wir überwiegend mit dem Packen um tags darauf früh nach Hause starten zu können.

 

 

 


 

 Rückreise und Nachbetrachtung

Datum Km Σ Km Hm Σ Hm Übernachtung
05.09.2005 0 175 0 3950 Camping Mals

 

Die Rückreise verlief im Gegensatz zur Anreise ohne Probleme. In Pfunds einem Ort nahe Nauders noch einmal der Blick auf die durch die Wassermassen weggerissenen Häuser. Die Menschen können einem schon leid tun. Die Auswirkungen der vor ca. 3 Wochen fallenden Wassermassen waren noch überall zu sehen. Ohne große Staus erreichten wir wieder unsere Heimatorte Bochum und Dorsten.

Nachbetrachtung:
Der Gesamtzeitraum für unsere Tour war aufgrund der langen Anreise, insbesondere auf der Hinfahrt relativ knapp bemessen. Die Atmosphäre am Stilfser Joch die wir erlebten entschädigte nicht nur für alle Hindernisse der Anreise, wir kamen darüber hinaus gemeinsam zu dem Schluss im nächsten Jahr eine ähnliche Aktion zu starten. Mit über 5000 Radlern die Strecke hinaufzufahren ist schon etwas Besonderes. Reiseradler aus dem Bundesgebiet, der Schweiz und Luxemburg kennen zulernen hat die Tour zu einem einzigartigen Ereignis gemacht. Nennenswerte Problem gab es nur auf der Anreise. Robert wurde nach der Tour zu Hause sehr nachdenklich, weil er feststellen musste, dass seine Felgen im Bereich der Speichennippel Risse bekamen. Unterwegs war uns nur aufgefallen, dass da Hinterrad einen minimalen Ausschlag zeigte. Kaum zu denken, was bei einem Felgenbruch hätte geschehen können.