Ein Morgen im Sandsturm, Nachmittags Baden im Vulkan (Viti)

Datum Km Σ Km Hm Σ Hm Übernachtung
15.08.2008 22 225 400 1550 Camping Drekki

 

Bereits um 05:00 Uhr morgens war die Nacht vorbei!  Geweckt von starkem Prasseln auf die  Zeltwand nahm ich im Halbschlaf zunächst an, dass es sich um einen starken Regenschauer handelte, es regnete aber nicht.  In sehr kurzer Zeit hatte sich ein Sandsturm entwickelt, der mit bis zu 20 m/s den losen Lavastaub über den Campingplatz blies. Das Prasseln erzeugten  Bimssteinkörner, die mit voller Wucht gegen die Zeltwand schlugen. Es wurde ungemütlich im Zelt, die Luft war gefüllt mit feinstem Lavastaub und die Zeltwand drückte immer stärker gegen meinen Oberkörper. In jeder Ecke des Zeltes war der Staub bereits vorgedrungen. Ich steckte die Lenkertasche in eine Plastiktüte um die Digitalkamera zu sichern, kroch aus dem Schlafsack und verlies das Zelt. Es wurde höchste Zeit die Zelthaken mit dicken Lavabrocken zu sichern.

Auf dem Platz war es unruhig geworden. Einige Camper hatten bereits damit begonnen ihr Zelt abzubauen, andere machten es wie ich und sicherten die Zelthaken mit dicken Steinen. Eine Frau lief hinter ihrem Zelt hinterher, dass kurz nach dem sie es verlassen hatte von einem Windstoss einfach weggeblasen wurde. Sehr nachdenklich schaute ich auf mein Zelt! Abbauen oder stehen lassen war hier die Frage. Ich riskierte es und ließ es stehen. Im Schutz des Waschhauses wusch ich mir zunächst den feinen Sand aus den Augen und beobachtete die Szenerie. Vor dem Gebäude standen bereits einige Menschen, die sich vor dem Staub in Sicherheit gebracht hatten.

Genau dort lernte ich an dem ungemütlichen Morgen Hans-Dieter Klinger aus Stockheim kennen, bei dem ich mich auf diesem Wege für seine wertvollen Tipps und nette Unterhaltung bedanken möchte. Hans-Dieter war mit seinem Sohn Philip auf Wandertour und kannte die Region u. a. deshalb so gut, weil er die südlich der Askja befindliche Gaesavatnaleid sydri bereits 1981 bewandert hatte. Schöne Fotos von der damaligen und diesjährigen Tour findet man auf seiner Website www.sonator.de

Philipp lernte ich an dem Morgen erst etwas später kennen. Da saß ich mit seinem Vater bereits in einem der warmen Holzgebäude und beobachtete durch das Fensterglas den Sturm. Was uns nicht gelang, war Philipp anscheidend gelungen, ein wenig länger zu schlafen. An dem frühen Morgen waren noch weitere interessante Menschen auf den Beinen, auf die ich schon vor dem Waschgebäude aufmerksam geworden war. Der NDR (Norddeutsche Rundfunk) war mit einem Kamerateam in Ostisland unterwegs um eine Reportage vorzubereiten, die am 31.08 2008 um 18:00 Uhr im Fernsehen gesendet werde sollte.

Anmerkung: Die Sendung wurde von mir zu Hause aufgezeichnet. Zu sehen sind Hans-Dieter und ich vor dem Waschgebäude, allerdings in großer Entfernung. Wer es nicht weiß, wird uns nicht erkennen. Eine weitere Szene zeigt mein Rad am Boden liegend und den dahinter befindlichem Hänger. Mehrere Stunden verbrachten wir in netter Unterhaltung gemeinsam in der Hütte neben dem Waschgebäude. Der Platzwart hatte die neusten Wettervorhersagen vorliegen und demnach sollte der Sturm um 13:00 Uhr nachlassen. Und er hatte Recht! Auf Island gab es keine langanhaltende Wetterlage.  Es war kaum zu glauben, um die Mittagszeit blies fast kein Wind mehr.

Erst einmal musste das Zelt gereinigt werden. Ca. eine Stunde verbrachte ich damit, um mit einem leicht feuchten Tuch den feinen Staub aus dem Zelt zu wischen. Nachfolgend mal ein paar Fotos. Danach konnte ich endlich mit dem Rad zu meinem geplanten Ausflug zum Viti Krater starten. Ich verabschiedete mich herzlich von Hans-Dieter und Philipp und verließ den Campingplatz. Vom Campingplatz führt eine 8 km lange Stichstraße  zur Askja. Der Weg dorthin verläuft über den Lavastrom Vikrahraun und ist ohne Gepäck relativ gut zu befahren. 300 Höhenmeter sind bis zu einem kleinen Parkplatz zu bewältigen. Er befindet sich  auf einem Felsplateau. Für Hochlandbusse und PKW geht es ab hier nicht mehr weiter. Ich ließ mein Rad dort stehen und schloss mich einer deutschen Wanderergruppe an.

Wie man auf dem nachfolgenden Foto sehen kann, hätte ich die letzten 2 km auch noch mit dem Rad bewältigen können. Die Piste lies sich mit dem Rad durchaus befahren, ich hatte meine Entscheidung aber in Unkenntnis der Strecke bereits gefällt. Und das war gut so. Nette Unterhaltungen folgten mit den Teilnehmern der Wanderergruppe, bis wir gemeinsam vor dem Viti Krater standen und ins Staunen kamen.

Die Hölle ist mit schwefelhaltigem grüngrauem Wasser gefüllt. Wenn man möchte kann man in ihr baden. Ich hatte zwar kein Handtuch dabei, aber das war mir egal. Einige der Wanderer liefen mit mir den steilen nicht ungefährlichen Pfad hinab und stiegen ohne Badebekleidung in die Hölle. Angenehm warm war es im Wasser. Das Gefühl in einem Krater zu baden, der erst 1865 durch einen Vulkanausbruch entstanden war, hatte schon etwas Einmaliges. An den Wänden des Kraters stiegen schwefelhaltige Dämpfe auf.

Die meisten hielten sich im Wasser nicht allzu lange auf. Ich selber nahm mein Kopftuch, wischte damit die dicksten Wassertropfen vom Körper ab und stellte mich kurz in den Wind. Kein Problem trocken zu werden, der Fön blies auch hier unermüdlich. Oben am Kraterrand sammelte sich die Wanderergruppe wieder um zum Öskjuvatn zu laufen. Am Kraterrand des Öskjuvatn ist eine Pyramide aus Lavasteinen aufgeschichtet. Sie soll an zwei Deutsche erinnern. Der Geologe Walther von Knebel und der Maler Max Rudloff waren am 10.07.1907 mit einem Boot auf den Öskjuvatn hinausgefahren und nicht mehr zurückgekehrt. Das Unglück ist bis heute nicht aufgeklärt. In der Steinpyramide befindet sich eine Metallkassette mit einem Gedenkbuch, in das man sich eintragen kann. Eine halbe Stunde Fußmarsch folgte noch, dann stand ich wieder an meinem Rad. Der Rückweg zum Zeltplatz bestand ja nur aus einer Bergabfahrt. Ich lies es aber langsam gehen und fotografiert noch ein wenig.

Am Campingplatz war wieder Ruhe eingekehrt. Die meisten Gäste hatten den Platz verlassen und die Neuankömmlinge konnten es kaum glauben, dass hier vor wenigen Stunden noch ein Sturm tobte.  Ein Blick in Richtung Süden reichte aber vollkommen als Bestätigung aus. Südlich der Askja befindet sich ein ca. 20 km breites Sandurgebiet, das aus feinst gemahlener Lava besteht. Dort stiegen die Staubwolken noch hoch in den Himmel. Von den dahinter befindlichen eisbedeckten Bergen war nichts zu sehen.

An dem Abend schaute ich immer wieder nach Süden. Würde der Wind bis zum Morgen weiter nachlassen? Meine weitere Strecke führte durch das Sandurgebiet und die Bewältigung der anspruchsvollen Piste war nur bei schwachem Wind möglich.