Isländische Wetterkapriolen vor Akranes

Datum Km Σ Km Hm Σ Hm Übernachtung
13.07.2010 104 1040 450 9230 Camping

 

Von den ersten 50 km bis Borganes gibt es relativ wenig zu berichten. Es handelte sich um eine sehr flache  Etappe, die aufgrund des Rückenwindes gut zu fahren war. Der rote Vulkankrater Raudhals  lag etwas zu weit von der Str. 54 entfernt, deshalb entschlossen wir uns,  diesen Stichweg nicht noch zusätzlich zu fahren. Bis Akranes unserem heutigen Zielort kamen ohnehin schon 97 km zusammen.

Den ca. 100 Meter hohen Vulkankrater soll man über das rote Lava-Geröll bewandern können, teilweise durch dickes Moss, das dicht mir schwarzen Krähenbeeren bedeckt ist. Aber den Zwischenstopp hatten wir ja gestrichen. An der Einmündung der von Norden einmündenden Str. 539 hielten wir einmal kurz an, danach radelten wir ohne Pause bis nach Borganes.

Der Name der Stadt Borganes bedeutet auf Deutsch übersetzt so viel wie „Felsenhalbinsel“. Die Stadt liegt auf einer länglichen Felsnase, die bis mitten in den Borgarfjoerdur reicht, insofern kann der Name nicht zutreffender sein. Die Gegend um Borganes ist bereits seit der Landnahmezeit besiedelt. Zu dieser Zeit wurde die Halbinsel auf der das Städtchen steht Digranes genannt. Die ersten Häuser der heutigen Zeit wurden von einem Schotten mit dem Namen James Richie 1857 errichtet, um dort Lachs zu verarbeiten. Ab 1929 baute man in Borganes einen Hafen, der heute ein wichtiger Umschlagplatz Islands ist. Die Kirche im Ort ist noch nicht alt und stammt aus dem Jahr 1959.

Wir radelten an einem großen Supermarkt und der Busstation vorbei hinein in den Ort und schauten uns die Kirche an. Am Museum „Landnahmezentrum“ fanden wir ein Restaurant in dem wir vorzüglich speisten. Die Stadt wird aus Richtung Reykjavik über eine 520 m lange Brücke erreicht, die über den Borgarfjoedur führt. Wir nutzten die Brücke in umgekehrter Richtung und wurden sofort mit dem stark ansteigenden PKW und LKW-Verkehr konfrontiert. Teilweise war es schon etwas nervig auf der Str. Nr.1 zu radeln., eine andere Alternative gab es leider nicht.

10 Kilometer weiter staunten wir nicht schlecht, wie rasend schnell sich die Wetterlage auf Island änderte. Auf den ersten Kilometern hinter Borganes waren wir noch im Sonnenschein geradelt und nun standen wir im Regen. Der Regen war mir egal, das aufziehende Gewitter mit kurzen Abständen zwischen Blitz und Donner besaß aber ein Gefahrenpotential, das nicht zu unterschätzen war. Wir standen auf einem Hügel, quasi am höchsten Punkt in der näheren Umgebung. Wir sausten in Regenkleidung ins Tal und schwenkten auf einen Bauernhof. Dort fanden wir einen Unterschlupf.

Wir hatten uns noch keine 10 Minuten untergestellt, als der Bauer mit seinem Traktor vom Feld kam. Er war wohl auch ein wenig überrascht, dass es ein Gewitter auf Island gab. Seinen Ausführungen konnte man entnehmen, dass das sehr selten war. Nach einer knappen Stunde war der Spuk vorbei. Am Ende des Leiravogur verließen wir die stark befahrene Str. 1 und radelten auf der Str. 51 zügig bis nach Akranes. In Akranes angekommen besserte sich die Wetterlage zunehmend, so dass wir die Hotelsuche nach kurzer Zeit abbrachen und zum Campingplatz fuhren. Der Campingplatz befindet sich am nordöstlichen Rand des Ortes. Er ist relativ klein, besitzt aber ein Toilettengebäude mit Duschen.

Im Ort hatten wir am Abend noch ein Erlebnis der besonderen Art. Wir saßen im Restaurant und aßen gerade unsere Pizza, als mir die Idee kam,die Hilfe der Kellnerin in Anspruch zu nehmen. Wir benötigten für den darauffolgenden Tag noch ein Taxi mit Hänger um den Tunnel unter dem Hvalfjoerdur zu passieren. Im Tunnel gab es keinen Randstreifen und für Fahrradfahrer war die 7km lange Durchfahrt verboten. Ich hatte mein Anliegen kaum vorgetragen, da fing die junge Kellnerin an zu telefonieren, um unser Problem zu lösen. Beim dritten Taxiunternehmen war die Lösung leider immer noch nicht da, die Taxiunternehmen hatten keinen Hänger. Mit traurigem Gesicht erzählte sie uns davon und ging anschließend wieder ihrer Arbeit nach. Als ich ihr später 1000 ISK für ihr Mühen bot, war es ihr sichtlich peinlich. Nur auf Drängen meinerseits nahm sie das Geld schließlich an, fing aber wieder an zu telefonieren. 10 Minuten später stand ein älterer Herr in der Tür, wohl ein Freund ihres Vaters und bat uns mitzukommen. Es folgte eine Stadtrundfahrt, die an einer Bushaltestelle endete. Genau von dort fuhr der Bus durch den Tunnel. Wir waren begeistert, was für eine Hilfsbereitschaft! Die Tour war dann aber noch nicht beendet. Er fuhr mit dem Wagen dann zu einer anderen Bushaltestelle und erklärte uns, dass der Bus dort starten würde und das der letzte durch den Tunnel heute um 21:41 Uhr fuhr. Wir könnten den Busfahrer doch schon mal fragen, ob er am nächsten Morgen auch die Fahrräder mitnimmt. Das machten wir dann auch und freuten uns über die Zusage. Unser Problem war mit netter Unterstützung gelöst.

Den späten Abend verbrachten wir noch am Campingplatz. Die Lichtverhältnisse waren zu später Stunde wieder von besonderer Art.