Unsere Fahrt um den Snaefellsjökull

Datum Km Σ Km Hm Σ Hm Übernachtung
12.07.2010 115 936 700 8780 Hotel Eldborg

 

Als wir Hellissandur am Morgen verließen, konnten wir den Sendemast Gufuskalar bereits rechts von uns liegen sehen. Mit 412 Metern Höhe ist er das höchste Bauwerk Westeuropas. Er wurde 1963 für den Betrieb des Funknavigationssystems Loran-C errichtet, das aus einer ganzen Kette nordatlantischen Sender bestand. Das Loran-C System wurde 1994 abgeschaltet. Der Sendemast wurde daraufhin vom isländischen Rundfunk übernommen und dient seitdem zur Verbreitung eines Radioprogramms auf der Frequenz 189 kHz. Bei einer Sendeleistung von 300 Kilowatt können die Sendungen, optimale Ausbreitungsbedingungen vorausgesetzt, sogar in Teilen Deutschlands empfangen werden.

Im Bogen um den Snaefellnessjökull herum verläuft die Straße zunächst in südwestlicher Richtung. Aus dem Grund hatten wir zu Beginn noch reichlich Gegenwind. Erst auf der Südseite des Gletschers wurde es anders, so dass wir ab dort vom Wind geschoben wurden. Nach  11 Tageskilometern erreichten wir den Saxhollkrater. Es handelt sich um einen kleineren Krater eines Vulkans, dessen letzter Ausbruch auf einen Zeitraum zwischen 3000 und 5000 Jahren datiert wird.

Der Snaefellsjökull Nationalpark, durch den wir an dem Tag radelten, wurde am 28. Juni 2001 eingeweiht. Er soll die einzigartige Landschaft, die einheimische Pflanzen- und Tierwelt und die bedeutenden historischen Überreste schützen. Aus diesem Grund ist in diesem Bereich nicht erlaubt zu campen. Der Snaefellsjökull liegt 1446 m über dem Meeresspiegel und wurde erstmals im Jahr 1754 bestiegen. Der unter dem Gletscher liegende Vulkan entstand durch zahlreiche Eruptionen während der letzten 800.000 Jahre. Der Gipfelkrater ist 200 m tief und mit Eis gefüllt. Die letzte Eruption fand vor etwa 1800 Jahren statt. Die Lava floss damals die Südhänge hinab und bildete das Lavafeld von Drangahraun. Die Lava ist von einer dicken Moosschicht bedeckt und in den geschützten Senken wachsen viele Blütenpflanzen. Heidekraut ist weit verbreitet und im Spätsommer lassen sich Heidelbeeren und Blaubeeren ernten.

Kilometer um Kilometer kurbelten wir mit unseren Rädern so dahin, bis wir rechts von uns den Leuchtturm von Malarrif und vor uns die 60 und 75 m hohen Felszinnen von Londrangar sahen. Die Felszinnen sind die Überreste eines Vulkanschlotes. Die höhere der Säulen wird wohl die „christliche Säule“, die kleinere die „heidnische Säule“ genannt. Warum das so ist, konnten wir leider nicht klären. Etwa 4 km vor dem Ort Anarstapi befinden sich auf der rechten Seite die Überreste des Hofes Laugarbrekka und ein Denkmal für  Gudridur Porbjanardottir. Sie soll die erste europäische Frau gewesen sein, die in Amerika ein Kind zur Welt brachte.

Vor Arnarstapi führt die Straße noch an einem kleinen See vorbei. Danach muss man einige Male kräftig in die Pedale treten, um vor dem Felsen Stapafell einen Hügel zu überwinden, danach geht es aber nur noch bergab bis nach Arnarstapi. In Arnarstapi fanden wir direkt am Campingplatz ein sehr schönes Restaurant. Für uns ideal, um draußen vor dem Restaurant in der Sonne sitzend eine Mittagspause einzulegen.

Danach zog sich die Strecke ziemlich lang hin. Wir hatten bereits 60 km in den Beinen, als ich merkte, dass mein Fahrrad „schwamm“. Wir radelten gerade auf einer Gefällstrecke und Thomas befand sich ca. 200 m vor mir. Der Versuch ihm hinterherzurufen und zu stoppen misslang. Es war einfach zu windig, um mich noch zu hören und so musste ich zusehen, wie er sich immer mehr entfernte. Ich lud erst einmal meine Taschen ab, das Hinterrad hatte einen Plattfuß, der beseitigt werden musste. Eine nähere Inspektion ergab, dass der Mantel an der Seite einen ca. 1,5 cm langen Riss besaß. Tja und den Ersatzmantel und das Werkzeug hatte Thomas. Bei der hervorragenden Fernsicht nahm ich war, dass der immer kleiner werdende Punkt sich nach wie vor weiter entfernte. Er hatte mein Fehlen noch nicht bemerkt. Die Lösung brachte eine Frau, die sich mir mit dem Pkw vorsichtig näherte. Ich hielt den Wagen an und bat sie, Thomas zu stoppen und über den Radschaden zu informieren. Nach geraumer Zeit bemerkte ich, dass Thomas auf dem Rückweg war. Der Schaden war dann  schnell behoben. Den alten Mantel nahmen wir vorsorglich mit, einen weiteren hatten wir ja nicht mehr.  

Am Bjarnarfoss trafen wir auf die Einmündung der Str. 54, die eine schnelle Verbindung zwischen dem Norden und Süden der Halbinsel Snaefellsnes ermöglicht. In Langaholt hatten wir bereits 69 der 114 km langen Tagesetappe geschafft. Ursprünglich war Langaholt zunächst unser Tagesziel. Bei unserer Ankunft war es aber erst 14:40 Uhr, wir hatten also noch reichlich  Zeit, um noch bis Eldborg zu gelangen. In Langaholt gab es aber erst einmal eine leckere Suppe.

Die Pension Langaholt gibt es wohl schon seit dem Jahr 1978. Damals gab es dort nur ein Doppelzimmer zur Vermietung, was aufgrund der geringen Gästezahl lange reichte. 1985 wurde ein neues Haus eröffnet, dass bereits einen Aufenthaltsraum, drei große Familienzimmer und ein Doppelzimmer besaß. 1994 kam der Zeltplatz hinzu. Weitere bauliche Erweiterungen folgten, so dass heute 21 Zimmer zur Verfügung stehen, darüber hinaus eine Schlafsackunterkunft. Als Ergänzung zum bisherigen Freizeitangebot Angeln und Wandern wurde 1997 dann noch ein 9-Loch Golfplatz gebaut, der sich wohl zunehmender Beliebtheit erfreut.

Wir wollten dort nicht übernachten und kurbelten weitere in Richtung  Eldborg, unserem neuen Tagesziel. An der Einmündung der von Norden kommenden Str. 56 gibt es eine Tankstelle, an der wir unsere letzte Pause einlegten. Danach waren es noch 23 km, die auf den letzten 4 km schwer fielen. Bedingt durch den Fahrtrichtungswechsel kam der Wind nun stark von vorn. Um 17:30 Uhr hatten wir aber auch das geschafft. Nach deutschen Kategorien würde man das Hotel Eldborg eher als Internat mit gehobener Küche bezeichnen. Die Duschen befanden sich auf dem Flur, wir waren aber insgesamt zufrieden, zumal das Gebäude recht interessant Dinge beherbergte, deren Fotos ich nachfolgend noch zeige. Unsere Fahrräder hatten wir gesichert in einem Klassenraum deponiert. Am Abend gab es noch ein leckeres Essen, die Küche konnte durchaus mit einem guten Restaurant mithalten.