Fast nur deutsche Pilger in La Isla

Datum Km Σ Km Hm Σ Hm Übernachtung
01. 09.2009 52 883 700 8100 Pilgerherberge in La Isla

 

Gijón verließen wir über ruhige kleine Straßen, die immer mal wieder durch Wohngebiete führten. Die weitere Fahrt auf der As-332 brachte uns dann auf die N-632. Die alte Nationalstraße muß früher sehr stark befahren gewesen sein, aufgrund der heute vorhandenen Autobahn wurde die Straße aber kaum noch genutzt. Auf der Strecke bis Villaviciosa waren zwei Anstiege zu erklimmen (von 0 m auf 160 m und von 50 m auf 245 m), die aber aufgrund mäßiger Steigungsprozente gut zu schaffen waren. Unterwegs genossen wir die Ruhe. Hin und wieder wurden wir mal von ein paar Rennradfahrern überholt, mit denen wir uns austauschten, ansonsten passierte wenig.

Auf der langen Abfahrt über 240 Höhenmeter nach Villaviciosa trafen wir zwei dänische Radler, die auf dem Weg nach Santiago waren. Wir unterhielten uns eine Zeitlang mit ihnen über die bereits zurückgelegten Tagesetappen, ein wenig auch über ältere Touren, danach sausten wir weiter ins Tal. Villaviciosa ist keine große Stadt. Mit knapp 15.000 Einwohnern ist die Einwohnerzahl in den letzten Jahren eher geschrumpft. Haupterwerbszweig ist, wie schon vor hunderten von Jahren, die Viehwirtschaft. Speziell die Milchproduktion und -verarbeitung hat in der heutigen Zeit einen großen marktwirtschaftlichen Anteil. Darüber hinaus ist die Gemeinde auch für ihren Sidra (Apfelwein) bekannt, der noch in vielen kleinen industriellen Betrieben hergestellt wird.

Im Ortszentrum legten wir unsere Mittagspause ein. Von den geplanten 51 Tageskilometern waren bereits 28 km geradelt, daher blieb genügend Zeit, um ein wenig durch den Ort zu bummeln. Auf der Weiterfahrt kamen wir an einer der oben erwähnten Sidra-Fabriken und einem alten verlassenen Gebäude vorbei. Das verfallene Gebäude hatte wohl auch schon bessere Zeiten „erlebt“. 180 Höhenmeter mussten wir noch einmal hinauf. Die Straße schlängelte sich immer mal wieder nah an der Autobahn entlang, danach ging es bergab bis nach Colunga. Von Colunga bis nach La Isla waren es nur noch 3-4 km. Den Straßenabzweig zu dem kleinen Dörfchen konnten wir nicht verfehlen, weil die Herberge bereits groß ausgeschildert war.

Die „Albergue de peregrinos La Isla“ liegt keine 100 m vom Meer entfernt. Bevor wir dort ankamen, mussten wir zunächst das Haus von Angelia Garcia Nosti finden. Die Hospitalera sollte irgendwo im Ortskern wohnen und Verwalterin des Schlüssels der Herberge sein. Das war einfacher als wir zunächst dachten. Wir mussten nur der Einbahnstraße folgen und unsere Augen aufmachen. Angelia saß auf ihrer Terasse und winkte uns zu, anscheinend schien sie jeden Tag auf die ankommenden Pilger zu warten. Die wichtige Zeremonie des Eintrags im Pilgerbuch mussten wir selber vornehmen, erst danach erhielten wir von Angelia den schönen Stempel der Herberge von La Isla in unserem Pilgerbuch. Damit wir die Herberge auch erkennen,  zeigte sie uns noch ein Foto von der Frontansicht, erst danach durften wir weiter radeln. Angelia hatte alles im Griff.

Obwohl wir das Foto gesehen hatten, radelten wir noch kurz 100 m an der Herberge vorbei. Angelia wusste wohl, warum sie jedem das Foto zeigte. Wir bemerkten den Irrtum aber schnell. Es gab nur ein kleines Gartentor, dass Schild der Herberge war am zurückstehenden Haus angebracht und von der Straße nicht direkt erkennbar.

Die Herberge besteht aus einem großen Schlafsaal mit 23 Betten, einem Vorraum mit einfacher Kochgelegenheit und einer überdachten Terrasse, auf der wir den Abend verbrachten. Zuvor waren wir in den Ort zu einem kleinen Supermarkt gelaufen und hatte uns für den Abend mit Lebensmitteln eingedeckt. Bei der Ankunft fiel uns eine Besonderheit sofort auf, die Herberge war zu 80 % mit deutschen Pilgern belegt. Klar, dass sich da einige nette Gespräche ergaben. Mir persönlich war es etwas zu unruhig, ich fand kaum Zeit, in meinem Tagebuch die Erlebnisse des Tages festzuhalten.

Auffallend war weiterhin, dass sich viele der wandernden Pilger (wir waren mit den Rädern ja Exoten) bereits kannten. Das wunderte uns nicht, zumal die Länge der Tagesetappen quasi durch die Abstände zwischen den Herbergen vorgegeben war. Da musste man sich ja ständig treffen.