Die Polizeistation von Vila do Conde oder der Pastor hat keine Zeit

Datum Km Σ Km Hm Σ Hm Übernachtung
23. 08.2009 57 472 300 2900 Camping

 

Wir verließen Porto in westlicher Richtung immer am Douro-Ufer entlang. An dem Morgen war die Luft zum ersten Mal dunstig und feucht, so dass unsere Brillen ständig beschlugen. Mal abgesehen von kurzen Kopfsteinpflasterpassagen  kamen wir auf den Radwegen aber gut voran.  Es war Sonntag und viele Portugiesen nutzten den Morgen, um sich sportlich zu betätigen, oder einfach nur am Douro-Ufer entlang zu schlendern.Bis zu unserem ersten Tageshighlight, dem Castelo do Queijo waren gut 8 km zu radeln.  Das Castelo diente lange Zeit zur westlichen Sicherung Portos und wurde im Jahre 1661 erbaut.

Knapp 2 km weiter nördlich überquerten wir über eine interessante Brückenkonstruktion den Porto de Leixoes. Der Hafen von Leixoes hat seinen Ursprung gegen Ende des 19. Jahrhunderts. Damals begann man wegen der häufigen Versandung des Dourohafens ein neues Hafenbecken zu bauen. In den 30er Jahren umgebaut, dauerte es lange, bis der Hafen endgültig fertiggestellt wurde, das war erst im Jahr 1985. Heute ist Leixoes der zweitgrößte Handelshafen Portugals. Nachdem man eine Landebrücke für die großen Öltanker und eine Raffinerie gebaut hatte, entstand ein ganz neuer Industriezweig. Als Fischereihafen (Sardinen) war der Hafen vorher schon weit bekannt. Danach radelten wir weiter an der Küste entlang, kamen an einem Meerwasserschwimmbecken und einem großen Leuchtturm vorbei und standen plötzlich vor der schönen kleinen Kapelle „Capela de Nossa Senhora Da Boa Nova“.

In Angeiras war die Straßenführung am Meer entlang zu Ende. Wir mussten die Küste verlassen und die Erfahrung machen, dass die Straßenverhältnisse in Nordportugal zunehmend schlechter wurden. Überwiegend auf Kopfsteinpflaster unterwegs, wurden unsere Körper kilometerlang mächtig durchgerüttelt. In der Nähe der Autobahn A28 radelten wir einfach ein kurzes Stück nach Osten, um auf die N13 zu gelangen. Wir waren das Rütteln leid, die N13 war zwar stärker befahren als die kleinen Nebenstraßen, hatte aber den Vorteil, dass wir schneller voran kamen. Die Nationalstraße war aufgrund des Verkehrsaufkommens auch nicht besonders toll.

Aus diesem Grund versuchten wir immer wieder auf asphaltierte kleinere Nebenstraßen auszuweichen, mal gelang das, mal nicht. Irgendwann standen wir dann auf der Brücke über den Rio Ave, die das Örtchen Azuarara mit der Stadt Vila Do Conde verbindet. Von der Brücke aus war hoch oben das monumentale Kloster der heiligen Klara (Convento de Santa Clara) zu sehen, ein beeindruckendes Gebäude. Heute befindet sich dort eine Schule für verhaltensgestörte Kinder, Kirche und Kreuzgang können aber noch besichtigt werden. 

In Vilo Do Conde besteht die Möglichkeit am Kai einen alten Schiffsnachbau zu besichtigen. Wir hatten das Schiff schon von der Brücke aus gesehen und radelten deshalb auch zuerst dort hin. Vor Ort waren wir dann etwas enttäuscht, der Nachbau schien uns nicht sehr realitätsnah und zu einfach im Detail. Kaum vor Ort wurden wir sogar in deutscher Sprache „angequatscht“, die Eintrittskarten gab es wohl im gegenüberliegenden Museum (Museo Da Construcao Naval).

Wir hatten von Außen schnell genug sehen und radelten deshalb weiter durch die Innenstadt um eine Möglichkeit zu finden, unseren Pilgerausweis mit einem weiteren Stempel zu schmücken. Eine Touristikinformation fanden wir nicht, in einer kleinen Nebengasse aber die Polizeistation der „Policia Seguranca Publica Do Porto, Vila Do Conde“. Ermutigt durch unsere erste Aktion bei der Polizei in Aveiro, betrat ich das Polizeigebäude, während Claudia auf die Räder aufpasste. Einer der im Büro sitzenden Polizisten sprach recht gut Englisch, fragte mich aber sogleich, ob ich in Deutschland bei der Polizei arbeiten würde. Als ich das verneinte, wurde ich „ausgequetscht wie eine Zitrone“. Das übliche Programm, wo wir herkommen, wo wir hinwollen, bei welcher Firma ich in Deutschland arbeiten würde, wenn schon nicht bei der Polizei usw. usw.! Da ich merkte, dass sie mir den Pilger abnahmen und ihren Spass hatten, erzählte ich unsere Story und freute mich, dass einer der Beamten nach einem Stempelkissen kramte. Tja, die portugiesische Polizei, dein Freund und Helfer.

Etwas nördlich der „Rua 25.de April“ befindet sich die sehr schöne Kirche „Igreja Matriz“. Die Kirche wurde im 16. Jahrhundert von Künstlern aus Biskaya erbaut und ist ein wirkliches Schmuckstück. Sie ist nicht sehr groß, sie sich einmal anzusehen, ist aber durchaus lohnenswert. Wir hatten zwar schon einen Stempel im Pilgerausweis, besaßen aber den Ehrgeiz einen weiteren in der Kirche zu erhalten. So rollten wir zur Igreja Matriz und platzten mit unseren Rädern mitten in eine Hochzeit.

Wir hielten uns eine Zeit lang etwas abseits vom eigentlichen Geschehen um die Feier nicht zu stören. Als aber die meisten Gäste zu ihrem Auto liefen, mogelte sich Claudia durch das Kirchenportal. Sie schaffte es sogar, den Pastor zu sprechen, er hatte aber leider keine Zeit. Grund war eine direkt im Anschluß stattfindende Taufe. Zwei Kilometer hinter Vila do Conde kamen wir dann in den Badeort Povoa de Varzim, den wir nicht gerade toll fanden. Unser Ziel war der Campingplatz, der sich westlich vom kleinen Ortes Estela an der Küste befindet. Bis dort hin benötigten wir für die letzten knapp 12 km noch über eine Stunde. Das Kopfsteinpflaster zwang uns mal wieder, extrem langsam zu fahren.