Aveiro und unsere Fahrt entlang der Dünen von Sao Jacinto

Datum Km Σ Km Hm Σ Hm Übernachtung
21.08.2009 44 369 100 2400 Camping

 

Unser Zug von Coimbra nach Aveiro fuhr erst kurz vor dem Mittag. Wir hatten deshalb viel Zeit, frühstückten in Ruhe und aktualisierten ein wenig unser Tagebuch.  Die Fahrräder standen bereits abfahrbereit und hochbepackt vor der Rezeption des Campingplatzes. Der Platz in Coimbra liegt auf einem kleinen Hügel, so dass wir bei noch angenehmen Temperaturen die 5 km zum Mondego hinunterrollten.

Nicht unweit der Ponte St. Clara, unterhalb der Altstadt, befindet sich das alte Bahnhofsgebäude, in dem wir an diesem Morgen bereits ein sehr nettes Erlebnis hatten. Wir standen mit unseren Rädern am Schalter und versuchten dem Bahnbediensteten unser Anliegen klar zu machen. Das bestand natürlich darin, einen Zug zu finden, mit dem wir gemeinsam mit unseren Rädern so schnell wie möglich nach Aveiro in Richtung Küste kamen. Am Schalter standen noch mehrere Kunden und trotzdem verließ er seinen Platz und bat uns ihm zu folgen. Er brachte uns mit unseren Rädern zum Zugführer, erklärte ihm unser Anliegen und zeigt uns danach auch noch den Waggon, in den wir unsere Räder schoben. Erst danach kehrte er zu seinem Schalter zurück. Ein toller Service, waren unsere Gedanken. Was die anderen am Schalter wartenden Kunden dazu zu sagen hatten, hörten wir ja nicht. Wir mußten kein Gepäck vom Fahrrad nehmen und konnten die Räder vollbepackt ohne jegliche Stufe in den Waggon schieben. 10 Minuten später fuhr der Zug in Richtung Aveiro. 

Bis Aveiro dauerte die Fahrt ungefähr eine Stunde.  Im Zug gab es noch ein nettes Gespräch mit einer Portugiesin, die unsere Räder wahrgenommen und uns deshalb angesprochen hatte.  Sie schwärmte von der Sierra Estrela per Bike und erzählte ein wenig von ihrer eigenen Tour nach Santiago.

In Aveiro angekommen, mussten wir zunächst die Gleise wechseln, um den Ausgang zu erreichen. Dank vorhandenem Aufzug, war das aber problemlos möglich, es dauert nur halt entsprechende Zeit. Vor dem modernen relativ neuen Bahnhofsgebäude entdeckten wir das alte Bahnhofsgebäude, das wohl den heutigen Ansprüchen nicht mehr genügte, aber viel schöner ist.

Aveiro war früher eine Hafenstadt mit großer wirtschaftlicher Bedeutung. Haupterwerbsquelle war im 15. und 16. Jahrhundert der reichhaltige Kabeljaufang vor Neufundland. Im Jahr 1575 verlor die Lagunenstadt durch ein Unwetter ihren Zugang zum Meer, was katastrophale Folgen hatte. Ihrer Erwerbsmöglichkeit beraubt, verfiel die Stadt und verlor immer mehr an Bedeutung. Mehrere Versuche, den Zugang wieder herzustellen,  scheiterten. Erst im Jahr 1808 schaffte man es mit Hilfe von Deichen, die aus Steinen der Stadtmauer gebaut waren, wieder eine Verbindung zum Meer herzustellen. Heute liegt Aveiro etwa 5 km vom Meer entfernt und ist durch den „Canal Das Piramides“ und dem „Ria de Aveiro“ mit dem Meer verbunden.

Viele kleine Kanäle durchziehen die Stadt. Die schlanken Moliceiros (Boote) und die Pfosten, an denen sie vertäut werden, erinnern den Besucher unweigerlich an Venedig. Die Boote sind bunt bemalt und recht hübsch anzuschauen. Als wir in Aveiro ankamen, war die Wetterlage hervorragend. Ein etwas kühlerer Wind blies vom Meer und sorgte dafür, dass die hohen Temperaturen erheblich besser zu ertragen waren. Zuerst entdeckten wir auf unserem Anfahrtsweg in Richtung Zentrum eine kleine Kirche. Unseren Pilgerstempel erhielten wir dort nicht, es war aber ganz nett einmal hineinzuschauen. Aveiro ist nicht sehr groß und dennoch hatten wir die Touristikinformation, die sich direkt am Canal Central befindet, zunächst übersehen.

Unsere nächsten Versuche einen Pilgerstempel zu erhalten, gelangen auch nicht. Wir liefen in die Igreja Da Misericordia und sprachen einen Polizisten an, der vor der Stadtverwaltung stand (Camara Municipal de Aveiro), kamen aber der Lösung unseres kleinen Problems nicht näher. Erst etwas später, wir hatten unsere Räder weiter durch den Ort geschoben, entdeckten wir das alte Gebäude der Polizeistation, dass sich direkt gegenüber der Igreja Das Carmelitas befindet. Vor dem Gebäude stand ein Polizist in Uniform, dessen Aufgabe es wohl war, den Zugang zu bewachen.

Den Pilgerausweis in unseren Händen sprachen wir ihn einfach an. Ohne auch nur ein Wort zu verstehen, war unser Anliegen wohl zu eindeutig. Er drehte sich um und lief in dem alten Gebäude im Eiltempo eine geschwungene Treppe hinauf. 3 Minuten später stand er wieder strahlend vor uns und unsere Pilgerausweise enthielten einen neuen runden Stempelabdruck der „Policia Seguranca Publica de Aveiro“. Wir hatten alle unseren Spass dabei, verabschiedeten uns mit einem netten „Obrigado“ und rollten wieder zum Canal Central. Dort sahen wir dann die auf dem Hinweg übersehene Touristikinformation.

In der Touristikinformation deckten wir uns mit einer Karte der Umgebung, dem Fahrplan der Fähre und einer skizierten Wegbeschreibung ein. Der Hintergrund war, das wir mit der Fähre nach Sao Jacinto fahren wollten, zunächst aber dorthin einen Weg über den Rio Baco finden mussten. Auf der Papierkarte sah das so aus, wie wenn nur die Autobahn über den Rio Baco verlaufen würde. Laut der netten Dame in der Information gab es einen Weg parallel zur Autobahn, der auch mit dem Rad befahren werden konnte. Und diesen hatte sie in der Karte bis zum Ortsausgang andeutungsweise skizziert.

Fast wären wir trotz Hilfsskizze noch auf die Autobahn eingebogen. Erst im letzten Augenblick sahen wir die parallel verlaufende Straße und korrigierten unseren Weg. Danach radelten wir an der Autobahn lang, überquerten den Rio Baco und fuhren mitten durch den Ort Gafanha Da Nazare. Wirklich schön war der nicht gerade, deshalb hielten wir auch nicht an und kurbelten unsere Räder gegen den Wind zum Fähranleger Forte de Barra.  Eine knappe Stunde mussten wir dort auf die Ankunft der Fähre warten, dann sahen wir sie einlaufen.

Sao Jacinto ist ein kleiner Ort, der direkt am südlichen Rand des Naturschutzgebietes „Reserva de Natural das Dunas de Sao Jacinto“ liegt. Mit einer Fläche von 666 Hektar gilt dieses Naturschutzgebiet als eine der besterhaltenen Dünenlandschaften Europas. Auf der dem Meer abgewandten Seite radelten wir 28 km nach Norden. Wir hatten einen Campingplatz in Furadouro ausgewählt, der ziemlich nah am Wasser liegen musste. Das radeln in Richtung Norden machte auf der glatten ebenen Fahrbahn richtig Spaß. Wir hatten zwar etwas Gegenwind, das störte aber nicht sehr, weil wir zeitlich hochgerechnet hatten, dass wir den Campingplatz um ca. 18:30 Uhr erreichen würden.

Bei der Ankunft zeigte sich der Campingplatz als „absolute Niete“! Ein genaueres Studium unserer Unterlagen hätte uns vorher stutzig machen sollen, der Platz hatte 4000 Stellplätze. Schon auf dem Anfahrtsweg waren wir hellhörig geworden. Da überholte uns ein Lautsprecherwagen aus dem Werbung für einen Cirkus namens „Victor Hugo“ schallte. Ein Blick in Richtung Strand zeigte ebenfalls nichts Gutes, Rummel pur! Kurz vor dem Campingplatz radelten wir dann auch noch am Cirkuszelt vorbei und dachten, nichts wie weg hier. Weiter radeln wollten wir aber auch nicht mehr, dafür war es zu spät. Wir quartierten uns also notgedrungen dort ein, aßen um 09:00 Uhr im Campingplatzrestaurant (auch nicht zu empfehlen) und verschwanden nach dem Essen mit einer Flasche Wein zu unserem Zelt. Dort hatten wir unsere Ruhe.