Ein Kampf gegen den Wind in der Tröllatunguheidi

Datum Km Σ Km Hm Σ Hm Übernachtung
06.07.2010 80 450 1080 4240 Camping

 

Zwei Pässe standen an dem Tag auf dem Programm. Der erste ca. 240 m hoch, brachte uns durch das Svinadalur, der zweite mit einer Spitzenhöhe von 390 m über die Tröllartunguheidi. Um unseren Zielort Holmavik zu erreichen, wurden wir den ganzen Tag über mächtig gefordert. Der Grund lag im ständig mit einer geschätzten Windgeschwindigkeit zwischen 40 und 50 km/h blasenden Gegenwind. Selbst auf den Abfahrten war es teilweise erforderlich mitzutreten. Dabei hatten wir sogar noch Glück. Neben der ursprünglichen alten schlechteren Straßenführung über die Tröllartunguheidi (Str. 605) hatte man inzwischen die Str. 61 gebaut. Sie war etwas grob asphaltiert, aber auf jeden Fall leichter zu befahren als die alte Piste.

Etwa 2,5 km vor dem Damm über den Gilsfjoerdur befindet sich auf der rechten Seite eine Tankstelle, die gleichzeitig auch die Möglichkeit bietet, eine Kleinigkeit zu essen oder nur einen Cafe zu trinken. Vor dem Restaurant standen schon drei mit Gepäck beladene Fahrräder, die einer kanadischen Radlergruppe gehörten. Die zwei Frauen und ein Mann saßen im Restaurant und begrüßten uns herzlich. Während unseres Aufenthalts tauschten wir Informationen über die noch vor uns liegenden Strecken aus. Von ihnen erhielten wir auch den Hinweis, dass man über die neue Str. 61 bereits radeln konnte. Ohne die Erkenntnis wären wir vorher schon auf die alte Straßenführung eingebogen.

Nach der Stärkung trafen wir draußen noch einen Niederländer, der mit dem Rad bereits 4 Wochen auf Island unterwegs war, danach machten wir uns auf den weiteren Weg. Die Steigung über die Tröllartungurheidi war eher moderat. Sie schwankte meist so zwischen 7 und 9 % und stellte eigentlich kein Problem dar.  Verbunden mit dem starken Gegenwind sah die Situation aber schon ganz anders aus. Kräftezehrend kurbelten wir uns mit 6-7 km/h den Pass hinauf, hielten aber immer mal wieder an, um etwas zu trinken oder nur zu verschnaufen. Bis zur Passhöhe waren ziemlich genau 10 km zu radeln, für die wir alleine, Pausen eingerechnet, knapp 2 Std. benötigten. Dann war es aber geschafft! Die 21 Abfahrtskilometer würden ja wohl das geringste Problem darstellen.

Holmavik konnten wir schon frühzeitig am Steingrimmsfjoerdur liegen sehen. Ein kleiner Ort mit knapp 400 Einwohnern, deren Bewohner von der Schafzucht und von der Fischereiindustrie leben. Holmavik ist nicht so alt, wie teilweise andere isländische Städte, besitzt aber durch seinen Hafen und den vielen älteren Gebäuden seinen besonderen Reiz. Das älteste Gebäude der Stadt, heute Cafe Riis, wurde 1897 gebaut als der Händler Richard P. Riis dort einen Handelsposten errichtete.

Den Campingplatz, der direkt an der Zufahrtstraße liegt, konnten wir nicht übersehen. Direkt dahinter befindet sich das Schwimmbad des Ortes, das wir nach dem Zeltaufbau natürlich aufsuchten. Es besitzt eine großes beheiztes Außenbecken und kleinere Becken, die unterschiedlich beheizt waren. Die Krönung gegen Ende unseres Besuches war dann noch dern Gang in ein Dampfbad.  

Am späten Nachmittag liefen wir in den Ort und staunten darüber, dass viele Häuser orangefarben geschmückt waren. Dass der Ort fest in niederländischer Hand (WM 2010) war, konnten wir nicht so recht glauben. Klarheit brachte ein Passant, den wir einfach danach fragten. Er sprach von einem Dorffest das mehrere Tage dauerte, jetzt aber beendet sei.

Den Abend verbrachten wir im Cafe Riis. Im Nebenraum lief auf einem riesigen Flachbildschirm das Weltmeisterschaftspiel zwischen der Niederlande und Uruguay, das die Niederlande 3:1 gewann. Hatten die Bewohner Holmaviks mit ihrem orangen Schmuckwerk vielleicht doch Unterstützung geleistet?